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Die Welt · 1903-01-09 · 2 (9.1.1903) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
2 (9.1.1903)
Article
Die Scheinformen im rumänischen Staate
Date
1903-01-09
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die 2& Welt*4 Nr. 2 den Schreirumänenv sind Griechen* dann, Bulgaren und Armenier. Es wird vielleicht überraschen, aber in Rumänien teilt man die politischen Parteien nach der Abstammung ihrer Mitglieder ein. So z. B. ist die liberale Partei des Herrn Stourdza „die Partei der dicknackigen Bulgaren und der spitznasigen Griechen" (Eminescu), die konservative Partei, »die der reinen . . . Griechen* und die C a r p'sche Gruppe „die Partei der Armenier". Rumänen in diesen Parteien sind nur die Führer und das nicht immer. In den Volksliedern kommen die C i o c o i (der Volksname für Bojaren) immer als Griechen, als Fremde vor, die das arme rumänische Volk ausbeuten und die den Kampf gegen die C i o c o i führen, die H a i d uki werden in den Volks- . Uedem als Nationalhelden besungen. Ihrerseits betrachten die offiziellen Rumänen die Bauern als ihre gefährlichsten Feinde. Jeder Versuch zur Aufklärung der Bauernmasse wird mit Unwillen betrachtet. Die Aufklärer, die sich in die Dörfer wagen, werden in Schikaneprozesse verwickelt, wie der arme Lehrer Fikoin escu, der in einem solchen Prozesse zu einem Jahre Kerker verurteilt worden ist. Andere als offiziöse Zeitungen werden in die Dörfer nicht hineingelassen. Bei einer Hausdurchsuchung in einem Hause wurde die rumänische Konstitution (Verfassung) als verbotenes Buch konfisziert und ein rumänischer Staatsmann sagte einmal: „Wir müssen die Bauern immer gut bewachen, denn diese können uns eines schönen Tages unsere ganze Zivilisation zerstören.* Wie sich die Regierungen gegen die Bauern verhalten, geht schon daraus hervor, dass Rumänien den grössten Perzentsatz der Analphabeten in Europa aufweist. Nach den letzten Statistiken sind in Rumänien 95% Analphabeten; mehr als überall anderswo in Europa, Bulgarien und Russland mitgerechnet. Die 500,000, die in Rumänien schreiben und lesen können, sind das Königreich Rumänien, das Handel und Industrie, Krieg, Wissenschaft und Judenverfolgungen treibt. Die politischen Parteien Rumäniens, sagt der schon zitierte Schriftsteller Herr J. Theodor escu, reduzieren sich auf 40—50 Familien, 20 davon bilden die liberale Partei, 20 die konservative und 10 die C arp'sche Gruppe.*) Die Mitglieder dieser Familien und ihre entferntesten Verwandten und Proteges bilden die rumänischen Ministerien, füllen die rumänischen Abgeordnetenhäuser etc., je nachdem die eine oder die andere Partei am Ruder ist. Und es ist bekannt, dass in Rumänien zweierlei Beamte existieren: angestellte und oppositionelle, die letzteren nur ihre Judensteuer einkassierend, während die ersten auch ein Staatsgehalt haben. Aas diesem rumänischen System ergibt sich die andeie rumänische Praxis: die des allgemeinen Wechsels in der Administration bei einem Ministerwechsel. Das neue Ministerium bringt sich seine Beamten mit, ja selbst seine Wachmänner und Kopisten. * * * Auf diese sozialen Verhältnisse ist das Gewand des modernen Konstitutionalismus aufgehängt. Im Namen dieses „Volkes" spricht und handelt Herr Stourdza und dieses Rumänien ist es, das das Leben der Juden in dem oberen Donauland unmöglich macht. Es ist kennzeichnend, dass man niemals von einem Bauernaufstand gegen die Juden gehört hat Aber von blutigen Aufständen gegen die christlichen Grossgrundbesitzer sprechen die Zeitungen alljährlich. Noch mehr, während der Judenhetzereien in den Städten in den Sechziger jähren, suchten die Juden in den Bauernbordei (Bauern-ErdWohnungen) Schutz. Den Bauern wurden infolgedessen das Judenbeherbergen unter An-* drohung einer Geldstrafe verboten (M. A. Canini.) In *) Die C a r p'sche Gruppe kann deshalb ein Ministerium nicht allein ausfüllen und muss sich immer mit einer der genannten Parteien koalieren. seinem Buche „La vejite sur la question israeljjke' en Roumanie" teilt Herr M. A. C aji i n i, die J^denVerfolger in folgende Gruppen: 1. Die Advokaten. 