Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 52 (26.12.1902)
- Article
- Das goldene Ophir Salomos
- Date
- 1902-12-26
- Page
- 17 (sequence 2)
- Language
- German
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— 17 — baoös oder Zimbabyes durch Karl Manch am 5. September 1871, sowie durch ihre wissenschaftliche Untersuchung durch J. Theodore Beut (The ruined Cit'ies of Mashonaland. London 1B92) ist der Nachweis geliefert, dass wir es in diesem Mauerwerke des Zambesi-Gebietes mit Bauten zu tun haben, welche phönizischen Ursprunges sein müssen. Diese Bauten stellen Tempel und Befestigungen dar und waren augenscheinlich im Zusammenhange m;it auf Goldgewinnung gerichteten bergmännischen Unternehmungen angelegt. In dem diesen Zeilen zugrundeliegenden Buche gibt Dr. Peters eingehende Details über die oberwahnten Ruinen, erbringt aber auch in geradezu zwingender Weise den Beweis der Identität des Maschona-' und Macombe-Landes mit dem salomonischen Ophir. Es wäre sehr dankbar, freilich weit über den Rahmen dieses Blattes hinausgehend, den minutiösen Auseinandersetzungen Peters' zu folgen. Es seien nur einige Andeutungen darüber gestattet. Peters leitet seine Untersuchungen mit den Worten ein: „Bis zum heutigen Tage sind die Gelehrten aller Völker der Meinung gewesen, die Phönizier und mit ihnen die Hebräer hätten für den Erdtelil Afrikas keinen einheitliehen Namen gehabt. Und doch ist es eine unbestreitbare Tatsache, dass die Phönizier Afrika schon in grauer Vorzeit besucht haben und dass sie ihre Handelsunternehmungen gleichzeitig über die Nordküste, wie über Osten und Westen ausdehnten. Könnte man im Ernste annehmen, dass sie keinen zusammenfassenden Namen für ein Landgebiet besessen hätten, über dessen zusammenhängende Einheitlichkeit sie sich von jeher klar sein mussten? Meine Meinung, dass Ophir von altersher der semitische Name für Afrika überhaupt war, löst auch dieses Rätsel mit einem Schlage. Es findet stich, dass die Wurzel des altsemitischen Namens Ophir, dessen Träger wir nicht kennen, bis auf den heutigen Tag in unserem Worte Afrika erhalten geblieben ist, von welchem uns der altsemitische Name verlorengegangen ist. Ergibt sich der nächste Schritt da nicht ganz von selbst, dem rätselhaften öphir seinen Träger in Afrika, dem namenlosen Afrika seinen Namen in Ophir zuteil werden zu lassen und. damit das uralte Problem in einer ebenso naheliegenden wie ungezwungenen Weise zu lösen? Äiif einen Schlag bringen wir so zwei interessante Rätsel der menschlichen Geschichte aus der Welt und ihre Lösung /5lst so ausserordentlich einfach, dass, wenn man den Faden in der Hand hat, man sich nur wundert, wie die scharfsinnigsten Köpfe aller kultivierten Völker seit mehr als 20 Jahrhunderten ihn nicht schon längst aufgedeckt haben." In scharfsinniger und unzweideutiger Weis0, grammatikalisch und etymologisch, weist Peters die Identität von Afrika und Ophir nacE. Wie er mit dieser einfachen Deutung alle Unklarheiten aus der Welt schafft, beweist folgendes: Es heisst im I. Könige X., V. 21—22: „Und alle Trinkgefässe des Königs Salomo waren golden, und alle Gefässe im Hause des Waldes Libanon waren köstliches Gold, kein Silber, denn es war zu n,ielits geachtet zu den Zeiten Salomos. Denn der König hatte Tarsis-Schiffe auf dem Meere mit den Schiffen Hirams. In dreien Jahren einmal kamen die Tarsis-Schiffe und brachten Gold, Silber, Elfenbein, Almuggin., Oofim und Tukkijjun." Die letzen Gegenstände haben nun unter den gelehrten Auslegern eine ganze Verwirrung angerichtet. Elfenbein war im Worte zu bestimmen und sein Vorkommen wies direkt auf Afrika, denn das indische ist klein in den Stosszähnen und Arabien hat keine Elefanten. Dann blieben noch die Worte „Almuggin", „Oofim" und „Tukkyjim". Unter Almuggin versteht man gewöhnlich Sandelholz, aber, wie Peters meint, sicherlich falsch. Er stellt es als Styrax officinale Linn, in seiner Skizze der Geschichte Arabiens II. 367, fest. Das Holz ist übrigens keineswegs ausschlaggebend für die Ophir-Frage. Anders steht es mit