Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 48 (28.11.1902)
- Article
- Odessa [Nachricht]
- Date
- 1902-11-28
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „öäb <i Welt* 4. von 15 bis 20 Perzent der Einnahmen sollen zur Deckung der Gremeindebedürfnisse und der Steuern: dienen. ,<ffier&uf;r fanden <odie Rahlena^iiaß^Otiöbnitee statte elDte>2 OTi^i^^nts'i^ferde aie Versammlung geschlossen. Tom.sk. Wie die Zeitschrift „Sibirskaja Schisnj" (Sibirisches Leben) meldet, haben zehn zionistische Vereine Sibiriens um Erlaubnis zur Abhaltung eines sibirischen Zionistentages in Tomsk angesucht. Die Konferenz soll bereits Ende Dezember stattfinden. gt. Rumänien. Die „Ica" in Rumänien. Die letzte Hoffnung der Gedemütigten und Gepeinigten in .Rumänien ist Amerika. In den letzten Jahren' sind tausende rumänischer Juden nach Amerika ausgewandert. Die Ursachen dieser Auswanderung sind ja zu Genüge bekannt. ~ Auch die offiziellen Lügen der rumänischen Regierung betreffs dieser- Auswanderung sind jedermann 'klar. Einpaar tausend aus diesen, durch die rumänischen Gesetze vom Leben des Planeten ausgeschalteten jüdischen Elementen hatten das Glück, so . viele .Kissen mm* so wenige Kinder zu. besitzen,, dass sie aus, dem Ausverkauf 'der Kissen \ sich die nötigen Reisebillette n ach. A in erik a ver s chaffen konnten; . eini ge an der e hatten ~ die Chance,, . dem allmächtigen Vertreter der „Ica" zu gefallen und wurden auf Kosten des genannten Vereines nach Amerika expediert. _ Die grösste Masse aber der ' „ Vef urteilten" ist in Rumänien. Was soll; aus diesen werden-'? l>iesen wird eine, einzige Rettung vorgestellt: Amerika'! Die „Ica11,Alliance« etc. wissen und kennen nur das eine: nach Amerika. Sie nennen das die ^praktische" Lösung der rumänischen Judenfräge, gegenüber anderen, die -„P-hantasten" sein sollen. Man stelle sich die Läge der rumänischen' Juden vor: die .unbeschreibliche Armut, die ersten Erschopfungssymptome und die so menschliche Erwartung irgend einer 'Rettung! Wer könnte die Tiagiks dieses Lebens schildern? Der nähe Tod. und. die Hoffnung einer - Rettung! -Es' ist ja so sch wer, sich mit.dem Gedanken an den Tod vertraut zu machen. Ueberhaupt wenn die an der Wurzel des Lebens nagende" Seuche von der Ferne der . Ministeriälerlässe wirkt. Man kann ja doch' nicht wissen, Vielleicht ist man nicht von 'den „Verurteilten". Vielleicht ist, es der Nächbar, vielleicht' der eigene Vater," aber er! Er ni'uss gefettet Werden;;' es; w$re)züj^&cl^e'ökli^n"t• weil das zu ^schrecklich" ist,', so erhofft man das Rosige? Und es giht;jVauch7^ E*:;ist"Jä di'e^Ica^'da; die „Alliance", diei' den1 Unglücklichen' retten *wofM*-mAdi retten werden. Man liest es Marlen Zeitungen': die sind keinei~Fh antasten"., diehandeln fasch und ^praktisch*. — Und die schicken eben nach »Amerika.. Es ist s ehr billig un d man „ han d elt" da£ei. Mao transportiert sie mit ermässigten Preisen dorthin und man lässt sie dann laufen*,Die Kosten sind erstens, gering und man hat sie zweitens' niefit "mehr in Europa, die „Schützlinge", was den Leitern der genannten Vereioe am angenehmsten ist. Es ist das alte Spiel: dort leidende Menschen und hier praktische Menschen, die diese Leiden insofern berücksichtigen, als sie ihnen nützlich scheinen. Je.grösser die Zahl deren, die-man als „Unterstützte" und „Gerettete" in die jährlichen Reklameberichte stellen kann, desto besser; es kann diese „Unterstützung" eine