Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 7 (13.2.1903)
- Article
- Judenwanderung [Kommentar]
- Date
- 1903-02-13
- Page
- 10 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- table
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316028--37755-3329059- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite id „Die & Welt" fc* Juden Wanderung. Die „Münchener Allgemeine Zeitung* berichtet folgenden Vorfall — es ist ein typischer — aus * Bukarest. „Ein rumänischer Jude wurde wegen eines Deliktes bestraft und, da er als Fremder betrachtet wurde, nach Abbüssung seiner Strafe des Landes verwiesen. Er würde über die ungarische Grenze gebracht, doch brachten die dortigen Behörden den arbeits- und mittellosen Menschen per Schub nach Rumänien zurück, wo er wegen „unerlaubter" Rückkehr sofort wieder eingesperrt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Nach Abbüssung dieser Strafe wurde der Jude über die bulgarische Grenze abgeschafft^ doch auch die Bulgaren schickten ihn mit Zwangspasa zurück. Darauf wieder Einsperrung und Aburteilung und demnächst Abschaffung, diesmal nach Serbien. Aber auch dort wurde der Jude mit Dank abgelehnt und nach Rumänien zurückexpediert. Hier wiederum Einsperrung. Aburteilung und Landesverweisung, aber mit keinem besseren Erfolge. Dieser Vorgang hat sich bis jetzt vier bis fünfmal wiederholt, und der arme Teufel, der so zwischen Gefängnis. Ausweisung und zwangsweisem Rücktransport hin- und hergondelt, wurde mit immer härteren Strafen belegt, zuletzt am 30. Jänner, wo ihn das Tribunal wegen verbotener Rückkehr zu fünf Monaten Gefängnis verurteilte". Der Brand in der JrrenansUlt von Colney Hatch ist, wie nunmehr nach amtlichen Mitteilungen festgestellt wurde, nicht in einer jüdischen Abteilung ausgebrochen. Die jüdischen Patienten sind nämlich nicht in gesonderten Räumen untergebracht. Es existiert nur eine rituelle Küche und besonderer Speiseraum. Eine Ritualmordgeschichte. Das Hamburger Israelitische Familienblatt lässt sich aus Berlin berichten: r Die Ritualmordlegende beschäftigte am 3.1. v. M. die zweite Strafkammer des hiesigen Landgerichtes. Wegen/ Beschimpfung der jüdischen ReligionSgesellschaft ständen der Schriftsteller Paul K oc h und der Redakteur B ö c kl er von der „Staatsbürgerzeitung** vor den Schranken des Gerichten Die „Staatsbürgerzeitung" hatte eine Umfrage überci den Ritualmord veranstaltet und in ihrer Nummer vom^ 22. September 1901 einen darauf bezüglichen Artikel des? Angeklagten Paul Koch veröffentlicht, der die Grundlage: der Anklage bildet. In dem Artikel wird unter Berufung auf den Talmud und die Ansicht „gelehrter Talmudforscher*•• vorzugsweise des bekannten Kanonikus Rohling -Prag, ausgeführt, dafs die Juden sich vergeblich gegen die Behauptung, dass sie Ritualmorde begehen, wehren. Die Anklagebehönie sieht in diesem Artikel eine Beschimpfung der jüdischen Religion, insbesondere erblickt sie diese in dem Vorwurf als solchem, dass der Blutritus bei den Juden religiöses Gesetz sei. Die Anklage stützt sich auch auf die schwer beschimpfenden Worte, die in dem Artikel angewandt worden, wie „Blutdurst der Asiaten", „staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft, deren Mitglieder von Religionswegen zu Mördern werden müssen" etc. Angeklagter Dr. Böckler behauptet, dass der Artikel ohne sein Wissen in die ,,Staatsbürger-Zeitung" gekommen sei. Im übrigen handelte es sich nur um eine rein theoretische Auseinandersetzung über die Frage, nicht aber um eine provokatorisch hingeworfene Behauptung. Die „Umfrage" sei nicht von der „Staatsbürger-Zeitung", Fondern von dem „Germanischen Volksbund" des Herrn v. Mosch ausgegangen und die darauf eingegangenen Antworten seien der „Staatsbürger-Zeitung" zur Verfügung gestellt worden. Nachdem die Versuche, mehrere Mitglieder des Gerichts-' hofes, sowie den von der Staatsanwaltschaft geladenen Sachverständigen Professor Strack als „befangen" abzulehnen, gescheitert waren, wurde in die Beweisaufnahme, eingetreten, nach deren Abschluss Herr Staatsänwaltschaftsrat Schmidt ausführte, dass in dem Artikel eine Beschimpfung des Judentums als Religionsgesellschaft zu finden sei. Streitig könnte es sein, ob es strafbar sei, wenn \ ein Gelehrter in einem wissenschaftlich aufgebauten Werk behauptet, dass das heutige Judentum in seinen Satzungen den Ritualmord habe. Das sei nicht strafbar, da die Freiheit, der Wissenschaft