Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 50 (12.12.1902)
- Article
- Repertoire der öffentlichen Vereins-Veranstaltungen in Wien [Nachricht]
- Date
- 1902-12-12
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 10 „Die Weif Nr. 50 Dienstag den 16. Dezember: Jüdisches Bildimgsheim, XIV., Denglergasse 2. Dr. S a d g e r: „Seelenrätsel". Samstag den 27. Dezember: Makkabäerfeier des Allgemeinen jüdischen Arbeitervereines im „Hotel Central*. Donnerstag den 15. Jänner 1903 : Grosse allgemeine Makkabäerfeier. Samstag den 17. Jänner 1903: Turnerkneipe. P. S. Die P. T. Vereinsvorstände werden dringend ersucht, um Kollisionen zweier oder gar mehrerer Vereins- Veranstaltungen an einem und demselben Tage zu vermeiden, dieselben unve» züglich nach Beschlussfassung dem Obmanne des innerösterreichisch^n Distriktskomitees Dr. Max Bernhardt, VIL, Neubaugasse 14, bekanntzugeben.) Wien. (W ochen-Programm der „Jüdischen Toynbee-Halle*, XX.» Karajangasse 20.) Sonntag den 14. Dezember: E-?ktor Dr. Adolf Schwarz: „Die Frauen der Bibei\ Montag den 15. Dezember: Ernst Müller: .Tatsachen aus dem Gebiete der neueren Elektrizität". Dienstag den 16. Dezember: „Diskussion über Frauenberufe*. Mittwoch den 17. Dezember: Gustav Sicher: „Geschichte des jüdischen Volkes im Altertum". Donnerstag den 18. Dezember: Sil Vara (G. Silber er): „Theodor Herzl", 8. Dicht*raben<i. Freitag den 19. Dezember: Dr. G. M. Mehr er: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag den 20. Dezember: Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Dr. I. Sa dg er, IX., Liechtensteinstrasse 15. Wien. Im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassa" findet Sonntag den 14. d. M. ein Vortrag des Herrn Mathias Acher „Idealismus und Fanatismus* statt. Gäste herzlich willkommen. Anfang 3y2 Uhr l achmittag im Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde, L, Seitenstettengasse 4. Wien. Der Vorstand des Frauen-Wohltätigkeits-Vereines „Zuflucht41, dessen Hauptwirken darin besteht, einer grossen Anzahl von verschämten Armen zu ein^r Existenz zu verhelfen, wird am 5» Jänner 1903 im Ballsaale Ronacher eine Akademie unter der artistischen Leitung des Pianisten Theodor Plowitz veranstalten, mit welcher eine Theater-Vorstellung und ein Tanzkränzchen verbunden sein werden. Diesem grossen Abend wird noch ein Komitee- Abend mit Tanz am 16. Dezember, abends 8 Uhr im „Hotel Continental" vorausgehen. Prag. Der Verein jüdischer Hochschüler wBar Kochba* in Prag bringt zur Kenntnis, dass sich die neuen Vereins- Lokalitäten Jerusalemgasse 4 befinden. Jeden Dienstag findet ein Vereinsabend statt Die Bibliothek ist Mitgliedern zionistischer Vereine während der Bibliotheks^tunden (Dienstag 6—7 Uhr, Freitag 5-6 Uhr, Sonntag ya9—y210 Uhr vormittags) zugänglich. Nur in diesen Stunden können Bücher ausgeliehen und rückgestellt werden. Charlottenburg. Die Akademische Verbindung „Kadi man" veranstal et Montag den 22. Dezember 190'i, abends 8i/2 Uhr, in den Fürstenberger Sälen, Berlin C, Roseothalerstrasse 38 (Bahnhof Börse), eine Makkabäer- Feier. Der Reinertrag des Abends ist für die Lesehalle der „Kadimah" in Charlottenburg bestimmt. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Wien. (I. Wienerjüdischer Turnverein.) Am 22. November 1. J. fand im „Hötel Central" der diesjährige Eröffnungsabend des Vereines unter zahlreicher Beteiligung statt. Nach Begrüssung der Anwesenden durch den Obmann Herrn Dr. Werner wurde dem ersten Ehrenmitgliede des Vereines, dem Fabrikanten Herrn Hermann Kön i g, das von dem bekannten Künstler C. J. Poll ak gemalte Ehrendiplom überreicht. Von den nun folgenden Aufführungen seien besonders erwähnt ein Vortrag des Cello - Virtuosen Herrn Rei chn er, dann Liedervorträge der Frau Adler und der Vortrag eines dem Vereine von Herrn Direktor Plowitz gewidmeten Turnermarsches, vorgetragen vom Komponisten. Nach