Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 7 (13.2.1903)
- Article
- An die österreichischen Gesinnungsgenossen!
- Date
- 1903-02-13
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 „Die Welt" lfo£7 Mitteilungen des österreichischen Landes-Komitees. An die österreichischen Gesinnungsgenossen! Das österreichische Landes-Komitee hat — vielfachen Anregungen seitens der Distrikts-Komitees und Vereine folgend — von der Abhaltung eines Schekeltages Abstand genommen, hingegen die vor das Purimfest fallende Woche 7. bis 14. Adar, beziehungsweise 6. bis 13. März 1903 als Schekelwoche festgesetzt. — Zur Hereinbringung des Schekels empfehlen sich: a. ) Sammlung unter den Zionisten von Haus zu Haus. b. ) Versendung von Schekel-Flugblättern, eventuell unter Beilage von Posterlagscheinen. c. ) Veranstaltung von Festen (eventuell Verbindung mit der Purimfeier). d. ) Veranstaltung von Agitationsversammlungen. Das vom Gesinnungsgenossen Michael Berkowicz verfasste Schekel-Flugblatt wird in einer deutschen Auflage von 10.000 Exemplaren gedruckt und versendet. — Behufs Austausch von Rednern wende man sich an die Distrikts-Komitees. Die Sitzungen des Landes-Komitees finden jeden Montag im Kongressbureau statt. Zur selben Zeit sind die Mitglieder ebendort zu sprechen. Briefe an das Landes- Komitee sind an den Sekretär Adolf Po Hak, IX., Türkenstrasse 9, Geldsendungen an den Kassier Dr. Hugo Benedikt, 1., Tiefer Graben 33, zu richten. Aus dem L.-K. ist Herr S. Mohr ausgeschieden. — Herr Michael Berkowicz wurde kooptiert. Gegenstände der nächsten Sitzung sind: Organisation des „Alte-Herren-Verbandes«; Organisation der Nationalfonds-Kommissionen; Reorganisation der zionistischen Frauen- und Mädchen vereine. Die Einsammlung von Schekel und Parteisteuer wird allen Organisationen dringend ans Herz gelegt. Der dritte Zionisten tag findet endgiltig am 28. und 29. Juni 1903 in Wien statt. Die erste Vorkonferenz ist am 25. März, die zweite am 12. April 1903. Das Distrikts-Komitee von Krakau gibt eine Serie „Volksbüchlein" im Jargon heraus, deren erste Serie unter dem Titel „Chanuka" bereits vorliegt und zum Preise von 5 Hellern per Stück auch durch das Landes-Komitee zu beziehen ist. Wegen Verschleiss-Artikel (siehe letzte Umschlagsseite) wende man sich an Sekretär Adolf P o 11 a k. Bücherwelt. David Speier: Historischer Roman aus der Zeit des dreissigjährigen Krieges. Von S. Kohn. 2 Bände. Frankfurt a. M. Verlag von A. J. H o f f m a n n. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verbände für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. VI. Bd. Berlin 1903. Verlag von M. Popelauer. Reiseskizzen aus Rumänien. Von Dr. Hugo Ganz. Bei einem Buche von Hugo Ganz darf man immer etwas Interessantes erwarten, selbst wenn es so bescheiden auftritt. So dachte ich, als ich das Buch in die Hand nahm. Ich hatte mich aber doch getäuscht. Es war nicht etwas Interessantes, es war viel Interessantes. Im Sommer des Vorjahres hat Ganz Rumänien bereist. Was er da gesehen, was er da erfahren und empfunden hat, teilt er nun in schlichter Art mit. So wenig aufdringlich, so wenig auf einen äusseren Effekt berechnet ist das Buch, dass es gerade dadurch mit der Kraft des unmittelbar Geschauten wirkt. Ja, das ist Rumänien! Wer es wirklich kennt, selbst dem wird viel Neues gesagt. Und wie wird es gesagt! Mit Freimut, mit dem sichtlichen Streben, keinerlei Voreingenommenheit aufkommen zu lassen, mit der Wärme des fühlenden Menschen und mit dem feinen Unterscheidungsvermögen des Denkers. Ihn blendet nicht der äussere Glanz, ihn ekelt der innere Schmutz, die gänzliche Hohlheit dieses asiatischen, nach Europa versetzten Prunkes nicht so sehr an, dass er darüber die Ruhe des Urteils irgendwo vermissen liesse. So weiss er überall eindringlich zu wirken. Hier nur einige Sätze zum Exempel: „In diesem Lande (Rumänien) ist der Versuch gemacht worden, ohne Selbstüberwindung, ohne Erziehung von unten herauf den Westen nach dem Osten zu tragen und er ist, wie es nicht anders zu erwarten war, misslungen. Eine dünne, elegante Gesellschaftsschicht mit scharmanten, pariserischen Allüren ist wie ein gleissender Firnis über ein noch rohes, halbwildes Volk gestrichen.11 „Die Seele der öffentlichen Meinung ist ein geradezu ungeheuerlicher Grössenwahn und nationaler Eigendünkel.