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Die Welt · 1903-01-02 · 1 (2.1.1903) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
1 (2.1.1903)
Article
Verehrte Gesinnungsgenossinnen!
Date
1903-01-02
Page
10 (sequence 1)
Language
German
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Seite 10 „Die a£ Welt" Nr. 1 Wien, im Dezember 1902. Verehrte Gesinnungsgenossinen! Der „Verein zionistischer Frauen und Mädchen in Fünfhaus" hat beschlossen, jeden Mittwoch von 3—6 Uhr nachmittags eine beträchtliche Anzahl unbemittelter Kinder unter Aufsicht einiger Damen in einem warmen, beleuchteten Räume auf ganz zwanglose Weise mit Spielen, Turnen, Vorlesen, Singen u. s. w. zu beschäftigen und ihnen eine Jause zu geben. Wir verfolgen mit dieser Absicht den doppelten Zweck, in Anspruch genommene Eltern der Sorge um die Kinder für die freien Nachmittage zu entheben und letztere in angemessener, jüdischem Geiste entsprechender Weise zu beschäftigen. Wir bitten Sie deshalb inständigst, uns in diesem Bestreben dadurch zu unterstützen dass Sie für jeden dieser Tage 10 Kreuzer, zusammen also für die noch in Betracht kommenden drei Wintermonate £L 1.20 beisteuern. Sollten Sie unser Anliegen erfüllen, so senden Sie bitte genannten Betrag vollständig oder nach Belieben in wöchentlichen oder monatlichen Raten, in Briefmarken oder Geld an die unten angegebenen Adressen. Sollten Sie in irgend welcher Weise durch Spenden von Geld, Gebäck, Spielsachen, gebrauchten oder neuen Kleidungsstücken zu der Verschönerung der Jause beitragen wollen (wozu Sie sich gleichfalls der angegebenen Adressen bedienen mögen), so würden wir Ihnen unendlich danken. Der Vorstand des „Vereins zionistischer Frauen und Mädchen in Fünfhaus": Frau Pick Frau K a h a n e Mariahilf er Strasse 140. Mariahilferstrasse 133. Frau Baad, Neubau-Gürtel 20. Anregung für den Nationalfonds. Geehrte Redaktion! Der Verein „Leo Pinsker" hat beschlossen, dass bei jeder Vereinssitzung und sonstigen Versammlung jeder Anwesende einen Betrag für den Nationalfonds spende. Wir* möchten diesen Beschluss als Beispiel hinstellen. Mit Zionsgruss Ausschüss des Vereines „Leo Pinsker" Wien. jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Verein „Dorschei Zion St. Louis Order Knights ofZion Gate" in St. Louis Dollars 50.—-. Alexander Wolffsohn und Frl. Segali Kr. 516.60. Bücher und Zeitschriften-Rundschau. Im „Centraiblatt für Israeliten" Chanuka-Nummer des Zionistenbundes der Niederlande, lesen wir: Dr. J. H. Dünner über Kulturzionismus. Der Redakteur der zionistischen Rubrik hat sich an Herrn Dr. J. H. Dünner, Provinzial-Oberrabbiner von Nordholland, mit der Bitte gewendet, ihm gefälligst als Beitrag zu dieser Chanuka-Nummer seine Ansicht über Kulturzionismus mitzuteilen. Diese Anfrage war in Uebereinstimmung mit der Sache, die sie betraf und der Person, an die sie gerichtet war, in hebräischer Sprache gestellt. Als Antwort gelangte an die Redaktion folgendes Schreiben: „Sehr geehrter Herr! Ihr Schreiben von gestern habe ich mit grossem Vergnügen mehrmals gelesen. Denn in der Tat spricht daraus ein wahrhaft echter, stark bewusster jüdischer Geist in gutem schönem Hebräisch. In begeisterten Worten teilen Sie mir mit, dass Ihr Verein mit dem Gedanken umgeht, durch Verbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache und jüdischen Literatur im allgemeinen und durch eine würdige Feier des bevorstehenden Chanuka-Festes im besonderen jüdisches Gefühl und jüdischen Sinn für unsere ruhmvolle Vergangenheit auch in den Kreisen zu wecken, in denen das jüdische Selbstbewusstsein fast vollständig geschwunden ist. Jeder, dessen Herz in Wärme für das Judentum schlägt, wird dieses Vorhaben mit Freude begrüssen. Ja, wenn alle Zweige der