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Die Welt · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Article
Hamadrich. Ein talmudisches Lesebuch [Rezension]
Date
1903-02-13
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr, 7;,Die # Welt" Seite 13 jwm w 4* dkö ♦niöbnn & vuaa ^r t^** „Hamadrich." Ein talmudisches Lesebuch. Komp iL von Gebrüder Singer, Pressburg 1902. Eine sehr nützliche Kompilation; schade nur, dass die Form ein wenig antiquiert ist und nicht allen Forderungen der modernen Talmudkritik entspricht. Für Anfänger aber wertvoll» —k. Zeitschriften-Rundschau. Der „Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentums" (Wochenblatt, Berlin) gibt in Nr. 6 a. d. bekannt, dass er an mehr als tausend Personen von Bedeutung in Staat und Gesellschaft, Freund und Feind folgende drei Fragen gerichtet habe: Was halten Sie vom Zionismus? Erhoffen Sie vom Zionismus eine Lösung der Judenfrage? Erblicken Sie im Zionismus einen Kulturfortschritt? Zu- oder abgeneigt — wie immer; die jüdisch-deutsche Presse steht im Zeichen des Zionismus. Der „Israelit" bringt eine Artikelserie, die noch nicht abgeschlossen ist. Sie führt den Untertitel: „Ein Wort zur Verständigung". Es wird also noch etwas anderes nachkommen, als die Absage des Schreibers an den Zionismus, weil er nicht genug orthodox ist. Sagt dieser Autor : „Wer im Judentum nicht für uns ist, ist gegen uns", so hat er wohl an den Spruch vergessen: „Ganz Israel sind Brüder", Uebrigens bekommt der Autor von unserem Freunde Dr. A. No bei in Leipzig in der „Jüdischen Presse" von Dr. Hildesheimer eine unbeabsichtigte, aber glänzende Antwort. Zugleich beginnt der „Generalanzeiger" die Antworten auf seine Rundfrage zu publizieren, über die wir unseren Lesern selbstverständlich referieren werden. Die erste bereits publizierte Antwort stammt von unserem geschätzten Gesinnungsgenossen Dr. Simon Stern in Saaz und ist als Leitartikel abgedruckt. Er ist eine gediegene Beleuchtung aller Aussichten und Ansichten im Zionismus, eine Anleitung für seine Propaganda und eine begeisterte Zustimmung. Ueber die soziale und wirtschaftliche Stellung der Juden im deutschen Osten schreibt im „Israelitischen Famiienblatt" (Hamburg) Herr F. A.Blau. Er schliesst damit, dass er die soziale und wirtschaffclicha Lage der Juden aller Stände im Osten Deutschlands für im hohen Grade ungesund erklärt. Jüdisches Selbstgefühl, gemeinschaftliches Arbeiten im Interesse des Ganzen und die Unterstützung sämtlicher Einrichtungen, welche besonders die Hebung der Judentums auf ihre Fahne geschrieben haben, das sind Linderungsmitel, die er vorschlägt. Es ist erfreulich, dass der Autor sich keiner Täuschung hingibt und nur von Linderungsmitteln spricht. Welches ist aber das H e i lmittel? Auch das wird uns hoffentlich das „Isr. Familienblatt* noch einmal sagen. Die Blätter für Frauen und die für Erziehung und Unterricht sind gut bedacht. Nicht uninteressant ist für uns die begeisterte Notiz über das Fest der Köthener „Ma ccabia", Ja, ja! „Es ändertsich die Zeit Das 2. Heft der in polnischer Sprache herausgegebenen Monatsschrift „Moriah" ist uns eben zugekommen. Wir werden in der nächsten Nummer unseres Blattes die Bestrebungen der „Moriah* eingehender würdigen. Der Inhalt der Nummer weist folgende Artikel auf: „Der Kampf um die Volkssprache * von Sal. Schiller, „Jüdische Ethik* von Dr. D. Neumark, „Erziehung der jüdischen Jugend" von Sarah Bratt, „Aus jüdischen Legenden« von L. Taubes, „Unsere erste Aufgabe" von Ben Eliezer, „Jakob und Jas" von Marek Scherlag. Dann: Pressrevue, Aus dem Leben der Jugend and Chronik. Die ersten 14 Nummern des neuen Jargonblattes „Der Freund", das in Petersburg erscheint, liegen endlich vor uns. Die Zeitung macht einen sehr guten Eindruck. Sie ist sehr populär geschrieben und scheint ihr Versprechen, für das Volk zu schreiben, wirklich einlösen zu wollen. Die publizistische Abteilung ist sehr befriedigend. Wir haben zum Beispiel lobend hervorzuheben in Nr. 7 den „Offenen Brief" von Lilienblum, der die Scheidung und Absonderung der jüdischen Handwerker rügt und zwar mit vollem Rechte. Zwar begründet er seine Ausführungen nicht wissenschaftlich und tut die Einwände der Gegner ein wenig leicht ab, wie es der Beviewer des „Woschod" richtig bemerkt hat, aber in seinem Artikel spricht der klare und gesunde Menschenverstand. Ein anderer interessanter Artikel