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Die Welt · 1902-12-05 · 49 (5.12.1902) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
49 (5.12.1902)
Article
Bibel und Babel
Date
1902-12-05
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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N i. m JHe 3* Welt" Seite 5 sehen Moral zeigt, genügend würdigt. Die Geschichte der Sintflut ist nach Delitzsch babylonischen Ursprungs. König zeigt, dass Vorstellungen und TIeberlieferimgen über die ältesten Epochen der Erd- und Menschheitsgeschichte gemeinsam sind. Die Geschichte des Sündenfalls ist bab}rlonischen Ursprungs (Delitzsch). König weist nach, dass die biblische Darstellung auf dem Tonzylinder, auf den Delitzsch diese Hypothese stützt, jede andere Deutung zulässt. Von Dämonen als Urfeinden Gottes spricht die babylonische und persische Mythologie, nicht aber die Bibel. Die Folgerung Delitzsch5 aus Jes.. 15, 9 ist falsch. Aus 30, 7 ergibt sich, dass Eahab Egypten bedeutet, ebenso, dass mit Tannin (eigentlich langgestrecktes Tier) das lang am Meer sich hinstreckende Egypten gemeint ist (cfr. Liwjathan in Jes. 27, 1, Jech. 29, 3). Auch die ethischen Verschiedenheiten bei anscheinender sonstiger Gleichheit betont König schön. In der babylonischen Flutsage rettet der Held sein totes und lebendes Eigentum, der biblische Bericht steht auf dem höheren Standpunkte der Erhaltung der Tierwelt. ^Die Götter des babylonischen Berichtes sind echt heidnisch in ihrem Lügen und Lügenlassen, in ihrer Gier gegenüber den Opfern, ihren Händeln, im Umschlagen ihrer Launen. Wie weit davon ist der Gott entfernt,, der ein Gericht über die Menschen kommen lässt nach seiner Gerechtigkeit, welcher der Mensch in seinem Gewissen zustimmen muss." Auch die Sabbatruhe, die nach Delitzsch den Babyloniern entlehnt ist, hat doch bei den Israeliten eine höhere Weihe, sie ist das Nachbild der Ruhe Gottes am siebenten Schöpfungstage und ist zur Humanität gegen die Dienenden lind die Tiere bestimmt. König hätte hier noch hinzufügen können, dass auch die angebliche Sabbatruhe der Babylonier nur eine Hypothese ist. Die Keilinschrift, auf die Delitzsch sich stützt, spricht nur von einem Ruhetage am 7., 14., 21. und 28. Thamus, ob solche Ruhetage, die übrigens in Babylonien ethische Bedeutung nicht hatten, auch in den anderen Monaten geboten waren, darüber lassen uns die babylonischen Urkunden im Stich. König betont im Gegensatz zu Delitzsch, dass nicht das, was Israel mit Verwandten oder Nachbarn gemeinsam hat, den Charakter seiner Kulturstufe ausmache. Der Eigenbesitz an Kulturwerten ist das Entscheidende. Den Eigenbesitz Israels behandelt er in fünf Absclinitten: . 1. Gott und Welt. Die babylonische Schöpfungsgeschichte lässt die Götter erst nach der Weltschöpfung entstehen, die Bibel hallt davon wider, dass Gott schon vor der Materie existiert hat. 2. Stammt der israelitische Monotheismus aus Babylonien? Mit philologischem Scharfsinn weist König nach, dass die Annahme Delitzsch5 falsch ist. Wenn im Assyrisch-Babylonischen von Hu (Gott) in der Einzahl die Rede ist, so ist damit nicht der einig-einzige Gott der Bibel ge* meint, sondern „ein Gott", ähnlich wie der polytheistische Römer und Grieche auch von 6 #sög und deus spricht und damit einen von seinen vielen Göttern meint. Der Schluss der zwingenden Ausführungen über diesen Punkt ist, dass es eine historische Tatsache ist, dass der Monotheismus weder in Babel noch in Südarabien erwachsen und überhaupt bei keiner semitischen Völkerschaft ausser in dem die prophetische Religion bekennenden Israel zum Siege gelangt ist. Schön sind die Worte Königs über die Auffassungen Israels bezüglich des Verhältnisses Gottes zur Geschichte seines Volkes, zu schön, um sie referierend wiederzugeben, schön genug, um den Lesern dieser Zeilen die Lektüre der König'schen Schrift zu empfehlen, treffend der Abschnitt über das ästhetische und sittliche Niveau der. Babylonier und der Israeliten. Es ist kaum glaublich, dass Delitzsch den grundlegenden Unterschied zwischen der erhabenen Moral der Bibel und babylonischer Unmoral übersehen hat. König