Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 6 (6.2.1903)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1903-02-06
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 #>ie j$ Welt" Nr. 6 Die Einsammlung von Schekel und Parteisteuer wird allen Organisationen dringend ans Herz gelegt. Der dritte Zionistentag findet am 31. Mai und 1. Juni 1903 in Wien statt. Die erste Vorkonferenz ist am 25. März., die zweite am 12. April 1903. Das Distrikts-Koniitee von Krakau gibt eine Serie „Volksbiichlein" im Jargon heraus, deren erste Serie unter dem Tifel X'hanuka'' bereits vorliegt und zum Preise von 5 Hellern per Stück auch durch das Landes-Komitee zu beziehen ist. Wegen Verselileiss-Artikel (siehe letzte Umschlagseite) wende man sich an Sekretär Adolf P o 11 a k. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Neithar Jew nor Greek. A Study of Jewish Social Life, ßy Violett Glitten berg. London, Chatto & Windus. Im Rahmen eines an sich sehr unbedeutenden Romanes schildert die Verfasserin das Leben der englischen Juden, der armen, die in den Fabriken arbeiten und der reichen, die sich mit der „Gesellschaft* vermischen oder ihre eigene Gesellschaft bilden. Das Buch ist für den nichtenglischen Juden besonders lesenswert; er kann in den Bildern manchen verwandten Zug finden und hier und dort herausfühlen, wie sich die Eigenart seines Stammes unter dem Einflüsse englischer Art verwandelt oder erhalten hat. Es finden sich hübsche Beobachtungen und eine grosse Detailtreue. Das jüdische Familienleben findet eingehende, liebevolle Betrachtung in seinen Vorzügen und Fehlern — wie die Kinder vergöttert und verzogen werden, wie die Glieder der Familie aneinander hängen, wie sie sich im Falle der Not selbstverständlich gutmütig beistehen, wie die Heiraten geschlossen werden, und wie besonders bei den Männern der Hang nach dem Geldeswert häufig das einzige Interesse wird--hie und da spürt man eine leise, aber sehr entschiedene Kritik heraus. Die anziehendste Figur des Romanes, die mir leider viel zu verschwommen, skizzenhaft gezeichnet ist — wohl auch die Hauptfigur ist Herbert Karve, der Idealist, der sein Leben seiner Stiefschwester und seinen armen Stammesgenossen widmet, denen er einen Klub, Vortrage und Konzertabende einrichtet, wo sie sich nach des Tages Arbeit erholen und belehren können, der trotz alles Undanks sein Werk durchführt und seinen Prinzipien treu bleibt. Er ist der geistige Vorkämpfer im Judentum, bei uns also Märtyrer. R. * Erzählungen und Bilder. Von Abraham Reisen. Verlag „Progress", Warschau 1903. (Jargon.) Ein ganzes Leben, reich an Farben, an schwarzen, düsteren, reich an Tönen, an trüben, klagenden, erschliesst uns der Dichter. Das ist das Leben des modernen Ghettos der Juden in Russland. Klein sind die Erzählungen, aber eine jede sagt so viel, so unendlich viel von dem bitteren Kampfe ums Dasein, den der Jude führt, von den unsäglichen seelischen Qualen, von der unstillbaren Sehnsucht, die sein Herz verzehrt. Wie kristallisierte Tränen sind diese kleinen Novellen, aber doch so wahr, so realistisch. „Hiob" — die Lebensgeschichte eines „Melameds", der seinen Trost nur an dem Beispiele Hiobs findet, „Der alte Zimmermann", die Geschichte der letzten Tage eines armen, verlassenen, verwaisten Mannes, der verzweifelnd am Ende seiner Tage obdachlos ausruft: „Du hast dein ganzes Leben lang Häuser gebaut und musst auf der Strasse sterben!" „Reisele", diese unendlich traurige, tragische .Erzählung des Lebens eines kleinen Mädchens, der Tochter einer kranken Witwe, einer Obst Verkäuferin — alle diese schlichten Geschichten packen uns und klingen wie ein Protest, eine trostlose aber nicht minder schwere Klage gegen die ganze Welt. Den ganzen Jammer des jüdischen Lebens in kurzen Skizzen natürlich darstellen zu können, das ist kein geringes Verdienst — und dies Verdienst gebührt dem begabten Novellisten