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Die Welt · 1903-01-30 · 5 (30.1.1903) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
5 (30.1.1903)
Article
Erschiesst euch!
Date
1903-01-30
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 5 3* WeKttfe Seite o Dann wird man anfangen, zu überlegen, ob man die Ueberlebenden menschHch behandeln soll. Th. Plebe. P. S. Im letzten Augenblick erfahre ich, dass Herr Stourdza sich ausgesprochen haben soll, dass er erst bei 75.000 Juden über die rumänische Judenfrage zu «denken" anfängt. Das ändert aber nichts an der Sache; man muss nur 75.000 aus den von Herrn P. P. Carp zugegebenen 125.000 substrahieren und den Rest zu den früheren 95.000 addieren. Th. P. Die Makkabäerfeier in Wien. Aus den Genieindebunden und Kujltu^stuben der Assimilantenführer werden langsam politische Antiquitätenkabinette, Schmollwinkel für verlachte und veraltete politische Launen; denn das Volk strömt uns zu. Die Berichte unserer Makkabaerfeiern — Feste, die auf der ganzen Welt begangen werden, sagen zu unserer Freude, dass es überall vorwärts geht. Immer weitere Kreise der lang umworbenen, jüdischen Masse werden vom Voltsgedanken erobert — das jüdische Volk feiert zionistische Feste. Auch die Wiener Juden haben bewiesen, dass sie besser sind als der Ruf ihrer Indolenz. Das zeigte sich bei der Makkabäerfeier am 22. ds., die in ihrem Besuche und ihrer Wirkung den Veranstaltern, dem niederösterreiehischen D. K. zu einein Ehrenabend geworden ist. Von ihr, als dem Typus eines unserer nationalen Feste, geben wir ein ausführliches Bild zu Nutz und Frommen derjenigen, die noch immer mit ausgewaschenen Freiheitsphrasen das jüdische Volk zur Teilnahme am jüdischen Leben gewinnen wollen. In den Eichtfluten des raumreichen Sofiensaales wogte und brauste das Gewühl eines Volksfestes. Um 8 Uhr wurden die engeren Passagen aus Sicherheitsrücksichten gesperrt. Um halb neun Uhr war kein Schritt im eigentlichen Saale möglich, auf dessen Stiegen, in dessen Winkeln sich die Menge presste. Um 9 Uhr wollte der Kommissär den Eingang sperren, weil auch die Doppelgalerien überfüllt waren. Was uns das freudigste war: der jüdische Kleinbürger sass und stand neben dem jüdischen Nobiii. Der Hauch alt jüdischer Volksgemeinschaft, der über einer Feier der Makkabäer schwebt, hatte die Schranken der modernen Gesellschaft geöffnet; ein brüderliches Volk war bei uns zu Gaste. Ueber 3000 Leute waren anwesend, so viel, dass der Saalbesitzer erklärte, nie eine so hohe Frequenz irgend eines Festes gesehen zu haben. Es muss die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden, dass der nächste Tag ein Werktag war. Und diese Menge stand im Banne unserer Idee. Nationale Farben wallten über ihren Köpfen. Marken des Nationalfonds, nationale Karten waren stark begehrt; nationale Worte, Verse und Weisen schlugen an ihr Ohr. Freudig hörte jeder zionistische Kämpfer den widerhallenden Jubelsturm, den die Wortführer weckten, weil sie die Gefühle der tausende Herzen im Saale aussprachen. Dieser Beifall, er ist der heisserstrebte Gewinn harter Arbeit, nicht der Beifall für uns, sondern die Zustimmung des Volkes für die Rufer nach Freiheit. Die beste Triebkraft jeder nationalen Bewegung, die Vereinigung der Frauen und Mädchen mit den Akademikern, hatte bei den Vorarbeiten des D. K. mitgewirkt, dessen Einladung u. &. gefolgt waren: Die Herren vom A.-C: Architekt Marmorek, Dr. Kokesch, Dr. Kahn, Ing. Krenienezky; die Herren vom L.-C. mit dem Präsidenten Prof. Dr. S. Krenberger an der Spitze; die Leitung der Jüdischen Volkspartei: die Herren Dr. Rappaport, Dr. K. Lifczis, Dr. Weisengrün; vom Kultusvorstand Herr kais. Rat Wilhelm Pollak, der Präsident der Oesterreichisch-Israelitischen Union, Herr Maximilian Paul-Schiff; die Redaktionen des „Jüd. Volksblatt^ der „Wahrheit" und „Neuzeit". Ferner Herr Oberst Ritter von Eiss. Unter den sämtlich erschienen zionistischen Korporationen ist der FrauenvereiiL (Präsidentin Frau Dr. Sidonie Kahn) wegen seiner Wirksamkeit für den Nationalfonds besonders hervorzuheben. Dr. Max Bernhard, Obmann des D. K., hielt eine zündende