Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 3 (16.1.1903)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1903-01-16
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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- Lod 1× ep/1045074
- Odesa 1× ep/1000834
- Tiberias 1× ep/1048138
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»en. 8 pBfe w©er Ht. 3 ist, so gilt dies für die Mella im Superlativen Sinne. Es sind enge, mit tiefen Löchern versehene Gassen, mit Bergen von Unrat, die selbst vor den Haustüren die Passage stören. Ein unbeschreiblicher Gestank brütet in dieser Riesenkloake. Aber die Leute selbst sehen gut und freundlich aus, die Frauen und Mädchen sind von der Natur aus mit körperlichen Reizen überreichlich bedacht, ihre Tracht ist reich, Schmuck besitzen sie im Ueberflusse. Während unseres Besuches in der Mella drängen deren Insassen von allen Seiten auf uns ein, und wir haben Not, uns der Kinder zu erwehren, welche unsere Hände küssen wollen. Die grossen, klugen und schönen Augen der Frauen funkeln in faszinierender Glut, und ihr Lächeln^ wenn sie uns ein freundliches .,Buenos dias!'*' zurufen, ist geradezu bezaubernd. Das ganze Viertel ist in Aufregung, und als wären wir ihre langersehnten Erlöser, überschütten sie uns mit Glück- und Segenswünschen. Gelegentlich eines Empfanges einer Judendeputation im Paläste der Gesandtschaft erfahren wir mancherlei Details über die Stellung dieser Parias von Marokko, über die harte Existenz und die Demütigungen, die sie ununterbrochen erdulden müssen. Ausserhalb der Mella darf kein Jude und keine Jüdin mit irgendwelchem Schuhwerk an den Füssen sich blicken lassen. Wie sie die erste Gasse der mohammedanischen Stadt betreten, müssen sie die Pantoffel abstreifen und blossen Fusses umhergehen. Es ist aber kein stolzes, kein selbstbewusstes Einhergehen. Scheu schleichen sie durch die engen Gassen, zwischen den dichten Gruppen ihrer feindlichen Mitbewohner hindurch, jeden Anlass zu unliebsamen Zwischenfällen vermeidend. Alle Verachtung, die man ihnen seit undenklichen Zeiten angedeihen liess, hat indess nicht vermocht, das zähe Völkehen niederzudrücken. Sie sind, wie anderwärts in der Welt, die Seele aller einträglichen Handelsgeschäfte und in mancher Hinsicht sowohl dem Lande, wie der übrigen Bevölkerung unentbehrlich Aus diesem Grunde existiert für sie eine gesetzliche Bestimmung, nach der ihnen die Auswanderung versagt, den Mädchen die Schliessung von Ehen ausser Landes verboten ist. Von den Sultanen hatten sie jederzeit weniger zu leiden, und wenn sie ihre Geldgeschenke, zu deren Leistung sie an gewissen hohen Festtagen verpflichtet waren und noch immer sind, bewirkten, liess man sie von allerhöchster Seite meist ungeschoren. Ja, hin und wieder traf es sich, dass ein liberaler Sultan, wie beispielsweise Suleiman, ihnen aufhelfen wollte und die Erlaubnis erteilte, dass sie Schuhe auch ausserhalb ihres Quartiere« tragen dürften. Die Ausführung dieser Erlaubnis scheiterte aber an dem Fanatismus der Mauren, welche über die Juden herfielen und sie durchprügelten oder massakrierten. Schliesslich mussten sie selber den Kaiser bitten, die Erlaubnis zn annullieren. („Wr. ^Hg- Ztg.") Ein Judenmassacre in Fez. Die „Wr. Allg. Ztg." meldet, das« in Fez «in Jadenmassacre stattgefunden hat, bei welchem 20 Juden getötet wurden. Personalnachrichlen. Unser geschätzter Freund Herr Dr. Karl J eremias (Posen) hat sieh mit Frl. Eosa Grünbaum verlobt. Gg. Paul Riesftr, Obmann des Vereines „Achdus" und Mitglied des D.-K. Krakau, hat sich mit Frl. Karol aus Lemberg verlobt. W«1t«@bi'on11<- Der Wmler in Jerusalem. Die Heilige Stadt ist bisher noch immer von der Cholera verschont geblieben, doch ist jetzt nach allen vier Richtungen der Kordon gezogen: Bab el Wad, Salomonsteiche. Rainallah (im Norden) sind derzeit die Kordonstationen. Man kann nun nach keiner Richtung mehr einen auch nur kleinen Tagesausflug machen, ohne Gefahr zu laufen, in die Quarantäne gesteckt zu werden. In Gaza ist die Cholera erloschen, ebenso in Lydda* Kubab und in der Saron-Ebene. Dafür grassiert sie in Jaffa noch innner. Am 18. Dezember war in Jaffa kein Todesfall mehr amtlich konstatiert. Es heist, dass deshalb der Kordon zurückgezogen werden solle. Man braucht das Militär zur Steuere in treibung. In den letzten Tagen herrschte in Palästina kaltes, unfreundliches Regenwetter. Während dieser Regenzeit fiel das Zimmerthermometer einigemale auf 13 Grad Reaumur, so dass die „Kälte" ganz empfindlich war. In Jericho und dem Ghor (Jordan-Ebene) herrscht die Cholera vielleicht noch, denn es ist schwer, sichere Nachrichten über den Stand der Krankheit von dorther zu erhalten. In Kaifa und Nazareth ist keine Cholera. In Tiberias ist sie erloschen. In Dschenin und in Nablus kamen mehrere Todesfälle an Cholera vor^ ebenso in den Dörfern um Beisan. Jerusalem