Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 4 (23.1.1903)
- Article
- Aufruf! [Nachricht]
- Date
- 1903-01-23
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 4 „Die & Welt** Seite 9 ^Fibiiiye. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Aufruf! Das österreichische Landes-Komitee „Verband Zion" hat den 2. Adar '— 1. März 1903 — im Anschlüsse an die Vorlesung des Abschnittes von Schekel — Parschat Schkolim — als allgemeinen Sehekeltag für Oestereieh festgesetzt. Zionisten! Wie in den unvergesslichcn Tagen -der Selbstständigkeit die Opfergabe mit der Zählung des Volkes Verbunden war, so soll auch heuer der 2. Adar nach Zeit und Ziel an unsere Vergangenheit anknüpfen. Gleich unseren Gesinnungsgenossen in den übrigen Ländern, die den Schekel tag zu einem Festtage erhoben haben, an welchem allen Juden unsere hehren Bestrebungen zum Bewusstsein gebracht weiden, sollen auch die österreichischen Organisationen durch diesen Tag ihre Stärke nach aussen und innen dokumentieren und die Zahl unserer Anhänger feststellen. Der Tag soll durch Versammlungen und Festlichkeiten von allen Zionisten ausnahmslos gefeiert werden. Die leitenden Mitglieder der Vereine sollen dafür Sorge tragen, dass sich der Entrichtung des Schekels kein Zionist entziehe. Der Sc h ekeltag Oesterreichs soll würdig ausfallen und als dauernde Institution die Zahl der jüdischnationalen Festtag e v e r m e h r e n. Gesinnungsgenossen! Das österreichische Landes-Komitee erwartet, dass seine Organisationen hinter jenen anderer Länder nicht zurückbleiben werden. * An alle Zionisten! Der Verein „Ahawath Zion" in Neutra (Ungarn) hat die Gründung einer judischen Bibliothek inauguriert, einerseits um seinen Mitgliedern einen Sammelpunkt zu schaffen, wo sie durch Lektüre und Gedankenaustausch ihre zionistische Gesinnung kräftigen können; andererseits auch um denjenigen Stammesbrüdern, die wir für unsere heilige Sache gewinnen wollen, Anregung zu bieten, sich dem Vereine und so der zionistischen Partei anzuschliessen. Da die Vereinsmitglieder sich jedoch grösstenteils nicht in so günstigen Verhältnissen befinden, dass der Vorstand von ihnen die zur Gründung einer Bibliothek erforderlichen Opfer heischen könnte, ergeht an alle Gesinnungsgenossen die Bitte, unser Vorhaben durch Bücherspenden oder Zusendung gelesener jüdischer Zeitschriften (hebräisch, deutsch, ungarisch) zu unterstützen. Sendungen werden an unten gezeichneten Vereinsobmann erbeten. Mit Zionsgruss Im Auftrage: Emil N eu m an n, Obmann des „Ahawath Zion". Neutra (Ungarn), im Tebeth 5&63. Anmerkung der Redaktion. Der Verein „Ahawath Zion* in Neutra, der nach kaum Jahren nahezu 100 Mitglieder zählt, steht auf einem der exponiertesten Posten in dem vom Zionismus noch ungenügend besäeten Ungarn. Die Gründung mehrerer benachbarter Ortsgruppen ist seiner Anregung zu verdanken. Die Kräftigung dieses Vereines ist demnach sozusagen ein strategisches Erfordernis. Wir glauben daher, die obige Bitte auf das wärmste unterstützen zu sollen. * Brünn, den 18. Jänner 1903. Löbliche Redaktion! Die am 2. Jänner 1903 erschienene erste Nummer d*r „Weh" bringt einen von Herrn Davis Triesch (Berlin) gefertigten Artikel „Die jüdische EmigrationsfrageV in welchem das Problem eines jüdischen Auswanderungsamtes erörtert wird. In der am 9. Jänner 1903 erschienenen zweiten Nummer der „Welt" wird Herr Davis Triesch von Herrn Weissberger als der Urheber dieser Idee bezeichnet Es sei nun darauf hingewiesen, dass Herr Dr. D. F ar b st e i n (Zürich) in dem schon im Juli 1902 im Verlage der „Jüdischen Volksstimmeu erschienenen „Jüdischen Volkskalendeiu und in der „Jüdischen Volksstimme1' selbst der Idee zur Errichtung eines jüdischen Auswäaderungsamtes durch die Abhandlung: „Ein jüdisches Auswanderungsamt*1 Ausdruck verliehen hat. Verlag der „Jüdischen Volksstimme'' MaxHickl. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Danid E11 i s s in K o s s o w Kr. 240.—. ,Ness Zionah" in R i g a Kr. 252.—. Geschwister Berger aus ßolschoi, zur Eintragung ihrer verewigten Eltern Moses und Fanny Berg er ins goldene Buch Kr. 504-.