bestehen bleiben müsse. Hier handle es sich aber nicht um eine wissenschaftliche Arbeit, sondern um ein lediglich zu Agitations- und Hetzzwecken aiis Phrasen, Sätzen und Zitaten zusammengeflicktes Zeitungsprodukt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Dr. Böckler zusätzlich 3 Monate, gegen den Angeklagten Koch 6 Monaten Gefängnis. Der Gerichtshof beschloss, die Sache gegen den Angeklagten B ö c k 1 e r, der sich darauf berufen hatte, dass der Artikel ohne sein Wissen in die Zeitung gekommen sei, zu vertagen, um zum nächsten Termine den Ohefredakteur Dr. Bachler von der ^Staatsbürger- Zeitung" und den Berichterstatter Dahsel zu laden. Im Uebrigen wurde in dem beanstandeten Artikel eine Beleidigung der jüdischen Religionsgesellschaft gefunden und der Angeklagte Koch zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt. IVus de* Belegung. Gedenket des Sehekels ] Repertoire der öffentlichen Vei^n^t^fuhgen der zionistischen Vereine Wiens. (Anmeldungen an das i.-ö. D.-K. zu Hamien des Herrn Dr. Max Bernhardt, VIL, Neubaugasse 14.) Einzelverein „Wien*, TL, Obere Donaustrasse 47, Dienstag den 17. Februar: Oiffentliehe VereinsVersammlung; — „JüdischesBildungsh/ei m«: XTV., Detf^ergasse 2, Jakob K r a u s z : „Babel und Bibel/ — Donnerstag den 19. Februar: Sitzung des i.-ö. D.-K. —„Verein jüd. Handelsangestellter, Samstag den 21. Februar: Restaurant Guth, IL, Stefaniestrasse .* Grosse öffentliche Volksversammlung; F. O.: „Warum organ isier-en wir ü*ns au-fnati onaler Basis?' M ä d cJi e n v e r e i n „Moriah", Mittwoch den 4. März : Geselliger Familienabend, Ressource, L, Reichsratstrasse. — Samstag den 7. bis Samstag den 14. März: Schekelwoche. — Samstag den 14. und Öonntag den 15. März: Pur im fei er. x. Voranzeigen, Wien. („V erein jüdischer j ugen dl icher Arbeiter,** Zentrale.) Sämtliche Ortsgruppen veranstalten am 22. Februar im grossen Festsaale des Jüdischen Volks Vereines, IL, Leopoldsgasse 49, eine volkstümliche Vorlesung aus j ungjüdische n Kunstsch ö pf umg en, unter Mitwirkung hervorragender Autoren. Beginn präzise. 3 Uhr nachmittags. Eintrittskarten ä 40 Heller sind im „Jüdischen Volksvei-ein*1, in den Ortsgruppenlökalen, sowie bei allen Ausschussmitglie^ern des Vereines erhältlich. —- Örtsgr uppe Leop oldsta d t: Sonntag, den 15. Pebrüär, im Saale des Kon g^ssb.ureaiis, IX., Türkensirasse 9, Vortrag des Herrn Arihur Freud: „Die Judenfrage und ihre LösungsVersuche*. Beginn 7,5 Uhr nachmittags. Gäste willkommen. — Ortsgruppe Brigittenau: Sonntag den 15. d. M. Vereinsabend: Ernste und heitere Rezitationen von Kollegen Eosenthal. Ort: Cafe Kampf, XX., Jägers trasse 16, Zeit: 7 Uhr abends. Wien. Im literarischen Geselligkeifsverein jüdischer Mädchen „Moria1* findet Sonntag den 15. d. M. ein Vortrag des Fräulein Berta Westreich über das Thema „Moses Mendelsohn und seine Beziehungen zu ..Nathan der Weise" statt. "Beginn präzise um 3 Uhr nächmittags im Religionssäle der Kultüsgemeinde, I. Bez., Seitenstettengasse % IL Stock. Gäste herzlich willkommen. Wien. Im Einzelvefein „Wien* des „Ziön" findet Dienstag den 17. d. M. ein Vortrag des Herrn Dr. Hermann K a d i s c h über „Die Juden und die österreichische Nationalitätenfragetf statt. Wien. (W ochenprogramm der „J ü d i s eben Toyn bee-Halle", XX., Karajarigasse 20. III. Vereinsjahr.) Sonntag den 15. F e b r u ar: Dr. W a c h s m a nn „Ueber Berthold Auerbach". - Montag den 16. Februar : Dr. Jerusalem „Oesterreichisches Staatsrecht". — Dienstag den 17. Februar: E. Fi s c h el „Ueber Bar Kochba". — Mittwoch den 18. Februar: „G en er alv e r s am m 1 un g der Jü d is ch en Toynbe e- Halle8. — Donnerstagden 19. Fe bru ar: Dr. Rothblum „Abraham Maputf. - Freitag d.en 20. Februar: Rabbiner Dr. Rosenmann „Erklärung der Sidra". Samstag den 21. Februar: Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu rieht n an Herrn Doktor Siegmund Werner, IV., Wiedener Hauptstrasse 18. Berichte. Wie«. Dem Einzelverein „Wien4, des „Zion" fand Dienstag den 10. Februar ein Vortrag des Herrn stud. jur. Josef M e i s 1 über „L e o Pin s k er und seine A u t oemanzipation" statt, der sehr beifällig aufgenommen wurde. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Zellermayer, Liebling, Dr. Lifczis, Barth, Obernik, Razenstein und M. Ehrlich. Wien. („Allgemeiner j ü dis eher Ar beit erver ein.") In der 5. Plenarversammlung wurde folgender Ausschuss gewählt: N. Gross, Obmann, E. ßrod, Vize-