Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 48 (28.11.1902)
- Article
- Nagy-Tapolcsány (Ungarn) [Nachricht]
- Date
- 1902-11-28
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Bfe ^cWell^ Nr. 48 dem Zioa«ver«iiia; beigetreten ist und: dassNö iiasörer ^nieinde hgufr, zjbfka, [§Q, r ßaJ^^ajn5lhroginir 3U>gej3e&& war^en-isind*'Av*rL -'-'> *• eiernÄwitz.n (J W'd. - n ä fr r &k a^»^e¥feiTii düh g „Z e p h i r a h".) Das Ergebnis ider Chargen wählen für das Wintersemester 1902/3 ist folgendes : jur. A. Schärf, Präsident, phil. M. Herbst, Vizepräsident, jur. D. H. Kinsbrunner, Schriftführer. Deutschfand« Berlin. Die Wintertätigkeit der „Berliner Zionistischen Vereinigung" begann am Donnerstag den 30. Oktober mit einer grossen Volksversammlung in Dräsel's Festsälen, die von mehr als 800 Personen besucht war. Der Redner des Abends war Referendar S. Gronemann aus Hannover, sein Thema „Der Zionismus und das deutsehe Judentum". . Seine klaren Ausführungen zwangen durch ihre Ruhe und Sachlichkeit auch den Gegner zu gespannter Aufmerksamkeit. Er legte die Giünde dar, aus denen bisher der Zionismus in Deutschland so schwer zu kämpfen hatte, die passiven Widerstände, die er zu überwinden hatte. Aber er zeigte auch mit aller wünschenswerten Klarheit, dass dieses erste und schwerste Stadium jetzt hinter uns liegt; die Zeiten der Verleumdung und des Rabbinerbannes sind unwiderruflich dahin, wir sind so weit, dass eine sachliche Diskussion möglich ist und das heisst, wir sind am Beginn des schnellen Siegesweges: —. In der Diskussion setzte uns kein Gegner durch neue und furchtbare Einwände in Verlegenheit. Dr. F els e n th al riet zur Lösung der Judenfrage die Förderung der Wissenschaft und allgemeiner Bildung an. „Wo sind," sagte er fast wörtlich, „die Hexenprozesse und Hostienschäivdungen des Mittelalters? Sie sind von der Wissenschaft überholt und fortgeschafft worden." Nun ja, ein bisschen Ritualmord gibt es noch im zwanzigsten Jahrhundert, das gab er zu, aber wir hoffen mit ihm, dass es im dreissigsten auch damit besser sein wird. — Dem gegenüber war es herzerquickend, die frischen Worte des Herrn Rabbinatskandidaten Emil Levy zu hören, der erzählte, wie er zum Zionismus gekommen sei und der sein künftiges Amt als ein grosses und wirksames Mittel zur Arbeit für den Zionismus ansah. — Einen anderen Ton schlug wieder Herr Ref. Arthur Levy an: Der Zionismus wird nicht mehr ernst genommen, er ist tot, zum mindesten in den letzten Zuckungen. Dass diese aber noch sehr kräftig sein können, wurde ihm unter lautem Beifall des Publikums von Dri Heinrich Loewe, dem Redakteur der vJüdischen^ Rundschau", demonstriert, welcher sich die Mühe gab, an der Hand des gewaltigen Materials, das ihm zugebote steht, die ganze Nichtigkeit der vorgebrachten Ein war de zu erweisen. Auch zwei christliche Redner traten — beide Philo- Bemiten — für den Zionismus ein. Der eine war der bekannte Pastor Faber, der sehr herbe Worte gegen die Art fand, in der Ref. Levy den Zionismus, die Regneration des Judentums, abtat. — Herr cand phil. Calvary legte seine Sympathie für diepe Bestrebungen dar, beklagte aber den Zwiespalt in seinem Innern, der es ihm unmöglich mache, hüben oder drüben mit ganzem Herzen zustehen — ein zwar nicht in tatkräftigen Willen umsetzbarer, aber durchans ehrlicher Standpunkt. — Herr Ref. Levy versuchte sich noch ein bisschen zu rehabitilieren und empfahl den Zentral verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens als Allheilmittel. Aber er wurde auch hier von Herrn cand. med. Elias Auerbach gründlich abgeführt, der besonders nachdrücklich auf den regenerierenden EinflLuss der jüdischen Turnbewegung hinwies. — Hierauf machte um .'