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Die Welt · 1902-12-19 · 51 (19.12.1902) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
51 (19.12.1902)
Article
[Nachricht]
Date
1902-12-19
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die # Welt" Nr. 51 wurde von der medizinschen Fakultät der Moskauer Universität zum Privat-Dozenten für Hautkrankheiten, ernannt. Dies ist eine Auszeichnung, welche die Moskauer Universität einen Juden äusserst selten zuteil werden lässt. Die akademische Verbindung „Kadimah" zeigt hiermit an, dass die Promotion ihres i. a, B. Ignaz Edmund Nacht zum Doktor der gesammten Heilkunde am 20. Dezember 1902 um 12ya Uhr nachmittags im grossen Festsaale der k. k. Universität Wien stattfinden wird. g. p. * Der Schriftführer des Einzelvereines „Fünfhaus* des „Zion", Herr Ingenieur Maximilian Steinherz, feiert am 28. d. M. seine Vermählung mit Frl. Antonie ßlumens che in im Tempel XV., Turnergasse 22. Weft^bPODik« Die Saison der Judenhetze in Rumänien. Wenn die heisse Sonne herunterbrennt, so tritt auch in Rumänien das Schwitzen und das Baden in seine Rechte. Wodurch sich aber der Sommer in Rumänien besonders kennzeichnet, ist die grosse Uebertragbarkeit, die das Schwitzen hier annimmt. Die voneinander entferntesten Individuen werden von dem Uebel befallen. So wurden erst in den letzten Wochen Fälle bekannt, wo ganze Familien, meilenweit entfernt von der Stelle, wo die Krankheit eingetreten ist, davon anangegriffen wurden. In der Moldau z. B. ereignete es sich, dass einige reizende Bojarenfrauen in den grösseren Städten die unwiderstehliche Notwendigkeit verspürten, in die Bäder zu fahren. Natürlich in die hochfashionablen Bäder Europas, wo man schöne Kleider zeigen kann und viel Geld ausgibt. Nachfolgendes Phänomen stellte sich hier wie überall anderswo pünktlich ein; die respektiven Ehemänner fingen an zu schwitzen. Das ist natürlich ein unangenehmes Empfinden, aber gegen die Gesetze der Natur soll man vernünftigerweise nichts machen. Die Sache nahm aber weit grössere Dimensionen an und alle jüdischen Familien, die in dem Distrikte wohnen, fingen alle insgesamt zu schwitzen an. Was so eine kleine, reizende Dame bewirken kann auf dieser Erde! Die Administration des Distriktes erteilte an alle Obrigkeiten der Dörfer und Städtchen den strengen Befehl, die Bewilligungspapiere ihrer jüdischen Untertanen für die Besiedlung der Dörfer ,ge wissnthaft" zu prüfen und gegen jene, die etwaige Unregelmässigkeiten zeigten, die Strenge des Gesetzes anzuwenden. Die gesetzlichen Massregeln sind: augenblickliches Deloerement. Jetzt schwitzten also die Juden, denn erstens: Was ist keine Unregelmässigkeit in den Papieren, wenn die Frau Präfektin in die Bäder fahren muss, und zweitens: Wann haben die Juden überhaupt Papiere bekommen? Die Sache endigt damit, dass die Juden in die Distriktshauptstadt fahren und das Uebel an der Wurzel ausrotten und die kleine reizende Frau Präfektin auf ihre Kosten in die Bäder schicken. Die Schwitzepidemie bricht aber jeden Sommer wieder von neuem aus, so dass Herr M a r c u die Badesaison als die Saison der Judenhetze bezeichnet hat. Und Herr Marcu muss etwas davon wissen, weil er auch ein rumänischer Bojar und weil er Bürgermeister der Stadt Dorohoiu ist. wo sehr viele und reiche Juden wohnen. Den Erfahrungen des Herrn Bürgermeisters, die er in einem Interview im „D o r o b a n t u 1" bekannt macht und die in den höheren Regionen der Judenaussauger gesammelt sind, könnte ich noch hinzufügen, dsiss die Juden auch bei dem Geburtstage der Frau Dorfbürgermeisterin ihr Wort zu sagen haben, wie überhaupt bei allen wichtigen, heiteren und traurigen Ereignissen im Familienleben der rumänischen Beamten. Ich kenne einen Fall, wo ein rumänischer [Beamter bei der Aufnahme einer Schuld als Garantie seiner Zahlungsfähigkeit die grosse Zahl „seiner Juden" angeführt hat. Die Saison der Judenhetze ist demgemäss viel grösser als die der Bäder. —t. Zur Frage der rumänischen Juden. Folgendes Schreiben, das an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Stettin gerichtet ist, dürfte ^on allgemeinem Interesse sein : „Die in Ihrer Vorstellung am 26. v. M. erwähnten beklagenswerten Vorgänge in Rumänien sind der Aufmerksamkeit der Regierung Sr. Majestät des Kaisers und Königs nicht entgangen, und wenngleich ich die Hoffnung hegen darf, dass die rumänische Regierung der Pflicht, die Wiederkehr solcher Exzesse zu verhindern, genügen werde, so habe ich doch bei der lebhaften Teilnahme, welche das Schicksal Ihrer Glaubensgenossen bei Sr. Majestät erweckt, Veranlassung genommen, den Vertreter der kaiserlichen Regierung in Bukarest in Uebereinstimmung mit den ihm schon früher erteilten Instruktionen erneut anzuweisen, bei der rumänischen Regierung sich für Massregeln zum Schutze derselben zr verwenden.