Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-02-13 · 7 (13.2.1903) · p. 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
7 (13.2.1903)
Article
Im deutschen Reich
Date
1903-02-13
Page
6 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316028-3328856--37684-3329055
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 99lfl)J@ a£ WeKt^ Gesundheit, im Bauernbund nimmt sich niemand ein Blatt vor den Mund und Stöcker und Ahlwardt verjüngten sich zu P ü e k 1 e r und Liebermanns. Aber unentwegt kämpft der Verein seinen zehnjährigen Kampf um die deutsche Liebe weiter und führt seine 100.000 Mitglieder in einer politischen Wüste herum. Und doch sollte ein Blick in die vielen Schränke des Rechtschutz-Bureaus andere Gedanken erwecken. Stolz wird davon gesagt, dass ihr reicher Inhalt gar nicht aufgezählt werden könne, so viel habe das Bureau leisten müssen. Ein weitersehender Politiker könnte sagen, so oft war Grund zum Einschreiten vorhanden, so lebhaft sei die Judenfeindschaft in Deutsehland. Der Verein sagt in seinem Rechenschafts-Berichte, man freue sich, jüdisches Gefühl der Zusammengehörigkeit und Selbstbewusstsein geweckt zu haben. Die Grundanschauungen einer stolzen und radikalen Judenpolitik in den Verein hineinzutragen, wird aber erst unseren Freunden gelingen. y. <$v\bät)z. (Für diese Rubrik überlässt die Redaktion die Verantwortung den Einsendern.) Jüdisches Auswanderungsamt. Von beteiligter Seite geht uns die nachstehende Mitteilung mit der Bitte um Veröffentlichung zu : „Wir sind in der Lage mitzuteilen, dass die Anregung eines Jnformations-ßureaus für jüdische Auswanderer", welche wir in unserem Artikel „Die Jüdische Enoigrationsfrage41 vor einigen Wochen brachten, begründete Aussicht hat, in die Praxis umgesetzt zu werden und es schweben zur Zeit Verhandlungen über die Gründung eines „Informations-Bureaus für jüdische Orient-Kolonisation." Das Bureau dürfte seinen Sitz in Berlin haben. Wie aus dem Namen hervorgeht, wird sich dieses Auswanderungsamt seine Aufgaben wesentlich erleichtern, durch die Beschränkung auf einen bestimmten Ausschnitt der Frage, welcher jedoch unserer Auffassung im vollsten Umfange entspricht. So wie es in dem erwähnten Artikel ausgesprochen war, soll es sich für ein solches Amt im Wesentlichen um die Konzentration der jüdischen Auswanderung handeln, im Gegensatz zu der bisher geübten möglichst gleichmässigen Verteilung^der Juden über alle Länder der Welt. Ein Informations-Bureau, welches sich mit diesen letztgenannten Tendenzen identifizieren würde, hätte einen unendlich grossen Apparat aufzubieten und würde doch keine nennenswerten Erfolge erzielen können. Was das starke englische Kolonialreich kann, ist der schwachen Judenheit nicht möglich und die Emigration in hundert Ländern wird ebenso ein Fiasco zur Folge haben, wie die Kolonisation an allen Punkten der Erde, wie die „Ica" 6ie sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint. Sicher ist, dass Z an g w i 1 ls Gleichnis von dem Tausendfuss, dessen Füsse alle nach verschiedenen Richtungen gehen, noch viel besser als auf die „IcaK auf ein solches Auswanderungsamt passen müsste. Wir würden nicht so ausführlich beim „Auswanderungsamt der Zerstreuung" verweiLen, wenn nicht soeben der Plan zur Schaffung eines solchen aufgetaucht und in der Presse besprochen worden wäre. Das von englisch-jüdischer Seite geplante „Informations-Bureau für jüdische Auswanderer" trägt deutlich den Charakter eines Ablenkungs-Bureaus, eines Institutes, welches die jüdische Emigration aus dem Osten Europas von ihren bisherigen Reisezielen London und Nord-Amerika ablenken und statt dieser beiden grossen nach hundert kleinen neuen Zielen lenken will. Auch dass von dem für London in Aussicht genommene Bureau hauptsächlich über England und seine Kolonien Auskunft erteilt werden soll, kann unseren Wünschen und Absichten nicht sehr entsprechen. Es kommt noch hinzu, dass Berlin durch seine zentrale Lage und durch die Vermeidung gewisser sprachlicher Schwierigkeiten bei Weitem der Vorzug zu geben wäre. Das Berliner Bureau