/, 1 Uhr ein Schiussantrag der regen Diskussion ein Ende, die vom Referenten in würdiger Weise geschlossen wurde. Fünfzehn neue Mitglieder traten im Laufe der Versammlung der „Berliner Zionistischen Vereinigung" bei. Brjslau. Ein jüdischer Turn- und Sportverein ist in dieser Stadt in Bildung begriffe». Am 20. d. M. fand die konstituierende Generalversammlung statt. Dresden. Dienstag den 11. November veranstaltete die hiesige „Zion"-Ortsgruppe in Helbigs Etablissement eine öffentliche Versammlung, zu welch er Herr Referendar Gronemann-Hannover das Referat über „Das Wesen des Zionismus und seine bisherigen Erfolge" übernommen hatte. Es fand sich ein Auditorium von über 300 Personen (Damen und Herren) ein. Redner endete nach l^a stündigem Referate . unter grossem Beifall der Anwesenden mit einem Appell an die Zuhörerschaft, sich der zionistischen Organisation anzuschliessen. Nach Verlauf; einer kurzen Pause wurde in die Diskussion eingetreten, an der sich die Herren Wolffsohn, Dr. Frankel, Hurwitz, Dickel u. beteiligten. Der Referent hatte das Schlusswort. Es sei ihm noch an dieser Stelie unser wärmster Öari& für den guten Erfolg ausgesprochen, zu dem* eknder^zib^i&Ü^hel Sache in Dresden, durch seinen ausgegeichBete^fVotftrifcg verholfen hat. £>. Mainz« Die zionistische Ortsgruppe hielt am I.November eine von etwa 300 Personen besuchte öffentliche Versammlung ab, welche „Die Leiden der rumänischen Juden" als Referat hatte. Der Referent, Herr Dr. Bodenheimer, aus Köln schilderte in zu Herzen gehender Weise die traurige Lage unserer unglücklichen Volksgenossen und behandelte dann sowohl die politische Seite der Frage, wie die dringend notwendige Hilfsaktion, bei welcher sich der Zionismus nicht auf den starren Boden des Prinzips stellt, sondern sich bestrebt, alle Stammesgenossen zu einmütigem und gemeinsamem Vorgehen zu veranlassen. Von der „Allianceisraälite* verspricht er sich für die rumänischen Juden ebensowenig Erfolg wie von der amerikanischen Note an die Signatar mächte des Berliner Vertrages, nur der Zionismus kann ihnen Rettung bringen und die Hilfsaktion, an welcher alle Juden sich zu beteiligen verpflichtet sind, muss darin bestehen, dass die Auswanderung der Unglücklichen planmässig durchgeführt und nach demjenigen Lande geleitet wird, wo die Möglichkeit einer gedeihlichen Ansiedlung und Kolonisation gegeben ist. Der Vorsitzende der Mainzer Ortsgruppe, Herr Dr. Schauer, ergänzte die Ausführungen des Referenten durch tiefbetrübende Zeitungsnachrichten aus den letzten Wochen über die unglückliche Lage unserer rumänischen Brüder und Herr Dr. Freundlich aus Wiesbaden richtete einen warmen Appell an die Versammlung, durch Beitritt zur zionistischen Vereinigung zugleich für unsere rumänischen Volksgenossen einzutreten. Der zweite Vorsitzende, Herr S. Lazarus, dankte den Rednern für ihre vorzüglichen Ausführungen und die Versammlung schloss mit der einstimmigen Annahme folgender Resolution: „Die von der Zionistischen Ortsgruppe einberufene öffentliche Versammlung Mainzer Juden drückt über die Verfolgung und Entrechtung der rumänischen Juden ihr tiefstes Bedauern aus und erklärt ihr Einverständnis mit den Ausführungen der .Referenten." Die Versammlung hatte den sofortigen Beitritt von 18 neuen Mitglieder zur Folge. Feuilleton. (Nachdruck verboten.) In den Bergen Dagestans. Aus den Reiseskizzen des W. Nemirowitsch. Da ntschenko. Frei nach dem Russischen von N. G o 1 a n t. (Schluss.) Die isolierte Lage des Abrek, eines ausserhalb des Schutzes der Gesetze stehenden Menschen, hat ihrerseits bewunderungswürdige Typen erzeugt. Von niemandem Schonung erwartend, wurde der Abrek: selbst schonungslos. Er lauerte seinen Opfern auf, um von ihnen selbst nicht vernichtet zu werden. Es gab unter den Abreks solche, welche der Schrecken der ganzen Umgebung waren. Er mordete, um alle seine Feinde auszurotten, und wer war nicht sein Feind? Der Abrek war ein Wolf unter den Mensehen und ein Mensch unter der Wölfen. Aber Uftach bekundete auch in der Lage eines Abrek edle und erhabene Eigenschaften einer grossmütigen Seele. Er mordete zwar, um nicht ermordet zu werden, zu gleicher Zeit aber erwies er jedem Hilfe, der in einer gerechten Sache die Unterstützung seiner mächtigen Sand anrief. Er entführte selbst junge Mädchen, um sie mit ihrem Angebeteten zu vereinen, welche nicht imstande waren, das Kalym, das Lösegeld für die Braut, einzuzahlen. Er bestrafte jede begangene Ungerechtigkeit, er setzte sein eigenes Leben auf das Spiel, um die Willkür zu züchtigen. Unbewaffnet kam er einmal zu dem VateT eines von ihm getöteten Bergbewohners und verlangte von ihm gastfreundschaftliche Aufnahme in seiner Saklja. Wozu 1 Um dem Alten in seiner Not zu helfen, von der Uftach vernommen hatte. Uftach fühlte sich schuldig an der Hil£- losigkeit des Alten und er kam unter Lebensgefahr hierher, um dem Alten alles wegzugeben, was er nur hatte.