Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 50 (12.12.1902)
- Article
- Zur jüdischen Rassenfrage
- Date
- 1902-12-12
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3315959-3316010-3326906--36204-3327019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 f,Üte Wettf Nr. SO eine religiöse Gemeinschaft (!). Mit dem Sturze seines Tempels und der Unterdrückung des Aufstandes des Bar-Kochba hat es aufgehört, Nation zu sein . . . Dass „alle Anthropologen" die Juden als besondere Rasse betrachten, ist mir neu. Nur ein utopistischer Schwärmer oder ein mit der Geschichte des Judentums völlig Unvertrauter kann von einer jüdischen Rasse sprechen .." Nun, solch eine bodenlose Ignoranz oder solche bewusste Unwahrheit, nur um der Idee des „Deutschtums mosaischer Konfession" zu dienen, verdient eigentlich von ernster Seite keine Antwort. Driesmans liess sich aber trotzdem diese nicht verdriessen. Er schrieb darin folgendes: „. . . . Eine jüdische Rasse im alttestamentlichen Sinne gibt es freilich nicht mehr, wie es denn überhaupt reine Rassen nirgends mehr auf der Erde gibt. Aber dass die Juden als „Nationalität" typische Rassenmerkmale aufweisen, die sie unverkennbar machen — wie auch die anderen „Nationalitäten" ihre typischen Merkmale und Charaktere haben, durch welche sie sich erheblich von einander unterscheiden — lässt sich doch nicht wohl hinwegleugnen. Der Verfasser hat nur bestätigt, wie recht ich damit hatte — nämlich, dass es Juden gibt, die nicht einmal mehr vertragen, in durchaus sachlich-ruhiger, wissenschaftlicher Weise an ihre „Merkmale"' erinnert zu werden. Auf den schiefen Vergleich mit der „katholischen Nationalität" einzugehen, überlassen wir allen vernünftig denkenden Lesern selbst. Es ist überflüssig, davon zu reden. Dass in den „Nationalitäten" bis auf den heutigen Tag grundlegende Rassenunter schiede lebendig sind, leugnet gegenwärtig kein Mensch mehr, der einigermassen Blick für die realen Verhältnisse hat. Die „Religion" eines Volkes ißt im tiefsten Grunde auch nichts anderes als der Ausfluss seines Rassengeistes, seiner besonderen Lebensinstinkte. Daher es denn, wie Egidy sehr richtig erkannte, eben nur „Konfessionen", keine „Religion" bisher gegeben hat, und zwar so viele, als Völker und Volksgemeinschaften vorhanden." Die Erregung in der jüdisch-assimilatorischen Presse tobt aber weiter. Die „A11 g. Ztg. d e s J u d e n t u m s " in Berlin erklärte, „gegen eine Rassentheorie Front machen zu wollen, die in einer allen wissenschaftlichen Forschungen der modernen Anthropologie widersprechenden Weise und in der bewussten Absicht, das Judentum herabzusetzen, geflissentlich verbreitet wird " Darauf antwortete Driesmans wieder in einem an die Redaktion der „Allgem. Ztg. d. Jdtms." gerichteten und von derselben abgedruckten Schreiben, das nach einigen einleitenden Worten folgenden Inhalt hat: „. . Wenn Sie sich vorher einigermassen hätten über meine Denkweise orientieren wollen, hätten Sie in meinen Schriften leicht finden können, dass ich die Rassenfrage in durchaus objektiver Weise behandelt habe. Sie kennen aber nieine einschlägigen Arbeiten nicht, so mus,s ich annehmen, und dennoch bringen Sie eine so schwere Anschuldigung, die sich danach allein auf die von Ihnen in Nr. 46 zitierte Stelle aus meiner Entgegnung auf Dr. Rieger gründen kann. Diese Stelle besagte aber weiter nichts, als dass die heutigen Juden „typische Rassenmerkmale" aufweisen, so gut wie die anderen Nationalitäten ihre typischen Merkmale und Charaktere haben. In dieser Aeusserung nun eine mit bewnsster Absicht betriebene Herabsetzung des Judentums zu finden, das ist — nehmen Sie mir das nicht übel — eine solche Ungeheuerlichkeit, dass ich wirklich keine Worte dafür ha'be. Wollen Sie wirklich behaupten, dass Ihre heutigen Stammesgenossen keine typische Gesichts- und Schädelbildung aufweisen? Das schlüge doch — selbst ohne irgendwelche anthropologische Kunde — der einfachsten Wahrnehmung direkt ins Gesicht. Und wenn Sie darin wirklich eine ..Beleidigung" erblicken zu sollen glauben, dass man Ihren Stammesgenossen