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Die Welt · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Article
Die Wiener Toynbee-Halle im dritten Jahre
Date
1903-02-20
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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m 6 ,Dte s*g Weit66 Seite 5 wachte und auch die Leitung mit wohltuender Strange durchführte. Eine Folge dieser Säuberung ist es, da.ss wir wieder jene hochanständigen Männer und Frauen sehen, denen die Toynbee-Halle nicht eine flüchtige Unterhaltung, sondern, wie sie sagen und wie man aus der Regelmässigkeit ihrer Besuche sieht, ein tiefes Bedürfnis, ein Stück Leben bedeutet. Die gute Art 4es diesjährigen Publikums kam nicht nur bei den häufigen Ueberfüllungnn und Abweisungen, sonckrn namentlich in den Diskussionen der Dienstag-Abende zum Vorschein. Ich habe nie früher so frachtbare und so einsichtige Diskussionen in der Toynbee-Halle gehört wie diesen Winter. Die Darbietungen in der Toynbee-Halle zeichnen sich durch ein zweifelhaftes Merkmal aus; ihre "Ungleichheit ist vielleicht einzig in der Geschichte aller verwandten Anstalten. Es kam vor, dass der Vortrag des einen Abends die Zuhörer zu jubelndem Entzüclen entflammte (so zum Beispiel die Abende des Rektor Schwarz, Adolf Gelber, Professor Jerusalem), während gleich am Abend darauf der Redner es der guten Ueberlieferung der Toynbee-Halle zu verdanlen hatte, dass er nicht ausgezischt und zum Abbrechen seiner Marterleistung gezwungen wurde. Die Vorträge der Toynbee-Halle haben, was ihre Erfolge betrifft, den fatalen Beigeschmack einer Lotterie; es gab Haupttreffer, aber auch Nieten und die Nieten waren leider in der Majorität. Nur zwei Abende in der Woche waren immer, ganz ausnahmslos voll Anregung und Genuss. Die Bibelvorträge am Freitag, die von einem Schüler der jüdisch-theologischen Anstalt in Wien abgehalten wurden, und die Samstag-Konzerte waren immer Treffer. Man kann ruhig sagen, dass die musikalischen Darbietungen in der Toynbee-Halle das Durchschnittsniass dessen, was man in volkstümlichen Konzerten hört, weit überschreiten. Wie aber soll man der Ungleichheit der Vortr ige vorbeugen, wenn überhaupt bei einer solchen Fülle von Vorträgen, wie sie die Toynbee-Halle braucht, vorgebeugt werden kann? Es wurde die Forderung ausgesprochen, nur bewährte Kräfte einzuladen. Als ob das nur so ginge! Und wenn wir selbst unseren Bedarf auf diese Weise decken könnten, wäre es geraten, sich immer nur auf die Alten zu beschränken und schliesslich jeden Nachwuchs auszuschliessen? Ich weiss nur ein Mittel, um Unbrauchbares tou der Toynbee-Halie fernzuhalten und doch auch den Anfängern Raum für ihre Betätigung zu geben. Jeder Vortrag eines Neulings muss früher geprüft werden und der Neuling selbst muss es sich gefallen lassen, dass man von ihm eine kurze Probe seiner Redekunst verlangt Freilich kann man eine so zeitraubende Tätigkeit nicht von einem einzigen V7orstandsmitgliede verlangen. Dazu bedarf die Toynbee- Halle eines Beamten, wie ihn jedes Settlement iat, eines regelrechten Sekretärs. Das ist eines der Desiderata für die Toynbee-Halle, die einen besonderen Arlikel für sich verlangen. Es ist noch nicht an der Zeit, die im laufenden Winter gehaltenen Vorträge kritisch zu beleuchten; -das werden wir am Schlüsse der Saison tun müssen. Iber eine trockene, keineswegs vollständige Liste soll jeden Unbefangenen überzeugen, dass der Geist der Toynbee- Halle der alte ist und dass die Teilnahme der Reiclien im Geiste für die schöne Sache in stetem Wachsen begriffen ist. Juden und Judentum: Geschichte der Juden im Altertum (Dl. Sicher). Ein königliches Fest in Israel (Albachany}. Die Juden in ßabylonien im 3. Jahrhundert v. Chr. Die jüdischen Frauen in Kunst und Literatur (Hopmayer.) Ueber modernes Judentum (H. Aschkenasy). Der Friedensgedanke in jüdischer Beleuchtung (J. Meiseis). Die Frauen in der Bibel (Piektor Schwarz). Moderne jüdische Dichtung (M. Buber). Aus vergangenen Tagen (H. Waschitz), Koheleth (H. York-Steiner.) Weltliche Poesie der Juden im Mittelalter (H. Berliner). Dichterabende: Charles Dickens (Dr. Arthur Horowilz). Mosenthal (Adolf Steinschneider). Israel Zangwill (L. Kellner)» Juda Halevy (Dr. Egon Zweig). Leopold Kompert (Frl. Friedmann). Achad-Haam (Dr. Leopold Kahn). Heinrich Heine (Dr. Isidor Sadger). Theodor Herzl (Sil Vara). Berthold Auerbach (Frau Dr. Kahn). Literatur und Kunst: Shakespeares „Julius Cäsar" (L. Kellner]. Emil Zola (Adolf Gelber). Henrik Ibsen (Dr. Sadger). Alt-Wiener Theater (S. Wertheimer). Shakespeares „Hamlet" (L. Kellner). Shakespeares Königsdramen (L. Kellner), Charakter Goethes (Dr. L. Mandl). Rechtswissenschaft, Ethik, Philosophie: Ueber die Fortschritte des modernen Volk e-rrechtes (Dr. Heinz Kohn). Ueber Gerechtigkeit (Prof. Wilhelm Jerusalem). Kultur und Sittlichkeit (Dr. Isidor Lederner). Oesterreichisches Staatsrecht (Dr. Josef Jerusalem). Soziale Strömungen in neuester Zeit (Dr. Kadisch). Ueber den Zweikampf (Dr. H. Kohn). Henri Dunant, ein Wohltäter der Menschheit (Dr. S. Werner). Naturwissenschaften und Medizin: Ueber den Schlaf (H. Simonowitseh). Prophylaxe der Infektionskrankheiten (Dr. Frieser). Tatsachen aus dem Gebiete der neueren Elektrizität (Ernst Müller). Ueber Darwinismus (Dr. Sadger). Grundzüge der Hautpflege (Professor Elirmann). Chemie der Nahrungs- und Geimssmittel (Leopold Seelenfried). Hygiene des Ohres (Dozent Dr. Pollak). Hygiene der Mundhöhle und ihrer Gebilde. (Dr. S. Werner). König Carol Uber die rumänischen Juden. Die neueste Nummer des „Roumanian Bulletin* veröffentlicht einen Brief des Königs (damals noch Fürsten) Carol, den dieser am 18./3& August 1867 an Sir Moses Montefiore geschrieben hat. Dieser Brief lautet in der Uebersetzung folgendermassen. „Herr Baron! Ich empfange Ihren Brief vom 27. August, von dem ich mit lebhaftem Interesse; Kenntnis genommen habe. Wie ich Ihnen bereits persönlich

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