Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 50 (12.12.1902)
- Article
- An die zionistische Studentenschaft Wiens!
- Date
- 1902-12-12
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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(Nr. 50 „Die # Welt" Seite 9 verflossenen Wiener Kultaswahlen seinen herzlichsten Dank auszusprechen. Mögen auch die so opferwilligen Anstrengungen der jüdischen Jungmannschaft diesmal noch nicht von Erfolg gekrönt gewesen sein, so bieten sie doch ein glänzendes Beispiel der in der Studentenschaft herrschenden Disziplin und der unauslöschlichen Begeisterung für unser hehres Ideal. Sie lassen uns den glänzenden Sieg der Zukunft mit Zuversicht erhoffen. Probe-Predigten in den Bethäusern der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Rücksichtlich der von dem Vorstande beschlossenen Abhaltung von Probe-Predigten wurde festgesetzt, dass dieselben am 12. d. M. abends beginnen sollen. Hierbei wurde normiert, dass jeder vom Vorstande berufene Kandi lat, und zwar in der Regel in alphabetischer Reihenfolge, je an einem Freitag-Abend eine Probe-Predigt und an dem darauf folgenden Samstag-Nachmittäg eine Exhorte für die Schüler der Mittelschulen abzuhalten habe. Zu diesen Predigten werden im Sinne des Statutes § 35 die Herren Vertrauensmänner eine besondere Einladung seitens des Bethausvorstandes empfangen. Eingesendet. Wie den Notizen in den jüdischen Blättern zu entnehmen ist, soll mit dem kommenden Sabbat die Saison der Probegastspiele in den Bethhäusern der Kultusgemeinde eröffnet werden. Es ist traurig genug, dass der Wiener Kultusvorstand keinen würdigeren Modus zu finden weiss, um die vakanten Rabbinerposten zu besetzen. Wenn Rabbiner von Ruf es selbst nicht verschmähen, sich dieser unwürdigen Schaustellung zu unterziehen, so mag der Wunsch, in der Metropole des Reiches, die zugleich eine der grössten Judengemeinden der Welt in sich birgt, einen Wirkungskreis zu finden, sie über die auftauchenden Bedenken hinwegsetzen lassen. So erklärlich auch solche Rücksichten sonst erscheinen mögen, so übel angebracht jedoch sind sie in dem vorliegenden Falle. Wenn ein Rabbiner sich zu einer nur bei Schauspielern berechtigten Zumutung versteht, so muss ihm doch wenigstens noch die eine Aussicht offen bleiben, dass ihm der erhoffte Preis im Falle des Gelingens zufallen werde. Infolge der tiefen Entartung, die unsere massgebenden Kreise beherrscht, ist dies jedoch völlig ausgeschlossen. Die in Betracht kommenden Posten sind längst vergeben, und zwar an die Herren Dr. Feuchtwang (Nikolsburg), Dr. G ru nw a 1 d (Hamburg) und Dr. Kaminka (derzeit Wien), die es verstanden haben, durch rücksichtslose Ausbeutung einflussreicher Protektion sich ihren Platz im vorhinein zu sichern. Das veranstaltete Schaustück hat demnach keinen anderen Zweck, als der öffentlichen Meinung gegenüber den Schein der Unbefangenheit und der Unparteilichkeit der vorzunehmenden Wahlen zu wahren. Wer demnach der Zumutung des Wiener Kultusvorstandes Folge gibt und sich zu einer Probepredigt versteht, der erniedrigt sich selbst zu einer dunklen Folie über deren Hintergrund sich der gesicherte Erfolg der genannten drei Herren desto glänzender abheben wird. Wir persönlich gönnen jedem Rabbiner, wenn anders er nur tüchtig und charaktervoll ist, die Erlangung eines Wiener Postens, sofern er sich davon äusseres Glück und innere Zufriedenheit verspricht. Aber gerade darum möchten wir die Sache nicht zur Karikatur verzerrt sehen. Durch eine einzelne Probepredigt wird auch der begabteste Redner nicht die Wiener Gemeinde wie im Sturm erobern; das kann nur der Ruf und die wissenschaftliche Bedeutung des Mannes erwirken* Wer darüber zu verfügen glaubt, der möge nur ruhig das Ansinnen einer Probevorstellung ablehnen und statt dessen die Uebersendung eines Anstellungsvertrages oder Rabbinatsbriefes, wie man es früher nannte, verlangen. Eine solche Haltung wird ihm keineswegs schaden, vielmehr dazu angetan sein, ihm in den weitesten Kreisen Hochachtung und Sympathie zu verschaffen. Wird dieser Warnungsruf ungehört verhallen, so werden die Herren nachträglich durch den Ausgang der Ereignisse sich darüber belehrt sehen, wie richtig wir unterrichtet waren und wie wohl wir es mit ihnen vorhatten. E in R ab b in er f r e un d. