Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-12-05 · 49 (5.12.1902) · p. 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
49 (5.12.1902)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1902-12-05
Page
10 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3316009--36129-3326841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 10 ffDie-#;Wei^^ Nr. 49 Wien. Im literarischen Geselligkeits verein jüdischer Mädchen „Moria* findet Sonntag den 7. Dezember ein Vortrag des Herrn Dr. L Sadger über „Wahrheit der Lebenslüge" statt. Beginn 3 Uhr im Religions-Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse % II. Stock. Gäste, Damen, herzlichst willkommen. Wien. Im Mädchen und Frauen-Verein „Bikur Chaulim* findet Sonntag den 7. Dezember präzise 4 Uhr im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde ein Vortrag des Hpirn Dr. Martin Engländer statt. Thema: „Die auffallend häufigen Krankheitserscheinungen der jüdischen Rasse." Gäste, Damen und Herren, willkommen. Wien. Die „ Verei nigung zionistisch er Hochschüler" bringt zur allgemeinen Kenntnis, dass sich ihre Lokale IX., Hahngasse 20, 3. Stock, Tür 19, befinden.] — Samstag den t>. Dezember findet eine Plenar-Versammlung statt. Referent phil. A. Freud, „Unsere Stellung im Zionismus". Vollzähliges Erscheinen erforderlich! — Sonntag » den 7. Dezember wird ein hebräischer Sprachkurs für Anfänger eröffnet, den auch Nichtmitglieder der Vereinigung besuchen können. Hoffentlich werden viele von dieser ihnen gebotenen Gelegenheit, sich die Kenntnis unserer nationalen Sprache anzueignen, Gebrauch machen. Wien. („Verein jüdischer Hand eis an gestellt er.") Mittwoch den 10. d. M. um 8 Uhr abends, findet im „Cafe Orient", iL, Praterstrasse Nr. 66, die konstituierende Generalversammlung statt mit anschliessendem Vortrage des Kollegen Gross über „Unsere Ziele". Berlin. (Die „Jüdisch-nationale Frauenvereinigun g'c) veranstaltet Sonntag den 7. Dezember 1002 im grossen Saale des Architektenhauses, Wilhelmstrasse Nr. 92/93 einen Jungjüdischen Abend. Programm: I. Jung-jüdische Dichtungen von Morris Jlosenfeld, Berthold F eiwe 1, Hugo Salus, Martin Fr i e d 1 än d er. IL Jüdische Volkslieder, komponiert von Hirsch Liwschütz. Jüdische Masik: Cello- und Violin-Vortrag. Beginn 8 Uhr. Eintrittskarten ä 5, 3 und 1 Mk. sind in der Musikalienhandlung von Bothe & Bock, Leipziger Strasse 37, im Bureau des Architekten hauses und bei den Unterzeichneten zu haben. Der Ueberschuss ist für den Jüdischen Kinderhort bestimmt. Das Komitee geht an die Gründung eines solchen und besteht aus den Damen:.. Frau Lina Tauber, Vorsitzende der Vereinigung, Fräulein \ Eva Friedemann, Frau Regina Holländer, fraü 1 Dr. Alfred Klee, Frau Bianca L es s er, Frau Dr. Heinrich > Loewe, Fräulein Bertha Majerowitsch, Frau Lina Samson. Wien. (Wo chen programm der „Jüdischen Toynbee-HalleÄ, XX., Karajangasse 20.) Sonntag den 7. Dezember: Dr. Isidor L e d e r e r : „Kultur un d Sittlichkeit". Montag den 8. Dezember: Dr. Isidor Sadger: „Heinrich Heine", 7. Dichterband. Dienstag den 9. Dezember: Diskussion über „Frauenberufe". M'ittwpch den 10. Dezember: Gustav Sicher: „Geschichte des jüdischen Volkes im Altertum"., Donnerstag den 11. Dezember: Dozent Dr. Josef' Pollak: „Hygiene des Ohres". Freitag den 12. D ez e m b e r: G. M. Mehrer: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag den 13. Dezember: Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Dr. L Sadger, IX., Liechtensteinstrasse 15. Wien. („JüdischesBildungshei m", XIV. Bez., Denglergasse Nr. 2, I. Stock.) Im Monate Dezember finden folgende Vorträge statt: 9. Dezember Dr. S. Krenberger „Altneuland" von Theodor Herzl. 16. Dezember Dr. J. Sadger „Seelenrätsel" 23. Dezember Prof. B a s s „Sozialismus im Altertum*. 30. Dezember Konzert. Eintritt frei. Kein Trinkzwang. Anfang 8 Uhr. Ende 7a10 Uhr. Wien. (J ü d i s c h-n ationalerArbeiterverein.) Die Vereinsleitung gibt bekannt, dass ab Sonntag den :-i0. November 1902 der Unterricht in Tanz- und Anstandslehre jeden Sonn- und Feiertag von 7*3—9, jeden Mittwoch von 7—1I2\0 Uhr für Anfänger im neuen, elektrisch beleuchteten Privatlokale, VIII., Kochgafse 16, stattfindet. Alle weiteren Auskünfte dortselbst. Um gütige Bekanntgabe in Freundeskreisen wird gebeten. Die Vereinsleiturg. Bern. Die Chargiertenwahl der J. N. St.