den Tukkyjim und den Oofim. In den ersteren sah man Pfauen, in den letzteren Affen. Da hat Peters recht, der behauptet, zwei so praktische Männer wie Salomo und Hiram würden nicht kostspielige und langwierige Expeditionen ausgesandt haben, um sich so wertlose Dinge, wie Affen, Pfauen oder Perlhühner, holen zu lassen. Wenn solche Gegenstände genannt werden, müssen sie einen sehr reellen Wert gehabt haben. Da schreibt nun der gelehrte Assyrolog Karl Niebuhr, Tukkyjim sei eine blosse Verschreibung für Sukkyjim. Es handle sieh nicht um Pfauen oder Perlhühner, sondern um Sklaven. Damit wäre das Rätsel gelöst, der Wert der Einfuhrartikel richtiggestellt, die Inschrift der egyptischen Punt-Expedition, wie sie Heinrich Brugsch-Pascha übersetzte, in diesem Teile bestätigt und — Dr. Peters findet zu seiner Ophir-Auslegung ein neues Glied mehr, das für sie spricht, obwohl er diese Aufklärung in seinem Buche nicht mehr verwerten konnte. Aber viel eindringlicher noch als die scharfsinnigsten Deutungen und Erklärungen sprechen djie mächtigen Ueberreste und Kuinen, die Peters beschreibt und in zahlreichen Abbildungen vorführt, für die Richtigkeit seiner Theorie. Sie liefern den notorischen Beweis einer uralten intensiven Goldproduktion, und zwar von den Nationen, welche in der Bibel ausdrücklich im Zusammenhange mit der salomonischen Ophirfahrt genannt werden: der Sabäer und Phönizier, Wie umfassend diese Goldproduktion war, das geht aus der Berechnung hervor, nach welcher die alten Werke sich über einen Raum von etwa 4000 engl. Quadratmeilen hin erstreckten. Zwar liegen diese alten Goldbergwerke nicht unmittelbar an der Küste, sondern etwa 300 km landeinwärts. Aber dies kann nicht als Einwand gelten, nachdem durch die Ruinen erwiesen ist, dass es sieh nicht um eine einmalige bergmännische Expedition handelte, sondern dass eine dauernde^ durch eine Kette von Befestigungswerken geschützte Besetzung des Landes zur bergmännischen Ausbeutung von den alten Eroberern vorgenommen war, dass hier also eine koloniale Unternehmung allerersten Ranges an der Schwelle der eigentlichen Geschichte, urkundlich über jeden Zweifel gestellt, dasteht. Auch dies macht noch einmal klar, weshalb der Name Ophir in der Bibel einer weiteren Erklärung nicht bedurfte; denn von einer derartigen Riesenunternehmung in Afrika muss die gesamte damalige gebildete Welt zum mindesten ebenso genaue Kenntnis gehabt haben, wie z. B. vom heutigen Kongostaat. Von hohem Interesse ist es, dass das Goldland Salomos räumlich nicht weit entfernt ist von jenen Goldländern in Südafrika, um die in der jüngsten Zeit ein so heisser Kampf getobt hat. Wer aber näheres wissen will, der lese das interessante Buch von Peters. Ein neuer jüdischer Karikaturist. In der jetzigen Ausstellung der Wiener Künstlervereinigung „Hagenbund" ist eine Kollektion von Karikaturen zu sehen, die zum grossen Teile jüdische Typen darstellen. Der Maler dieser Bilder heisst Leo Koben Er ist Jude, (in Brünn geboren.) Dass er gerade Leute seiner Rasse karikiert, fällt durchaus nicht auf. Der Hang zum Karikieren zählt ja zu den spezifisch jüdischen Eigentümlichkeiten und macht sich namentlich in der Literatur und in der Kunst, die von Elementen des Judentums durchsättigt sind, am intensivsten fühlbar. Es scheint uns aber bemerkenswert, dass sowohl die malerische als die gedankliche Behandlung der erwähnten Karikaturen von starkem Talent zeugt. Malerisch sind die Bilder Leo Kobers von einer Derbheit, die man nicht reizlos findet, weil sie mit den gedanklichen Motiven, welche den Karikaturen an sich zugrunde liegen, in gewissem Sine übereinstimmt. Und diese gedanklichen Motive wieder sind bei Kober keineswegs oberflächlich entwickelt. Der Künstler geht vielmehr mit einer Gründlichkeit zu Werke, die erstaunen macht. Er deckt mit unerhörtem Zynismus die allerschlimmsten Schattenseiten ungesunder Protzenhaftigkeit auf. Wir müssen diesen Begriff unterstreichen, weil er leider allzu oft in Leben umgesetzt und nicht gerade dazu angetan ist, die jüdische Sache zu fördern.