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Die Welt · 1902-12-19 · 51 (19.12.1902) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
51 (19.12.1902)
Article
Wien
Date
1902-12-19
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 51 „Die # Welt« Seite 9 und -Telegramme eingelaufen. Der Präsident des Verbandes der israelitischen Humanität-Vereine „B'nei B'rith" für Oesterreich Herr Dr. Hammerschlag in Prag, sandte ein Begrüssungstelegramm und ein Schreiben, in welchem er mitteilte, dass der Verband beschlossen hat, dem Hilfsvereine als gründendes Mitglied mit dem Jahresbeiträge von K 1000 beizutreten. „In diesem Beschlüsse soll nicht nur ein Beweis der dankbaren Anerkennung der bisherigen Leistungen und Erfolge des Hilfsvereines erblickt werden, sondern auch die Bereitwilligkeit, die vom Hilf&vereine in so zielbewusster Weise eingeleitete Hilfsaktion jederzeit nach Kräften auch materiell zü fördern«" Nachdem der Vorsitzende die Versammlung, den Präsidenten der israelitischen Kultus gemein de Wien, Herrn kais. Rat Heinrich K1 i n g e r und Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann begrtisst hatte, erstattete er einen ausführlichen Bericht über die Hilfsaktion des Vereines und den gegenwärtigen Stand seiner Organisation. Wir entnehmen diesem Berichte, dass in 75 Orten, die meist zu den ärmsten Galiziens gehören, Haarnetzlehrkurse veranstaltet und zirka 6000 Frauen und Mädchen in dieser Heimarbeit unterrichtet wurden. Der Arbeitslohn, den der erste Unternehmer im Monate November dort auszahlte, betrug K 16.524 33. Ungefähr das Doppelte dieses Betrages dürften seine 9 grossen und zahlreichen kleinen Konkurrenten an Lohn im Monate November ausgezahlt haben. Die meisten Arbeiterinnen sind noch Anfängerinnen. Bei zunehmender Fertigkeit wird auch der Lohn zunehmen. Mit der Erzeugung von Holz- und Spielwaren für ein Wiener Exporthaus ist ein Anfang gemacht worden. Diese für Männer bestimmte Arbeit, die eine lange Schulung erheischt, kann sich nur langsam ausbreiten. Auch mit der Erzeugung von Kravatten in öalizien hat ein Wiener Exporthaus einen entwicklungsfähigen Anfang gemacht. Die Einführung einiger anderer Heimarbeiten, deren Erzeugnisse ausschliesslich für den Export bestimmt sind, ist vorbereitet. Gegenwärtig zählt der Hilfsverein in 33 Ortsgruppen 3500 Mitglieder, die zirka K 30.000 Jahresbeitrag leisten, An Spenden sind dem Vereine K 51.000 zugekommen. Dieser Bericht wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen und dem Vorstande der Dank votiert. Es wurde jedoch auch der Wunsch ausgesprochen, dass die Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder und Organisierung neuer Ortsgruppen nunmehr eifriger betrieben werde, damit der Verein die zur energischen Fortführung seiner Hilfsaktion nötigen Mittel gewinne. Nachdem die Arbeitswilligkeit und die Ausbildungsfähigkeit der jüdischen Bevölkerung in Galizien unzweifelhaft erwitsen wurde, mögen jüdische Industrielle und Exporteure sich der galizischen Arbeitskräfte zur Erzeugung ihrer Exportartikel bedienen. Mit dem Danke an alle, die den Verein besonders gefördert haben: das Kuratorium der „BaTon Hirsch-Stiftung*, den .Hilfsverein der Deutschen Juden* in Berlin, das „Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden" in Frankfurt am Main, die israelitischen Humanitäts-Vereine „B'nei B'rith" und an die jüdische Presse, schloss der Vorsitzende die Versammlung. Die ausgelosten Mitglieder der Vereinsleitung wurden wiedergewählt. Neugewählt wurde Herr Sato T e d e s k o (Wien). In den Aufsichtsrat wurden neugewählt die Herren Julius Granichstädten (Wien) und Ferdinand L ö wy (Wien). In das Schiedsgericht wurde neu gewählt Herr kais. Rat Heinrich K1 i n g e r, Präses der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Deutschland. Aus Pommern. Der „Jeschurun" veröffentlicht folgende sehr interessante Zuschrift: Ein Brief aus dem Norden Norddeutschlands, der vom jüdischen Leben berichten soll, ist Ihnen geehrter Herr Doktor, gewiss etwas Seltenes. — Aber doch, so schlimm steht es wohl in keiner Gegend unserer deutschen Heimat, dass sie nicht auch eine „gerechte" Gemeinde hätte und ich will ihnen von frischem, jüdischen, Leben erzählen, das selbst in d*r an Pommern grenzenden Uckermark pulsiert. — Die Gemeinde Prenzlau, deren Mitglieder schon oft bewiesen haben, dass „Jude" sein für sie kein leeres Wort ist, hat ihrer Geschichte ein neues Ruhmesblatt angefügt, sie hat dokumentiert, dass sie auch für die Zukunft ein Hort des Judentums im Norden sein wolle. — Was ich schon vor einiger Zeit in Ihrer sich so tapfer der Erhaltung des lebendigen Judentums widmenden Zeitschrift auszuführen versucht habe, ich möchte es von neuem betonen: Die mächtige nationale Idee im Judentum, der Zionismus, ist die