* Und was er als Ausspruch des Akademikers' J ö r g o anführt, das wäre wert, als Motto über.allen den rumänischen Zeitungen zu stehen. Es würde ihre Grossmannsücht und — sagen wir — Unbescheidenheit in lapidarer Kürze allen verständlich machen. So kann G an z wohl mit Recht von den Rumänen als dem „ engherzigsten, fremdenscheusten, anmassendsten Volke Europas" sprechen. Was er von der in Rumänien studierenden Jugend der Hochschulen sagt, erklärt manche unglaubliche Tat dieser Völlblutrumänen. Was er von den führenden Politikern hält, möge hier ebenfalls Platz finden. „Ein Häuflein naiver Banditen beherrscht das Land, und es ist vollkommen ausgeschlossen, dass diese doppelteilige Phalanx (der zwei Hauptkliquen), dieses Verhau aus allen Kehrichtarten des Balkans, vom Zigeuner bis zum Griechen und Armenier, je auf dem Wege der besseren Einsicht zur Aenderung seines Verhaltens gelangen könne." Herb ist sein Urteil über die Finanzlage Rumäniens, ein Urteil, das nach den Ausführungen (fast hätte ich getagt „Geständnissen^) des von ihm befragten hervorragenden rumänischen Finanzmannes nur allzu berechtigt ist. Nicht minder scharf ist der Tadel über die „infernalische Politik der rumänischen Regierung", welche rücksichtslos auf die Vernichtung, die Ausrottung der rumänischen Juden hinarbeite, Es ist in dieser Besprechung nicht möglich, alles das hervorzuheben, was an wirklich interessantem Materiale in diesem unscheinbaren Buche aufgestapelt ist. Es sei nur hiermit allen, welche die Wahrheit über Rumänien hören wollen, bestens empfohlen. Dem Verlage gegenüber sei nur bemerkt, dass einige sehr störende Druckfehler bei einer zweiten Auflage leicht ausgemerzt werden könnten. —w. Illustrierter Zionisten-Almanach. Herausgeber Dr. Abraham Freudenberg, Rabbiner in Krementschug, Gouvernement Poltawa. Aus dem reichen Inhalte des Almanachs sind folgende Artikel besonders hervorzuheben: 1. Das alte und neue Land Israels. 2. Die negativen und die positiven Seiten des Zionismus. Von Rabino wüsch. 3. Palästina und der Zionismus. Von G ottesmann. 4. Offener Brief von Dr. Mandelstamm. 5. Neujüdische Poesie. Von L. Jaffe. 6. Die zionistische Bewegung während der letzten 5 Jahre. Von Dr. Saphir. 7. Die Programmreden auf dem V. Kongresse. Von Dr. E. Tschlenow. 8. Der altrussische Zionisten-Kongress in Minsk. Von A. Freudenberg. 9. Der Zionismus in der Literatur. Von J. K a t z e ne 1 s o h n. 10. Unsere Vertreter des Zionismus. Viele Erzählungen und Gedichte hervorragender jüdischer Schriftsteller der Neuzeit. Illustrationen von Palästina und den jüdischen Ackerbau-Kolonien. Bildnisse der Führer des Zionismus und noch viele andere Abhandlungen über verschiedene Fragen, welche speziell die Juden in Russland betreffen, vervollständigen den reichen Inhalt. fiwmwi ♦n*6KpKö 7fi* /wiD-nTai rw ♦rwrr*wio ♦■nw. Bism Jahrbuch für das Jahr 1902/3. Redigiert von N.Sokolow, Warschau. Verlag „Hazefirah". Eine grosse Anzahl von Beiträgen, publizistischen wie belletristischen Inhalts hat der Redakteur selbst geliefert. So den ersten Artikel, wo er den richtigen Gedanken vertritt, dass das jüdische Leben kein vollendetes, versteinertes sei, sondern sich immer im Flusse befindet, immer neue Formen annehme. Die belletristischen Beiträge sind reich an Gedanken und Beobachtungen. Die sonstigen publizistischen Arbeiten sind mit Ausnahme des Artikels von Dr. Bernfeld über das Problem — Jargon — Hebräisch, wo er zwar richtig, aber in seiner gewöhnlichen Art etwas oberflächlich, die Frage beleuchtet und die Bedeutung beider Sprachen erklärt, wie auch der Revue von Kazen elson über die hebräische Literatur im Jahre 1902, ziemlich bedeutungslos. , Von den Erzählungen und Novellen können wir zwei hervorheben: „Der heilige Funke" von Jehuda St ein berg und „Der Sünder* von Sch. Asch. Beide Novellen entnehmen ihre Sujets dem Leben der Chassidim, welches in diesen Darstellungen, besonders in der wunderschönen Erzählung von Stein b er g, in einem neuen Licht, glorieumstrahlt erscheint. Die Gedichte von Kaplan sind nicht gerade hervorragend* Im: allgemeinen fällt die Abwesenheit unserer besten Schriftsteller in diesem Jahrbuch sehr unangenehm auf. Trotz mancher seiner Mängel hat das Buch eine Bedeutung, als informatives Werk über di# Bewegung in Russland. — k.