Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 4 (23.1.1903)
- Article
- Konferenz der italienischen Zionisten
- Date
- 1903-01-23
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 4 „Die # Welt" Seite 7 gemeinsames Vorgehen durch die Presse und die Parlamente zu erstreben; c) den Beitritt von hervorragenden italienischen und französischen Persönlichkeiten und ihre Mitwirkung anzustreben. IV. Zuletzt sprach man über das Studium der schweren Fragen der Wohltätigkeit und des Unterrichts in den jüdischen Genossenschaften und über Massnahmen zur moralischen Brweckung des italienischen Judentums. Korrespondenzen und Telegramme. Russland. Warschau. Wie der halbamtliche „ Warschawskij Dnewnik" meldet, wurden im Gouvernement Warschau auf Verfügung der Behörden einige jüdische ßethäuser gesperrt. Die Verfügung wird damit begründet, dass die ßethäuser ohne behördliche Genehmigung errichtet worden wären. Eine genaue Prüfung hält jedoch diese Begründung nicht aus. So wurde zum Beispiel auch das jüdische Bethaus in Gore-Calvarisa gesperrt, das seit 1829, also dreiundsiebzig Jahre bestand. Noch mehr, da dieses Bethaus vor drei Jahren infolge einer Feuersbrunst eingeäschert wurde, gestattete die Behörde den Wiederaufbau des jüdischen Gotteshauses ohne weiteres. Die Rabbiner der von der Massnahme hart betroffenen Judengemeinden haben gegen die Schliessung der Bethäuser Beschwerde erhoben, bis jetzt aber ohne Erfolg. * Charkow. Wie gross die Verarmung der Juden in Russland ist, kann man aus folgender Tatsache ersehen, welche die rein russische Zeitschrift „Wjestnik Juga" (Bote des Südens) in einer ihrer jüngsten Nummern mitteilt. Danach wurde das jüdische Bethaus der Aschkenasim zu Charkow von der Charkower Bodenkredit-Bank zur öffentlichen Versteigerung bestimmt, weil das Bethaus nicht imstande war, die Rate zur Tilgung seiner Schuld bei der Bank zum festgesetzten Termin einzuzahlen. Und die Rate betrug im ganzen die Summe von 150 Rubeln! Die jüdischen Einwohner von Charkow, welche einst zu den wohlhabenden Bürgern der Stadt zählten, sind im Laufe der Jahre materiell so heruntergekommen, dass sie ihr Heiligtum der öffentlichen Lizitation verfallen sehen, ohne die nötige Summe beibringen zu können. Sie appellieren jetzt an den Wohltätigkeitsinn der Juden in Russland, um ihr Gotteshaus der Versteigerung entziehen zu können. * Petersburg. Die Petersburger Kolonisations-Gesellschaft hat im Laufe der letzten Jahre Daten über die Zahl der Juden gesammelt, welche im Niederlassungsgebiete Ackerbau betreiben oder sich mit anderen Zweigen produktiver Arbeit beschäftigen. Da diese Daten zu einem riesigen Material über die Tüchtigkeit der Juden als Ackerbauer angeschwollen sind, hat die Kolonisations-Gesellschaft beschlossen, diese Daten demnächst in Buchform erscheinen zu lassen. Wir werden auf dieses interessante Werk zurückkommen. * Warschau. Die Klagen der Juden in Russland, dass sie auf dem Gebiete der Militärpflicht mehr als die Christen im Zarenreiche belastet werden, finden eine unwiderlegliche Bestätigung in den dieser Tage im „Warschawskij Kurjeru publizierten Daten über die Zahl der im abgelaufenen Jahre in der Stadt Warschau assentierten Militärpflichtigen. Diesen offiziziellen Daten gemäss wurden in Warschau im Assentjahre 1902 327 Christen und 439 Juden assentiert, zu einer Zeit, wo die jüdische Bevölkerung der Stadt Warschau nur ein Drittel der Gesamtbevölkerung beträgt . . . * Bojarka bei Kiew. Dieser in den Nadelwäldern von Kiew liegende Kurort für Brust- und Lungenkranke besitzt einen Verschönerungsverein, der seine reichen Geldmittel zum grössten Teile den Juden von Bojarka verdankt, welche für die Verschönerung des Kurortes ausserordentlich viel getan haben. Aus Dankbarkeit suchte der Verein unlängst bei der kompetenten Behörde um Erlaubnis zur Aufnahme von Juden als Vereinsmitglieder an. Das Ministerium des Innern beschied nun, wie der „Kiewljanin" meldet, dieses Gesuch im allgemeinen abschlägig, gestattete nur die Aufnahme von Juden, welche das Wohnrecht im ganzen Reiche geniessen und Immobilien in Bojarka besitzen . . .