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Die Welt · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Article
Das Wesen und die Bedeutung des Nationalfonds
Date
1903-02-06
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 ,Dfe # Welt" Seite 5 altes Heimatland verlieren sollten, 'Nein, wir dürfen es unter keinen Umstanden zulassen. Und es unterliegt keinem Zweifel, dass jeder, welcher über diese Lage der Dinge nachdenken wollte, sieh beeilen würde, sein Scherflein zum „Loskauf der Erde" beizutragen. Deshalb geniesst „Geuloth Hoorez" schon seit langer Zeit die Sympathie der besten Söhne Israels. Woher aber soll man das Geld zu diesem Zwecke nehmen? Die Spenden, welche bei dem Odessaer Palästina-Komitee einlaufen, sind der Hebung des ökonomischen Wohlstandes der Kolonisten gewidmet, bei denen der „Boden" nur einen Teil ihrer Wirt-, schaft bildet. Die Schekelgelder reichen kaum aus, um die nötigen Bedürfnisse auf dem Gebiete der Organisation und der Erhaltung der Kongresse, der Zionistentage, der Agenden desAktions-Komitees, der weitverzweigtenAgitation undPropaganda dienen zu können. Die Mittel der Jüdischen Kolonial-Bank können ebenfalls nicht zum Zwecke des Lo<~ kauf es des Bodens verwendet werden, weil die Bank ein lebendiges Institut sein muss, dessen Kapitalien sich beständig im Umsätze befinden, während Grund und Boden ankaufen die Verwandlung des Geldes in totes Kapital bedeutet. Und so musste zum Zwecke des Ankaufes von Grand und Boden ein besonderes Kapital geschaffen werden. Und das tat der V. Kongress, in dem er den Jüdischen Itfationalfonds geschaffen hat. b) Bereits unser grosser Gesetzgeber sah in seinem Entwürfe zur künftigen Begründung des jüdischen Staates mit seinem prophetischen Auge das Uebel voraus, das der ökonomischen Ordnung des jüdischen Volkes erwachsen würde, wenn das Recht auf Grundbesitz nicht in Grenzen gehalten werden wird, innerhalb welcher es weder Grossgrundbesitzer, deren Grund und Boden von gedungen e n Händen bearbeitet werden, noch ein Proletariat ohne Grund und Boden geben könnte. Das Uebel, welches noch jetzt, im Anfange des XX. Jahrhunderts, den Organismus der ganzen zivilisierten Welt zerfrisst, welches wir besonders stark in Irland beobachten, dieses Uebel wollte unser erster Gesetzgeber Moses nicht zulassen. Er konnte nicht zulassen, dass in der sozialen Ordnung des „erwählten Volkes" schlechte Einrichtungen bestünden. Und er proklamierte deshalb das Prinzip „Ki Ii kol Hoorez^, „Mir gehört die ganze Erde", sagte Gott, der oberste Führer des jüdischen Volkes. Um aber dieses Prinzip im Leben zu verwirklichen, führte Moses das Jubeljahr ein; das Eigentumsrecht auf Grund und Boden konnte nur auf 50 Jahre eingeräumt werden, denn nach dieser Zeitperiode musste der Grund und Boden seinem ursprünglichen Besitzer oder dessen Erben zurückgegeben werden. Die gestörte Gleichheit der Landparzellen, welche sieh bei der Aufteilung des jüdischen Landes ergeben hat, wurde in jedem Halbjahrhundert wieder hergestellt. Aber noch eine charakteristische Einrichtung. Während die Geistlichkeit und das Priestertum aller zivilisierten und unzivilisierten Länder aller Zeiten als die reichsten Grossgrundbesitzer und Eigentümer verschiedener Immobilien erschienen, waren die jüdischen Kohanim und Leviten der Landparzellen völlig beraubt und mussten ihr Leben gleich den Witwen und Waisen durch „milde Gaben" erhalten. Wahr ist es, die weltliehen und die geistlichen Machthaber haben später anders gehandelt, aber daran war am allerwenigsten der Gesetzgeber und seine wirklichen Jünger schuld. Die Assimilation mit anderen Völkern bildet doch das historische Uebel unseres Volkes. Indem wir jetzt die grosse Sache der Wiederaufrichtung unseres Landes in