2. Die Beamten. 3. Die Politiker von Beruf. 4. Die vom Staate angestellten Aerzte. 5. Die Offiziere, Lehrer etc. 6. Die grossen christlichen Geschäftsmänner. 7. Die Staatsgüterpächter. 8. Die christlichen Dorfschenkeninhaber. 9. Die christlichen Handwerker. 10. Alle die Strohmänner, die aus einer schlechten Lage der Juden, durch Hergeben ihres Namens, vom Juden leben. Die meisten davon, wie die Advokaten, Offiziere, Aerzte etc. aus Furcht vor der Judenkonkurrenz; die Politiker und Beamten, weil sie die Judensteuer einzubüssen fürchten. Wie man sieht, ist auf dieser Liste das ganze gesetzgebende Rumänien aufgetragen. Der einzige, der da fehlt, ist das rumänische Volk, aber das bedeutet nichts in Rumänien. So erklärt es sich, warum es unmöglich ist, dass die Juden jemals eingebürgert werden. Von selbst werden die P. T. Rumänen niemals den Juden die Rechte geben, denn es hiesse auf die |20.000 Sklaven jüdischer Nationalität freiwillig verzichten. Von aussen kann man sie erstens nicht zwingen; wie ein rumänisches Blatt sehr richtig bemerkt hat, „Krieg wird man uns wegen der rumänischen Juden nicht erklären," und was die Politik betrifft, in dieser sind die Rumänen Europa überlegen. Mit Lügen nach aussen und Drohungen oder Versprechungen nach innen wird es sich immer noch auskommen lassen. Die Hoffnung, die einige auf eine Besserung der Lage der Juden in Rumänien haben, ist deshalb, wenn nicht eine Ausrede, eine Illusion. Thomas Moll. Jüdische Splitter. Bei einer vulkanischen Eruption sind Lavamassen oft in Entfernungen gefunden worden, über die man staunen muss und die man nicht für möglich gehalten hätte. Einer solchen Eruption glich die Vernichtung des Landes der Juden und Splitter derselben gerieten in die entferntesten Gegenden der Erde. Dass in China seit fast zweitausend Jahren Juden angesiedelt sind, ist eine unbestrittene Tatsache. In Südchina und Siam sind heute noch Juden anzutreffen, deren Ahnen nach der Ueberlieferung aus der babylonischen Gefangenschaft hierhergekommen. Dass Juden auch in Nordchina leben, ist ebenfalls lange bekannt. Bereits im Anfange des 17. Jahrhunderts erwähnt der in Peking tätige Jesuit Ricci, dass in Khai-fung-fu, der alten Hauptstadt Honans, die Juden eine Synagoge besitzen. Im Jahre 1618 wurden diese Juden von Alien, dem Nachfolger Riccis, besucht. Wie diese Juden nach China kamen, ist keineswegs sichergestellt; einzelne datieren sie sogar bis in die Zeit der Tschin-Dynastie zurück, die 249 vor unserer Zeitrechnung erlosch. Während der Herrschaft der Han-Dynastie sollen sie, teils aus eigenem Antriebe, teils eingeladen von den früher in China angesiedelten Juden, aus Parthien dorthin ausgewandert sein. Ihre Sprache beweist, dass sie über Persien nach China kamen, denn bis in die Gegenwart haben sich persische Wörter und Redensarten bei ihnen erhalten. Der Missionär James F i n n, der die Juden anfangs der Vierzigerjahre des vorigen Jahrhunderts in Khai*fung besuchte, sucht nachzuweisen, dass sie nicht von den zehn israelitischen Stämmen, sondern vom Stamme Juda seien. Er folgert dies namentlich daraus, dass in ihren Schriften von Esra, dem zweiten Gesetzgeber, die Rede ist, dass sie das Buch Esther besitzen und die seleucidische

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