Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 2 (9.1.1903)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1903-01-09
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 2 „Die jC^ Welt** Seite 9 Wien. (Verein jüdischer j ugendlicher Arbeit er.) Sonntag den 11. d. M. im Saale des Kongress - Bureaus, IX./ Tü^kenStrasse % Vereinsabend: Vorlesung eigener Dichtungen1 von Herrn Max Eisler. Beginn präzise halb 6 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (Verein jüdis eher Handelsangestellter Wien.) Samstag den 10. Jänner 1903, 8 Uhr abends, findet im Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9, ein Vortrag über „Unsere Stellung zur Sonntagsruhe" statt. Referent: Nathan Gross. Gäste alier Parteischattierungen wie auch Damen herzlichst willkommen. Zuschriften in Vereinsarigelegen - heiten und Beitrittserklärungen sind an den 1. Schriftführer des Vereines Isidoi Grobtuch, Wien, II/3, Herminengasse 13 zu richten. Graz. (Die jüdisch-akademische Verbindung „Charitas") gibt Samstag den 17. Jänner im grossen Saale des Hotels „Stadt Triest" ein Kränzchen. Regimentsmusik. Beginn ya9 Uhr. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Wien. (Die Generalversammlung und Makkabaerfeier des Einzelvereines „Fünfhaus* des „Zion".) Am 27. Dezember 1902 hielt der Einzelverein „Fünfhaus" des „Zion" seine statutengemässe Generalversammlung ab und verband mit ihr eine Makkabaerfeier, die im Vereine mit der akademischen Verbindung „M accabaea* veranstaltet worden war. Der Besuch war ein sehr grosser. Hunderte Leute fanden keinen Platz mehr. Unter den Gästen, die die Feier mit ihrer Gegenwart beehrten, heben wir besonders den Kultusvorstand kaiserliehen Rat Wilhelm P o 11 a k hervor. Der Rechenschaftsbericht des Ausschusses wurde vom Obmanne Dr. S. Krenberger erstattet. Der Einzelverein begründete als dauernde Institution das „Jüdische Bildungsheim" im XIV. Bezirk, Denglergasse 1. Die „Volksbibliothek" umfasst 300 Bände. Der Einzelverein hat auf alle anderen jüdischen Vereine der Bezirke 12 bis 15 Einfluss erlangt. Er setzte seine Anhänger bei der Wahl in die Bezirkskommissionen durch. Für die Zukunft ist die Errichtung einer „Spar- und Vorschusskasse" geplant un d für den Nationalfonds soll durch persönliche Werbung und Flugschriften stark gesammelt werden. Die Neuwahl für das 5. Vereinsjahr ergab folgendes Resultat: Dr. S. Krenberger, Obmann; Samuel Mohr und Anton Pick, Obmann-Stellvertreter; S. M. Hönigsberger und Julius ß a a d, Kassiere; Maximilian Steinherz, Max P o r i e s und Bernhard Herzog, Schriftführer; Samuel Bernhardt und Bernhard Kahane, Kassenrevisoren; Gustav Jacob, Hugo Rechnitzer, Ignaz Rech nitzer, Leopold Seelen fr ied, Isidor Turn er, Beiräte; Dr. Max Deutsch, Jakob L öwenf el d, Siegfried Reich enfeld, Salo Stern, Alois Stein, Schiedsrichter. Der Verein zählt 85 ständige und 2 korrespondierende Mitglieder. Die Makkbäerfeier wurde durch das Anzünden der Chanukalichter eingeleitet. Herr Oberkantor Jakob Schleifer und der von ihm geleitete Gesangverein „Zion" in Fünfhaus exekutierten die rituellen Gesänge und brachten im weiteren Verlaufe des Abends sowohl jeder allein als in Gemeinschaft Lieder zum Vortrage, die allgemeinen Beifall fanden und dem hochbegabten Sänger Ovationen brachten. Festredner war das Mitglied des Landes-Komitees, Herr Alfred Weissberge r, der eine kernige, stramme, geistreicher Perspektiven volle oratorische Leistung bot. Er zog Parallelen zwischen dem ins Judentum zur Zeit der Makkabäer einbrechenden Hellenismus und der gegenwärtigen Assimilationsperiode und zeigte, wie eine Selbstständigkeit des Judentums staatliche, geistige und wirtschaftliche Freiheit und Blüte bedeutet. Durch Vortrag von Gedichten Feiwels, Rafaels und anderer erweckten die stets bereiten und künstlerisch begabten jur. cand. Jakob Löwenstein und Samuel Strauss Begeisterung- Die Leitung dieser Feier hatte die „Maccabaea" mit ihrem Erstchargierten techn. S. Jungmann inne und die Verbindung trug durch ihre eigenen Produktionen, unter denen wir das „Terzett" besonders lobend hervorheben, viel zum schönen Gelingen des Abends bei. Diese Verbindung bürgerlicher und studentischer Elemente hatte nachhaltenden Erfolg. Wien. Die zionistische Mittelschuljugend beging am 25. Dezember eine Makkabäerfeier. Eger. (Makkabäerfeier.) Die diesjährige Makkabäerfeier, veranstaltet am 28. Dezember 1902, vom jüdisch-nationalen Vereine „Ahavath Zion" und . „Jüdischen Frauen - Verein", gestaltete sich überaus animiert. Alle Erwartungen wurden weit übertroffen. Gäste aus weit und breit waren