Mannheim
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Die Welt · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Article
Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1903-02-06
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nrs 6 „Die 2$ Welt«6 Seite 13 gehoben zu werden die glänzende, in perfektem klassischen Hebräisch gehaltene Ansprache der Frau R. Goldmann und ein hebräisches, formvollendetes Gedicht von Herrn Schriftsteller S. Goldmann, vorgetragen vom Knaben Leo Kohn; beide Nummern entfesselten stürmischen Beifall. Den Glanzpunkt des unterhaltenden Teiles bildete ein gelungener, von Herrn Siegmund F i s c h e r eigens für die Feier verfasster Einakter mit zionistischer Tendenz, der von den Damen ßäckermann, Wolf und Wölpe vortrefflich aufgeführt wurde. Den gesanglichen Teil besorgten Fräulein Simon und Herr Weiss mann, die wohlverdienten Beifall ernteten. Ein Appell des Festredners zu Gunsten des jüdischen Nationalfonds hatte die Sammlung einer beträchtlichen Summe für diese zionistische Institution zur Folge. Reproduktionen jung-jüdischer Kunst zirkulierten im Saale in Form von Ansichtskarten, welche reissenden Absatz fanden. Unter Absingung der Nationalhymne „Aud lau owdo tikwossenu" (Noch ist unsere Hoffnung nicht verloren) schloss um 1 Uhr die anregende und wohlgelungene Feier. Distriktsbureau Mannheim. Eingelaufene Berichte der Ortsgruppen unseres Distrikts über Tätigkeit im letzten Quartal 190J lassen überall rege zionistische Arbeit erkennen. Fast alle Gruppea verzeichnen Zunahmen an Mitgliedern; ein i je ziemlich beträchtliche. Zahl der Gruppen von 6 auf 10 gestiegen. Weitere im Entstehen. In Mannheim selbst regstes Leben. Fast alle jüdischen Vereine heute mehr oder weniger vom Zionismus beeinflusst. B'ne B'rith-Loge auf Initiative Dr. Moses Toynbeehalle eingerichtet, die sich steigender Frequenz erfreut. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur, bisher mit ausgesprochener antizionistischer Tendenz, sprach Trietseh über „Palästina" und Feiwel über „Jüdische Renaissance". Makkabäerfeier nahm unter zahlreicher Beteiligung und Dr. Moses als Festredner äusserst harmonischen Verlauf. Zionsgruss. Jüdische Volksbibliothek. Der Berliner Verein „Jüdische Lesehalle und Volksbibliothek" hielt am 20. d.M. in seinen Räumen (Oranienburgerstrasse 28) seine neunte Generalversammlung ab« Der Vorsitzende Herr Dr. Max Ginsberg begrüsste die Erschienenen und erstattete dann den Bericht über die in jeder Hinsicht erfreuliche Wirksamkeit des Vereines und über seine Entwicklung im Vorjahre, welche hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, indem es nicht gelang, die knappen Einnahmen zu steigern. Die Bibliothek, welche 31'86 Bände (gegen 3051 im Vorjahre) umfasst, wurde von 270 Lesern, die den verschiedensten Ständen und Berufszweigen angehören, fleissig benützt, und zwar nicht nur die belletristischen, sondern auch die wissenschaftlichen, namentlich die historischen Schriften. Im Kassenberichte werden an Einnahmen 3200 Mark, an Ausgaben c2366 Mark ausgewiesen. Belgien. Antwerpen. Am 24. November fand hier die Jahres- General-Versammlung des Vereines „Agudath-Zion statt. Nachdem der Präsident Herr H. Saiti die zahlreich erschienenen Mitglieder begrüsste hatte, ergriff Herr Heinrich Grü n au, der allbeliebte General-Sekretär des Vereines, das Wort zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes. In einer halbstündigen Rede wies Redner auf die grossen Fortschritte des Vereines und des Zionismus im verflossenen Vereinsjahre hin. Als wirksame Leistungen sind zu verzeichnen: Die Gründung eines Vereinslokales mit einer jüdisch-nationalen Bibliothek, das der Versammlungsort hiesiger und auswärtiger Zionisten ist; die Veranstaltung einer Konferenz, die uns die Gelegenheit darbot, in unserer Mitte Herrn Dr. Alex. Marmorek zu hören, und die Versendung von Propagandaschriften und Broschüren. Und zum Schlüsse sagte Herr Grün au-: „Nun heisst es rastlos weiter arbeiten für den Zionismus und die jüdische Nation, durch keinerlei Hindernisse sich abschrecken lassen, das noch Versäumte nachzuholen, auf dass unser Verein blühe, die Zahl der Mitglieder steige, unsere Bibliothek sich entfalte, der Schekel sich yermehre, die Bank gedeihe, und der National-Fonds wachse.