Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 49 (5.12.1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-12-05
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. -49 Seite 9 dazu benützt werden sollen — fleissig für den Nationalfonds zu sammeln! Ganz besonders muss der erste Chanuka-Tag als sehr 'geeignet für den „Nationalfondstag" proklamiert werden. An diesem Tage, an dem das erste Lieht „der Diener" angezündet wird, müssen auch wir, die Diener einer erhabenen Befreiungsidee, diesen Tag ausnehmend dazu benutzen, unserem VoJke die Erhabenheit und ökonomischen Vorteile der Selbstbefreiung vor Augen zu führen und dass das Volk selbst es sei, jeder nach seiner Möglichkeit, welches Mittel herbeizuschaffen helfen muss, um es zu ermöglichen^ dass der mit dem Heiden- Blute unserer Ahnen getränkte Boden wieder von unserem Volke bearbeitet werde. Auf diesem seinem Boden wird es durch den Erdgeruch wieder gesunden und zu dem werden, was es einmal war! Nicht betteln wollen wir mehr um Hilfe bei anderen, selbst müssen wir Hand anlegen, um unser trauriges Schicksal abzuwenden und eine bessere Zukunft für die grosse Masse unseres Volkes herbeizuführen. In der ganzen Welt,, wo Juden leben, muss besonders dieser Tag von jedem Zionisten benützt werden, Spenden für den Nationalfonds zu sammeln. Keine jüdische Familie kann den Tag schöner begehen als indem sie für den Nationalfonds einen Betrag sammelt, auch wenn dieser noch so klein ausfallt! Nicht die Grösse des Betrages, sondern die grosse Zahl der Sammler ist moralisch und materiell für uns wichtig. Die grössten Kräfte setzen sich aus kleinen Atomen zusammen und die gigantischen Wasserkräfte der Niagara-Fälle bestehen auch nur aus kleinen Wassertropfen! Jeder noch so kleine Betrag bringt uns ein winziges Stückchen Erde, zusammengenommen — ein Stück Land! Vergesse dies keiner und tue jeder seine Pflicht! Der Referent des N.-F. Mit Bezug auf obige Anregung erbittet die Redaktion der „Welt", bei Zusendung der Versammlungsberichte an den N.-F. nicht zu vergessen, weil ohne N. F.-Marken kein Bericht zum Abdrucke gelangen soll! Der Verein „Dorschei Zion* in Wilna unterbreitet dem A.-C. eine vom Vereinsraitglierle David Weissba rt ausgehende Anregung für den Nationalfonds, die, wenn sie Beachtung findet, von unberechenbarem agitatorischen und erfolgreichen Werte wäre. Sämtliche hebräischen Zeitschriften, in erster Reihe aber die amerikanischen, sollen veranlasst werden, zweimal im Jahre, und zwar am ersten Chaoukatage als Nationaifeier und am „Erew Rosch Haschono1' auf sämtliche Exemplare eine Nation alfonds- Marke aufzukleben. Diese Anregung wurde auch dem Informationsbureau in Simferopol unterbreitet. MitRücksicht aber darauf, dass der Chanuka nahe bevorsteht, wird diese Anregung zur allgemeinen Kenntnis gebracht. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Nachman Zeitlin aus Baku behufs Eintragung des Dr. Ch. Weizmann ins goldene Buch Kr. 253.—. Moses Ber Joffe in Krügersdorp (Südafrika) Kr. 240.—. »The Bulowayo Ladies Zionist Sub- C o m i 11 e eÄ in Bulowayo (Südafrika) Pfund Sterl. 50 5 9. „United Zionist of Greater" in New York Pfund Sterl. 10 5 4. Verein „B'n e i Zion Sectia Dr. Th. H er zlfc in Falticeni (Komitee: Jos. Herschcovici, S. L. Avram, M. Goldenberg, S. Isac, J. H. Bai er, J. Abromovici, H. Jäger) Pfund Sterl. 10. Verein „Dorschei Zion" in Olita Pfund Sterl. 10. Salomon Meiseis in Wien Pfund S terl. 20. Bücher und Zeitschriften-Rundschau. Die „Jewish Gazette" aus Chicago vom 21. November bringt einen Leitartikel, der „Eine neue Wunde" benannt ist. Es ist nämlich unter den amerikanischen Juden eine tiefbe trüb ende Erscheinung aufgetreten, nämlich häufige Selbstmorde. „Orthodoxe Ju'ien, wie sozialistische Agitatoren, College boys, wie Fruchtpedlars", alle verfallen einem und demselben tragischen Schicksal, dem Selbstmorde. Eine tiefbetrübende Erscheinung fürwahr! Man muss sich den schrecklichen Daseinskampf eines amerikanischen Juden, sein.e innere. Zerrissenheit, seine feis zum Wahnsinn gesteigerte Nervosität