Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 49 (5.12.1902)
- Article
- Der Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen Wiens
- Date
- 1902-12-05
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr, 4& - „Die # Welt" Seite 7 Alma mater allen ihren Bürgern gilt, sondern muss auch auf die Charakterbildung der jüdisch-akademischen Jugend von günstigstem Einflüsse sein, weil dadurch von ihr das Odium genommen ^ird, sich fremden Nationen aufzudrängen. , Brüun. (Die Massregelung von Technikern wegen Teilnahme an einer jüdischen Kultuswählerversammlung durch den israelitischen Freitisch verein in Brünn.) Der in Brünn bestehende israelitische Freitisch verein gewährt zirka 30 Höijern der hiesigen technischen Hochschule den Genuss des Freitisches. Die Beteiligung mehrerer Techniker an der am 9. d.M. stattgefundenen Kultuswähler Versammlung gab der Leitung des Freitisch verein es den Anlass, mehrere Techniker zu massregeln und einem unter Ihnen, dem Herrn J. Sch . . ., den Freitisch gänzlich zu entziehen. Diese Massregelung veranlasste die jüdischen Techniker, gegen diesen Gewaltakt, welcher nichts anderes als die Einschränkung der akademischen Freiheit bedeutet, in einer vom Rektorate der hiesigen technischen Hochschule gebilligten, am schwarzen Brette der Aula angekündigten und von sämtlichen jüdischen Technikern besuchten Technikerversammlung zu protestieren, umsomehr als der Präses des Freititchvereines im Vorjahre bei einem ähnlichen Anlasse eine schriftliche Erklärung zu Protokoll gab, welche dahin lautete, dass vom Vereine über die politische Gesinnung der vom Vereine Verköstigten und deren Betätigung unter keiner Bedingung eine Kontrolle geübt werden dürfe. In dieser Versammlung wurde folgende Resolution angenommen und dem Präses des israelitischen Freitischvereiries durch eine Deputation persönlich überreicht. Resolution, beschlossen in der am 22. d. M. stattgefundenen jüdischen Techniker-Versammlung. Angesichts des Vorgehens des Ausschusses des israelitischen Freitischvereiries gegenüber dem Techniker Herrn J. Sch . . dem wegen seiner politischen Gesinnung uod deren Betätigung der Genuss des Freitisches entzogen wurde, sieht es die jüdische Technikerschaft Brünns als 1 ihre Ehrenpflicht an, gegen eine derartige engherzige und rücksichtslose Vergewaltigung, durch welche ihre mittel- ' losen Kollegen in ihrem durch akademische und staatliche Gesetze gewährleisteten Rechte der freien Meinungsäusserung bedroht werden, vor der Oeffentlichkeit Stellung zu nehmen. Sie drückt hiermit den Urhebern dieses Beschlusses und allen jenen, die sich an seiner Durchführung beteiligten, ihre Missbilligung aus. Diese Männer, die dank der in der Brünner Judenschaft herrschenden Verhältnisse als deren Repräsentanten angesehen werden, haben in diesen Tagen bewiesen, dass ihr im öffentlichen Leben zur Schau getragener Freisinn nur eine grosse Lüge bedeutet. Den Widersachern unseres Volkes gegenüber geberden sie sich als Hüter und Träger des Aufklärungsgedankens und der konstitutionellen Rechte, werfen bei jeder Gelegenheit ihren politischen Gegnern reaktionäre Gesinnung vor, haben aber durch ihr Vorgehen gezeigt, dass ihnen das Recht freier Menschen nur solange heilig ist, als es ihre eigene Haut schützt, dass es aber keinen Pfifferling wert ist, wenn es gilt, durch seine Umgehung unbequeme Opponenten mundtot zu machen. Sie, die den politischen Terrorismus anderer pathetisch verdammen, wollen die Notlage freier akademischer Bürger dazu ausnützen, um ihnen für ein Stückchen Brot die Gesinnung abzuschachern. Die jüdische Technikerschaft kann auf diesen Versuch, sie durch Hunger den Plänen der heutigen Gemeindemachthaber gefügig machen zu wollen, nur mit dem Ausdrucke ihres Abscheus vor derartiger Handlungsweise antworten. Nie und nimmer wird sie sich durch solche Manöver in der freien Betätigung ihrer politischen Ueberzeugung beirren lassen. An die Juden Brunns aber richtet sie die Mahnung, in einem Kampfe um das gute Recht der jüdischen Studentenschaft nicht untätig zu verharren und sich nicht ihre akademische Jugend einigen Strebern zuliebe durch Billigung und Duldung derartiger Gewaltstreiche zu entfremden. * Nadwörna. (Mindestens 180.000 Kronen jährr lieh zugunsten des jüdischeuNationalfonds.) „Wir sind keine Geschäftszionisten!" Unter