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Die Welt · 1902-12-19 · 51 (19.12.1902) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
51 (19.12.1902)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1902-12-19
Page
12 (sequence 1)
Language
German
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Seite 12 „Die Weif* Nr. 51 Wien, (Turnverein „Ziona in Fünfhaus.) Der Verein hält am 25. Jänner 190i in den Sälen des Restaurants „zur goldenen Birn", VL, Mariahilferstrasse, seinen zweiten geselligen Abend unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte und verbunden mit Schauturnen ab. Programm und nähere Details werden später bekanntgegeben. Wien. (Lit. Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria4.) Sonntag den 7. d. M. hielt Herr Dr. Sa dg er einen Vortrag über das interessante Thema , Wahrheit oder Lebenslüge", Ein überaus zahlreiches Auditorium lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit den vortrefflichen Aueführungen des geschätzten, wohlbekannten Redners und spendete ihm wohlverdienten, reichlichen Beifall. Da die Präsidentin des Vereines bereits zurückgekehrt ist und die Vereinsieitung wieder übernommen hat, werden sämtliche Korrespondenzen unter ihrer Adresse: Berta Herrmann, VIII, Josef Städterstrasse 9, erbeten. Karlsbad. (Tischgesellschaft „Zion*.) Die Statuten des Einzelvereines „Ziona sind bereits bewilligt. Der Verein wird sich in nächster Zeit konstituieren und seine Tätigkeit mit einer Makkabäerfeier beginnen. Prerau. (Verein jüdischer Mädchen „Mirjam".) Der Verein jüdischer Mädchen „Mirjam" arrai> giert zusammen mit dem Vorstand der .Jüdischen Leihbibliothek* am 28. Dezember 1. J. im Saale des Restaurants Haas in Prerau eine Makkabäer-Feier mithumoristischemProgramm, Theater- und Muaikvorträgen. Beginn 7 Uhr. Gäste herzlichst willkommen. Das Reinerträgnis fliesst dem Nationalfonds zu. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Wien. (T o y n b e e - H a 11 e.) Der Obmann des Vereines Herr Rektor Dr. Schwarz hielt am letzten Sonntag einen hochinteressanten Vortrag über die Frauen der Bibel. Er teilte dieselben in drei Gruppen, und zwar in solche, die an sich selbst bedeutend sind oder durch ihre Gatten, beziehungsweise Söhne. Namentlich entwarf er in markigen Zügen das Charakterbild von acht Frauen, die dem Ideale des jüdischen Weibes entsprechen, unter denen besonders die Stammmütter als leuchtende Vorbilder für die jüdische Frauenwelt hervorragen. Die folgenden Gruppen dürften ein nächstesmal dargestellt werden. Der Vorsitzende Herr Berliner dankte dem geschätzten Vortragenden für die gediegenen Ausführungen, für welche auch das überaus zahlreiche Auditorium rauschenden Beifall spendete. —n. Pressburg. Der hiesige „Ahavath Zion" hielt am 23. v. M. seine IV. ordentliche Generalversammlung ab. Der daselbst zur Verlesung gebrachte umfangreiche Rechenschaftsbericht des Vorstandes gab Zeugnis darüber, dass der Verein auch im verflossenen Kongressjahre bestrebt war, sich als vollwertiges Glied der über Land und Meer verzweigten, grossen, zionistischen Gesamtorganisation zu erhalten. Eine stattliche Reihe öffentlicher Veranstaltungen diente den Zwecken einer wirkungsvollen Propaganda, Flugschriften und Vorträge förderten das Verständnis der hiesigen Judenschaft für die neuesten Errungen- , Schäften unserer Bewegung. Nebstdem lässt der Pressburger „A. Z.tt es sich angelegen sein, auch in der Ausgestaltung seines Kulturprogrammes nicht hinter anderen grossen Zionsvereinen zurückzubleiben, so dass seine Leistungen auf volkspädagogischem Gebiete sogar bei Antizionisten uneingeschränkte Anerkennung finden. Auch in gemeindepolitischer Beziehung ist der steigende Einüuss des Vereines unverkennbar, seitdem es ihm bei den heurigen Kultuswahlen gelungen ist, die zionistischen Kandidaten fast vollzählig in die Gemeinderepräsentanz zu entsenden, worüber seinerzeit der ,Welt* berichtet worden ist. Der Vorstandsbericht, welcher in knappen Umrissen auch die diesjährigen Fortschritte der zionistischen Gesamtbewegung kennzeichnete, wurde ebenso wie die Begrüßungsrede