vergegenwärtigen, um diese Erscheinung zu begreifen. Es erfasst uns ein Schrecken bei dem Gedanken, was aus den Juden unter diesen Umständen werden kann! Der „Chicago Israelite", ein stets und durchwegs zionsfreundliches Biatt von grosser Verbreitung, schreibt in einem dem Zionismus gewidmeten Artikel: „Die Tatsache, dass der Zionismus sich von Tag zu Tag ausbreitet, und mehr als manche von uns ahnen und gerne sehen, ist nicht zu leugnen. Man konnte früher über den scheinbar ephemeren Traum scherzen. Aber heute ist es kein Traum mehr, sondern eine sehr ernste und grosse Bewegung. Welchen Standpunkt soll man dagpgen einnehmen? Das ist heutzutage nicht mehr gleichgiltig . .tf Im Jewish Comment* in Baltimore schreibt Dr. David P h i 1 i p s o n, ein bekannter jüdisch-amerikanischer Schriftsteller : „Zufällig befand ich mich seit ein paar Tagen in London, als Dr. Herzl vor der dort tagenden Fremdeneinwanderungs-Kommission erschien, um eine Aussage zu machen . .. Zum erstenmale erblickte ich den Mann, der eine der merkwürdigsten Bewegungen in neuer Zeit geschaffen hat. Obgleich ich Antizionist bin, bin ich doch nicht blind gegen die Bedeutung dieser Bewegung und obgleich ich den Zionismus für einen Missgriff halte, will ich gerne das Gute anerkennen, das er dadurch bewirkt hat, dass er in Herzen, in denen das jüdische Gefühl im Ersterben war, Enthusiasmus für das Judentum geweckt hat. Im Selbstverlage der Herausgeber, der Herren Karl Ötvor und Sigmund Döri, erschien dieser Tage unter dem Titel „Almanach, izraelita czalädi naptär" für das Jahr 5663ein Kalender für israelitische Familien, der auf die Verhältnisse der ungarischen Judenheit ein grelles Licht wirft. Das Buch beginnt mit einer Entschuldigung. Die Redaktion sucht sich zu rechtfertigen, dass sie den (jüdischen) Kalender herausgibt. Haben doch auch andere Konfessionen ihre Kalender! Es darf also niemandem der Gedanke aufkommen, dass die Magyaren mosaischen Bekenntnisses irgendwelche Separierungsgelüste hätten. Im Gegenteil! Auch der konfessionelle Almanach soll in den Dienst der allein seligmachenden Magyarisierung gestellt werden. Unsere Aufmerksamkeit erweckt nur der Teil, der von uns Zionisten spricht. Schon der Umstand, dass selbst Magyaren jüdischer Konfession uns nicht totschweigen können, ist von Bedeutung. Charakteristisch für unsere Gegner ist es, dass sie uns alle mit Gemeinplätzen begegnen, die für nichts weniger als für ihren Standpunkt sprechen. Wir pflegen sie vom *Zayenlöseg" wöchentlich frisch aufgetischt zu kriegen. In seiner Uebersicht beschuldigt uns der Almanach, Kapital auf Kapital zu häufen (!), ohne mit unseren hungernden Brüdern Mitleid zu haben (!). Das Werk einer grossen Selbsthilfe können diese kleinen Schnorrerzüchter nicht verstehen. ${<is der J$e^egcii)g. Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Wien. Hier hat sich jüngst ein hebräischer Konversations-Klub gegründet, dessen Zweck, wie schon der Name „,-pn na'tf" sagt, ist, die hebräische Sprache wieder zu einer lebendigen zu machen. Es ergeht hiermit an alle diejenigen, denen unsere Sprache als eines der heiligsten Nationalgüter lieb und teuer ist, der Ruf, sie mögen sich diesem Klub anschliessen und so dazu beitragen, dass die Zahl der hebräisch Sprechenden immer mehr zunehme. Anmeldungen zum Beitritte sind bis auf weiteres zu richten an Cbaim Tartakower, stud. phil., IL, Leopoldsgasse 24, I. Stock, Tür 8. Wien. (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter Wiens.) Zahlstelle Aisergrund: Sonntag den 7. d. M. im Kongress-Bureau, IX., Türkenstrasse 9, Vortrag des Herrn Dr. Egon Michael Zweig. Thema: „Wesen und Geschichte der Arbeiterausstände". Beginn 6 Uhr abends. Gäste (auch Damen) herzlich wilkommen. — Zahlstelle Brigittenau : Montag den 8. d. M. nachmittags Vereinsversammlung in Gerbers Gasthaus, XX., Treustrasse 12. Tagesordnung: „Warum müssen sich die jugendlichen Arbeiter organisieren?Ä — Zahlstelle Ottakring-Hernals: Zuschriften für diese Zahlstelle sind an Kollegen Benjamin ßrunner, XVI, Weyprechtgasse 8, zu richten.