—. Jos. L. 11 z k o w i t z Kr. 252.—. Bachmuter Zionistenverein Kr. 240.—. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. SchliesFÜch haben wir vor uns die ersten drei Nummern der neuen hebräischen Zeitung „Hazofe" «nasn" in Warschau. Und wir müssen zu unserer Freude bekennen, dass wir einen überraschenden Eindruck bekommen haben. Alle besten Namen der hebräischen Literatur: Perez, Breinin, Lewinski (Reb-Korew) u. s. w. finden wir hier. Der moderne Ton, die vornehme Haltung des Blattes fallen schon beim ersten Blicke auf. Nur eines hätten wir an dem Blatte auszusetzen, und wir hoffen, dass sein journalistisch geschulter Leiter Herr A. Ludwipol wohl seine Aufmerksamkeit dem zuwenden wird; es ist nämlich zu sehr literarisch und zu wenig politisch für ein Tagblatt. Es werden die sozialen Fragen wenig berührt, aber hoffentlich wird das Blatt auch diesen Fehler verbessern und wahrhaft auf der Höhe stiner Aufgabe stehen. Wir heissen das neue Blatt herzlichst willkommen und wünschen ihm Glück. A. C. David Deutsch. Ein Lebensbild von Dr. Norden, Rabbiner in Myslowitz. 1902. Verlag des „Vereines für jüdische Geschichte und Literatur" in Myslowitz. Dr. med. Alfred Waldenburg: Das isocephale blonde Rassenelement unter Halligfriesen und jüdischen Taubstummen. Berlin, 1902. Verlag S. Calvary & Co. (Das Buch wird nächstens im Zusammenhange besprochen werden.) nrcia nmas hkd pmK rwpr6 tti-ibd epaa;'&bvr\\< ♦D^tf-p'' o m:m -w yiD y a1 b „Jerusalem", Zeitschrift für die Erforschung Palästinas, redigiert von A. M. Lunz. Bd. VI, Heft 2. 1902 in Jerusalem. Ein sehr nützliches und für jeden Palästina-Freund empfehlenswertes Sammelwerk. Im letzten Hefte finden wir ein Kuriosum: den samaritanischen Text des Buches Josua in hebräischer Uebersetzung. Die Frage, ob der Text authentisch ist, lassen wir dahingestellt. Hüs der JSe^e§at)g. _____Gedenket des Schekels!____ Berlin. Am Mittwoch Abend hielt der stell vertretende Vorsitzende des Wiener Zionistischen Aktions-Koniitees Architekt M a r m o v e k im Saale der Bock-Brauerei einen sehr interessanten Vortrug „Uber jüdisches Volkstum*'. Die zahlreiche Versammlung folgte mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen, dass die Juden mehr als andere Sfcamniesgeuieinschaften berechtigt seien, sich als Nafcion zu fühlen. Er wies uns in der jüdischen Nation und im Nationalismus die festen Grundlagen des Zionismus, der allein die soziale und politische Frage der Juden losen könne. Bei allem Patriotismus dürfe doch die Liebe zu unserem Volkstum nicht erlahmen, und wir müssten, was wir Fremden gegenüber tüten, unserem Brüdern gegenüber zum mindesten auch auf uns nehmen. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Nation durch jahrhundertelange Verwandtschaft zu einer einzigen erweiterten Familie geworden wäre. Die Folge der zionistischen Beewgung sei die Befreiung des verfolgten Stammes aus Not und Elend. Sehr interessant waren die Ausführungen unseres A.-C.-Mitgliedes über die Erfolge., die der Zionismus schon jetzt zu verzeichnen habe. Besonders wies er auf die Erfolge in Südafrika hin. An den Vortrag, der mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde, schloss sich eine Debatte, die durch Rabbiner J)r. L e v y eingeleitet wurde, der besonderen Nachdruck darauf legte, dass die junge Generation der Rabbiner einen anderen Standpunkt dem Zionismiis gegenüber einnehme als die ältere, die nicht verstände, dass der Rabbiner schon der Religion wegen betonen müsse, dass in erster Linie die Nation der Juden stehe. Im weiteren Verlaufe trat Herr Neufeld dafür ein. in zionistischen Versammlungen mehr positives Kolonisationsmaterial vorzubringen. Tu einem den Zionisten freundlichen Sinne sprach sich Ken- Kauffnmmi aus, der das Rabbinertum auf die geschichtliche Vergangenheit verwies. Gegen einen Vertreter des Bundisnms wandte sieh in zwei Reden Dr. Heinrich L o c w< e, der unter der Zustimmung der Versammlung das Unhaltbare der sozialistischen Ällheilrezepte für das jüdische Volk nachwies. Dr. Klee wies