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Die Welt · 1903-01-30 · 5 (30.1.1903) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
5 (30.1.1903)
Article
[Nachricht]
Date
1903-01-30
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 5 „Die $ Weit" Seite 7 Institutionen Londons und eine Zeitlang auch Präsident der sephardischen Gemeinde von London. Seine Lieblingsidee, den Unterschied zwischen Sephardim und Aschkenasim zu verwischen und beide Gemeinden zu verschmelzen, konnte er nicht der Verwirklichung näherbringen. WtlfrSbi'OQilt* Jerusalem in St. Louis. Auf der im Jahre 1904 stattfindenden Weltausstellung in St. Louis in den Vereinigten Staaten wird im Zyklus der Städte-Repioduktionen, die in letzter Zeit in allen Weltausstellungen Mode geworden sind, eine Darstellung Jerusalems vor der Zerstörung durch Titus vorgeführt werden. Der Leidensweg. Ein Reporter des Wiener Tagblattes „Die Zeit* stattete sich als Hausierer aus, um Erfahrungen über das Leben eines solchen zu sammeln. Er beschreibt nun seine Erlebnisse in einem Vorstadtgasthaus: Ich wurde mit Gröhlen begrüsst. Einer brüllte! »Hurrah, hurrah, der Jud is da!Ä Man fiel im Chorus ein. Ein plumper Bursche packte mich mit seinen klobigen Händen bei den Beinen und zog mich näher. Dann schlug er mir ein Glas an die Zähne und zwang mich zum Trinken. Sein Tischnachbar wankte auf mich zu und schrie: „Rothschild, sing' a Couplet!" Dieser Aufforderung folgte ein Beifallssturm und ein wüstes Geschrei. „Na!" brüllte ein Dritter, der offenbar Ansehen unter den Saufbrüdern genoss: „Stad! Deklamir'n soll'r, die Bürgschaft auf Jüdisch, dös is a Hetz'!" Ich habe Menschen noch nie in brutal tollerer Ausgelassenheit gesehen als nach diesem Einfall eines besoffenen Kerls. Man warf die Stühle um; halbvolle Bierflaschen wurden von den Tischen geworfen. Einer goss mir warmen Kaffee in den Nacken. Schliesslich hoben mich mehrere auf den Tisch und schrien: .Deklamir'!" Ich verhielt mich erst ganz passiv. Der Abscheu überwog meinen Zorn. Dann rief ich den Kellnern zu, mich aus meiner Situation zu befreien. Aber die Kellner rührten sich nicht. Sie standen zwei Schritte entfernt und lachten aus vollem Halse. Was blieb mir demnach übrig? Ein Dutzend eiserner Hände hielt meine Beine umklammert. Endlich besann ich mich auch, dass ich Hausierer geworden war, um die Qualen dieses Berufes zu studieren und auszukosten. Ich begann also die Bürgschaft zu deklamieren, aber nicht „jüdisch" — denn das kann ich nicht. Nach einigen Versen unterbrach man mich mit dem Ausruf: „Du bist a fader Jud!" „Schmeissts'n aussi!" rief eines der Weiber mit böhmischen Akzent. Nun liess man mich los. Erst im nächsten Lokal bemerke ich, dass man schwarzen Kaffee in meinen Hausierkasten gegossen und so den grössten Teil meiner Spitzen verdorben hatte. In meiner rechten Rocktasche spürte ich eine klebrige Nässe. Man hatte mir Bier hineingeschüttet — also war^n auch meine Ansichtskarten beim Teufel. Ein solches Ende nahm mein Hausieren. Die wenigen Bilder, die ich gab, genügen wohl, um eine Vorstellung von dem zu geben, was ich erlebt habe und was ein Hausierer erleben kann. Juden im englischen Heere. Anlässlich der Mitteilung, dass jüngst der englische Oberbefehlshaber Lord Roberts in einer der Hauptsynagogen Londons einem besonderen Gottesdienst für jüdische Soldaten beigewohnt habe, kommt ein Artikel des Wochenblattes „Spektator" auf die Vertretung der Judenschaft im englischen und in ausländischen Heeren zusprechen. Dabei wird unter anderem erwähnt, dass im südafrikanischen Kriege über 1200 Mann jüdischer Abkunft als Offiziere und Soldaten gekämpft haben. Die Zahl der Toten und Verwundeten unter ihnen soll einen ungewöhnlich hohen Perzentsatz ergeben. Unter aktiven höheren Offizieren israelitischer Abkunft und Bekenntnisses werden die Obersten Montefiore, Leverson und Goldsmid erwähnt. Wollte man nur die^ Abkunft in Betracht ziehen, so könnte man auch noeh höher hinauf jüdische Soldaten finden, die aber heute dem christlichen Bekenntnis angehören. Auch im indischen Heere unter den eingeborenen Truppenteilen sollen Juden verhältnismässig zahlreich vertreten sein. Sie entstammen zum guten Teil einer Judenkolonie in Bombey, die als die Beni Yisrael bekannt ist. Merkwürdigerweise ist dieser Bevölkerungsbruchteil, der seit uralten Zeiten dort sesshaft ist, der einzige, dessen Hauptbeschäftigung