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Die Welt · 1902-12-05 · 49 (5.12.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
49 (5.12.1902)
Article
Ein Vorfall in Bern
Date
1902-12-05
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 » & W«II8^ Nr. 4$ gel^egenheit „absichtlich ein provokatorisches Gepräge verliehen wurde". > Man hat nur auf Grund der Toleranz, welche das Baseler Programm „zu seinem Grundgesetze gemacht* hat, an einem Tage gegessen, an dem religiöse Juden fasten. Es ist ferner für Zionisten unbegreiflich, wie ein Gesinnungsgenosse seine Feder beschmutzen kann, indem er im „Israelit* schreibt, in demselben Blatte, das anlässlich eines Jörn Kipur Herrn Dr. Theodor Herzl in der schändlichsten Weise verdächtigte und noch kürzlich ebenso unserer Bank gegenüber handelte. Bern, den 16. November 1902. Im Auftrage des „Akademischen Zionistenve reines": Der erste Vorsitzende: D. Sch. Jo chelmann. * Personalnachricht. Unser wackerer Gesinnungsgenosse Mr. Mi>x Shire in London hat sich mit Miss Sofia Baker, dem tätigen Mit^liede der Glasgower Frauenvereinigung, verlobt. Miss Sofia Baker ist die Schwester von Miss Ella Baker, der Sekretärin der genannten Gesellschaft, sowie von Mr. Percy Baker, Mitglied des grossen „A.-C", und von Mr. Harry Baker, einem tätigen und eifrigen Zionisten. Welt.gbrooik- Der Antisemitenkongress in Bukarest. Hier muss man fein unterscheiden: ich meine nicht den seit Jahrzehnten dauernden Antisemitenkongress von Bukarest, der auch unter dem Namen des rumänischen Abgeordnetenhauses in der Oeffentlichkeit bekannt ist. Momentan macht dieses nichts von sich reden, es hat voriges Jahr mit dem Handwerkergesetze der Oeffentlichkeit genug zu schaffen gemacht. Es ist ein anderer, der für diese Tage in Bukarest angekündigt ist Das rumänische „M. C. A." (nMare Comitet Antisemit"), das den Lesern der „Welt" schon genügend bekannt ist, hat diesen einberufen. Natürlich fragt man sich, wenn man das „M, C. A." kennt und die jetzigen Zustände in Rumänien auch: wozu diese Versammlung der feinsten Blüte des rumänischen Antisemitismus zu einem Kongresse in Bukarest? Das „M. C. A." hat ja die edle Aufgabe, von zwei zu zwei Jahren einen Spaziergang in die jüdischen Quartiere zu veranstalten, wobei die schulpflichtige Jugend die Erlaubnis bekommt, die Scheiben der Judenhäuser mit Steinen zu bombardieren und die Erwachsenen zwischen den Jungen die Pflicht haben, dumme Reden zum Besten zu geben. Wie aber jetzt die Sachen in Rumänien stehen, ist es nicht wahrscheinlich, dass die rumänische Jeunesse doree zu Neujahr ihr unschuldiges Vergnügen bekommen wird. Die wird sich jetzt begnügen müssen, mit den bulgarischen Studenten Bruderschaft zu trinken — nachdem sie vor ein paar Wochen erst gegen die Bulgaren gedonnert hat. Sie ist ja schon einmal in ihrer Natur, die Charakterfestigkeit! Ja, aber wenn nicht für die Strassenskandale, wozu ist denn der Konsrress einberufen? Hier gibt es verschiedene Meinungen. Einige z. B. glauben, er sei eine Art Fetisch der rumänischen Regierung, mit welchem sie endlich die widerspenstigen Juden zum Schweigen bringen werde. Die Türken haben Mohameds Schalv'aren, die rumänische Regierung das „M. C. A.% meinen diese. Andere sagen, dass der Kongress dem Auslande beweisen soll, dass Herr Stourdza eine Opposition im Lande hat, die antisemitisch ist. Nachdem die Konservativen mit Herrn Take J o n e s c u sich als judenfreundiich gezeigt haben, kam Herr Stourdza in die angenehme Lage, sich und seine Partei antisemitisch nennen zu hören.Denn wenn die Opposition judenfreundlich ist, warum fürchtet denn Herr Stourdza, seinen oft beteuerten, wenn nicht direkt judenfreundlichen, jedenfalls nicht judenfeindlichen Ansichten einen realen Ausdruck auf dem Wege der Gesetzgebung zu geben? So soll das „M, C. A." die Schuld daran tragen, dass Herr Stourdza nichts Gutes tut. Einige endlich glauben, dass Herr N. Dimitrescu, Präses des „M. C. A.", sich in einer pekuniären Misslage befindet und hofft, durch dieseExhibition der Mitglieder des „M. C. A.", neue Dummköpfe zu finden, die ihm aus seiner Lage heraushelfen. Denn es wird Ihnen doch bekannt sein, dass das „M, C. A.tt das Privatunternehmen des Herrn Dimitrescu ist und dass dieser Verein, der tausende von Mitgliedern in den Dörfern und kleinen Städten Rumäniens zählt, einen mehr als 300.000 Frcs. zählenden Fonds zusammengescharrt hat. Das meiste Geld davon soll Herr Dimitrescu verputzt haben. Welche Meinung der Wahrheit entspricht, kann ich nicht entscheiden. Das wird uns die nächste Zukunft zeigen. Wenn bald darnach rumänische Polizeibeamte von Haus zu Haus herumgehen werden, Unterschriften zu sammeln für eine Protestnote gegen Hay oder gar gegen den Lordmayor von London — dann wollte Herr D imitrisku die Juden einschüchtern, wenn nicht, so wollte er bloss ein paar tausend Frcs. stehlen. Plebe. Die Opferung der Erstlinge in Palästina. Ein Korrespondent der „Jewish Daily News* (New-York) beschreibt die Opferzeremonie der ersten Erträgnisse und des Zehents des Karmeiweines. „Dieselben können nicht, wie das Gesetz es vorschreibt, den Priestern und den Leviten dargebracht werden, denn diesen ist es verboten, heutzutage die Funktionen auszuüben oder irgendwelchen Genuss davon zu ziehen. Aber den Juden ist es ebenso verboten, von dem Zehnten oder von den Ernteopfern einen Fruchtgenuss zu haben und deshalb wurden etwa 300 Fass Weines in Gegenwart zweier Rabbiner aus Jerusalem in die See geschüttet. Während der Wein aus den Fässern floss, füllten sich aller Augen mit Freudentränen und die Rabbis sprachen den Segen. Die Mizwah der Terumah und Maaser ist durch viele Jahrhunderte nicht ausgeübt worden und es war ein Augenblick ausserordentlichen Glücksgefühls für diese armen Kolonisten, die ersten zu sein, denen es gegönnt war, die alten Sitten wieder aufzunehmen. Die zionistische Bewegung hat, wie die Kolonisten mir erzählten, für die Verbreitung des Palästinaweines ungeheuer viel beigetragen und der Export nimmt stets zu." Tolstoi über die Juden. In einer Wilnaer Zeitung veröffentlicht der Schwager Tolstois, Herr A. Bers, interessante Mitteilungen über des grossen Dichter-Philosophen Privat- und Familienleben. Darin spricht er auch von der tiefen Sympathie, welche Tolstoi für die Juden empfindet. Erst neulich habe er dieselbe wieder zum Ausdrucke gebracht, als anlässlich des allrussischen Zionistentages in Minsk ganz Russland die Judenfrage erörterte. Er hegt auch lebhaftes Interesse und setzt grosse Hoffnungen auf die zionistische Bewegung; ^Mbune. Die Broschüren- und Press-Sektion des Krakauer D.-C. beabsichtigt, Dr. Nord aus „Zionismus* ins Polnische übertragen zu lassen. Die dazu erforderliche Erlaubnis erhielten wir bereits vom Verfasser und vom Verlag, insofern selbe bis jetzt nicht jemandem anderen gegeben wurde. Wir bitten also diejenigen, die irgendwelches Recht in dieser Hinsicht besitzen, selbes an den Unterfertigten zu melden. Podgovze bei Krakau. SeverinGottlieb. * Zur Wiener KuItuswahL Erklärung. Wien, November 1902. Das zionistische Wahlkomitee und die zionistische Landesorganisation liehnen es ab, sich mit dem „Offenen Brief ah Herrn kais. Rat Klinger" von A. F. in Nr. 21 der „Jüdischen Volksstimme" (Brünn) zu identifizieren. w Wien. Löbliche Redaktion! Ich bitte Sie um Aufnahme folgender Zeilen : Ich erkläre hiermit, dass ich niemals meine Einwilligung, gegeben habe, meinen Namen unter das an die Wähler der Bezirke XII.—XV7. von Wien versandte Zirkular (den Herrn Waisenhaus - Direktor Hecht betreffend) zu setzen. IgnazRechnitzer. Anregungen für den Nationalfonds. Wir wenden uns heute an alle Vertrauensmänner, zionistischen Vereine, Korporationen, Verbindungen mit der dringendsten Bitteres mögen alle ihre ganze Kraft daran setzen, damit die Makkabäer-Feste dieses Jahres vorwiegend

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