leidet schwer an den Folgen der Quarantäne. Nirgends gibt es Arbeit; Handel und Gewerbe stocken, keine Fremden, keine Touristen, deren es doch sonst vor der Weihnachtszeit so viele hier gibt, nicht einmal Pilger aus Russland kommen hierher, denn bis vor kurzem waren gegen Odessa fünf Tage Quarantäne. Die Lebensmittel sind sehr hoch im Preise gestiegen, viele mehr als das doppelte! Die Religionen im Jahre 1903. Ein Statistiker gibt die Zahl der Menschen für das Jahr 1903 mit 1534 Millionen an. Davon sind rund 500 Millionen Christen und 1034 Millionen Nichtchristen. Von den Nichtchristen sind 8 Millionen Juden, 178 Millionen Mohamedaner und 848 Millionen Heiden. Von den 500 Millionen Christen sind 221 Millionen römisch-katholisch, 94 Millionen griechisch-orientalisch,, 165 Millionen evangelisch, während der Rest sich auf verschiedene kleinere Religionsgemeinschaften verteilt. Jüdische Nonnenklöster. Das ist ein bitter ernster Plan der Juden in Chicago. Di'. Adolf Danziger macht den Aufruf zur Gründung im „Chicago Israeliten Er fragt die jungen jüdischen Damen, zu was sie denn ihr Leben verwenden, ausser dem Studium der Mode, den Plaudereien, dem Lesen von Novellen, dem Besuche cTes Theaters, dem Einfangen eines Mannes und den gesellschaftlichen Vergnügungen? „Wie viele von euch," fragt er, „besuchen die Armen und pflegen die Kranken? Jüdische barmherzige Schwestern! Das Herz überfliesst bei dem Gedanken, Nicht Schwester Go Idstein oder Isaacs, sondern Schwester Mirjam, Rachel, Deborah. Ihr allein könnt den jüdischen Glauben wieder beleben, tausend Prediger können nicht so viel tun. Bildet eine Schwesterschaft : werdet die Mütter eines Ordens* der sich überall ausbreiten soll, wo es Juden gibt. Gelobet Gehorsam der Menschheit, Gehorsam der Demut, der Keuschheit, der Heiligkeit. Gründet einen Orden, habet eine Priorin, traget ein Ordenskleid und habet eure ausschliessliche Wohnung (ein Kloster)!!" Die Thiere in der B»bef. betitelt sich ein sehr interessantes kleines Buch von Gambier Bolton, dem bekanntesten Tierphotographen in England. Die Bibel erwähnt eine grosse Anzahl Tiere und enthält sehr viele Tatsachen, die für Naturforscher von besonderem Interesse sind. Hunde und Katzen werden niemals in den kanonischen Büchern erwähnt, obwohl diese Tiere verehrt, sehr sorgfältig gepflegt und in Aegypten nach ihrem Tode einbalsamiert wurden. Löwen gab es augenscheinlich in biblischen Zeiten sehr viele in Palästina. Hiob sagte sehr wahr: „Der alte Löwe stirbt wegen Mangel an Beute." Der Chita, eine Art zur Jagd dressierter Leopard, wird in den Schriften erwähnt, aber nicht unter diesem Namen. Das Wort Hyäne erscheint wenigstens in der englischen Uebersetzung der Schrift nicht, aber Boltou glaubt, dass Jesaias auf sie als „Trauergeschöpfe" hinweist. Der Wolf wird sehr oft in der Schrift erwähnt. Man spricht von ihm gewöhnlich als Symbol unehrlicher Leute, der Bedrücker und Erpresser. Er war auch das Symbol des Stammes Benjamin. Bären werden mehreremale erwähnt. Einer wurde von dem Knaben David getötet, als er ein Lamm seiner Herde forttrug. Zwei Bären verschlangen die Kinder., die zum Propheten Elias sagten: „Gehe hinauf, Kahlkopf!" Die asiatische wilde Ziege wird häufig in der Bibel erwähnt, aber das Wort ist verschiedentlich falsch übersetzt worden. Die englische Version übersetzt es mit „Gemse"', und die vom griechischen abgeleitete Uebersetzung mit Giraffe. Pferde wurden von den Kindern Israels nicht gebraucht. Die in der Bibel erwähnten sind arabische und persische Pferde, und die Könige Israels durften sie nicht pflegen, da sie mit der Sonnenanbetung verbunden waren. Maultiere wurden von den Juden erst 1000 Jahre v. Chr. gebraucht, da es im Leviticus besonders verboten war, Tierarten zu kreuzen. ^pibätK. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Allen Gesinnungsgenossen! Eine klein© Gruppe von Männern beabsichtigt, sich in wenigen Tagen in Kopenhagen zur ersten zionistischen Vereinigung Dänemarks zusammenzuschliessen,um der grossen Idee auch in einem Lande Eingang zu verschaffen, wo sie den breiteren Schichten oft nicht einmal dem Namen nach bekannt ist, zumal hier eine sehr liberale Regierungsform vorläufig noch den offiziellen Antisemitismus und damit teilweise auch einen äusseren Anlass für den Zionismus ausschaltet. Unterzeichneter richtet daher in Anbetracht der durch die schrittweise Eroberung des Bodens hervorgerufenen Schwierigkeiten, die noch erhöht werden durch den vollständigen Mangel geeigneter Agitationsschriften in der Landessprache die höfliche Bitte an alle Förderer unserer hohen Ziele, die junge Gruppe durch Ueberlassung von Büchern, Broschüren, Flugblättern älteren und jüngeren Datums zu unterstützen, die sich speziell auf den Zionismus oder im allgemeinen auf jüdisches Wesen beziehen. Mit Dank und Zionsgruss Dr. Louis Fraenkel, Nörrebrogade 34.