des Präses von der zahlreich besuchten Generalversammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die hierauf vorgenommene Neuwahl des Vereinsvorstandes ergab folgendes Resultat: Ehrenvorsteher die Herren Fabrikanten Sigmund Herzog und Salomon Steiner, Präses Herr Samuel Bettelheim, Vizepräses (zugleich betraut mit dem Vertrieb der Kolonialbank-Shares) Herr Herrn. Winter, Schriftführer Herr Siegfried Steiner, Vereinskassier Herr Max Haus er, Kassier für den jüdischen Nationalfonds Herr Lipmann Fallemann, Bibliothekar Herr L. Rausnitz, Leiter des Vertrauensmännerkorps Herr Komlössi, Ausschussmitglieder die Herren Simon Fleischmann, Kastner, Zinsenheim, Th. D. Schlesinger und Samek. Unter Absingung der Rafaels'schen Hymne wurde die Versammlung geschlossen. Feuilleton, Juda, der Phantast. Psychologische Skizze von Hermann Blumenthal. Wer ihm den Namen gab, ist schwer zu sagen. Anfangs wurde er nur von einigen so benannt, später aber kannte ihn das ganze Städtchen nur unter diesem Namen. — Juda, der Sohn des Synagogendieners, war vierzehn Jahre alt. Das wirkliche Leben und die Welt, die ihn umgab, Hessen ihn kalt und gleichgiltig — denn er war ein Träumer. Das Träumen war seine Lieblingsbeschäftigung. So oft es ihm die Zeit erlaubte, setzte ersieh in einen stillen Winkel; dort ging ihm seine innere Welt auf. Da vergass er alles. All das, was sein Inneres bewegte, erwachte in ihm zu neuem Leben ... Er war ein Stiefkind der Gesellschaft und hatte Grund, die spöttelnden, übermütigen Menschen zu meiden. Auf seiner Schulter erhob sich ein Höker; den rechten Fuss schleppte er nach. Diese Gebrechen übten einen grossen Einfluss auf sein Seelenleben. So war er gezwungen, unbeachtet und einsam seine Jugend hinzubringen. Keiner seiner Altersgenossen wollte mit ihm Freundschaft schliessen und schon als Kind musste er als stummer Zuschauer auf den Spielplätzen stehen. Als er älter wurde und ins Cheder kam, war es um nichts besser. So lebte er einsam und verlassen dahin — bemitleidet von den guten Menschen, verhöhnt von den schlechten und boshaften . .. Auch seine Eltern kümmerten sich um ihn nicht. Er fühlte es deutlich, dass er von ihnen nur gelitten wurde und dass sein Tod ihnen gar keinen Schmerz, wohl aber Erleichterung bringen würde. Juda erfuhr nichts von Mutterliebe oder elterlicher Fürsorge. Die kleinen Aufmerksamkeiten, die das Band der Liebe zwischen Eltern und Kindern bilden, blieben ihm fremd ... In seiner Zurückgezogenheit aber lernte Juda klar denken. Den geschärften Sinnen prägte sich jede Kleinigkeit ein. Was auch seine Kameraden unternahmen — Juda war überall ausgeschlossen. Was konnte er ihnen auch bieten? Sein Innenleben vermochte er ihnen nicht zu erschliessen; sie sahen nur seine hässliche Gestalt. Die widerte sie an . . . Aber nur äusserlich ging Juda gedrückt und traurig umher. In seinem Inneren lebte eine Welt, von der die anderen nichts ahnten. In jedes äussere Ereignis legte er seine Heimlichkeiten hinein und ging darüber hinweg zur innerlichen Veranschaulichung. Je tiefer er in der Wirklichkeit sank, desto höher erhob er sich in seinen Träumen. Seine gewaltige Einbildungskraft hob ihn über die Tatsachen zu einem erträumten Glücke hinweg. An dieser falschen Sonne des Scheines wärmte sich Juda, wenn ihn auch hie und da ein Frösteln an die kalten, bitteren Wintertage des wirklichen Lebens gemahnte. Ihm genügte die erträumte Seligkeit, mit verhängten Zügeln ritt er in tiefer Finsternis, ohne Ziel, dahin. In seinen Sinnen aber waren alle Gefahren und Entbehrungen schon vorüber und er empfand im voraus die heitere Wärme und Befriedigung des Siegers . . . Auf dem Dachboden war sein geheimes Reich Unter allerhand Gerumpel hatte er sich dort ein Plätzchen zum Träumen ausgesucht. Dort sass er mit geschlossenen Augen, auf einer alten Tonne — das war sein Thron — und regierte sein Reich , . . Er schwelgte in sonderbaren Vorspiegelungen. Eine alte Wiege, die bei der kleinsten Bewegung furchtbar zu ächzen begann, war die Staatskarosse und eine Meng

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