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Die Welt · 1903-01-30 · 5 (30.1.1903) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
5 (30.1.1903)
Article
Anglo-Palestine Company, Limited
Date
1903-01-30
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die $ Welt? Nr. 5 Aenderungen, einberufen wird. Die Resolution lautet folgendermassen: Dass das Kapital der Gesellschaft um 40,000 Pfd. Sterl., die in 40.000 ordentliche Aktien zu 1 Pfd. Sterl. eingeteilt sind, vergrössert und dies zu dem registrierten Kapital von 10.000 Pfd.' Sterl. hinzugerechnet werden soll. Korrespondenzen und Telegramme. Russländ. Petersburg, Die grosse Armut, welche im jüdischen „^Niederlassungsgebiete? herrscht, hat das Bedürfnis nach Errichtung von: Vorschuss-. und Darlehen-Kassen mächtig geweckt. Das .Ministerium des Innern wurde von Gesuchen um Erlaubnis zur Gründung solcher Hilfs-Kassen förmlich überschwemmt. Nunmehr - hat das Ministerium eine Verordnung über die Modalitäten, erlassen, unter denen die Erlaubnis zur Eröffnung von Hilfs-Kassen im jüdischen Niederlassungsgebiete überhaupt erteilt werden könnte. Darnach müssen folgende Forderungen des Ministeriums erfüllt werden: 1. Zwei Drittel der Mitglieder der Verwaltung und des Rates der Ililfs^Kassen müssen aus Christen bestehen; 2. Vorsitzende j(^i|M^waltü|i;gen # uad; Kuratoren der Vorschuss-Kass&nJ^Ä^g^fnur ^fifisten sein; v3, Die Vorschuss- Kasse darf tith^TÄÄoM sich in den Mauern der Stadt befinden . . . Aber alle drei Forderungen des Ministeriums sind sehr schwer, in vielen Fällen sogar ganz unmöglich zur erfüllen. Im jüdischen Niederlassungsgebiete sini viele Gemeinden vorhanden, welche fast ausschliesslich aus Juden bestehen, zwei Drittel von Christen in der Verwaltung einer Hilfs-Kasse ist nicht immer möglich zu beschaffen^ * . «. . Auch die Forderung, nur Immobilien städtischer Einwohner zu belehnen, ist eine Schmälerung der Intentionen dei* Begründer der Hilfs-Kassen, welche dahin gehen, allen Notleidenden unter gewissen jModalitäten Darlehen zu gewähren. ■. Tiflis. Der Stadt Tiflis droht die Gefahr, ohne vokale und instrumentale Musik zu bleiben. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Chöre und die Musikkapellen in den Theatern und anderen Unterhaltungs-Etablissements von Tiflis aus zugereisten Juden bestehen, welche das Wohnrecht ausserhalb des jüdischen Niederlassungsgebietes nicht besitzen. Wie der „Tifiiskij Listok" meldet, hat der Polizeimeister von Tiflis die Polizei-Kommissariate angewiesen, strenge darüber zu wachen, dass Juden, welche das Wohnrecht in Tiflis nicht besitzen, nicht als Musikanten oder Choristen angestellt werden sollen . ♦ . Die bereits Angestellten unterliegen der Ausweisung ... * Petersburg. Das Unterrichtsministerium hat dieser Tage verfügt, dass Jüdinnen, welche im Besitze eines Maturitätszeugnisses eines Staatsgymnasiums zum römisch-katholischen Glauben übertreten, um das Recht einer Haus- oder Privatiehrerin zu erwerben, einer Extraprüfuhg in russischer Religion und Kirchengeschichte unterzogen werden müssen . . . ■ Warschau. Das statistische Bureau der Stadtverwaltung von Warschau publiziert statistische Daten über die Bewegung der Bevölkerung der Stadt in den letzten zwei Jahrzehnten. Aus diesen Daten erfahren wir, dass für die Juden die grossen Städte des Nordwest- und des Weichseli'pfeinefces als „Konzentrationslager* dienen. Aus dem Innern ftäs Reiches und aus den Dörfern ausgewiesen, strömen diese Unglücklichen nach den Grossstädten im Niederlässüngsgebiete und vermehren die Zahl der jüdischen Proletarier in unheimlicher Weise, So hat sich die jüdische Bevölkerung in der Zeitperiode von 1882 bis 1901 von 33 auf 36 Perzent, von 127.917 im Jahre 1882 auf 254.712 im Jahre 1901, erhöht. Die Armut der Juden in Warschau hat sich dadurch bedeutend vergrössert! : ■ - - Kischinew. Anfangs Februar feiert Geheimrat Somow, der Chef der Staatsdomänen-Verwaltung von Cherson und Bessarabien, 'dem die jüdischen' Ackerbaukolonien des Goüverhemehts Cherson unterstehen, das fünfzigjährige Jubiläum mim?, staatlichen Tätigkeit. Als humaner, edeldenken^er^pud^ ^w^rmher^iger. Staatsmann hat Somow besonder^vjel W in den Kolonien getan. Er lhkt