und Dichter Abraham Reisen. A. C. Autoemanzipation. Von Dr. Leo Pinsker, Mit einem Vorwort von Dr. M. T. Schnirer. Zweite Auflage. Brünn, 1903. Jüdischer Buch- und Kunstverlag. Endlich haben wir eine zweite Auflage dieses klassischen Werkes der zionistischen Literatur erlebt. Das Buch, das gerade epochemachend in der jüdischen modernen Geschichte war, ist eines der besten, wärmsten Werke, die je über die zionistische Idee geschrieben wurden« Pinsker schrieb das Buch im September 1882. — Er kannte noch den Zionismus in seiner gegenwärtigen Gestalt nicht. — Damals war alles tot, nur der Schrecken lebte; und mit dem Blute seines Herzens schrieb er das Werk, dem eine der hervorragendsten Stellen in der jüdischen Gesamtliteratur gebührt. Das Werk von Pinsker rief eine pal ästin ophile Agitation hervor. Und nun, nachdem die Träume, die Prophetien des seligen Dr. Pinsker im modernen Zionismus sich verwirklicht und verkörpert haben — nun begrüssen wir mit desto grösserer Freude die Neuauflage dieses Buches, das ich beinahe das sibyllinische Buch unserer Bewegung nennen möchte. Denn Pinsker hat viele Fragen, die uns jetzt auf das lebendigste beschäftigen, intuiert und versuchte sie zu beantworten — lauschen wir den Worten des Weisen. A. C. ann ,jn$p *>kd*6 vt wöna nxa *nv av ■»na irann .1903 «mmT, nann ,K«nKn ♦panitMip ♦& Die Chemie im alltäglichen Leben. Von Prof. Lassar K o h n, ins Hebräische übersetzt von Kontorowitz. Ein sehr nützliches Buch. Ist zu rechter Zeit gekommen, da die Lücke an solchen Werken in der hebräischen Literatur schon fühlbar wird. Die jüdischen Leser können sich schon mit den Werken des Rabinowitz na^nn) Cmöm doch nicht befriedigen — sie müssen mit den neuesten Ergebnissen der chemischen Wissenschaft bekannt werden — und diese Aufgabe erfüllt das vorliegende Buch in vollem Masse. —k. mam ruwm rw ,p*ns nvata lim'' vroprr. „Hakescheth" (Der Regenbogen). Illustrierte Monatschrift. Berlin 1903, I. Jahrgang, Nr. 1. Sehr elegant und schön ausgestattet dem äusseren nach ist die erste Nummer dieser neuen Zeitschrift der „Jungen* auch inhaltlich gut und vornehm. Hervorzuheben sind die Beitrage von Brainin: seine Skizze — „Rosa" und sein „Brief an den Redakteur". Ein Gedicht von T schernichowsky, zwar nicht eines seiner besten befindet sich in der Nummer. Im allgemeinen aber hat die Zeitschrift zu viel dilletantisches an sich. —k. «yoiri vntnn. n*mi ,jro apr n*ö ♦ö,wn ibb Gediente. Von Jakob Kahn. Verlag „Tuschijah", Warschau 1902. Ein stattliches Bändchen von Gedichten liegt uns vor Der Dichter ist jung und jugendlich, lebensmutig sind auch seine Dichtungen. Aus einem frischen, gesunden Bronnen quillt seine Poesie, aus dem der frohen, lachenden, grünen Jugend» In den Bahnen Tschernichowskys bewegt sich Kahn, gleich ihm stimmt er lustig die Leier an, gleich ihm zieht er es vor, des Lebens sich zu freuen und es zu besingen, als über das Elend zu jammern, das persönliche oder nationale. Aber oberflächlicher ist er als Ts ehern ic h o w s k y; sein Lebensmut scheint manchmal erkünstelt, gezwungen zu sein. Am meisten ersieht man es aus seinem Stil; er ist ein wenig bizarr, nicht formvollendet und manchmal sogar nicht bearbeitet. Der Dichter spricht zu viel von dem, was er möchte, so dass es manchmal scheint, dass er das Leben, das er besingt, nicht kennt. Ziemlich arm an inneren Erlebnissen ist die Seele des Dichters. Das Leben hat auf sein Gemüt nicht viel eingewirkt, die Sphinx des Lebens, die jeden Dichter von Gnaden anstarrt, hat er nicht bemerkt und dies ist ein Beweis für ein klares, schönes, aber nicht tiefes Talent. Die schönsten Gedichte sind: (Extase), „Auf der Erntewiesett u. s. w. C. Der erste allrussische Zionistentag in Minsk. Von L. Nurok. Mitau 1902. Briefkasten. Auf mehrere Anfragen: Das Inhaltsverzeichnis des letzten Jahrganges wird den P. T. Abonnenten auf Verlangen nächstens zugesendet werden.