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Die Welt · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Article
Ein russischer Theologe über den Zionismus
Date
1903-02-20
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die £ Welt" sitzen. Dieses Territorium kann nur Palästina sein, mit dem die Juden geschichtlich unzertrennlich verbunden sind. Die Audienz, welche Dr. Herz 1 1901 beim Sultan hatte, durfte der Regelung dieser Frage den Weg geebnet haben. Und um die Einheit der Juden zu bewerkstelligen und deren nationales Selbstbewusstsein zu heben, haben die Kongresse und die Konferenzen der Zionisten bereits Staunenswertes vollbracht. Dank ihnen trat zwischen den Juden aller Länder eine Einigung ein, die Wiedergeburt der alten hebräischen Sqrache begann sich zu vollziehen, das pädagogische Material verbesserte sich merklich, national-jüdische Bibliotheken und Museen begannen die ganze Welt zu bedecken. Auch die nationalen Mittel des Zionismus erfahren von Jahr zu Jahr eine bedeutende Vermehrung. Und indem der Zionismus das nationale Selbstbewusstsein des jüdischen Volkes mächtig erweckt hat, hat er die Juden fähig gemacht, für ihre Zukunft ernstliche Sorge tragen zu können. Um die vom Zionismus entrollte Fahne können sich alle Juden scharen, die Gebildeten sowohl wie die Ungebildeten. Jetzt müssen die Mächte mit einem in ihrer Mitte neu eingetretenen politischen Faktor rechnen: dem Judentum. Freilich, die Christen und die Moslems, welche Palästina als die heiligen Stätten ihrer Religion betrachten, werden der Begründung eines Judenstaates in Palästina Widerstand leisten. Doch muss mit dem Zionismus als mächtigem politischen Faktor gerechnet werden." Gt. Die Wiener Toynbee-Halle im dritten Jahre. Von Leo Rafaels. Als ich voriges Jahr dem Vertrauens manne eines grossen Financiers, der bei wohltätigen Veranstaltungen mit seinen Beiträgen stets an der Spitze marschiert, die Notwendigkeit auseinandersetzte, die jüdische Toynbee-Halle einfür allemal auf eine sichere finanzielle Grundlage zu stellen, meinte er, die Leitung der Toynbee-Halle gebe sich unnötigen Sorgen hin. „Wenn die Anstalt sich als Bedürfnis der jüdischen Bevölkerung erweist," sagte er, „brauchen Sie um die Mittel nicht zu sorgen." Nun, da die Tage länger werden und eine Ahnung von Vorfrühling mit fröhlichen Festtagen in der Luft liegt, steht die Toynbee-Halle bald vor dem Schlüsse ihrer dritten Saison, und wir haben die Pflicht, uns zu fragen, ob sie sich als Bedürfnis erwiesen hat, ob sie ihre ursprüngliche Bestimmung erfüllt. Ob sie ein Bedürfnis ist? Vor mir liegt das Buch, in welchem der jedesmalige Leiter mit protokollarischer Treue die wesentlichsten Merkmale des Abends aufzeichnet und so dessen Verlauf schildert. Es sei ein und das andere Protokoll herausgegriffen und hierhergesetzt. „Samstag den K November 1902. Konzertabend. Leitung: Dr. Sadger und Frau Feigenbaum, 1. Klavier: Frh Kram er a) Nocturne von Chopin. b) „Elfenreigen* von Salpenikoff. 2. Trio von Haydn, exekutiert von den Herren Hermann (Violine), Loschitz (Cello), Mikolasch (Klavier), 3. Klavier: Frl. Kr am er „Die Lerche" von Glinka. 4. Violine: Herr Hermann a) Cavatine von Raff. b) Serenade von L. Pierne. Der Saal istauf beiden Seite nüberfüllt." „Sonntag den 2. November 1902. Leitung: Hermann Berliner. 1. Vortrag des Leiters: Ueber Buchführung. 2. Klaviervorträge des Herrn Goldbaum. a) Saint Saens, „Barcarole". b) Liszt, 12. Rhapsodie. Saal gedrängt voll.* „Samstag den 15. November 1902. Leitung: Dr. Sadger. Der Saal zu beiden Seiten stark überfüllt; vor allen drei Eingängen warten Dutzende von Leuten. Konzert der Schule des Professor MorinL (Danclat, Schulhof, Wieniawski, Wagner)." Das waren gewöhnliche Konzert- und Vortragsabende; es ist selbstverständlich, dass bei ungewöhnlichen Darbietungen die Abgewiesenen und Wartenden, nicht nach Dutzenden, sondern nach Hunderten zählten. Die Protokolle der Abende, an denen ein Rektor Schwarz, Professor Jerusalem und Adolf Gelber vortrugen, verzeichnen „furchtbar überfüllt". Die Leitung der Toynbee-Halle liess es sich angelegen sein, die Besuchsziffer recht oft feststellen zu lassen. DasErgebnis war: höchsteZiffer 320*)7 niederste 80. Das Protokoll vom 18. Dezember ist in dieser Beziehung lehrreich. „Wegen eines ganz miserablen Wetters schwacher Besuch: 58 Männer, 45 Frauen.44 Diese Zahlen beweisen, dass der Besuch der Toynbee-Halle heute nicht minder überraschend ist, als er es in den ersten Tagen der Eröffnung war, mit anderen Worten, die Anziehungskraft der Toynbee- Halle auf das jüdische Publikum hat sicherlich keine Abschwächung, eher wohl eine Steigerung erfahren. Das Bedürfnis nach einer jüdischen Toynbee-Halle ist eine Tatsache, die gar niemand mehr zu leugnen versucht. Und wie ist dieses Publikum beschaffen, das Abend für Abend, bei jedem Wetter sich zur Toynbee-Halle drängt? In diesem Punkte unterscheidet sich der dritte Winter recht wesentlich vom zweiten. Voriges Jahr hatten wir nämlich das allerniedrigste Menschenmaterial in die Toynbee-Halle gelassen, um an ihm einen Erziehungsversuch zu machen. Wir hatten Wochen hintereinander arbeitsscheue, skandalsüchtige, rücksichtslose Bursche geduldet und uns von ihnen allerlei Schabernack gefallen lassen, in der Hoffnung, sie würden mit der Zeit durch die Toynbee-Halle zu besseren Sitten bekehrt werden. Diese Hoffnung ging leider nur an einigen wenigen Rowdies in Erfüllung; die übrigen mussten in diesem Winter von unserer Anstalt ferngehalten werden. Diese Säuberung hat die Toynbee- Halle der Energie des Dr. S a d g e r zu verdanken, der zwei Wochen lang jeden Abend den Einlass be- *) Anmerkung j Als dermaliger Vortragsleiter der „Jüdischen Toynbee-Halle* muss ich diesen Irrtum des geschätzten Autors berichtigen., Die höchste Ziffer betrug 380 Personen. Es war ein Sonntagsabend, an dem der Andrang des Publikums trotz der Abwehr durch zwei Wachleute diese für unsere Räumlichkeiten geradezu beängstigende Ziffer bewirkte. Dr. Siegmund Werner.

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