Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 3 (16.1.1903)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1903-01-16
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Die # Welt" Nr. 3 S. Fischer einen Vortrag über das Thema: „Haben Träume eine Bedeutung?" halten, Beginn präzise 3 Uhr nachmittags im Religionssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, II. Stock. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Verein zionistischer Studenten aus Russland „Leo Pinsker".) Sonntag den 18. Jänner findet im Kongressbureau (IX., Türkenstrasse 9) ein Vortrag über „Jüdische Musik" statt. Referent: Herr A. JLubetzky. Gäste herzlich willkommen. Wien. („Allgemeiner j üdischer Arbeite rv er ein".) Samstag den 17. Jänner, 8 Uhr abends, findet im separierten Lokale des „Cafe" Adria", IL, Schwarzingergasse Nr. % ein Vortrag des Gesinnungsgenossen Nathan Gross über „Modernes Judentum" statt. Gäste herzlichst willkommen. Wien. („Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter.") Sonntag den 18. d. M. um 5 Uhr nachmittags IV. ordentliche Generalversammlung im Saale des Kongressbureaus, Türkenstrasse 9. Tagesordnung: 1. Berichte. 2. Wahlen in die Vereiusleitung. 3. Referat des Kollegen Samuel Strauss über: „Organisation und Presse". 4. Freie Anträge und Interpellationen. Es ist Pflicht jedes Kollegen, bestimmt zu erscheinen. Wien. („A dass-Jeschurun-Verei n'\) Bei dem Festessen, welches dieser Verein jeden Sabbat von 3-5 Uhr im IX. Bezirk, Harmoniegasse 8 veranstaltet, wird das Benschen zugunsten des Nationalfonds versteigert. Wien. „(V e r ei n i gu n g z i o n i st i s c h er Hochschüler.) Dienstag den 20. Jänner 1. J. um 7 Uhr abends wird im Vereinslokale, (IX. Bezirk, Hahngasse 20) Gesinnungsgen o-isin phil. Sarah Rabbinowitz einen Vortrag über die , .Kulturellen Aufgaben des Zionismus" halten, zu dem wir alle Mitglieder und Freunde unseres Vereines einladen. Wien. Der jüdisch-nationale Arbeiterverein feiert am Samstag den 31. Jänner in Lö bis Saal, VI, Schmalzhofgasse 10, sein 2. Gründungsfest verbunden mit Festrede, Gesang, Juxöazar und Theater mit anschliessendem Tanzkränzchen. Karten ä 60 Heller, an der Kassa 80 Heller, sind zu haben in der Redaktion der „Welt", IX.. Türkenstrasse 9, Buchbinderei J. Hasterlik, VI., Wiodmühigasse 39, und beim Tanzunterricht Sonntags nachmittag im eigenen Privatvereinslokal, VIII., Kochgasse 16. Wien. (W ochenprogramm der „Jüdischen Toynbee-Halleu.) Sonntag den 18. Jänner: Konzert. — Montag den 19. Jänner: Dr. Jerusalem „Oesterreichisches Staatsrecht". — Dienstag den 20. Jänner: Diskussion „Schule und Haus"* — Mittwoch den 21. Jänner: Dr. J. W. F ri e s er „Die Bekämpfung der Tuberkulose". — Donnerstag den 22. Jänner: Dozent Dr. P o 11 a k „Hygiene des Ohres". — Freitag den 23. Jänner: S. M. Mehrer: „Erklärung der Sidra". — Samstag den 24. Jänner: Konzert und Rezitation. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Herrn Dr. Siegmund Werner, IV., Wiedener Hauptstrasse Nr. 18. Brünn. Die jüdisch-akademische Verbinduug „Veritas" veranstaltet am 17. Jänner 1. J. im ^Maurischen Saale" des Grand Hotel ein Tanzkränzchen. Der Masseneinlauf von Vereinsnachrichten macht es bei unseren Raumverhältnissen notwendig, dieselben in allernächster Zeit zusammengefasst und gekürzt zu bringen. Der Wortlaut wird nur bei Verbandsberichten berücksichtigt werden. Die Red. Feuilleton. (Nächdruck verboten.) Nlkolaj Chazkelewitsch. Aus dem Leben der Juden in Petersburg. Von K. Pruschanskij. Frei nach dem Kussischen von N. Golant. (Fortsetzung.) Da ich aber um diese Zeit sehr viel zu tun hatte, so empfing