* Das Interessanteste hieran ist leider — dass dieses Schreiben schon über 30 Jahre alt ist. Es ist gezeichnet: v. Bismarck, und datiert: Berlin, 2. April 1872. Damals richteten auch sämtliche Bukarester Konsuln eine gemeinsame Note an die rumänische Regierung im Interesse der bedrängten rumänischen Juden. Das war vor dreissig Jahren; und heute? Sch. Die Fabel vom Weinstock. Im „Midrasch Habboth" findet sich zum Bibelabschnitt Noa folgende Parabel: „Als Noa eine Weinpflanzung anzulegen im Begriffe war, fand sich bei ihm der Satan ein. „Waspflanzest du da?" frug dieser. „Einen Weinberg", antwortete Noa. Satan: „Welches ist seine Beschaffenheit?" Noa: „Süss schmeckt seine Frucht, sie .mag frisch oder getrocknet sein.* Satan: „Komm, lass uns b^ide Genossen sein an^ diesem Weinberg!" Noa: „So sei es \u — Der Satan ging und brachte ein Lamm, einen Löwen, ein Schwein und einen Affen, die er nacheinander schlachtete, dass von deren Blut die Reben getränkt wurden, Darauf wendete er sich an Noa und sprach: „Hier die Zeichen der Kraft des Weines. Unschuldig wie ein Lamm sehen wir den Menschen, bevor er von dem Weine getrunken, aber bald nach dem Genuss desselben ist er verschiedenen Wandlungen unterworfen. Der massige Weingenuss macht ihn mutig wie einen Löwen, der unmässige wandelt ihm zum Schwein, bis er endlich durch den übermässigen einem Affen gleich wird." ^Mbune. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) israelitische Kultusgemeinde Wien. Der vom Kultusvorstande in der öffentlichen Sitzung vom 14. Dezember 1902 festgesetzte Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde, sowie sämtlicher unter der Verwaltung der Kultusgemeinde stehenden Fonds und Anstalten für das Verwaltungsjahr 1903 liegt vom heutigen Tage ab durch 14 Tage im Sekretariate der Kultusgemeinde, L, Seitenstettengasse 4, II. Stock, zur Einsicht der Gemeindemitglieder auf. Die Gemeindemitglieder sind gemäss § 90 des Statutes berechtigt, innerhalb dieser Frist Erinnerungen bezüglich des Voranschlages bei dem Kultusvorstande schriftlich zu überreichen, welcher dieselben in Erwägung zu ziehen hat. Dr. Theodor Lieben, Der Präsident : Sekretär. H. K1 i n g e r. Probe-Predigten im Leopoldstädter und Stadt-Tempel. Herr Rabbiner Dr. H. Brody aus Nach od hält Freitag den 19. Dezember d. J. bei dem Abend - Gottesdienste, der um Vi5 Uhr beginnt, im Leopoldstädter Tempel, Tempelgasse, die Predigt und am Samstag den 20. d. M. bei dem um */44 stattfindenden Jugend - Gottesdienste im Stadt-Tempel, I., Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. / * Herr Rabbiner Dr. Moriz Bauer aus Gaya hält Freitag den 26. Dezember d. J. bei dem Abendgottesdienste, der um 4 Uhr 15 Minuten beginnt, im Leopoldstädter Tempel, Tempelgasse, die Predigt und am Samstag den 27. d. M. bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, I., Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. Sehr geehrte Redaktion! Wir bitten Sie um Aufnahme nachstehender kurzer Erklärung: In Nr. 87 des Mainzer „Israelit" fand sich unter Bezugnahme auf den Jörn Kipur-Vorfall in Bern ein Artikel des Dr. Schauer, Rechtsanwalt in Mainz. Form und Inhalt der Ausführungen Dr. Schauers waren derart, dass sich 'las Bureau der „Demokratisch-zionistischen Fraktion" im Verein mit vielen Gesinnungsgenossen veranlasst sahen, in einer Erklärung, die der „Welt" zur Veröffentlichung übersandt wurde, den Artikel Dr. Schauers mit aller Schärfe und Entschiedenheit zurückzuweisen und ihn der gebührenden Kritik zu unterziehen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der „Welt" als offizielles Zentralorgan das Bedauern ausgesprochen, dass

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