dhsör'eii Brüdern stets die grösste Sympathie entgegengebracht und alles getan, um ihre Lage zu verbessern^ Wie die Zeitschrift „Jug" meldet, haben sämtliche jüdische Kolonisten beschlossen, dieses Jubiläum feierlich zu begehen. Es werden Geheimrat Somow durch besondere Deputationen Adressen und photographische Abbildungen der Kolonien überreicht werden. * Cherson. Die Stände-Verwaltung von Cherson hat, wie die Zeitschrift „Wjestnik Juga" meldet, vor wenigen Tagen das dreissigj ährige Jubiläum des Beamten der Landschaft, des Juden Schapsa Kohutskij, feierlich begangen* Es wurde ihm unter anderem ein Silberschrein zum Geschenke gemacht mit der Inschrift: „Dem redlichen Schapsa Chaimowitsch Kohutskij zum Andenken an die Stände- Verwaltung von Cherson." Petersburg. In der letzten Sitzung der historisch-ethnographischen Kommission der Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Russländ hielt der bekannte Gelehrte Dr. A. L. Katzenelsohn einen Vortrag unter dem Titel: „Religion und Politik bei den alten Juden", der das Interesse der Zuhörer in hohem Masse erntete. Wir werden auf diesen wertvollen Vortrag zurückkommen. Gt. Oesterreich-Ungarn. Prag. Wie ein getaufter Jude von seinen Parteigenossen behandelt wird, erfährt jetzt der Tschechenführer vom jüdischen Stamme Dr. Stransky. Die „Lidove Noviny", das Organ des Obmann-Stellvertreters des reichsrällichen Jungtschechenklubs Dr. Stransky, hat eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, welche eine mit den Beschlüssen des erwähnten Klubs nicht im Einklänge stehende Taktik propagierten. Dieses Vorgehen veranlasste die „Narodni Listy" zu einer Polemik gegen das Brünner Blatt, welches seinerseits die Antwort nicht schuldig blieb und den vermeintlichen Verfasser der betreffenden Polemik in den „Narodni Listy" persönlich angriff, indem es ihm vorwarf, er sei früher in einer alttschechischen Redaktion. tätig gewesen. Die heutigen „Narodni Listy* wenden sich nun mit heftigen Angriffen gegen Dr. Stransky, indem sie hervorheben, dass er in der gesamten tschechischen Oeffentlichkeit, insbesondere beiden jungtschechischen Reichrats- Abgeordneten, grosses Entsetzen hervorgerufen habe. Ein solches Vorgehen sei beispiellos und bei anderen Parteien unmöglich und umso bedenklicher, weil es die Haltung der gesamten tschechischen Politik im wichtigsten Augenblicke berührt und den Klub, dessen Obmann-Steilvertreter Dr. Stransky ist, dort, wo die tschechische Delegation und die von ihr vertretene Sache imponieren sollten, herabgesetzt habe und imstande sei, den Klub mehr zu schädigen, als jede bisherige feindliche Aktion. „Wir untersuchen nicht, sagen „Narodni Listy" zum Schlüsse, welcher der Redakteure der „Lidove Noviny" früher bei einer anderen Redaktion gesessen ist; wir untersuchen auch nicht, ob es auf der Welt Leute gibt, welche, um eine Karriere zu machen, ihren Gott gewechselt haben." Amerika. Aus New-York wird berichtet: Die erste Connecticuter Zionisten-Garde hat an der Parade der Freiwilligen zum erstenmale in der Uniform der amerikanischen Armee und mit Gewehren bewaffnet, teilgenommen. Personalnachrichten. Unser Gesinnungsgenosse Mr. Nahuni Schlouschz (Ben-David) in Paris, Professor an der Ecole normale Orientale hat vorige Woche mit einer These unter dem Titel: „Renaissance der hebräischen Literatur von 1743—1S85* den Doktortitel der Pariser Universität erlangt. * Samstag den 17. d. M. nachts starb nach kurzer Krankheit in London Sir Joseph Sebag-Montefiore in seinem 81. Lebensjahre. Sein Vater war der in London angesiedelte marokkanische Kaufmann Salomon S e b a g, seineMutter, Sarah Montefiore, Schwester des berühmten Philanthropen Sir Moses Montefiore. Joseph Sefoag begleitete seinen Onkel auf seinen Reisen ins Heilige Land und war überhaupt sein Adlatus. Sir Moses vermachte diesem Lieblingsneffen seinen herrlichen Besitz und Schloss East Cliff Lodge, Ramsgate, dessen Wert auf hunderttausend Pfund Sterling geschätzt wurde, und die Königin gestattete ihm, dem Namen des Vaters dem seines grossen Onkels hinzuzufügen. Im Jahre 1896 erhielt Mr. Sebag die Ritterwiirde. Er war Vorstandsmitglied der meisten jüdischen

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