# Petersburg. Zugunsten der jüdischen Studenten der Petersburger Lehranstalten hat die , Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Russland" unlängst im Adelskasino einen Musikabend mit Tanzunterhaltung veranstaltet, der in seinem rein zionistischen Charakter einen glänzenden Verlaufnahm. Die Verkaufskioske trugen in hebräischer Sprache die Aufschrift ,d,l,^^ yotPK öK Die Programme waren mit Verzierungen und palästinensischen Motiven geschmückt, und überall war das „Mögen Dovid* zu sehen. Der Abend warf ein bedeutendes Erträgnis ab. Kertsch. Der Kertscher Zionistenverein „Poel-Zion" hat vor kurzem dem Stadthauptmann von Kertsch ein Gesuch um Erlaubnis zur Eröffnung einer zionistischen Bibliothek und Lesehalle unterbreitet. Wie der „Juschny Kraj" nunmehr meldet, hat der Stadthauptmann dem Ansuchen der Zionisten seine Sympathie ausgedrückt und versprochen, das Gesuch beim Ministerium des Innern wärmstens zu empfehlen. gt. Oesterreich-Ungarn. Wien. (Dr. Öppenheimer als Vortragender.) lieber Einladung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" hatte Herr Dr. Oppenheimer (Berlin), der bekannte Nationalökonom, diesem Vereine einen Vortrag:;,Der Staatentod im Altertum und die jüdische Nation1" zugesagt. Die vom jüdischen intelligenten Publikum mit Spannung erwartete Konferenz fand Samstag den 17. d. im Saale des n.-ö. Gewerbevereines statt. Der sympathisch aufgenommene Gelehrte schilderte den Entwicklungsgang der antiken Gesellschaft, angefangen von der Sesshaftmachung des erobernden Hirtenstammes bis zum Untergang eines schwachen und entnervten Proletariates. Er wies den engen Zusammenhang zwischen Mensch und Scholle nach und zeigte, wie der Mangel an Grundbesitz den Hungernden in TTie Stadt bringt, wo er um Brosamen zum schmarotzenden Proletarier wird und als solcher einem Volkssterben oder einem starken Eroberer zur leichten Beute wird. Geistreich vertrat Redner seine neue Hypothese, wonach nicht aus ursprünglich gleichem Eigentum später ungleiches wird, sondern die Führer des erobernden Stammes mit ihrer durch Sklavenhände vervielfachten Arbeitskraft sich grössere Landstrecken zueigneten, umso leichter, als damals das Land wertlos war. Bei Viehseuchen oder Dürre hielt dann der Starke aus, der Schwächere ging zugrunde und je mehr es an Boden für die zunehmende Bevölkerung fehlte, umso stärker vermehrte sieh das Proletariat der Städte. Deswegen war die Hauptsorge der Volksfreunde, für die Zuteilung genügenden Bodens zu sorgen, und so lange der Hauptstand des Staates der kleine Bauer war, entwickelte der Staat gesundes Leben in allen Formen. Namentlich bei den Juden war dem Bauernstand alle gesetzliche Fürsorge zugewendet und das gab diesem kleinen Staate seine ungeheuere Widerstandskraft. Land für jedermann! Dieses Losungswort ist und war der Pfeiler jedes gesunden Staatswesens. Aus dem Vortrage, der voll interessanter Beispiele, Zitate und Gesichtspunkte war, konnte in diesem Rahmen von uns nur das Leitmotiv entnommen werden. Der Scbluss aber, den der Vortragende auf Gegenwart und Zukunft machte, soll besonders hervorgehoben sein: Die gerechte Verteilung von Grund und Boden, die An Siedlung auf Grund einer Genossenschaft, hat in jüngster Gegenwart ein .»landwirtschaftliches Wund-er hervorgerufen, als die Salzsteppe, die von den genossenschaftlich organisierten Mormonen in Nordamerika besiedelt wurde, bald als blühender Garten dalag, denn der Preis gesicherter Unabhängigkeit und eigener Erhaltung verdoppelt jede Arbeit, und der Mormonen stat blühte. Der Zionismus, in dessen Plänen die Prinzipien moderner Bodenreform aufgenommen sind, hat nach den besten Erfahrungen der Wissensehaft die Garantie in sich, dass seine Gründungen lebensfähige und. dauernde sein werden. Das Eigentum des Staates an Grund und Boden, der nur in Erbpacht und nur nach der Grösse der Arbeitskraft vergeben wird, verbürgt den Dauererfolg dieser, die strengsten Forderungen moderner Wissenschaft mit alten gestählten Idealen verbindenden Bewegung. (Stürm. Beifall.) " y. Herr Dr. Öppenheimer sprach Montag und Dienstag in wissenschaftlichen Vereinen. Nationalfonds. Die Repräsentanz der orthodoxen Judengemeinde in Pressburg hat beschlossen, den .Nationalfonds" jenen Institutionen anzureihen, für die im Tempel beim Aufrufe zur Thora gespendet werden darf. Am Sabbat- Chan uka wurden bereits in allen Pressburger Synagogen namhafte Beträge der Nationalinstitution gewidmet. MandaUntadertegunq des Abqeordneten Auspitz. Unter dieser Spitzmarke berichtet die »N. F. P.*: „Abg. Auspitz hat heute sein Mandat niedergelegt. Es verlautet, dass er sich zu diesem Schritte durch den Umstand veranlasst fühlte, dass er von d$r deutschen Portschrittspartei, der er angehört, nicht für den Zucker au sschuss kandidiert wurde, Abg.