Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 48 (28.11.1902)
- Article
- Ueber die Aufnahme der ökonomischen Tätigkeit in das zionistische Programm
- Date
- 1902-11-28
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 0^ j^m^ Ür.€8 arbeitet), wenn ihre: Interessen zusammenlaufen, so zum Beispiel Agrarier und Proletarier gegen Kapitalisten; diese und Arbeiter gegen Agrarier u. s. w. Bei uns Juden gibt's von dem allem keine Spur und auch die letzten Spuren eines etwaigen Klassengegensatzes werden durch die allgemeine Verelendung verwischt. Bei einer solchen Entfaltung des sozialökonomischen Lebens wird es tür den Klassenkampf kaum einen Platz geben. Der Einfluss der ökonomischen Lage auf die jüdische Psyche. Ich will hier in aller Kürze eine höchst wichtige Frage erörtern, nämlich die Wirkung der jüdischen Armut auf die jüdische Psyche. Im Leben des Armen sind die wichtigsten Momente und Beweger der Zufall und die Hilfe von aussen. Es ist nichts Festes, Standhaftes und Regelmässiges drin, sein ganzer Verlauf wird durch zufällige Erfolge und Misserfolge oder von der Gnade oder Ungnade bedingt. Der ganze Verstand des Armen ist nur darauf gerichtet, jeden Tag das Dasein zu fristen, er lebt nui für den Moment. Er hat keine dauernden Interessen, keine Geschäfte, die eine längere Kombination erfordern würden, er hat keine Zukunft, für die er vorzusehen hat. Diese Hoffnung auf Hilfe von aussen tötet in ihm jeglichen Willen, jegliche Aktivität und Selbsthilfe. Der Arme hat eine reich entfaltete Phantasie und er schildert sich Bilder einer Seligkeit, an deren Verwirklichung er selbst nicht glaubt. Der Wille des Armen ist nicht auf eine planmässige Arbeit gerichtet, er ist fähig, sich für ein Ideal zu begeistern, aber sein Ideal bleibt eine Utopie, denn er kann nicht arbeiten für seine Realisierung — der Arme kann nicht schaffen. Und deshalb zieht die Armut und Verelendung des jüdischen Volkes nicht nur seine äusserliche Notlage nach sich, sondern auch die Erschlaffung seines Willens, die Mystifizierung seiner Anschauungen und die Entfernung von der wirklichen, fruchttragenden Arbeit. Nicht nur in unserer Armen-Psyche äussert sich unsere seelische Morbosität. Es mangelt uns vor allem an einem einheitlichen Willensprinzip, an einem geistigen Zentrum. Die individuellen und sozialen Interessen der Juden sind geschieden voneinander, es bilden sich immer in ihm zwei psychische Sphären. Der harte Kampf um das Dasein hat seinen rauhen Stempel dem Gemüt der Juden aufgedrückt und verlieh ihr im alltäglichen Leben manche individualistische, kleinliche Züge. Das Prinzip der Solidarität fehlt gänzlich im jüdischen ökonomischen Leben. Schon Orschanski wies darauf hin, dass im jüdischen praktischen Leben keine solche Institution, wie die Genossenschaft, sich ausgearbeiet hat. Aber in der reichen Seele des Juden sind nicht alle sozialen Gefühle erstorben. Sie haben nur eine andere, eigenartige Form — die geistig-ethische, die zum Ausgangspunkt das Mitleidsgefühl hat — angenommen. Der Grundzug der jüdischen