als Soldaten dienst in den amtlichen Listen verzeichnet ist. Seine Söhne haben seit mehr als hundert Jahren den indischen Regimentern eine Menge eingeborener Offiziere geliefert, von denen sich manche bis in die neuere Zeit glänzend hervor getan und mit Ruhm und Auszeichnung bedeckt haben. Das älteste Bibelmanuskript. Eine der wertvollsten biblischen Entdeckungen der letzten, Jahre ist, wie aus Kairo berichtet wird, in Syrien gemacht worden, wo, wenn nicht das älteste bekannte, so jedenfalls eines der ältesten hebräischen Manuskripte der Bibel aufgefunden wurde. Das Dokument ist von Syrien nach Kairo gebracht.und von K h al e e 1 S a b r a gekauft worden. Es besteht aus fünf Büchern des Pentateuch, die in semantischen Schriftzeichen auf Gazellenpergament im Jahre 116 der moslemitischen Zeitrechnung, dem Jahre 735 n. Chr. geschrieben sind. Es ist also weit älter als irgend ein hebräisches Manuskript der Bibel, das man in europäischen und amerikanischen Bibliotheken findet. Ein Vergleich mit der jetzigen hebräischen Bibel zeigt mehrere wichtige Verschiedenheiten. Direkt nach dem Dekalog kommt in dem Manuskript eine Stelle von etwa fünfzehn Zeilen, die sich in der jetzigen Version der Bibel nicht findet. Diese allein wird wahrscheinlich mehrere wichtige Streitfragen, die seit Langem bestehen, aufklären. Mr. George Z ei d an von der ßoyal Asiatic Society, der ein bekannter arabischer Aütpr' ^üfiä Geschichtsschreiber . ist, wurde zeitweilig \ mit - der : Aufbewahrung des kostbaren Manuskripts in Kairo ^bej^äü^'1 Nachfragen bei einem Sachverständigen im Britischen'1' Museum, wo man bisher noch nichts von dem Dc^k^meöt' wusste, bestätigten die Behauptung, da»s, wenn das7"Datum genau übersetzt ist, Grund vorhanden ist, die Entdeckung als beachtenswert zu halten. Es wurde dabei auch erwähnt, dass ganz vor Kurzem eine samaritanische Version des Buches Noemi und mehrere hebräisch geschriebene Gebete von den Museumsbehörden erworben worden sind. Diese Dokumente tragen das Datum 1339 unserer Zeitrechnung und wurden für die ältesten vorhandenen gehalten. Die Nachricht von der letzten Entdeckung hat daher Aufsehen erregt, besonders da man nicht glaubte, dass so bald ein ähnliches, viel älteres Dokument gefunden werden würde. ^i*ibäne. Volksgenossen und Genossinnen! Mit dem politischen Tode unserer Nation verstummte auch der einst so. mächtige und herrliche, weit über die Grenzen Palästinas hinaus schallende jüdische Sang. Während des langen, finsteren Golus erbaute uns kein „Selah/ erfreute, uns kein „Hedada — in schluchzendem Stöhnen, in klagendem Wehe ergoss sich unser Lied. Doch der frische Frühling, dessen 'Hauch' unser altehrwürdiges Volkstum neu belebt und uns gleichsam die „Messiasspuru zeigt, fordert immer ungestümer seine Rechte. Die Rennaissance des jüdischen Volkes wäre unvollständig, wenn nicht geradezu undenkbar ohne das Wiedererwachen des jüdischen Liedes. Dieses hehre Ziel hat der neugegründete jüdische Gesangverein , Schir Zionc< auf seine Fahne geschrieben und gedenkt es durch intensive Pflege des hebräischen, deutsch-jüdischen und Jargonliedes anzustreben. Zur Erreichung dieses Zieles bedarf aber der Verein der tatkräftigen Mithilfe aller gesangeskundigen oder gesangesfreundlichen Juden, an die er hiemit aufs eindringlichste appelliert. t Juden! Männer und Frauen! Tretet dem Vereine .Schir Zion" bei, der neben der Hebung des jüdis^ri^n1 Zusammengehörigkeitsgefühles und der jüdischen Geselligkeit, in erster Linie die Pflege ernsten und frohen jüdischen". Gesanges bezweckt! Die einen als Sänger, die anderen als Gönner! Mit freudijgem „Hedad" werden wir euch begrüssen. Der provisorische Ausschuss. Anmeldungen und Briefe sind zu richten-an H. Josef Hass, III., Obere Viaduktgasse 10 oder Jochanan Thau, IX., Währingerstrasse 56. E i n 1 a d u n g. Die Mitglieder des „Schir Zion", sowie sämtliche Ge^ sinnungsgenossen werden zu der am 5. Februar 1903 (8. Schebat 5663), Donnerstag, im Kongressbureau, IX, Türkenstrasse 9, stattfindenden konstituierenden Generalversammlung höflichst eingeladen. . Der provisorische Ausschuss, Jüdische Hochschule. Es wird mitgeteilt, dass sich das Bureau^ „Jüdische Hochschule'' in Genf, 4 rue Lombard befindet. Alle das Projekt der „Jüdischen. Hochschule" betreffenden Mitteilungen sind an diese Adresse zu richten; Durch das?

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