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Josef Konelsky zur Eintragung Dr. Nor d aus ins goldene Buch Kr. 240.—-. „Ahawath Zion" in Tomaszow Kr. 240.—. Agudas Zion" in Lodz Kr. 240.—. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Die „Z ionist Correspondence", welche die englische Federation bisher herausgegeben hat, hört zu erscheinen auf und an deren Stelle tritt ein zionistisches Wochenblatt unter dem Titel „The Hope of Israel", welches in dem Augenblicke ausgegeben werden wird, da die Zahl von 2000 zahlenden Abonnenten erreicht sein wird. Damit wird die auf dem kleinen Kongresse nach dem Antrage des Referenten über die Presse einstimmig angenomme Resolution der Schaffung eines eigenen grossen zionistischen Organs in England verwirklicht. „The Hope of Israel" wird das offizielle Organ der englischen Federation, zugleich aber das Band für die im weiten britischen Reiche verstreuten zahlreichen Einzel vereine bilden. Hoffentlich werden diese und überhaupt alle englisch sprechenden Gesinnungsgenossen unser neues Organ aufs lebhafteste unterstützen und fördern. Im „Hameliz" vom 2. Dezember erschien ein Aufruf des Führers der „Misrachim", Rabbiner I. J. Rei nes aus Lida, worin er mit feurigen Worten die Zionisten zur Hilfeleistung für die unglücklichen jüdischen Bewohner der palästinensischen Städte (Safed, Jaffa u. s. w.), die infolge der allgemeinen Notlage und besonders der Cholera, die dort wütet, in Elend und Not schmachten, ermahnt. Mögen seine Worte in den Herzen aller Zionisten Anklang finden und ihreWirkung erzielen! Ein höchst interessanter Artikel in der Nr. 22 der „Jüdischen Volkszeitung*, benannt „Die Werkstatt und die Redaktion", klärt über das Verhalten der jüdischen Arbeiter zum ökonomischen Zionismus und zu sonstigen Formen der Gegenwartsarbeit auf. Der jüdische Arbeiter anerkennt, dass ihm unter gegebenen Umständen keine Reform helfen kann, so lange das ökonomische Leben nicht förmlich umgestaltet sein wird. Die jüdischen Arbeiter erkennen den Zionismus als den richtigen Weg zur Lösung ihrer Frage, stellen aber auch manche Forderungen, die der Zionismus noch nicht erfülle. Jedenfalls, sagt der Verfasser, müssen die Zionisten das Leben des Volkes näher kennen lernen und nicht bloss es sich ausmalen. Eine ähnliche Zurechtweisung der verschiedenen »Zionismen", die, vom politischen Zionismus unbefriedigt, ihre eigene Richtung mit aller Einseitigkeit von Doktrinären vertreten, gibt in einer glänzenden poetischen Form einer der besten jüdischen Schriftsteller, der unter dem Pseudonym „Die Biene* (ex ungue leonem!) sich verbirgt, in Nr. 49 des „lud". »Der Zionismus", sagt er, „ist eigentlish eine Henne, aber wenn er die goldenen Flügel im Werte von 25 Millionen haben wird, wird er ein Adler werden und weit hinauffliegen zum Libanon, zum Oelberg. . . . Aber einstweilen sitzt er noch auf demselben Flecke und es kommen immer andere und unterlegen ihm Eier, damit er sie ausbrüte, Kultur-Eier, ökonomische Eier, hebräischsprachliche Eier — und was kann die arme Henne tun? Sie brütet sie aus. Aber nicht alle Eier bergen in sich Leben; es gibt auch blinde Eier.* Richtigstellung. In unserer letzten Notiz über den „Chicago I s r a e 1 i t eÄ ist dieses Blatt als zionsfreundlich statt -feindlich bezeichnet worden. |{<is de* }Sevvc£U0£- Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Repertoire der öffentlichen Vereins-Veranstaltungen in Wien. Samstag den 13. Dezember: Vereinsversammlung der Ortsgruppe VI und VII des „Zion". Tagesordnung: „ Warum sind wir bei den Kultuswahlen unterlegen?ft Referent : Herr Direktor Ignaz Weber. Ort: Restaurant L ö b 1, VI, Schmalzhofgasse 10.