solche charakteristische Merkmale zuschreibt, dann beweisen Sie damit nur, dass Ihnen sowohl wie Herrn Dr. Rieger, der zuerst daran Anstoss genommen, die „wissenschaftlichen Forschungen der modernen Anthropologie", die Sie gegen mich, der ich seit Jahren in denselben stehe, ins Feld führen, gänzlich fremd sind. Denn wenn Sie damit nur ein wenig vertraut wären, dann würden Sie sich nicht gegen die „typischen Merkmale" Ihrer Rasse wehren und diese abzuleugnen suchen, sondern diese vielmehr erst recht betonen und herausheben. Mit einem Worte, Sie würden stolz darauf sein, überhaupt typische Merkmale zu besitzen und den Stolz Ihrer Rasse in solchen finden. Denn gerade in seiner rassenhaften Eigenart, von der die Merkmale äusseres Zeugnis ablegen, hebt ein Volk, ein Stamm sich aus der Masse, aus dem allgemeinen Völkerbrei heraus. Die typischen Merkmale sind das, was der Anthropologe den aristokratischen Zug eines Volkes nennt. Sie bekunden, dass ein solches noch Eigenart und schöpferischen Wert in sich hat und noch nicht vollständig abgestorben und ausgeglichen ist. Fragen Sie welchen Anthropologen Sie wollen, er wird Ihnen dieselbe Antwort geben, und fragen Sie Ihre gesunde Vernunft, ob die Ihnen etwa anderes sagt. Ihre Ablehnung der typischen Merkmale besagt also nichts anderes als: wir Juden wollen keine Eigenart mehr sein, wir wollen keinen Rassencharakter haben, kurz, wir wollen zum allgemeinen Völkerbrei gehören, bezw. darin verschwinden. Während Sie meüjien, ich bekidige Ihr Volk, tun Sie ihm damit also die ärgsTe Beleidigung und Herabsetzung an, die es für ein Volk gibt. Wenigstens würde ich es z. B. für eine solche des deutschen Volkes halten, wenn man ihm die typischen Rassencharaktere abspräche; gerade worin dieses sich überlegen zeigt und reicher als etwa die romanischen Nationen, das )ißt seine individualisierende Kraft, die sich nicht allein in seinen ausgeprägten Rassenmerkmalen, sondern in der weiteren Ausprägung von Stammestypen und Charakteren bekundet gegenüber den ausgeglicheneren Romanen, denen solche abhanden gekommen sind. Ein Volk, das in diesem Sinne keine Eigenart mehr zeigen w511, das gibt sich selbst auf, und wenn die Juden ihre „Merkmale" verleugnen wollen, dann wollen sTe ganz einfach nichts mehr sein/dann wollen sie nicht mehr sein. Uns Deutschen könnte das ja nur lieb sein, und wer hier ein wenig schärfer sieht, dem dürfte nicht entgehen, dass ich bei dieser Gelegenheit — unbeabsichtigt, aus reinem, objektivem wissenschaftlichem Interesse — den wahren Vorteil des Judentums verteidige, während mein unbekannter Gegner, sein Stammesgenosse, sich als dessen Feind erweis) t. Jedenfalls, wenn er solchermassen die Konsequenzen aus seiner Ablehnung und Verleugnung der „typischen Rassenmerkmale'-' zöge, dann müsste er über seine eigenen Worte nachdenklich werden. In der Erwartung, dass diese meine ergänzenden Aeusserungen nicht nur zur Richtigstellung meines Standpunktes, sondern zur Klärung der einschlägigen Fragen überhaupt beitragen werden, empfehle ich mich Ihnen Hochachtungsvoll ergeben Heinrich Driesmans. Pariser Brief. Zwei Vorfälle, die sich in unserer Stadt begeben haben, sind deutliche Beweise, dass die Lage der Juden in Frankreich und speziell in Paris eine ebenso unangenehme und unbehagliche geworden ist, wie sie auf dem ganzen Kontinente seit lange ist. Nach der Begnadigung des Hauptmanns Dreyfus verkündeten die Franzosen mosaischer Konfession einen Gottesfrieden, d. h. sie riefen es laut Spa alle Winde hinaus, dass sie den Fall Dreyfus als einen exzeptionellen vergessen würden und hofften, dass alles wieder beim, alten bliebe . . . Aber all ihre Liebesmühe ist umsonst. Die „Affäre" war eben nur ein Symptom, und der ja höchstens nur latente, aber immer vorhandene Judenhass ist wieder freigeworden, und wird von Tag zu Tag mächtiger und kühner. Und selbst dije Franzosen mosaischer Konfession, die sonst von ihrem Judentum so wenig als möglich reden und alles vermeiden wollen, was einem Zusammenschluss und einer Separierung der Juden nur ähnlich ist, sie haben sich ent-