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Die Welt · 1902-11-28 · 48 (28.11.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
48 (28.11.1902)
Article
Baltimore
Date
1902-11-28
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 48 „Die # Welt** Seite 9 scheint es, s^hr ernst zu sein. Die Freunde der offenen- T?or-Ei^ über ein, wie es scheint, aus dem WeiÖj&p ^ä^^Sämmendes halboffiziöses Bulletin bepjdrzt, fw^Ifches äie jbffentiiche Aufmerksamkeit auf die stetige Zunahme der Einwanderung lenkt und trösten sich nur mit der im offiziellen Zensus konstatierten Tatsache, wonach die in Amerika geborenen Kinder eingewanderter Eltern im Durchschnitt viel mehr Wissensdrang und Lernerfolg aufweisen als die Kinder eingeborener Eltern. Im übrigen hat der Vorsteher des Einwanderungs-Amtes auf Ellis Island viele sehr zweckmässige Veränderungen und Einrichtungen in dieser ersten Einwanderungsstation getroffen. Südafrika. In einem gegen den Zionismus sonst sehr galligen Briefe aus Südafrika an den, „Jewish Chronicle" muss doch zugegeben werden, dass die vom High Commissioner Lord Mi In er getroffene Einrichtung, wonach der Präsident der Zionist Federation von Südafrika mit Konsularfunktion für die Juden betraut wurde, sich vorzüglich und anstandslos bewährt. In den zwei Monaten, in denen dieses Arrangement besteht, hat Mr. Gold re ich über 1000 Angelegenheiten und Visa zu erledigen gehabt. W*1MSb*oDik. In Charkow wurde unser verehrter Gesinnungsgenosse Dr. Ko han - B ernstein zum amtlichen Rabbiner gewählt. Die Juden in Australien. Das staatliche statistische Amt von Neu-Süd-Wales hat in der Volkszählung des Jahres 1901 eine Rubrik über : das religiöse Bekenntnis aufgenommen. Doch hatte jedermann das Recht, diese Rubrik nicht auszufüllen. Von den 4,544.434 Einwohnern Australiens und Neu-Seelands haben 83,166 die Eintragung unterlassen, während 8010 Personen sich als konfessionslos erklärten. Unter diesen dürften wohl manche Juden sich finden, welche als solche nicht erkannt werden möchten. Aber diese Personen müssen ausseracht gelassen werden. Die vorliegenden positiven Daten zeigen, dass in Neu-Süd- Wales die Zahl der Juden zugenommen hat, dass aber die Zunahme hinter der allgemeinen Bevölkerungszunahme zurückgeblieben ist; in Victoria hat die Zahl der Juden dagegen abgenommen. In Neu-Süd-Wales lebten 1901 6447 Juden, 0'48°/0 der Gesamtbevölkerung. 1891 bildeten die, 5476 Juden, 0'49°/0 der Gesamtbevölkerung. In Victoria zählte man 1901 5897 Juden (0*50% der Gesamtbevölkerung) gegen 5335 im Jahre 1891. In Queensland befanden sich im Jahre 1901 733 Juden, {015°/0 der Bevölkerung). In Süd-Australien 786 oder 0*22%. In West-Australien 1259 oder 0-70°/o. In Tasmania 107 oder 006°/0. In Neu-Seeland 1612 oder 0-21%. Die Gesamtzahl der im Australischen Bundesstaate (ohne JST e u - S e e 1 a n d) lebenden Juden betrug demnach 1901 15 229 oder 0-4l°/0 ^er Gesamtbevölkerung. Interessant ist noch.im Zensus von Neu-Süd-Wales die Konstatierung der grossen Zahl der Mischehen zwischen Juden und Nicht-Juden) worauf wir schon früher einmal hingewiesen haben). 30'i257o der jüdischen Bevölkerung sind verheiratet. Von den jüdischen Männern haben nur 781 Angehörige ihrer eigenen Rasse geheiratet, während die übrigen Mischehen eingegangen sind, und zwar gehören von den Frauen dieser Juden an : 151 der Hochkirche von England, 52 der römisch-katholischen Kirche, 13 sind Presbyterianerinnen, 1 Baptistin, 13 Methodistinnen, 2 Kongregationalistinnen, 1 gehört der Heilsarmee, 5 anderen Sekten an, während von 5 Ehegattinnen die Konfession nicht angegeben war. Von den jüdischen Frauen hatten wieder 781 jüdische Gatten, während 67 an Angehörige der Hochkirche, 17 an römische Katholiken, 11 an Presbyterianer, 2 an Methodisten, 1 an einen Krongregationalisten, 1 an einen Lutheraner und 4 an Freidenker vermählt sind. Im ganzen haben also 1562 Juden und Jüdinnen innerhalb ihrer Rasse geheiratet, während 361 ausserhalb desselben sich vermalten. Ein Landschaftsbild Lesser Urys ist vom Ministerium für Kultus und Unterricht für die österreichische moderne Galerie an g eka u ft worden. Das bedeutet für Meister Ury, der bekanntlich in Wien zum überhaupt erstenmale ausstellt, einen sehr grossen Erfolg. Die Ausstellung selbst (Kunstsalon Pisko) erfreut sich seitens des Wiener - Publikums eines geradezu kolossalen Zuspruches. Der Lordmayor von London. Sir Marcus Samuel, der neuinstallierte Lordmayor von London, hat durch seine Haltung gegenüber dem rumänischen Gesandten anlässlich des Guilahall-Bankettes bewiesen, dass er ein gutes jüdisches Herz hat, welches die Leiden der rumänischen Juden mitfühlt. Und was wir ihm besonders hoch anrechnen, ist, dass er jener Zwei-Seelen- Theorie abhold ist, wonach ein Jude seine persönliche Ueberzeugung und gean Judentum zu Hause lassen müsse, wenn er zu Amt und Würde gelangt. Kein christlicher Engländer, mit Ausnahme natürlich der Antisemiten, hat es dem Lordmayor verargt, dass er in seinem Hause, an seinem Tische den Feind seines Volkes nicht begrüssen wollte, weil er in keinem Augenblick vergessen kann, dass er Jude ist. Nur die jüdisch-liberalen Zeitungen haben diese Tat als Ueberhebung zu brandmarken sich verpflichtet erachtet. Wir glauben, dass das Bild dieses jüdischen Staatsmannes in der Tracht seines hohen Amtes unsere Leser sehr interessieren wird. Sir Marcus Samuel ist der fünfte Jude, der das Amt eines Lordmayors der City von London innehat. Er ist 1853 als der Sohn von Mr. Marcus S a m u e 1 in London geboren worden. Er hat seine Studien in Edmorton und Brüssel gemacht und ist Meister der Brillenmacher-und der Gärtner-Gilde. Den Bürgermeister und Bat der City wählen die einzelnen Gilden aus ihrer Mitte. Man muss derselben angehören, um zu einer kommunalen Würde zu gelangen. Sir Marcus ist Chef der 1832 gegründeten Firma M. Samuel und Comp, in London, ferner Mitinhaber der Firma Samuel, Samuel und Comp, in Yokohama und Kobe in Japan. Im Interesse seines Hauses unternahm Sir Marcus grosse Reisen um die ganze Erde. Die Firma Samuel repräsentiert die bedeutendsten Schiffahrtslinien nach Japan und ist überhaupt die hervorragendste Firma im englisch-japanischen Handelsverkehre. 1894 wurde Sir Marcus zum Sheriff*) der City gewählt. *) Oberster Grafschaftsbeamter, zugleich Chef der Polizei.

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