Eröffnungsrede, in welcher er die Erschienenen als Mitkämpfer im nationalen Kampfe begrüsste und die Verständigung des jüdischen Bürgers und der jüdischen Jugend zum Heile des Freiheitsgedankens feierte, auf welch letzteren er ein mit tosendem Beifall aufgenommenes Hedad ausbrachte. Die Produktion des Akademischen Chores uhter seinem Dirigenten Lübetzky hatte ein prachtvolles nationales Bild zur Folge. Man sang „Moaus zur" (erste Strophe hebräisch). Die letzte Strophe dieses Kampfliedes: „Freiheit ist der hohe Preis — den Juda will erringen" sang das Publikum stehend wie aus einem Munde mit und setzte stürmisch eine Wiederholung durch. Wie nun der Massengesang das Haus durchbrauste, da klang er aufregend wie ein Bekenntnis — wie ein Schwur. Den Glanzpunkt des Abends bildete die Festrede unseres geschätzten, arbeitsfreudigen Freundes Dr. Klee, der dazu eigens aus Berlin gekommen war. Mühelos eroberten sich seine Stimme und seine Gedanken in dem riesigen Saale Stille. Dramatisches Leben lag in den Bildern, die er von der jüdischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gab, und klar und verständlicL setzte er die Voraussetzungen, Forderungen und Aussichten des Zionismus seinen gespannt lauschenden Zuhörern auseinander. Er hielt gründliche Abrechnung mit den Verführern des jliiscEen Volkes und zerfaserte ihre Argumente. Den Juden aber, die zu uns kommen wollen, sagte er, was ihrer warte: harte Werbearbeit und Opfer, doch als Preis dafür die Freiheit. Zionismus in seiner reinsten Form, mit seinen strengsten Forderungen, war der Inhalt der Rede Dr. Klees, der tausendstimmige! Beifall zustimmte. In dem darauf folgenden musikalisch-deklamatorisches Teile konzertierte die Regimentskapelle aus Opern jödischer Komponisten. Hierauf lernten wir in Frl. Wally Theumium eine hochbegabte SängeH'in kennen, die mit vorzüglich geschultem Sopran passende Lieder und abgenötigte Zugaben vortrug. Starken Beifall erntete der Hofburgschauspieler Herr Konrad Loewe, der mit altgewohnter ^ßravour den „Sturm", die „Wanderer" und den „Jüdischen Mai7< von Rosenfeld vortrug- Ren- Professor Josef Sulzer erfreute seine Zuhörer durch den meisterhaften Vortrag einiger Konzertstücke. Haerauf begann der Tanz, den das Komitee eröffnete. Die drei ersten Paare waren: Frau Nelly Marmorek-Dr. Bernhard, Frau Ing. Kremenezky-Dr. Klee, Frau Fanmy Weiss-jur. Löwenstein. gtOTBkQ.fest-flOTflqfo »»L-ifc H^n* GrtMa: CtaaM«. IlM t»U«m.O»»nl«l.»». X.lArtMr. <l t» «rvtr JulWdm lUrtiffc».*. TV~4»r SKHI 6» rt«K** l.lcd»iM j K«fT»r«i4«iH.n «M TffftätoM. *£J^ A*MI . im. Mm t,t ji w«!t-C»,.«m ** KHkv. &!>.« i0U«M IW(|| ita Viti..ilff..li i. WM., im im*. <h. * * S!.n,-T^5-' Etoc j*4tadi« K.ibt» krif 2a< Au» iE» * tI^SSStfcf?itST*ii.« «■*». 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Nicht im Tanze lag diesmal ein solches Vergnügen, dass die ersten Festgäste erst in den Morgenstunden aufbrächest; sondern eine Jüdische Gesellschaft gleichgestimmter, vom hohen Ideen bewegter und in Zukunftsfreudigkeit heiterer Judo» schied nicht gerne von einander. Und so trennte man sich erst„ als die Lichter ausgingen. Wie viele Assimilanten könnten auf solchen Featam iSre politische Krankheit verlieren! Die finanziellen Erfolge waren trotz der, Auslage» günstig für das D. K. und den ISTationalfonds. Der Propagandd-Erfolg war unbestritten vorzüglich. Frau Fanny Weiss stickte und widmete in dankenswerter Weise demKomitee die weissblauen Fahnen mit dem Möge» David. Viel Anklang fand die Damenspende in Gestallt einer Miniaturausgabe der „Welt" in einem Miniaturzeitunprahmen mit dem Titelblatt unserer Chanuka-Nummer und mit zionistischen Mottos, Gedichten und Bildern unserer Führer als Inhalt. -r: Anglo-Palestine Company, Limited. BrookHouse, Walbrook London E. C, 21. Jänner 1903. Hiermit wird zur Kenntnis gebracht, dass eine ausserordentliche General-Versammlung der obenerwähnten Gesellschaft in dem angegebenen Bureau der Gesellschaft am Freitag den 30. Jänner 1903, um 3 Uhr Nachmittag behufs der Besprechung und eventuellen Annahme folgender Resolution mit oder ofaae

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