*4 Den finanziellen Bericht erstattete der zweite Sekretär Herr Heinrich Gr etzer. Es erfolgte dann die Vorlage und Abstimmung der Statuten. Auf Antrag einesMitgliedes des Vereines wurde beschlossen: l.den grossen Führern der zionistischen Bewegung volles Vertrauen auszudrücken, 2. den in Antwerpen hochgeschätzten Herrn Dr. Alex. Marmorek zum Ehrenmitgliede zu ernennen und 3. dem abtretenden Vorstande für seine Tätigkeit zu danken. Hervorzuheben ist die Anwesenheit einer Delegation der holländischen Judenschaft, welche eine Debatte eröffnete, die uns d:e Genugtuung verschafft, dass die zionistische Idee schon in diejenigen Kreise eindringt, welche bisher den Zionismus ganz ignorierten. Die Neuwahl des Vorstandes und dessen spätere Konstituierung ergab folgendes Resultat: Präsident: Herr H. Salti; erster und zweiter Vizepräsident: M. Finkeiste in und. M. Tolkowsky; General-Schriftführer: Herr Grünau; Sekretär: Herr Heinrich Gretzer; Hilfssekretär: Max, Lorie; Kassiere : M. Lewin und die Herren Jean F i sch er Isidore Tolkowsky, A. Salomon, H. Kleinberg und Gerard B. B o 11 e. O. F. Antwerpen. (Ortsgruppe.) 28. Dezember Dr. Kalmus Lübeck über „Zionismus und unsere Zeit". 300 Personen. Beitrittserklärungen. Es herrscht leider Rednermangel. Anschliessend Makkabäerfeier. Heinrich Grünau eigene Gedichte. Herr Abolafia (Gesang), Frl. Singer (Klavierbegleitung). 50 Fi es. für den Nationalfonds. Russland. Goldingen (Kurland). Vereinigung der beiden bestehenden zionistischen Vereine am 4. Jänner unter dem Namen »Kedimo", Wahlen: Präses L. A. Hirschmann, Vizepräses J. G awr o n s ky, Kassier M.Herzenberg, Schriftführer für Hebräisch J. Schiffmann, Schriftführer für Deutsch S. Beyerfeld, Beisitzer A* Brachmann, L. Wein rieh. Zweck des Vereines: Aktien- und Schekelverkauf, in kultureller Beziehung die Chedarim zu ordnen, die Schulen zu prüfen und eine Bibliothek zu führen. Rostowa. D. Die erste weibliche Rednerin des Zionismus in Russland, Frau Swenigorodskaja, kam auf ihrer Agitationstour von Stadt zu Stadt auch hierher und ihr Feuergeist war von stärkster Wirkung. Sie sprach zuerst im Vereine „Poale Zion" zwei Stunden. Publikum Kopf an Kopf. Brausendes Hedad. Zweite Rede im Vereine „Dorsche Ziona, dritte Rede im „Poale ZionK und vierte Rede meist vor Frauen in der Synagoge in Nacheschewan. Frauen weinten und küssten die Rednerin. Zwei Frauen vereine wurden gegründet. Starker Erfolg für den Nationalfonds. Die erwähnten Vereine werden die Rednerin in das goldene Buch eintragen lassen und danken ihr hiermit. England. London. Am 2i. Jänner fand in London, Kings Hall, Commercial Road, eine Versammlung der „B'nei Zion- Association" unter dem Vorsitze des H. Lennox Loewe statt. Unser geschätzter Gesinnungsgenosse Mr. Herbert B entwich L. L. B. referierte über die Lage der Juden in Rumänien. Er gab eine historische Uebersicht über die Geschichte der rumänischen Juden, ihre Bedeutung für die industrielle und kommerzielle Entwicklung des Landes und kam dann auf die gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in Rumänien zu sprechen. Er schildert in ergreifender Weise die Notlage und das Elend, das unter ihnen herrscht und wies auf die Gefahr hin. die aus der erzwungenen Auswanderung der Juden aus Rumänien nach England und Amerika den eingeborenen Juden erwächst. Mister B entwich bewies, dass die englischen Juden mit Rücksicht auf den sich fühlbar machenden Geist des Antisemitismus in England ein direktes Interesse an der Lage der rumänischen Juden haben. Er zitierte die berühmten Worte des Kardinals Manning im Jahre 1882 während der Judenverfolgungen in Russland: „Was mit den Juden in Russland geschieht, wirkt auf alle Juden jedes anderen Staates zurück/ Redner führte aus, dass es Pflicht und Schuldigkeit der englichen Juden sei, sich der Sache anzunehmen und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln geeren die Ungerechtigkeit zu protestieren, um die englische Oeffentlichkeit für die Sache der rumänischen Juden zu gewinnen. Er schloss seine glänzende Rede mit den Worten, dass seine Haltung, die eines Zionisten sei, und vom Zionismus, der die Solidarität aller industriellen Juden als Mitglieder eines einzigen Volkes predigt, inspiriert werde. * Mitteilungen des österreichischen Landes-Komitees. Die Sitzungen des Landes-Komitees finden jeden Montag im Kongressbureau statt. Zur selben Zeit sind die Mitglieder ebendort zu sprechen. — Briefe an das Lanrtes-Komitee sind an den Sekretär Adolf P o 11 a k, IX., Türkenstrasse 9, Geldsendungen an den Kassier Dr. Hugo Benedikt, I., Tiefer (haben 33, zu richten. Gegenstände der nächsten Sitzung sind Presse und Finanzielles.

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