vergleicht die Roheit der Babylonier gegen ihre Feinde mit den Stellen 1. Kön. 20, 31 und dem Gebot, fruchttragende Bäume zu schonen. Einem Volke, dessen Könige von sich berichten: „3000 Gefangene verbrannte ich im Feuer, die übrigen vernichtete ich durch Verschmachten lassen, durch Verdurstenlassen, viele Männer nahm ich lebendig gefangen, dem einen schnitt ich Hände und Arme, dem anderen Nase und Ohren ab, vielen Männern stach ich die Augen aus, riss ich die Zungen aus, schnitt ihnen die Lippen ab usw.", einem solchen Volke soll Israel seine Kultur auch in ethischer Beziehung verdanken! So tut man nicht in Israel. An diese Worte Thamars muss man denken, wenn man von derartigen Greueltaten, die als Grosstaten babylonisch-assyrischer Könige gepriesen werden, liest. Ich weiss diese Besprechung eines Buches, dessen Lektüre für jeden Juden, dem die älteste Urkunde seines Volkes noch teuer ist, eine erhebende ist, nicht besser zu schliessen, als mit den eigenen Worten des Verfassers: „Babel mag immerhin als das Hirn Vorderasiens genannt werden, aber was den L ebenspunkt der Bibel bildet, das quoll aus einer weltübertragenen Erfahrung, und es wird doch dabei bleiben: In Babel strebte die Menschheit zum Himmel, in der Bibel ragt der Himmel in das arme Menschenleben herein." Dr. Rudolf Schaue r. Korrespondenzen und Telegramme. Russland. Petersburg. Wir haben bereits berichtet dass die Meldung der „Nowosti" von der angebliehen Absicht der russischen Regierung., den Juden den Ankauf von Grund und Boden zum Betriebe von Ackerbau im ganzen Reiche zu gestatten, in den Organen der national-russischen Presse einen wahren Sturm der Entrüstung gegen die Juden und gegen die Schöpfer des angeblichen Projektes entfesselt hatte. Die „Nowoje Wremja" hatte sich mit ihrem von uns bereits zitierten Artikel gegen dieses Projekt nicht begnügt. Sie veröffentlichte am Mittwoch noch einen Artikel zu dieser Frage3 in welchem sie in den gehässigsten Worten den Wert der Juden als Ackerbauer herabsetzt und die Gefahr schildert, welche dem russischen Volke aus der Schaffung eines jüdischen Kleingrundbesitzes in Russland;. erwachsen würde. Der „Nowoje Wremja" eilte ein Redakteur des in Kischinew erscheinenden Blattes „Dessarabets" zuhilfe, um gleich dem. Petersburger Organe der russischen Judenfeinde die Gefahren zu schildern, welche die Verwirklichung des von der „Nowosti" publizierten Planes der Regierung den Russen bringen werde. Nunmehr aber dürfte sich die Aufregung unter den Russen legen, die Freude der jüdischen Assimilanten in Russland aber vernichtet weiden. Die „Nowoje Wremja" vom 27. November enthält an leitender Stelle folgende Erklärung: „Um das von der „"Nowosti" lunzierte, von dem jüdischen „Woskhod" gierig aufgegriffene Gerücht zu dementieren, sind wir in der Lage, aus völlig zuverlässiger Quelle, zur wahren Freude aller Russen, mitzuteilen, dass im Ministerium des Innern absolut keine Absichten bestehen, die Rechte der Juden auf dem Gebiete des Grundbesitzes zu erweitern." -X Nikolajew. Die „Petersburgski ja Wjedemo^ti", das Organ des Fürsten Uchtomskij, vom 27. November enthalten eine Korrespondenz aus Nikolajew, in welcher unter anderem folgendes erzählt wird: ,/Bekanntlich sind die Juden verpflichtet, bei dem Genuss von Speisen gewisse rituelle Vorschriften zu beobachten. Ein frommer Jude beobachtet diese Vorschriften sogar während seiner Krankheit. Dieser Umstand hat die Entstehung von speziell jüdischen Krankenhäusern verursacht, die neben den städtischen Spitälern bestehen, welche für die gesamte Bevölkerung dienen. Aber diese jüdischen Spitäler, welche die städtischen Krankenhäuser von einem Kontingente von Kranken befreien, die gleich allen anderen alle städtischen Steuern bezahlen, werden nur mit speziell jüdischen Mitteln erhalten, welche meistens von dem ärmsten Teile der Judenschaft gedeckt werden. Im Laufe der Zeit aber begannen die jüdischen Spitäler auch kranke Christen aufzunehmen, und zwar in sehr hohem Perzentsatze. So erreichte im jüHischen Spitale von Nikolajew dieser Perzentsatz die

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