Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 48 (28.11.1902)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1902-11-28
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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M$* 4% ja*. & wm?* Seite 1% jüdisQb^-hebr äischen befindet. Weshalb, aber die Jargonschriftsteller aus dem Bunde ausgeschlossen sind, sehen wir wirklich nichtein< .Verdientetwa Spektor, Goldfaden, R a b i n o w i t s c h (Scholem-Alechein) »nd andere nicht, auf eine Stufe mit den übrigen jüdischen Schriftstellern gestellt zu werden, unter denen sich manche ganz unbekannte, die das einzige Verdienst haben, hebräisch zu schreiben, befinden? Das erste Heft des neuen umgestalteten „Olam Katan" ist soeben erschienen. Die Aenderung, die an dieser den Lesern schon längst von der besten Seite bekannten Wochenschrift für die Jugend vorgenommen worden ist, hat dazu beigetragen, diese Wochenschrift hoch wertvoller und besser zu machen. Schön ausgestattet sowohl in literarischer als in künstlerischer Hinsicht, verdient sie, eine weite Verbreitung in den jüdischen Familien zu finden. Unter den bulgarischen Juden, die in der Kultur hinter denen der anderer Länder zurück sind, macht sich ein Umschwung und eine fortschrittliche Eintwicklung bemerkbar. In einem Artikel im spaniolischen „El EchoJudaico" in Sofia weist der Verfasser auf die Missstände des jüdischen Erziehungswesens hin. So zum Beispiel schicken die jüdischen Eitern ihre Kinder in die Jesuitenschulen, welche ihren Einfluss und zersetzende Wirkung in den Gemütern der Kinder zurücklassen. Die spaniolischen Juden sollten sich schon schliesslich aus ihrem Schlummer erheben, ihren Dünkel und Ahnenstolz lassen und einen lebhaften Anteil am Leben des . ganzen jüdischen Volkes nehmen* Wie aus einer Polemik im „Joodsche Courant" erhellt, sind die holländischen Juden in Verlegentheit, wie sie sich zur holländischen Politik zu verhalten haben, ob sie eine besondere jüdische Partei bilden, wie manche es wollen, oder ob sie sich der liberalen Partei anschliessen sollen, wie esHrrrMartin van Raalte vorschlägt Dieser Umstand, sowie auch der, das beiderseits als Grund die Gefahr des Antisemitismus angeführt wird, legen dafür Zeugnis ab, erstens, dass auch dort der Antisemitismus sich breit zu machen beginnt und zweitens, dass das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl in Holland erwacht ist. Das erstere ist auch aus einer Tatsache ersichtlich, die dieselbe Zeitung in Nr. 11 berichtet: In Groningen, diesem nordischen Athen, besteht ein demokratischer musikalischer Verein „Harmonie". In diesem Vereine wurde die Stelle eines Kapellmeisters vakant. Als sich ein jüdischer Musiker für dieselbe meldete, wies der Direktor des Orchesters ihn zurück, da er „ein Jude ist — und es schon zuviel „Jehuden* im Orchester gibt*. z\us de* J^ewcgung- Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Wien. Sonntag den 30. November, 8 Uhr abends, findet im Festsaale des „Hotel Central", IL, Taborstrasse Nr. 8, e i n e G e d e n k f e i e r für den Romancier Euben Ascher Braudes statt, zu der hierdurch eingeladen wird. Eintritt frei. Programm: Vorträge: Dr. Bernhard Fuchs, Dr. Bernhard Wachsfeein. Rezitation: Martin Buber, David Rothblum u. a. MusiJK: Fräulein Melli Türk, Max Geiger, Oberkantor Oesterreicher. Chor unter Leitung von A. Loubetzki. Für das Komitee: Dr. N. Birnbaum, Martin B u b e r, Dr. Bernhard Fuchs, Prof. D. Graubart, Hermann Menkes, David Rothblum, Bernard Tag, Dr. Bernhard Wachstein. Wien, Die jüdisch-akademische Verbindung „Un i t a s" veranstaltet am 30. November 1902 im Festsaale des Kaufmännischen Vereines, L, Johannesgasse 6, ihren Eröffnungs- Kommers. Wien. Der „Allgemeine jüdische Arbeiterverein" veranstaltet Samstag den 27. Dezember 1902 im Prachtsaale des „Hotel Central-, IT., Taborstrasse 8, eine grosse Makkabäer-Feier unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfie mit anschliessendem Tanzkränzchen. Beginn 8 Uhr abends. Eintritt 1 Krone. Karten sind zu haben: Redaktion der „Welt", IX., Türkenstrasse 9, Cafe Blumschein (Herz*, IL, Untere Auerartenstrasse 19. Cafe J. Herz, . IL, Zirkusgasse 54, Cafe „Jägerhof, IX., Porzellangasse 22, Cafe „Zur Börse", L, Wipplingerstrasse, Restauration Hacker, IL, Grosse Pfarrgasse 6, Herrn Friseur Pries er, IL, Kleine Schiffgasse 20, Herrn Josef S t eins e u f z er, IL, Obere Dpnaustrasse 7 und Grosse Schiffgasse 10, Herrn E. B r o d, E£., Rothe Löwengasse 2, iL, 10, Herrn Ephraim Edelstein, iL, Herminengasse 13, L, 6; und bei samt-- liehen Vereinsmitgliedern. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Pilsen. Am 8. d. M. fand die konstituierende Versammlung des „Zion, Jüdischer Volksverein" in Pilsen statt, die einen erhebenden Verlauf nahm und unserer Bewegung viele neue Anhänger zuführte. In ausgezeichneter Weise beleuchtete der Obmann des vorbereitenden Komitees Herr Em. Massarek in seiner erschöpfenden Programmrede die Tendenzen des neuen Vereines und erntete reichen Beifall. Er wies auf die tausendjährige Sehnsucht des jüdischen Volkes hin, welche den Bestrebungen, unseren bedrängten Brüdern ein Vaterland zu schaffen, ihr Ziel weist, sowie auf die Bewegung, welche bereits über die ganze Kulturwelt verbreitet ist und welche ein allgemeines Erwachen des jüdischen Vo'ksbewusstseins hervorzurufen geeignet ist. Hierauf erteilte er Herrn Carl Porges das Wort zur Verlesung der Statuten. In den sich daranschliessenden Wahlen wurden folgende Herren in den Ausschuss gewählt: Obmann : Em. Massarek, I. Obmann- Stellvertreter: Ed. Rauscher, IL Obmann-Stellvertreter: G. Beck, I. Schriftführer: C. Porges, II. Schriftführer: Franz P e r e 1 e s, Kassier : I. Weinberger, Kassier- Stellvertreter : L. K1 a u b e r, Beiräte: C. Schön, J. Eckstein, R. Reichmann, H. Leder er, A. B ur g, M. Koh n, Revisoren die Herren: H. Gutwillig, J. Wald stein. Lieber den Zionismus hielt Herr MUC. Löwy aus Prag ein ausführliches Referat, in dem er die einzelnen Phasen in der Geschichte der Juden besprach und auf die Notwendigkeit des Zionismus hinwies. Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen des Redners, über welche sich eine lebhafte Debatte entspann. An derselben nahmen die Herren Rabb. Dr. Poznanski, Massarek, JUDr. Eckstein, H. Gutwillig, C. Porges, A. Heller und B. Schliesser teil. Auf einige Anfragen, die auf Miss Verständnis zurückzuführen waren, antwortete in trefflicher Weise MUC. Löwy. Mit einem Aufrufe an die Anwesenden, dem Vereine recht viele Mitglieder zu werben, schloss der Vorsitzende die würdevolle, gut besuchte Versammlung. Olmütz. (Verein „Zion".) In der letzten stattgefündenen Generalversammlung wurden folgende Herren in den Ausschuss gewählt: E. F a n t a, Obmann, J. Lau, Obmann-Stellvertreter, A.Politzer, Kassier, J. Barbe r, Schriftführer und Bibliothekar. Ferner die Herren W. Spitzer, J. Grünb^rger, F.Pollak, W. Samet, /M. R i e s e n f e 1 d und S. Kantor. Nagy-Tapolcsäny (Ungarn). Am zweiten Halbfeiertage des Sukkothfestes veranstaltete der hiesige Zionsverein im Saale des Vereines „Scbomre Thora" eine Agitationsversammlung, die zahlreich besucht und von sehr günst gern Erfolge begleitet war. Der Präsident des Vereines Herr Moritz Grausz e;öffnete die Versammlung mit ein pRar herzlichen Begrüssungsworten und erteilte das Wort H^rrn Reichenthal jun. aus Koros, der in einer formal wie inhaltlich gleich vollendeten glänzenden hebräischen Rede, welche nahezu eine halbe Stunde währte, dts Wesen und die Bestrebungen des Zionismus darlegte und die Versammelten zu stürmischen Begeisterung^kundgebnngen hinriss. Nach ihm sprach Herr cand. phil. Hermann A b r a h a nis o h n aus Bern in launiger, geistreicher Weise deutsch. Reicher Beifall wurde ihm zuteil. Herr Moriz Zobel, gewesener Redakteur der „Welt", widerlegte namentlich die von orthodoxer Seite häufig vorgebrachten Einwände gegen unsere Bestrebungen und erzielte nachhaltigen Eindruck. Herr Paul Wittrnann führte in einer gewandten ungarischen Rede den „patriotischen Antizionismus" an der Hand der Ausführungen des ungarischen Dichters Josef K i s s ad absurdum. Herr Schuldirektor Adolf Reichenthal aus Tyrnau wandte sich mit einem temparamentvollen Appell von zündender Wirkung an die Versammelten, in dem er sie aufrief, an der zionistischen Sache tätigen Anteil zu nehmen. Zum Schlüsse gab Herr Talmud-Thora-Lehrer G. Fürst eine Art Rekapitulation der vernommenen Reden und erklärte, von der jüdischen Bruderliebe, der „Ahawath Jisroel", die in den vej'schiedenen Reden zum Ausdruck gelangt sei, überwältigt zu sein. Er wünsche den wahrhaft idealen Bestrebungen der Zionisten die besten Erfolge. - Eine bei dieser Gelegenheit eingeleitete Sammlung für den jüdischen Nationalfonds ergab 25 Kronen. Ein Ergebnis der Versammlung war auch die Bildung eines Share-Klubs zur Förderung des Absatzes der Aktien unserer Jüdischen .Kolonialbank. Erwähnenswert ist ferner, dass derDajan (Rabbinatsassessor) unserer Gemeinde, Herr Isak Schweiger,