ist der von H. Z i n b e r g in Nr. 13 über die Jargonliteratur, der zuvo als Vortrag in der historisch-ethnographischen Gesellschaf in Petersburg gehalten worden war. Der Verfasser schildert die Entstehungsgeschichte der Jargonliteratur von den wMaasseabüchern bis zu den Räuberromanen eines Schorn er und B 1 a u s t e in; geht dann auf die moderne Jargonliteratur in Russland und Amerika ein, betrachtet ihre Bedeutung als Element der nationalen Erziehung und weist auf ihre Wichtigkeit hin. — Der belletristische Teil des Blattes ist sehr gut und unterhaltend. Die besten Beiträge sind die von Scholem-Alejchem und von L. Perez. Das Blatt ist alles in allem eine sehr erfreuliche Erscheinung unter den jüdischen Zeitungen. C—k. Von der zweiten neuen hebräischen Zeitung, die in Petersburg erscheint «pH« liegen uns die ersten zwei Nummern vor. Schon1 die Namen der beiden Leiter, Dr. Kazenelsohn und David Frischmann bürgen uns für die Tüchtigkeit und die Gediegenheit des Blattes. „Wir wollen das jüdische Volk der hebräischen Literatur zuführen... wir wollen dem Volke klar machen, dass seine Individualität, seine Wesenheit in der hebräischen Literatur liegt, dass sie seine Garantie für die Zukunft und das Bindemittel zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit ist... wir wollen die Vergangenheit kennen lernen und für die Zukunft wollen wir das Volk vorbereiten und dann wird uns die Vergangenheit zur Zukunft werden". Das sind die Einleitungsworte des neuen Blattes. Wir dürfen also das Blatt getrost allen unseren Freunden empfehlen. Möge es zum Heile unseres Volkes gedeihen. — k. Üeber das rege geistige Leben, das im russischen Judentum herrscht, über die Fortschritte, die die nationale Erziehung dort gemacht hat und über die Hoffnungen, die wir uns von dieser intensiven Kulturarbeit machen können, belehrt uns die hebräische pädagogische Zeitschrift „Hapadgog* mmn /amen. die zu besprechen und lobend hervorzuheben wir schon einmal Gelegenheit hatten. Gehaltvoll, anregend und praktisch zugleich ist der Artikel von H. N. Pin es über die Notwendigkeit der Gründung der Fröberschen Schulen und Kindergärten für jüdische Kinder. Der Vorschlag ist so verheissungsvoll, dass wir ihm nur volle Anerkennung zollen können. Von einer nationalen Schule, wie man sie jetzt in Russland zu schaffen sich bestrebt, kann man viel, ungemein viel erwarten. Wir müssen die Willenstärke des russischen Judentums bewundern, das seiner Wiedergeburt unaufhaltsam entgegenschreitet.— „Where there is a will, there is a way", sagt mit Recht der Engländer. A. C. Feuilleton. Ein Besuch bei einem Wunderrabbi. Von Dr. Hugo Ganz. Die Schilderung stammt aus dem Buche: „Reiseskizzen aus Rumänien4'. Von Jassy aus besuchte Dr Ganz Czernowitz. Von dort fuhr er per Wagen zu dem Wunderrabbi. .... Ein guter zweispänniger Wagen, gelenkt von einem jüdischen Kutscher, brachte mich vor das Haus des Rabbis. Im Nu waren dort .die Fenster besetzt mit orthodoxen Köpfen. Ein junger Mann in hohen Stiefeln, mit langem Kaftan, Stirnlocken und schwarzem Bart trat auf uns zu und fragte nach unserem Begehr. Wir stellten uns als Ausländer vor, begierig, den Mann kennen zu lernen, dessen Ruf so weit in die Welt dringe. Die vorläufige Prüfung des Adjutanten seheint ein befriedigendes Ergebnis zu haben; wir werden eingeladen, uns hinauf zu begeben zur „Rebbezen", das ist die Frau des Rabbi. Eine noch junge, fast kindliche Frau mit fabelhaft kleinen Händchen, wie aus einem japanischen Puppenschrank genommen, empfängt uns, heisst uns niedersitzen, lässt durch den Adjutanten Obst und Kuchen bringen und beginnt die Prüfung von neuem. Es gelingt uns aber rasch, den Spiess umzukehren und unsererseits zu erfragen, was unsere Wissbegierde reizt. Der weitgereiste Ausländer hat gewisse Privilegien. Bald sind wir recht im Gespräche drinnen, das von Seiten der Frau in einem nur wenig mit Jargon gemischten Deutsch geführt wird. Die dreizehnjährige Tochter, natürlich schon verlobt, beteiligt sich gleichfalls an der Unterhaltung. Sie ist ein hübsches Mädchen mit intelligenten Zügen und könnte recht gut für siebzehnjährig gelten. Mit dreizehn Jahren hat auch die Mutter geheiratet und schon einem Dutzend Kinder das Leben geschenkt, von denen freilich ein Teil gestorben ist. Die Verwandtenehen — sie ist die leibliche Kusine ihres Mannes,

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