Angriff nehmen, müssen wir in den Eussstapfen Moses' wandeln, der noch von niemandem übertroffen wurde, und im. vorhinein Massnahmen ergreifen, dass es bei uns in Palästina keine Agrarfrage geben, dass der Boden dem ganzen Volke, aber nicht einzelnen Personen gehören soll, um so die verhängnisvolle Frage der „Nationalisierung des Bodens" zu lösen, welche die besten Denker von Europa und Amerika beschäftigt. Und die Lösung der Agrarfrage wird nur der Anfang der Lösung noch vieler „brennender" Fragen sein, welche die moderne Menschheit so aufregen, Wollen wir doch deshalb nach dem Orient ziehen, um von dort aus, von der Flöhe Zions herab, dem auf seiner Suche nach Wahrheit sich windenden und krümmenden Westen ein neues Wort zu verkünden. Die Erde von Palästina muss Eigentum des g a n z e n Volkes sein. Sie wird verpachtet oder in anderer Form zum Zwecke der Bearbeitung gegeben werden, was später erst endgiltig festgestellt werden wird. Jetzt wird nur das Prinzip gelöst, die nächste Zukunft muss der praktischen Arbeit auf Schaffung des nationalen Eigentums, d. h. des Jüdischen Nationalfoncls, gewidmet werden. c) Wenn der mit den Mitteln des Nationalfonds gekaufte Boden dem g anze n jüdischen Volke, nicht einzelnen Mitgliedern desselben, gehören wird, so ist es selbstverständlich und natürlich, dass die Mittel selbst nicht von einzelnen grossen oder kleinen Kapitalisten, sondern vom ganzen Volke, Kopf für Kopf, Mann für Mann, einschliesslich dem ärmsten Proletarier aufgebracht werden müssen. Denn sonst würde der jüdische Boden dem Volke von seinen reichen Söhnen zum Geschenke gemacht, nicht aber mit den mühsam erworbenen, mit Blut und Schweiss benetzten Groschen erworben worden sein. Aber was leicht erreicht wird, ist nicht dauerhaft. Und deshalb wurde behufs Schaffung des Nationalfonds das Markensystem eingeführt, denn es kann keinen Juden oder keine Jüdin geben, welche nicht imstande wären, von Zeit m Zeit eine Marke im Werte von einer Kopeke zu erwerben..... Und somit werden unsere Volksgenossen zur neuen, langen und schweren, aber grossen und ruhmreichen Arbeit aufgefordert: zur Lösung der alten Heimat und Küekstelhmg an ihr eigenes Kind: das ewige Israel. * Die vom Ingenieur Ussischkin am Schlüsse dieses Artikels empfohlenen Mittel und Wege zum Zwecke der erfolgreichen Spendensammlung für den Nationalfonds sind von der „Welt" bereits oftmals näher bezeichnet und beleuchtet worden. Sie bestehen hauptsächlich darin, dass die Vereine eine intensive Tätigkeit entwickeln mögen, um Ivoi joder Angelegenheit für den Nationalfonds zu sammeln. Auch alle zionistischen Einrichtungen werden ermahnt, für diesen so wichtigen Fonds unablässig zu wirken. gt. Zuviel. Wiener Zeitungen wissen zu berichten, dass die Universitätshörer von Lausanne gegen die Aufnahme russischer Studentinnen an Schweizer Universitäten demonstriert haben. Einen angeblichen Grund hierfür finden sie im Unvermögen ihrer Kolleginnen, auf Grund der Vorbildung in Russlancl im Studium mit ihren ausländischen Kollegen gleichen Schritt zu halten. Die Prüfungsergebnisse beweisen die gänzliche Hinfälligkeit dieses Grundes. Die Entschleierung des wahren, des Hintergrandes nahm Prof. Herzen vor, der die Studentinnen in Schutz nahm und hierbei gegen die antisemitische Note der studentischen Forderungen protestierte. Wir sind weit entfernt davon, aus dieser ersten Schwalbe einen Schweizer Judenwinter zu prophezeien. Freiheit und Recht, die Macht und der Ruhm der Schweiz sind in jedem Eidgenossen viel zu lebendig,, um irgendwie eingeschläfert werden zu können. Ünd doch der Lausanne! Protest und die Furcht, dass eine Jugendheranwächst, die von Josef eine schlechte Meinung hat!

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