ich Schlemka äusserst unfreundlich in der Voraussetzung, da ss mein kühler Empfang ihn zum Verlassen meiner Wohnung nötigen würde. Aber Schlemka schien meine Absieht nicht verstehen zu wollen; so rührte er sich nicht vom Flecke, gab vielmehr mir zu verstehen, dass eine wichtige Angelegenheit ihn zu mir geführt hätte. Um jedoch diesem Besuche so rasch als möglich ein Ende zu machen, richtete ich an Schlemka die Frage: „Welche Angelegenheit führt dich zu mir?" „Angelegenheit?" sagte er achselzuckend; „welche Angelegenheit kann denn zwischen mir und Ihnen bestehen? Aber ich wollte Sie nur etwas fragen." „So frage; um was handelt es sich?" „Ich weiss nicht, wie Sie meine Anfrage auffassen werden," sagte er schüchtern und verlegen. „Und ist dir etwa nicht gleichgiltig, wie ich die Sache auffassen würde? Spreche, um was handelt es sich/* „Sehen Sie," sagte er im Flüstertone, sich furchtsam umschauend, als ob er der Gefahr, belauscht zu werden, ausweichen wollte. „Ich möchte wissen, wann Jörn Kippur ist?" „Das kann man aus jedem Kalender erfahren. Aber sage mir gütigst, was interessiert dich diese Sache?" fragte ich ihn nicht ohne Hinterlist. Einige Augenblicke bewahrte Schlemka Stillschweigen. Dann machte er sichtlich eine Anstrengung und sagte mit einer Grimasse: „So, aus Neugierde. Immerhin, Jörn Kippur . . .f; „Nun, was ist dabei," sagte ich lächelnd: „mich z. B. interessiert die Sache ganz und gar nicht/' „Sie sind, gebildet, Sie lesen Zeitungen, Sie kennen alle Neuigkeiten, für mich aber bildet schon die Tatsache allein, dass bald Jörn Kippur kommt, eine grosse Neuigkeit/* „Mir scheint, Schlemka, du lügst!"' „Nun, warum scheint Ihnen dies? Aus welchen Gründen soll ich lügen?" „Das weiss Gott allein, aus welchen Gründen du lügst; dass du aber in diesem Falle lügst, ist sicher. Nicht aus blosser Neugierde erkundigst du dich, wann Jörn Kippur ist." „Welche Gründe aber haben mich, Ihrer Ansicht nach, bewogen, diese Erkundigungen einzuholen," fragte er und richtete seine kleinen schwarzen Augen auf mich siegesbewusst, als ob er sagen wollte: „Nim, löse die Aufgabe!" „Die Gründe sind ganz einfach," sagte ich lächelnd; „du willst den Jörn Kippur-Tag in der Synagoge zubringen." Schlemka bebte zusammen; im Nu verschwand das Lächeln von seinem Gesichte, seine Augen drückten Verlegenheit und Schrecken aus. Und nach kurzer Pause sagte Schlemka ganz hilflos: „Wie ich sehe, können Sie in der menschlichen Seele ebensogut lesen wie in einem Buche." „Ich habe es also erraten?" „SchlemRa nickte bejahend mit dem Kopfe. „Jetzt aber sei aufrichtig und sage offen, was dich dazu bewogen hat?" „Ich werde Ihnen aufrichtig sagen: ich halte es länger nicht aus . . . ," und die Worte blieben in seiner Kehle stecken, er konnte nicht weiter. „Was denn hältst du länger nicht aus?" „Es fällt mir schwer, Ihnen dies auseinanderzusetzen. Sie wisssen, ich kann leider nicht allen meinen Gedanken den richtigen Ausdruck verleihen. Ich kann nicht länger auf zwei Stühlen sitzen. Wenigstens ein einzigesmal im Jahre möchte ich unter mir einen Stuhl haben," „Du, Schlemka, du sprichst heute in Rätseln, ich verstehe nicht, was du damit sagen willst," bemerkte ich. „Oh, gesund sollen Sie sein! Sie sind so gescheit und gebildet und können die einfachste Sache nicht verstehen. Als Jude sass ich auf einem Stuhle. Der Stuhl war sehr unbequem, alt, so dass man immer die Angst hatte, in eine tiefe Schlucht geschleudert zu werden. Um aber für meine Haut nicht fürchten zu müssen, Hess ich mich auf einem anderen, neueren und festeren Stuhl nieder. Und er erwies sich als noch schlechter," „Wodurch?"