zionistischen Bewegung diese und ähnliche Zwecke vor Augen hätten, dann würde sich das Misstrauen, das so viele hegen, bereits längst in Anerkennung und Würdigung dieser grossen Erscheinung in neuester Zeit umgewandelt haben. Hochachtend Dr. J. H. Dünner. Neuestens ist vom ungarischen Reichstags-Abgeordneten V ä s z o n y ein Aufsatz »Die Kreuzritter" erschienen, der sich mit dem Zionismus im Sinne des Dichterwortes befasst: „Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht." Freigebig werden unserem Idealismus die fettesten Komplimente gemacht, unsere realen Möglichkeiten aber ä la Ehrenrats-Erkenntnis geleugnet: ohne Angabe der Gründe. Immerhin ist die Schrift ein Wunder, weil von einem ungarischen Abgeordneten geschrieben. f^US %<r&Z£iiT)£. Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Göding. Die jüdisch-akademische Ferial-Verbindung „Gamala" veranstaltet am 6. Jänner eine Feier mit Militärkonzert und anschliessendem Tanzkränzchen. Jüdische Gäste herzlich willkommen. Wien. Der „Mädchen- und Frauenverein Bikur Chaulim" ladet hiemit zu zahlreichem Besuche seines Samstag den 3. Jänner stattfindenden Vortragsabends höflich ein. Programm: Rezitationen, Musik, Gesang. Die freundliche Mitwirkung der beiden Herren Oberkantor Don. Fuchs und Ignaz Oesterreicher, sowie anderer anerkannter Kräfte verspricht einen sehr animierten Verlauf, Regiebeitrag 30 Heller. Beginn 8 Uhr. Jüdisches Bildungsheim. Programm für den Monat Jänner 1903. Vorträge: 6.: N. Gross „Bilder aus dem Leb eh galizischer Juden." — 13.: Rev. Hechler „Reise nach Palästina." — 20.: Dr. L. Werner „Transportrecht.tt — 27.: Konzert. Eintritt frei, kein Trinkzwang. Anfang 8 Uhr. Ende ^10 Uhr. Wien. (Wochenprogramm der „Jüdischen Toynbee- HalleB, XX., Karajangasse 20.) Sonntag den 4. Jänner: Dr. Hermann Kadisch „Moderne Bestrebungen im Sozialismus11. — Montag den 5. Jänner: Dr. Josef Jerusalem „Oesterreichisches Staatsrecht" II. — Dienstag den 6. Jänner: Professor Dr. Leon Kellner „Shakespeares Hamlet I." — Mittwoch den 7. Jänner: Dr. J. W. Frieser „Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheittf. — Donnerstag den 8. Jänner: Martin Buber „Vorlesung aus dem Jüdischen Almanach". — Freitag den 9. Jänner: G. M. Mehrer „Bibel, Erklärung der Sidra". — Samstag den 10. Jänner: Konzert (Oberkantor Jakob Schleifer und 1. Wiener Männergesangsverein „ZionB). — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Dr. I. Sadger, IX., Liechtensteinstrasse 15. Die jüdische Emigrationsfrage. Von David Trietsch (Berlin). Kein Volk der Erde kann mit solchem Hecht ein Wandervolk genannt werden, wie das jüdische. Keines ist so weit verbreitet, und keines besteht in einem ähnlichen Prozentsatze — der bei uns nicht viel weniger als 100 ausmacht — aus „Wanderern"*). Ünd wäre nicht die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung des jüdischen Volkes mit seinem Lande durch alle Goluszeiten hindurch bei uns lebendig geblieben, so könnten wir selber den „Juif errant" als unseren Typus akzeptieren und den Wanderstab als jüdisches Symbol. * Kürzlich ging ein Bericht einer amerikanisch-jüdischen Kolonisationsgesellschaft durch die Blätter, nach welchem es den Bemühungen des Vereines gelungen sei, 45 jüdische Familien mit zusammen 171 Seelen landwirtschaftlich anzusiedeln, und zwar in 25 Staaten der Union. Es gibt Juden, denen essehr gleichgiltig ist, dass durch eine solche „feinste Verteilung" der Judenheit der nationale Zusammenhalt immer mehr verloren geht, und die Zerstreuung eine immer vollständigere wird. — Wenn diese Juden Juden sind, ohne die nationale Zusammengehörigkeit anzuerkennen, so müssen wir wohl annehmen, dass sie ihr Judentum auf das Religiöse be-

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