sozialen, psychischen Beschaffenheit ist der, dass sie „Rachmonim bnei Rachmonim" sind. Beim Anblicke eines Leidenden ist der Jude hilfsbereit, begnügt sich aber damit und denkt nicht weiter über das Geschick nach. Deshalb haben auch die Juden die meisten philanthropischen Anstalten, die nur die momentane Hilfe für ihre leidenden Brüder zum Zweck haben, aber alle diese Institutionen sind nicht geeignet, auf das Geschick der Hilfsbedürftigen eine radikale Einwirkung zu haben. Dasselbe ist mit den nationalen Bestrebungen der Juden der Fall. In der jüdischen Seele ist das nationale Selbstbewusstsein noch nicht erloschen, aber im praktischen Leben kam es nie zum Vorschein, kleidete sich nie in konkrete Massnahmen zur Wiederbelebung des Judentums. Die ganze Macht des jüdischen Nationalgefühls tritt deutlich in dem inneren, geistigen Leben, fern von dem praktischen, alltäglichen Leben, hervor. Dort in den hohen Sphären, in den allzufeinen* Regionen zeigt sich der ganze gewaltige Idealismus des jüdischen Charakters, seine innige Liebe zu seiner weiten Heimat, zur alten Kultur und ihren Schätzen, zu der ganzen einst leuchtenden, nun dunklen jüdischen Geschichte. In dieser skeptischen Sphäre schöpfte der Jude die Kraft, für sein Ideal, für seinen Gott, für seinen Glauben auf dem Scheiterhaufen zu sterben» Aber derselbe Skeptizismus schwächte auch zugleich die Tatkraft des Juden, er konnte seine Ideale nicht realisieren — sterben konnte er für sie, aber nicht leben. Darin ist die Spaltung in der jüdischen Psyche bemerkbar, dass in dem Juden neben dem Nationalbewusstsein auch ein Assimilationsstreben liegt, denn er ist ein Kind seiner Zeit und nimmt viel der Kultur auf, unter der er lebt. Rumänische Auswanderer. Die Tageszeitung „Z e i t" schreibt unter der Spitzmarke »Rumänische Auswanderer* : Immer und immer wieder kommen neue Scharen ausgewiesener rumänischer Juden nach Wien, um von hier aus ihre Reise nach Amerika forzusetzeiij; in der? meistj*wöhl trügerischen Hoffnung, sich dort eine neue iEkistejpz zu gründen. Eine neue Existenz! Wer jemals im Leben Schiffbruch gelitten, weiss, welche Energie vor allem dazu gehört, sich aufzuraffen und in andere Verhältnisse einzugewöhnen. Betrachtete man die 200 Personen mit den vielen, oft nur wenige Monate alten Kindern, welche hente vormittags auf dem Nordwestbahnhofe angelangt sind und Mitleid und Anfsehen erregten, so drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Wie viele von ihnen werden die neue Heimat auch nur erreichen? ... Spandau. Für den jüdischen Nationalffonds: „Agudas Zion", L . . z................ „Ahawath Zion", T.......w .......... Josef Konelsky, 0., zur Eintragung Dr. Max Nordaus ins Goldene Buch.................. Tikwath Ziou Association, Ceres, Südafrika ...... v Aus P . . . k: Sammelbüchse der „Gesellschaft gegenseitigenKredits" Rubel 11.69, Sammelbüchse im Geschäfte Jakob Reigrodski 5.13, Sammelbüchse der Vorschusskasse 1.30, Sammelbüchse im Geschäfte Dr. Lichtenstein 0.62, Sammelbüchse im Geschäfte A. L. Friedmann 2.80, Sammelbüchse im Geschäfte D. Diatlowizki 2.75, Sammelbüchse im Hause Eiser Weizmann 5.90, Sammelbüchse im Hause Dr. Chasanowitz 0.86, Sammelbüchse im Hause M. Liebermann 5.