dieser Ueberschrift möchte ich einen begeisternden Artikel, in unserem Parteiorgane „Die Welt" erscheinen lassen. In diesem Artikel würde ich, die BankentWicklung mit Vergnügen begrüssend, auf die Thatsache de* in Aussicht stehenden Dividenden Verteilung von 72 Hellern per Aktie und auf die idealen Absichten unserer Volksaktio-näre bei ihrer Aktienzeichnung hinweisen. Der Ghetto-Jude, Hühner- und Obstverkäufer, der galizische Kleingewerbetreibende, welcher eine Aktie gezeichnet hat, ist kein Geschäfts-, sondern Idealwucherer (dasselbe dürfen wir mein von unseren Hauptaktionären sagen) und ist es ihm im Traume nicht eingefallen, von seinen schwer erdarbteo 24 Kronen eine Dividende und wenn sie auch 10% betragen sollte, bar zu beziehen. Die reichen Juden hingegen halben entweder gar nicht gezeichnet oder sie sind zahlun&ssäumig geworden. Wir aber haben gezeichnet und eingezahlt als Idealwucherer. Uns sind 72 Heller und selbst dre.imaL soviel zu wenig. Für meine Aktie fordere ich „eine gesicherte Heimstätte" oder, wenn ich diesen Erwerb nicht ei'Heb&n sollte, die testamentarische Hinterlassung dieser Heimstätte für meine eigene Nachkommenschaft, zahlbar wenn auch erst nach 10J Jahren. Ja, ich will niieht bettelarm sterben, ich will die Erträgnisse meiner Koloinalbank-Actie nicht leichtsinnig verschwenden, sondern demu Jüdischen Nationalfonds vermachen. Dieses Vermächtnis wird es mir ermöglichen, in absehbarer Zeit in das „goldene Buch", welches doch hoffentlich länger als mein Grabstein bestehen wird, eingetragen zu werden. Aber nicht zu unbedeutendem Bodenankauf, zur Erlangung einer „Macclm ajm-Kolonie" u. dergl. möchte ich meine Dividenden verwenden wollen. Diese soll zugunsten eines Milliardenfonds dies jüdischen Volkes angelegt werden. Was wäre, wem] di(*se Anregung bei allen guten Zionisten Widerhall finden soLlte? Nämlich, dass wir die zukünftige Dividendenverte:ilung unserer Bank — zusammen würde dies 180.000 Kronen im heurigen Jahre und von Jahr zu Jahr hoffentlich noch mehr ausmachen — dem Jüdischen Nationalfonds zufüll rem sollen und dass dieser Fonds erst nach vielen, vielen Jalnen Gemeingut des ganzen jüdischen Volkes werden soll! Wfcn» ich Schriftsteller wäre, würde ich über dieses Thema einem Artikel in der „Welt" veröffentlichen. J o 11 e s. * Frankreich. Versailles. Am 25. Oktober spielte sich im Oratorium ,der Synagoge von Versailles ein cd etile würdiger Vorfall ab : die erste zionistische Versammlung in einer französischen Provinzstadt. Am rmp top war ^ie Versammlung durch den Rabbiner der alten Königs&.Udt angekündigt worden und fa^t die gesamte erwachsene jüdische Bewohnerschaft hatte sich eingefunden. DerGemeirn devorstcherM. Vormser, Anwalt beim Tribunal, übemsihjin den Vorsitz und Dr. M armore k vom Institut Pasteurin Paris, hielt den V ortrag. In seiner bekannten feurigen. Weise setzte der Gelehrte und dabei unermüdliche Propagdor die Idee des Zionismus auseinander. Und als er geendigt.ihalte, ward ihm nicht nur der Lohn minutenlangen Beifalls, sondern der ihm viel angenehmere des Erfolges: Die vielen nachfolgenden Redner sprachen sich vorbehaltlos für den Anschluss an den Zionismus aus. Es wurde sofort ein zionistischer Verein gegründet, dem fast die ganze Gemeinde angehört und zu ' dessen Ehren-Präsidenten Dr. Ma rraorek ernannt wurde. Die ganze Versammlung liess «s sich nicht nehmen, Dr. M a r m o r e k zur Bahn zu geMten. urn auch dadurch für die Aufklärung zu danken und iHrn zur baldigen Wiederkehr aufzufordern. Das Hauptverdienst an dem Zustandekommen und Gelingen dieser Veresimmling gebührt Fri. Sch ach, die als Professorin am Mädchen-Gymnasium in Versailles belehrend und propagandistisch seit Jahren tätig ist. Schweiz. Ein Votfall iri Bern. Löbliche Redaktion! Unter obigerSpitzmarke bracMenSie in Ihrer vorletzten Nummer einen Bericht aus Bfern, der einige Unrichtigkeiten enthält, um deren Berichtigung wir Sie hiermit bitten. Es istunwahr, dass ama Vorabend desJom Kipur eine ausserordentliche Generalversammlung des akademischen Zi onistenvereines einberufen worden ist. Am Tage vorher, mittags, ist nur gefragt worden3 wer am nächsten Tage speisen wolle. Es ist unwahr, dass am Fasttage selbst gekocht worden ist; das ist am Tage vorher geschehen. Es ist. demnach um :i c h t i g, dass der An-