wird infolge des grossen (Jmfanges der Frage praktisch wohl erst gegen Herbst d. J. in Aktion treten können. Die Hauptfragen, mit denen es sich zu beschäftigen haben wird, sind : die wirtschaftlichen, administrativen und sonstigen Verhältnisse der verschiedenen in Betracht kommenden Gebiete des Orients, die verschiedenen Fragen der Kolonisation und der Organisation der Kolonisation, die Frage der Kreditverhältnisse, Reisewege, Fahrpreise, Ermässigungen, Frachten, etc. Eventuelle Anregungen und Mitteilungen wolle man in diesem vorläufigen Stadium an den Autor des erwähnten Artikels, Herrn Davis Tri etsch, Berlin, Grossbeerenstrasse 75, adressieren". Korrespondenzen und Telegramme. Wien. (Probepredigten im Leopold städter und Stadttempel.) Herr Rabbiner Dr. M. E. Prossnitz aus Mährisch-Aussee hält Freitag den 13. Februar bei dem Abendgottesdienste, der um 5 Uhr 30 Min. abends beginnt, im Leopoldstädter Tempel. II, TempeJgasse, die Predigt und am Samstag den 14. Februar bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. — Nächste Woche hält Herr Ra bin er Dr. M. Rossmann aus Floridsdorf im Leopoldstädter Tempel am Freitag den 20. Februar beim Aben dgottesdienste, der um 5 Uhr 30 Min. beginnt, die Predigt und am Samstag den 21. Februar im Stadttempel bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschüler die Exhorte. Eperjes. Der einen hiesigen Bezirk vertretende Agrarier Abgeordnete Bornemisza, stellte in der jüngsten Debatte bezüglich der Einwanderungs-Gesetzvorlage und eventuellen Verschärfung des Grenzpolizeiwesens im Reichstag den Antrag, in der an der nordöstlichen Grenze liegenden Stadt Eperj -s, von wo aus der Strom der galiziansehen und russischen Einwanderer in erschreckender Weise sich über das gesamte Land ergiesse, einen starken Grenzhauptmannschafts-Posten zu errichten. In stark tendenziösen Adressen begrüssten Stadt- und Bürgermeisteramt den Abgeordneten Bornemisza und wandten sich auch mit Begrüssungs-Depeschen an Albert Berzevitzy, um Unterstützung des Planes Bornemisza bittend. In scharfen, t-paltenlangen Artikeln sucht die gesamte Lokalpresse der Gegend auf das Unheil hinzuweisen, das durch das stetig zunehmende jüdische Proletarier-Einwanderungs- Element dem ganzen Lande und speziell der oberungarischen Gegend und der Stadt Eperjes erwächst. Einige Blätter bringen unter dem Titel: „Die Juden in den Berufszweigen in Ungarn" eine Statistik, wonach es interessant sein soll, wie die Juden, die nicht ganz eine Million der Gesamtbevölkerung Ungarns ausmachen, sich auf die einzelnen Berufszweige verteilen. Natürlich ist die Statistik stark tendenziös gefärbt. Jetzt hat sich denn auch hier eine Agitation erhoben, um den Antrag" Bornemiszas durch ein Memorandum beim Minister des Innern Szell zu unterstützen. Die demnächst zu erfolgende Antwort Szell's bezüglich des Einwanderungs-Gesetzes ist demnach auch in dieser Richtung hin zu gewärtigen. Deutschland. Berlin. Es scheint, dass Rumänien wieder mit jüdischer Hilfe dem drohenden Bankerott entgehen wird. Auf wie lange, das ist allerdings nicht festzustellen, denn kommen wird der Zusammenbruch trotz aller rumänischer Grosssprechereien. Für diesesmal sind aber die pumpgeübten Bojaren noch dem Konkurs entronnen. Die Diskonto- Gesellschaft und die Bankfirma Bleie hröder haben sich liebevoll der braven Rumänen aneenommen. Wahrscheinlich auch deshalb, um die zahlreichen rumänischen Schuldverschreibungen, von denen Deutschland überschwemmt ist, nicht ganz zu entwerten. Jedenfalls ist es interessant, dass die jüdische Hochfinanze Herrn Stourdza und Genossen unter die Arme greifen zu müssen glaubt. Die Polen haben für solche staatsmännische Aktionen ein sehr gutes Wort- „Nicht ehrenvoll — aber gesund!" Italien. Ancona. Infolge des Gesetzesvorschlages der obligaten Sonntagsruhe, das jetzt im italienischen Parlamente auf der Tagesordnung ist, wendeten sich sämtliche italienische Rabbiner, mit dem alten Rabbiner Tedesco von Ancona an der Spitze, mit einer Bittschrift an das Parlament. In der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.