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Die Welt · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Article
Neue Archäologische Entdeckung [Nachricht]
Date
1903-02-13
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr, 7 „Die & Weif* Seite 9 lettres" in Paris teilte H. Clermont-Ganneau «kine neue und interessante epigraphische Inschrift, die in Jerusalem entdeckt wurde, mit. Die Inschrift ist griechisch and hebräisch und handelt von einem Nikanor aus Alexandrien, dessen Namen das berühmte Tor im Tempel von J muralem trug, welches Tor des Nicanor genannt war* Eine teure Bibel. Zu den teuersten Büchern der Welt gehört auch eine Bibel. Es ist die „36 Zeilen-Bibel* von Gutenberg aus dem Jahre 1459. Sie repräsentiert einen Wert von 60.000 Mark. Noch teurer ist aber der „Mainzer Psalter" von 1457, der einen Wert von rund 100.000 Mark hat. Ein anderes Andachtsbuch, „Das Gebetbuch der Jungfrau8, das aus dem JEnde des 15. Jahrhunderts stammt und nur im Manuskript vorliegt, wird auf nicht weniger als 29,000 Mark bewertet. Biblischer Adelsstolz. Nicht nur die Juden, auch die Basken in den Pyrenäen weisen auf einen Stammvater zurück, dessen die Bibel erwähnt. Die Basken behaupten nämlich, direkt von Tubal, dem Sohne Japhets, abzustamnaen. Die Bibelkritik und der Vatikan. Dass die Bibelkritik munmehr auch in' katholischen Kreisen energischer betrieben wird, macht dem Vatikan viele Sorge. Der Papst Leo XIII. setzte vor einiger Zeit eine eigene Bibel-Kommission ein, der der verstorbene Kardinal Parocchi präsidierte. Nunmehr möchte gerne Kardinal Rampolla Präsident dieser Kommission werden, vielleicht mit Rücksicht darauf, «lass er vor einigen Jahren eine Studie über die Makkabäer Teröffentlicht hat. Jedenfalls ist es an der Zeit, dass der Vatikan eine Entscheidung trifft. Trat doch schon vor Jahren der Abbe* Löisy, der hervorragendste Vertreter der neuen katholischen Exegetenschule, mit einigen für einen Priester sehr freien Anschauungen vor die Oeffentlichkeit, so aum Beispiel: »Der Pentateuch in seiner jetzigen Gestalt kann nicht das Werk Mosis sein; die ersten -Kapitel der Schöpfungsgeschichte enthalten keine exakte, den Tatsachen entsprechende Geschichte des Ursprunges der Menschen" «etc. Vorläufig bekämpft der Vatikan diese neue Richtung* P&pst Leo XIII. erliess längst eine eigene Enzyklika (Provickntissimus), worin er für die alte Schule eintritt. Es ist*ine wundervolle Fügung der Geschichte, dass der Stuhl Petri nunmehr so energisch für die Heiligkeit unserer heiligen Schrift einzutreten sich gezwungen sieht. Gilt noch immer das alte Wort, das der Papst sprach, wenn ihm beim feierlichen Krönungsumzuge die Juden ihre Thora entgegentrugen, das Wort „Confirmamus sed npn consentimws?" (d. h.: Wir bekräftigen die Heiligkeit der Lehre, aber wir stimmen nicht zu.) Oder wird es bald vor dem Conürmamus auch ein aNonÄ geben? Eine Bibliothek auf Reisen. Die Loge „Unitas" der „B'neiB'rith" in Strassburg hat den guten Gedanken durchgeführt, die kleinen jüdischen Gemeinden des Elsass mit Büchern zu versorgen, indem Werke über die jüdische Literatur und Geschichte von der Loge an diese Gemein len verliehen werden. Es ist kein Zweifel, dass diese BibliotJiek auf Reisen in diesen Gemeinden viel Freude und Belehrung verbreiten wird. Ein Vertrag wegen der jüdischen Auswanderung. Die zwischen den Regierungen Ungarns und Rumäniens geführten W^rhandlungen, betreffend die Auswanderung von Juden aus Rumänien haben zu folgendem Ergebnis geführt: Die rumänischen Behörden machen dem|österreichisch-ungaxischen Generalkonsulat zu Bukarest von jedem an jüdische Auswanderer verabfolgten Auslandspass Mitteilung, sof&rn die Auswanderer ihren Weg über ungarisches Gebiet nehmen wollen. Die ungarischen Behörden werden diese Aaswanderer genau überwachen und haben das Recht, jeden derselben,'der binnen acht Tagen innerhalb Ungarns wegen Mittellosigkeit angehalten wird, nach Rumänien zurüctaubefördern, Ist diese Frist verstrichen, so braucht Rumänien etwaige