-V. „Kadimah- Bernensis" für das Wintersemester 1902/3 ergab folger des Rpsultat: phil. J. M. S a 1 k i n d, Präses; phil. S. K r a u s s, Vizepräses; jur, S. M e h 1 e r, Schriftführer; jur. S. Milln er, Bibliothekar. Unsere Verbindung schreitet an die Herausgabe eines hebräischen semesiriellpn Sammelwerkes unter dem Titel jy^, das den politischen Zionismus in zentralistischem Sinne voiTcrbt»«!. uii.L Feuilleton* Jetti Laufers Kauler« Von Josef Eeigner. Die Geschichte von Jetti Läufers Kauler möchte ich erzählen und bin in Verlegenheit, ob der Leser auch weiss, Weit; das ist, ein Kauler. Ich fürchte, er hat niemals davon etwas gehört-, geschweige es jemals gesehen. Nun, es sind nicht gerade die schlechtesten Dinge, die nicht über die ganze Welt hin bekannt sind. Und auch ein Kauler ist kein schlechtes Ding. Im Gegenteil, er ist eine Nuss, und wenn auch nicht sämtliche Nüsse alle notwendigen Eigenschaften haben, um Liebe zu verdienen — es gibt ja auch taube Nüsse unpl, puh! auch tranige — so gibt es doch keine Nuss, die, wenn sie anders ein Kauler sein will, nicht zahlreiche vorzügliche Eigenschaften besitzen muss. Ich wollte, alle Leser dieser Geschichte hätten, so wie meine Wenigkeit, zur Zeit, da sie Kinder waren, das „Nüssenspielen" betrieben. Dann würden sie schon von selber wissen, was das ist. ein Kauler, und mir wäre mein Vorhaben umso leichter gemacht. Denn die Hauptsache beim Nüssen spielen ist eben der Kauler. Je besser dein Kauler ist, desto grössere Aussicht hast du, vom Nüssenspielen mit vollen Taschen heimzukommen, und mit je volleren Taschen du heimkommst, um so heller lacht dir das Herz und umso mehr Glanzpunkte hat für dich das Sukkothfest. Ja, der Kauler kann Kinderherzen ausserordentlich glücklich machen, kann eine wahre Sonne der Freude auf ihre Gesichter zaubern. Und schon daraus erhellt, dass es ein wertvolles Ding ist, so ein Kauler, und d,ass es nicht heisst, einer Geringfügigkeit zu viel Ehre antun, wenn man einmal auch von einem Kauler eine Geschichte erzählt. Erst, wenn dieser Kauler der Kauler Jetti Laufers ist, der hochberühmt war in dem Dorfe, wo sich die hier zu erzählende Geschichte zutrug, und der im ganzen Dorfe nicht seinesgleichen hatte, lange Jahre hindurch. Ob nicht vor unserer Kinderzeit einmal ein ähnlich ausgezeichneter Kauler das Erstaunen der Gespielen wacherhalten hat, ist geschichtlieh nicht nachzuweisen. In der Chronik unserer Jeschiweh (kleine Judengemeinde) stand nichts dergleichen verzeichnet. Das wäre aber kein Beweis. Denn auch Jetti Laufers Kauler kam nicht in die Chronik. Sie selbst jedoch kam in das Buch der Gemeinde, in das Totenbuch, einige Tage nachdem ihr Kauler aus dem Dasein geschieden war. Für mich aber ist es gar kein Zweifel, dass sie nicht so früh ins Totenbuch gekommen wäre, wenn ihr Kauler kein so plötzliches und unheimliches Ende genommen hätte .... In einem Dorfe muss man seine Kindheit verlebt haben, um Bekanntschaft mit dem Nussenspielen gemacht zu haben. Nur in einem Dorfe mit seinen stillen, verkehrsarmen Gassen kann es sich vollziehen. Nur dort kann die Hoffnung in den Gemütern entstehen, dass, wenn ich über den Gehweg eine Schar von dreissig oder vierzig Nüssen der Quere nach aufreihe, dass die Schar von der Zerstörung durch menschliche Füsse durch eine ansehnliche Zeit hin verschont bleiben wird. Mit dieser Hoffnung im Busen und mit einer Anzahl raschelnder Nüsse in der Tasche wird der Spielplatz aufgesucht. Der Spielführer, derjenige Junge, der sich die grösste Autorität unter den Gespielen zu verschaffen weiss, das heisst, der die stärkste Lunge und die kräftigsten Arme hat, sammelt den Einsatz ein. Die Höhe des Einsatzes hängt von der Keichhaltigkeit der Vorräte in den Taschen und von der Zuversichtlichkeit ab, mit der man dem Spielglück entgegensieht. Der Einsatz ist also zu Beginn des Spieles, in den ersten Stunden, am höchsten. Denn zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.