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Die Welt · 1902-12-26 · 52 (26.12.1902) · p. 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
52 (26.12.1902)
Article
Schlusssteinlegung am Damm von Assuan
Date
1902-12-26
Page
21 (sequence 2)
Language
German
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- 21 — von England, der Herzog von Connaught, hat in feierlicher Weise den Schlussstein an dem grossen Staudamm von Assuan gelegt« Schon in der Schule lernten wir, Egypten sei ein Geschenk des Nils, und dieser Gemeinplatz ist älter als Herodot, der ihn zuerst anführt, denn schon vor mindestens 6000 Jahren haben die Pharaonen Dämme, Kanäle und Reservoirs gebaut, um die alljährliche Nilüberschwemmung, die durch den Niederschlag eines humusreichen Schlammes das Land befruchtet, zu regulieren und den Segen auch in Gebiete zu lenken, die auf natürlichem Wege das Wasser sonst nicht erreichen würde. Und so ofc auch diese Bauten verfielen, keiner der grossen Regenten und Eroberer Egyptens hat es versäumt, immer wieder nach Mass seiner Kräfte und der technischen Kenntnisse seiner Zeit für das Verfallene Ersatz zu schaffen. Die englische Okkupation ist in dieser Beziehung weiter gegangen als je einer der Beherrscher Egyptens, und seit dem 12. Februar des Jahres 1899, wo der Herzog von Connaught den Grundstein gelegt hat, war 600 englische Meilen (965 Kilometer) oberhalb Kairos, beim ersten Nilkatarakt, der Damm von Assuan im Bau. Es beim Höchststande des Nil 15,000 Tonnen Wasser per Sekunde passieren. Die ständige Niveaudifferenz der Wasserspiegel auf beiden Damm Seiten kann auf 67 englischen Fuss erhalten werden. Die Arbeiten am Damme begegneten ungeheuren Hindernissen. Ursprünglich hatten die Ingenieure gehofft, schon in einer Tiefe von 10 Fuss unter dem Flussbette genügend festen Fuss für die Bauten zu finden, doch wurde diese Hoffnung getäuscht und infolgedessen das Kostenpräliminare, das ursprünglich 2 Millionen Pfund (48 Millionen Kronen) betrug, weit überschritten, so dass sich nach dem Telegramm eines Korrespondenten die Schlussrechnung auf nahezu 3ya Millionen Pfund (84 Millionen Kroneu) belaufen dürfte. An dem Werke waren ständig 20,000 Arbeiter beschäftigt Die Fertigstellung wurde erst für kommenden Juli erwartet, konnte aber, dank forcierter Arbeit, fast acht Monate früher erreicht werden. Schon sprechen die englischen Blätter davon, noch weiter stromaufwärts, etwa bei Chartum oder beim Blauen Nil, ein Reservoir zu errichten, dessen Stauwässer man nach dem Sudan lenken würde. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des jetzt vollendeten Kultur- 2m. lamflSonfrMafihwßertift, war die ursprüngliche Absicht der englischen Ingenieure, durch eine Reihe von Dämmen bei Assuan ein Stauungsreservoir mit einem Fassungsreservoir von 3700 Millionen Kubikmeter Wasser zu schaffen, doch die Egyptologen, allen voran der damals noch lebende Georg Ebers, erhoben Protest dagegen, weil infolge dieses Baues die lusel Philae ständig unter Wasser gekommen wäre, was die Vernichtung der dortigen grandiosen alfcegyptisehen Tempelruinen bedeutet hätte. Angesichts dieser Proteste wurde das Projekt reduziert und ein Reservoir mit einem Drittel des ursprünglich beabsichtigten Fassungsraumes ins Kalkül gezogen. Der Damm von Assuan hat in seiner jetzigen Gestalt eine Länge von fünf Viertel englischen Meilen, etwas über zwei Kilometer, und erstreckt sich als gewaltiger Mauerriegel von Granitquadern über die ganze Breite des Niltales und über sämtliche Arme des an dieser Stelle vielfach geteilten Nilstromes. An seiner Basis im Flussbett ist der Damm 100 englische Fuss breit, an der Krone hat er noch die Breite einer Grossstadtstrasse, an den höchsten Stelllen erreicht er 130 englische Fuss Höhe. Durch 180 Bogenöffoungen, deren jede durch einen Fingerdruck mit einem Schleusentor geschlossen werden kann, können werkes lässt sich kaum ermessen. Die Regierung Egyptens hat es nun in der Hand, das ganze Jahr hindurch das Land zu bewässern, selbst in den Monaten März bis Juli, wo sonst der Nil so tief zu stehen pflegte, dass die an beiden Uferseiten ins Land verlaufenden Bewässerungskanäle nicht gespeist werden konnten. Nunmehr wird sich oberhalb des Dammes ein künstlicher See von nahezu lcO englischen Meilen Länge bilden, aus dem bei tiefem Wasserstande «der bei karger Nilflut, durch Schleussentore die Kanäle jederzeit gespeist werden können. Lord Cromer, der Chef der englischen Verwaltung in Egypten, hat berechnet, dass dank dem Baue des kleineren Dammes bei Kairo die Baumwollernte Egyptens sich verdoppelt hat, was einen Jahresgewinn von ' 120 Millionen Kronen bedeutet. Die Schliessung der Schleussentore hat heuer Mittelegypten vor einer Hungersnot gerettet. Man hofft durch den Damm von Assuan Tausende von Joch neuen Ackerlandes zu gewinnen. Der Erbauer des Dammes ist der berühmte Ingenieur Sir Benjamin Baker, die Financierung besorgte der kürzlich vom König Eduard zum geheimen Rate erannte Bankier Sir Ernest Cassel.

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