Zwangs-Rückwanderer nur dann aufzunehmen, Wenn dieselben rumänische Staatsbürger waren. -— Während der Verhandlungen wurde übrigens festgestellt, dass sich im Laufe des Jahres 1902 nur 21 jüdische Familien aus Rumänien in Ungarn ansässig gemacht haben. Sabbatruhe in London. In dem Kampfe um den Sabbat haben die jüdischen Bäcker in London endlich einen glänzenden Sieg erfochten. In einer am 10. Dezember v. J* abgehaltenen Versammlung-der Londoner Bäckerinnung wurde beschlossen, die seit. i. April v. J. durch Denunziationen und Strafanträge verfolgten, am Sonntag ihre Läden offenhaltenden jüdischen Bäcker fortan in Ruhe zu lassen, falls diese den Nachweis führen, dass sie am Sabbat ruhen und also nicht sieben Tage in der Woche arbeiten. In der Versammlung wurde vorgebracht, dass in dem Kampfe, in dem 5000 christliche Bäcker gegen 40 jüdische gekämpft hatten, erstere über 630 Pfund Sterling Prozesskosten, aber nicht den geringsten Erfolg gehabt haben. Die Gerichte nahmen sehr widerwillig die Anzeigen entgegen und verhängten üfcer die „Sonntagsentweihet" so lächerlich geringe Strafen, dass sie eher ermunternd als abschreckend gewirkt haben. Da überdies auch das Publikum sichtlich Partei für die angegriffenen jüdischen Bäcker nahm, wollen die christlichen Bäcker fortan geduldig zusehen wie ihre jüdischen Konkurrenten dreist das „Gesetz des Königs Georg" aus Olims Zeiten übertreten und das Publikum des Sonntags mit frischen Semmeln versorgen. Ein Theaterskandal. Während der Aufführung des Lustspieles „Zloty Gielec" von Dobrzanski, einem Stücke aus dem jüdischen Leben, das schon über 20 Jahre hier gespielt wird, kam es im Warschauer Schauspielhause (Teatr Rozmaitosci) zu grossen Ruhestörungen. Mehrere jüdische Studenten und Damen auf den oberen Plätzen, denen das Stück missfiel, schrien plötzlich: „Nieder mit dem Stücke!* Die Unruhe dauerte über eine halbe Stunde. Die Schauspieler waren genötigt, die Aufführung abzubrechen. Als die Polizei die Ruhe wieder hergestellt hatte, konnte das Spiel fortgesetzt werden. Die Demonstranten behaupten, das Stück habe eine ausgesprochen antisemitische Tendenz. . Von der Bagdad-Bahn. Koni a—E r e g 1 i,die erste Teilstrecke der Bagdad - Bahn, soll noch in diesem Jahre begonnen werden. Die Strecke ist 180 Kilometer lang. Die Beobachtungssperre für die Küste zwischen Gaza und Beirut ist auf einen Tag herabgesetzt worden. Antisemitismus in Serbien. Im Rathause zu Belgrad prangt seit' einiger Zeit eine amtliche Kundmachung, in welcher bekannt gegeben wird, dass die Bier- und Weinlieferung für die städtischen Anstalten auf längere Zeit verpachtet werden sollen. Unter den Bedingungen befindet sich auch eine Klausel: Juden sind vom Vertrage auch als Teilhaber ausgeschlossen. Diese Verfügung ist umso auffälliger, als sie im serbischen Gesetze nicht begründet erscheint und in allen anderen Städten des Landes Juden zu allen Lieferungen zugelassen werden. * Todesfälle. Am 5. Februar verschied in Wien nach kurzem, aber schwerem Leiden ein treuer Gesinnungsgenosse, ein höchst begabter junger hebräischer Schriftsteller Alexander Segall (aus Odessa) im Alter von 26 Jahren. Bekannt als meisterhafter Uebersetzer, war er auch ein Herausgeber und Publizist von Namen. Er übersetzte ins Hebräische die Gedichte in Prosa von Turgeniew, „Der Hunger" von Knut Hamsun, manches von Carmen Sylva u. s. w. Er war auch zugleich lange Zeit Herausgeber der Jugend-Zeitschrift „Olam Katan". Von seinen publizistischen Arbeiten ist die geistvolle Broschüre „Ben tikwo wleusch* (Zwischen Hoffnung und Verzweiflung) -— eine Verteidigung des politischen Zionismus — die bedeutendste. Das Geschick des Verschiedenen war das typische tragische Geschick der meisten hebräischen Schriftsteller. So starb Feuerberg, Dawidowitsch und viele andere. Friede seiner Asche! — Unser geehrter Gesinnungsgenosse, der Grossindustrielle David Schwarzmann, ist am 4. Februar nach langem schmerzlichem Leiden verschieden!

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