zur, Feier herbeigekommen; Im grossen Frankenthalsaal wurde die Feier um präzise 8 Uhr mit dem Anzünden der „Menorah" eröffnet, worauf Herr Sigm. Pergamenter, O bmann des Vereines „Ahavath Zion" die Festrede hielt. Dann folgten die einzelnen Programmpunkte und gab es nach jedem einzelnen derselben stürmischen Applaus. Die Vorträge währten bis nach Mitternacht, worauf dann bis in die frühen Morgenstunden dem Tanze gehuldigt wurde. Diese Makkabäerfeier ist gewiss eine der gelungensten von allen bisher in Eger gegebenen jüdischen Veranstaltungen. Es möge sich nur noch der in einer Rede ausgesprochene Wunsch, „in allem mit uns Zionisten zu gehen," bald erfüllen zum Wohle des gesamten Judentums. Mähr.-Ostrau. Am 28. Dezember veranstaltete die jüdisch-akademische Verbindung „Ivria" im Verein mit der Mähr.-Ostrauer Ferialverbindung „Hessiana" in Mähr.- Ostrau eine Makkabäer-Feier, welche zu den imposantesten jüdisch-nationalen Veranstaltungen der letzten Jahre < gezählt werden kann. An 400 Personen aller Gesellschaftskreise waren der Einladung gefolgt. Dr. Kahn fällt wohl das grösste Verdienst an dem Erfolge des Abends zu, denn seine Anwesenheit und Rede waren es, welche der Feier von an und für sich rein festlichem Charakter ein agitatorisches Gepräge verliehen. Mit der ihm eigenen überzeugungskräftigen Beredsamkeit entrollte er vor den Versammelten ein Bild des Zionismus, wusste ihnen Berechtigung und Notwendigkeit unserer Bestrebungen so treu und wahr vor Augen zu führen, dass ein nicht enden wollender Applaus dem Redner den Beweis erbrachte, die Herzen aller für unsere Sache gewonnen zu haben. Mit grossem Eifer kamen die Damen auch der Aufforderung nach, für den Nationalfonds zu sammeln. An den sehr erhebenden offiziellen Teil der Feier schloss sich ein Tanzkränzchen an, das trotz vorgerückter Stunde äusserst animiert verlief. F. Z. Pilsen. Am 21. Dezember 1902 veranstaltete der neugegründete Verein „Zion" seinen ersten Diskussionsabend. Herr Dr. L. K a h n aus Wien hatte das Referat „Israel einst, jetzt und dann" übernommen. In seiner bekannt meisterhaften Weise schilderte Dr. Kahn die jetzige Lage der Juden, aus der es nur ein Hinaus gibt, den Zionismus. Nachher richtete Frau Dr. Kahn einige Worte an die jüdischen Frauen Pilsens. An der Debatte beteiligten sich einige Sozialdemokraten, die in ihrer krassen Unkenntnis des Zionismus zwar keine sachlichen Eiwendüngen vorbringen konnten, aber desto mehr vor „zionistischer Demagogie" u. dgl. warnen zu müssen glaubten. Dr. Kahn antwortete sachlich und überzeugend. Erst nach Mitternacht konnte der Vorsitzende die Versammlung schliessen. Troppau. Der von jüdischen Akademikern in Troppau veranstaltete Kommers, welcher am 27, Dezember im „Drei Hahnensaale" stattfand, fiel über Erwarten günstig aus. Nach der Begrüssungsrecle des Gg. ing, R. Lindner und Absingung des Gaudeamus ergriff Herr Dr. Leopold Kahn das Wort zur Festrede und beleuchtete in nahezu anderthalbstündiger Rede die Bedeutung des Chanukalichtes und das, was es seit 2067 Jahren erzählt. Die glänzenden Ausführungen des Redners, welche von dem profunden hebräischen, geschichtlichen und philosophischen Können desselben beredtes Zeugnis gaben, wurden mit jubelndem Beifall belohnt. Nach der Absingung der Makkabäerhymne und der mit lebhaftem Beifall bedachten Deklamation des L o e w e'schen Gedichtes „Wach' auf!", welches von Herrn Jung, Schauspieler am hiesigen Stadttheater, ungemein wirkungsvoll vorgetragen wurde, ergriff der Rabbiner aus Ratibor, Ehrw. Herr Dr.Blumenthal, das Wort zu einer hinreissenden Rede, in welcher er unter Hinweis auf die glänzenden Ausführungen^ Dr. K a h n s die Zionsidee unter stürmischer Zustimmung verherrlichte. Dann folgte noch eine markige Ansprache des alten Herrn der „Libanonia", Frey, ein;Damentoast, gesprochen von jur. Fritz Ekstein und das Chorlied „Frisch ans Werk". Unter den Erschienenen waren auch mehrere Mitglieder des hiesigen Kultusvorstandes und deren Präses, Vertreter des jüd.-lit. Vereines, des zionistischen Vereines „Jeschurun" in Troppau, der hiesige Rabbiner, Vertreter der hiesigen zionistischen Studentenverbindungen „Ivria", „Libanonia*, „Hessiana* und „Veritas" (Brünn); ferner Mitglieder der zionistischen Vereinigungen in Berlin und Breslau und zahlreiche Ratiborer Gäste. Pressburg. In der am 25. Dezember v. J. stattgehabten Sitzung der jüdischen Gemeinderepräsentanz gelangte nach warmer Befürwortung des Vereinspräses Herrn S. Bettelheim der von der zionistischen Sektion gestellte Antrag zur Annahme, dass in die kontingentierte Reihe derjenigen