Kraft, die auch in Deutschland wieder eine gesetzestreue Judenheit schaffen wird. Grossen Dank sind wir der Zionistischen Vereinigung für Deutschland schuldig, die sich weder Mühe noch Geld verdriessen lässt, die Idee des Zionismus auch in mittleren und kleineren Gemeinden zu propagieren und so in fast utad in schon ganz erstarrten Körpern neues Leben zu erwecken. Ich wohnte am 1, in Prenzlau einem Vortrage des Herrn Dr. Th. Zlocisti aus Berlin über: „Der Zionismus und seine Gegner" bei; mit packenden, treffenden Worten verstand es der Redner, die grosse Zuhörerschaft für die zionistische Idee und damit für ihr Judentum zu begeistern und die Gründung einer zionistischen Ortsgruppe in Prenzlau zu erniö glichen. — Aber von inniger Freude war ich erfüllt, als ich die Worte des bewährten Führers der Prenzlauer Gemeinde, Sr. Ehrwürden des Herrn E&b b. Dr. B ä h r, hörte, der erklärte, dass alles, was der Zionismus als erstrebenswert auf sein Programm geschrieben habe, verwirklicht zu sehen, auch sein Streben s&i und dass er, wenn er auch für seine Person als Ea^biner Bedenken habe, sich der Organisation der Zionistem anzuschliessen, wünsche und empfehle, dass die Glieder «einer Gemeinde der neuen Ortsgruppe der Zionistischen Vereinigung beitreten. Das Hoch, das derselbe dem Zionismus bei jubelnder Einstimmung der Anwesenden darbracht*, möge weiterschallen über die Mauern Prenzlaus hinaus, aneifernd, aJudentt zu sein und beweisgebend von der hohen Gesinnung des Kedners. — Ich denke Ihnen bald auch aus anderen Orten von der Renaissance unseres Volkes berichten zu können. Iwa» Salomon. Südafrika. Rhodesia. Der „JewishChronicle* erhält folgenden Bericht über die Juden in Rhodesia, dem Reiclie der Chartered Company: In Buluwayo, der Hauptstadt Rhodesias, lebten 1900/01 240 Juden, deren Zahl seit dem Kriege auf 330 gestiegen ist. Sie dürften drei Viertel sämtlicher in Rhodesia wohnenden Juden ausmachen. Die jüdische Gemeinde macht etwa 10% der Gesamtbevölkerung ßuluwayos aus. Dem Wachstum der Gemeinde entsprechend, musste die Synagoge vergrössert werden. Am Neujalirstage predigte unser Rabbiner über die Notwendigkeit eiines Ideals für das Leben; die Sukkoth-Predigt war dem Zioniisrnus gewidmet. Der Zionismus beherrscht unser ganzes Gemeindeleben. Ich habe vor mir den vierten Jahresbericht unseres Zionsvereines liegen. Unsere Tätigkeit und unsere Leistungen und unser Enthusiasmus für die nationale Sache nehmen von Jahr zu Jahr zu. Im letzten Jahre haben wir uns der südafrikanischen Zionistischen Federation, &:ehr zu unserem Vorteil, angeschlossen. Ferner ist es unseren Bemühungen gelungen, zionistiiche Vereine in Salisbuij und Gwelo zu gründen. Es ist kein Zweifel, dass bei der Entwicklung, die Südafrika zu nehmen im Begriffe ist, der südafrikanische Zionismus in der Gesamtbewegung einen hohen Rang einzunehmen berufen ist. Wir haben im vergangenen Jahre über 200 Shares der Jüdischen Kolonialbunk in Buluwayo verkauft, während in Gwelo deren 52 tn den Mann gebracht worden sind. Wir haben bisher dem jüdischen Nationalfonds 100 Pfd. SterL. zugeführt und haben schon wieder einen grösseren Betrag für diesen Zweck gesammelt. Wir haben einen zionistischen Damen verein gegründet, der blüht und gedeiht und im sozialen Iii-eben der Stadt eine grosse Rolle spielt Wir haben eine zionistische Lesehalle eröffnet, welche sich lebhaften Zuspruches erfreut. Wir haben regelmässig Versammlungen mit Vorträgen abgehalten, in welchen der Zionismus definiert, gepredigt und diskutiert wurde. Kurz, wir haben jede mögliche Art der Propaganda für unsere grosse nationale Idee mit Freuden ergriffen Man kann sagen, dass unsere ganze Gemeinde zionistisch ist und die Vorstände der Korporation des jüdischen Kultusvorstandes befinden sich zugleich im Vorstande des Zionsvereines. An der Spitz« steht seit der letzten nach den Feiertagen abgehaltenen CtaneralVersammlung Mr. J. Joseph als Präsident. In dieser Versammlung wurden folgend* Spenden votiert: 55 Pfd. SterL dem Odessaer „Cbowewe Zion"-Verein zum Zwecke des Landankaufes in Palästina, 10 Pfd. SterL für die zu gründende Nationalschule in Palästina (Projekt Beikind), 5 Pfd. SterL der Nationalbibliothek in Jerusalem tnnd 10 Pfd SterL der südafrikanischen Feieration. Wir wählten Delegierte für die demnächst zusammentretende Koitarenz der südafrikanischen Zionisten und fassten ein* Resolution, wonach die Gründung eines eigenen zionistischer! Organes in Südafrika ins Auge gefasst werden solL Unser Bemühen ist es, dass die voraussichtliche grosse Judengemeinde von Südafrika zionistisch sei bis ins Mark hinein! Personalnachrichten. Unser bewährter Gesinnungsgenosse und Mitstreiter im Kampfe um unsere heilige Sache, Dr. NiL Tschlenow,

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