der Aufführung einer gelungenen turnerischen Pantomine durch Mitglieder des Vereines, die stürmische Heiterkeit erweckte, begann ein animiertes Tanzkränzchen. Der nächste Abend ist für Mitte Jänner in Aussicht genommen. Olmütz. (Verein BZion8.) Der in der Generalversammlung vom 10. Oktoher gewählte Ausschuss hat sich wie folgt konstituiert: I. Obmann E. F a n t a, II. Obmann J. Grün berger, Kassier J. Lau, L Schriftführer A. Pollitzer, IL, Schriftführer J. Kantor, Bibliothekar cand. jur. J. Beer, ferner die Herren W. Spitzer, W. SamethundF. Pollak, Schriftenempfänger A. P o Ii t z e r, Bankbeamter. England. Grimsby. In einer sehr zahlreich besuchten Versammlung sprach Rabbiner A. Kahn aus Weissen bürg im Elsass über „Die Bedeutung des Wortes Zion". Liverpool. Ein neuer zionistischer Verein ist in unserer Stadt gegründet worden. Er soll die orthodoxen Juden sammeln und sein Name ist „Misrachi*. In der konstituierenden Versammlung hielt Rev. L. Le vin einen Vortrag über „Zionismus und Orthodoxie*. London. In einer von der „B'noth Zion Association* vergangenen Sonntag abgehaltenen Versammlung sprach Dr. Fuchs, der Herausgeber des jetzt in London erscheinenden „Hamagid" über „Don Isaac Abarbanel und Dr. Herzl". Südafrika. Johannesburg. Eine Versammlung der „Transvaal Zionist Association" wurde am 19. Oktober in unserer Stadt abgehalten, deren Zweck die Gründung eines Share-Klubs war. Mr. B. Danziger, Vizepräsident der Association, führte den Vorsitz, üeber 2ü0 Personen waren anwesend. Es sprachen R-v. Dr. Hertz und der verdienstvolle Präsident der „South-African Zionist Federalion" Mr. Sam. Goldreich, ferner Mr. Manfred Nathan. Die Bildung eines Share-Klubs wurde zum Beschlüsse erhoben. Aus Versehen. Von Arthur Gorovici*) Aus dem Rumänischen übersetzt von Ben-Ezra. „Nun, was meinen Sie, Herr Itic?" Itic fährt auf, wie aus eri/nem tiefen Schlaf erwachend, schaut Herrn Jancu an und antwortet zögernd: „Ach, gnädiger Herr, was soll ich sagen? Es ist eben viel und ich bin mittellos." Der gnädige Herr Jancu raucht, auf das mit Schweinsleder überzogene Kanapee gemächlich hingestreckt, ruhig seine Zigarre und sagt lächelnd: „Du findest also, dass 2000 Lei zuviel sind?" „Bei Gott, gnädiger Herr Jancu, bei meinem Leben, ich besitze nicht 2000 Franken!" „Ach was, mir machst du nichts vor; ich kenne deine Verhältnisse.*' Einige Minuten schweigen beide. „Gnädiger Herr Jancu!" „Sie meinen, Herr Itic?" „Gnädiger Herr Jancu, haben Sie Erbarmen mit mir, machen Sie es mir mit 1000 Franken; bei meinem Leben, gnädiger Herr Jancu, und bei der Gesundheit meiner Kinder schwör' ich, dass ich das Geld nicht gehen kann. Ich habe nicht mehr, bei Gott, ich habe nicht mehr. Gnädiger Herr Jancu, wenn Sie das für mich tun, soll kein anderer Advokat so viel Prozesse bekommen als Sie, sonst nennen Sie mich Hund und nicht Itic!" Der gnädige Herr Jancu erhebt sich und mechanisch tut Itic dasselbe. „Wissen Sie, Herr Itic, machen wir es kurz; damit weder Sie recht behalten noch auch ich, geben Sie mir 1500 Lei und ich garantiere, dass Ihr Sohn frei wird, vorausgesetzt, dass Sie bereits mit dem Doktor *) in Ordnung sind. „Dem Herrn Doktor habe ich bereits 500 Franken gegeben; 500 soll ich ihm am Rekrutierungstage geben. Der Doktor macht mir also keine Sorge. „Dann garantiere ich, dass ich dir ihn freimache." Und der gnädige Herr Jancu nähert sich Itic, klopft ihm auf die Schulter; und sagt: „1500 Lei hier auf die Hand gezählt, Herr Itic, und Burah sin Itic braucht die „Büchs'" nicht zu fürchten. Das \ist mein letztes Wort, „der letzte Preis", wie Sie in Ihrem Laden sagen." Itic sieht ein, d"w5S er keinen Ausweg hat. Wenn er nicht handelseins wird, muss sein Burah zum Militär. Zögernd rechnet *) A. Gorovici ist rumänischer Christ. *) In Rumänien synonym mit Arzt, da bisher nur die medizinische Fakultät diesen Titel verleiht.