—, Sammelbüchse im Kontor Gr. Lourie 4.15, Isak Minski 1.25, Nochum Eisenstein 0.55, Frl. S. Eisenstein 0.50, Efraim Lifsehitz 5.—, R. Aronowitz 5.—, Alexander Briskmann 1.—, Abraham Gamsa 0 50, Mordchai Kermann 1.—., Bär Poritzki 10.—, Asriel Leib Friedmann 25.—; zusammen Rubel 90.—.................... S. NeumaiiD, Wien, anstatt Telegramm zur Hochzeit Em. Klappholz mit Frl. Laura Löwy.......... Sammlung J. Inslicht, Tlumacz : Frl. Genia Dub 1.20. im Hause Inslicht 0,40, J. Weissmann, Kalasz 0.30 Spiel 0.38, im Hause Schlesinger 0.24 ............. Sammlung Herr und Frau Bayer, Rzeszow, auf Hochzeit Augarten: Blum K 1__, Birn 1.—, Baier 0.50, Eisen 0.50, Heubium 0.50, Krieger 0.20, Brust 0.40, Gab^l 0.20, die Frauen Eisen 0.20, Heublum 0.40, Blum 0.40, Regenbogen 0.20, Bayer 0 40, die Fräuleins Brust 0.20, Wachtel 0.20, Knebel 0 40, Blum 0.20, Heia Feit 1.— . Benj. N. Spira, Krakau, Mi Scheberach für Dr. Herzl . . Sammlung S. L. Fuchs, Leipzig: Von der Kara „Adass Jeschurun"Mark 12.57, A. Reismann 1.—, B. Ch^san 1.— J. S. Widre L—, Leib Merkin 0.54, Geb. Neumafn L—, M. Marmorstein 0.50, Geb. Assuschkewitz 1.—-, Wilhelm Koch 1.50, S. Reich 0.50, Gh. Joselowsky 0.50, H.Hepner 1.—, Amdursky 0.50, Rubin Merkin 1.—, Max Kaiman 3.—, Be»jamen Watman 3.—-, Leib Merkin für gesparte „Gerbowa -Marken 4.50, Abraham Idelsohn zu seiner Vermählung mit Cilla Idelsohn geb. Schneider 2.—, S. L. Fuehs anstatt Depesche zur Hochzeit des Herrn Abraham Idelsohn mit Frl. Cilla 0.50, S. Rappaport und Frau gratulieren Herrn S. B. Mintz in M^seritz zur Hochzeit ihres Sohnes Max Mintz mit Frl. Rosa Kastaleinsky in Kowel 1.—, S. L. Fuchs und Frau gra'ulieren Herrn S. B. Mintz in Meseritz zur Hochzeit ihres Sohnes Max Mintz mit Frl. Rosa Kastaleinsky in Kowel 1.—:; zusammen Mk. 38.61, ab Porto........... Sammlung Josef Steiner, Kapuvär bei Beschneidung im Hause Moriz Drach................. Sendung W. Weisberg, Dorohoi: M. Baumöhl für die Broschüren 25jähr. Agitation Dr. Lippe M. J. Jäger Lei 2.—, D. Jäger &—, J. Bacal sen. 2.-—, S. Rohrlich 1.50, W. Weisberg 1.—, M. Baumöhl 1.-—, Dr. Krämer 1.- , Dr. Wittner 1.—, N. Baraz 1.—, Ch. Jancovici 1.—, Uscher 1.—, J. Gottlieb 0.50............ K. Gol Istein, Nowy-D................. Ein Gelübde, Wien . ................ Sammlung Dr. Chamitzer, Leipzig........... Dr. Gustav Zweig, Prossnitz, Tempelspende . . . . . S. Hirsch und Frau, Nadworna, gratulieren zur Hochzeit des Herrn Hirsch mit Frl. Welzer . ........ Gustav Bader, Lemberg............. Sammlung A. L. Lewinsohn auf Brith Milah des Isak, Sohn des Pinkas Friedmann, O........... ,.Bnei Zion", Czorlköw: Mi Scheberich auf Dr. Herzl '.. (A. Schwarz jun. K 1.—, Josef Schwarz 1 80, Hillel Hausner 1.80,' Hermann Abrahamowicz 0.36, Moses Hellerbach 0.68, Ghaim Wigdor Hochdorf 0.36 , Doktor K ■240.— £40.- 240.— at>o.- 226.80 —.50 7.90 2.— 44.42 7.11 14.10 23.38 19.95 24.83 9.97 —.60 —.45 62.70