Krone bedeuten oder ein Mittagmahl. Wenn ar»er diese unglücklichen „Unterstützten* sich nicht begnügen, in der Dunkelheit, die von keinen „I c aÄ-Berichten beleuchtet wird, still zu sterben, wenn von Zeit zu Zeit in die Oeffentlichkeit einiges über das Schicksal der Geniesser dieser „praktischen Philanthropie" durchdringt, dann sieht es miserabel mit der Rettung aus. So mit diesen nach Amerika „Geretteten". Sie feinet ja gar nicht.gerettet, diese „Geretteten". Man soll in Amerika so ausgezeichnet hungern können, wie in den dupjäen Städten Rumäniens, heisst es. Noch mehr, man lässt die „Ica" nicht einmal nach Amerika kommen. So wurden vor ein paar Wochen 36 jüdische Familien, die von der „Ica," unterstützt worden sind, nicht hineingelassen, schreibt der „C on s e r v at o rul". Was macht die „IcaB mit diesen 36 Familien? Und was macht sie jetzt mit den anderem, den in Rumänien befindlichen? Wahrscheinlich arbeitet sie wiederum „praktisch", das heisst sie sucht, dass der gute Ruf der „Icatf in Rumänien nicht verloren geht und versucht die „Schützlinge", im Stillen nach Amerika durchz\ischmuergeln und wenn ihr das nicht gelingt, sendet sie .sie imr Stillen nach Rumänien zurück. Nur kein Lärm, ist. die Devise, denn anders kann sie sich ja nicht.in die Rubriken der „Glanzberichte* eintragen und darum existiert ja eine „Ica", dass sie schöne Berichte versenden kann. 12 jüdische Arbeiter sollen wegen Krankheit zurückgeschickt worden sein, schreibt der „Conservatorul".^ Und^in den dunMen Häusern der ärmlichen StädMveft J^ tausende und tausende jüdische Fan^gjln^neli 'j^^j^ter ruhig als einzige Rettung Amerika I^t^s^^prnktisch*? Ist das Hilfe? Ja, wenn praktisch schnelle':'Abfertigung einer schweren, das Leben von. tausenden entscheidenden Frage bedeutet, aber — wie traurig das stimmt, wenn man bedenkt, wie gross das Elend und wie klein die sind, die abhelfen sollen! N. Deutschland, Regensburg. Glänzender wie die erste zionistische Versammlung in Regensburg dürfte in Deutschland noch nie eine solche verlaufen sein* Vor einem zahlreich erschienenen Publikum sprach Herr Dr. jur. Bernh. Kahn aus München über das Thema: „Was ist und was will der Zionismus?" In glänzender einstündiger Rede entwickelte der Referent den Zuhörern das „ Baseler Programm". Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. In der Diskussion geschah das in Deutschland wohl noch nie Dagewesene. Der hiesige Distriktsrabbiner Dr. Mayer, welcher, nebenbei bemerkt, der orthodoxen Richtung angehört, erhob sich, um nicht etwa gegen, sondern für den Zionismus zu sprechen. In geradezu brillanter und wirkungsvoller Weise ergänzte der Rabbiner den Referenten. Er trat insbesondere denen entgegen, welche glauben, man könne nicht guter Deutscher und doch Zionist sein. Er schloss seine Rede, welche eine stürmische Begeisterung weckte, mit der Aufforderung, der Zionistischen Vereinigung beizutreten. In kürzester Zeit war die Mitgliederliste mit der Unterschrift fast aller Anwesenden, darunter auch zweier Vorstandsmitglieder der hiesigen Kultusgemeinde, bedeckt. Möge unsere Sache in anderen deutschen Gemeinden den gleichen Erfolg erzielen. J. Strauch. Köln. Die Agitation wird recht intensiv betrieben, von fast überall her lauten die Nachrichten erfreulich, fast überall sind kleinere oder grössere Fortschritte zu konstatieren, nur in der Provinz Posen, mit Ausnähme der rührigen Gruppen in Schönlanke und Filehne und einigen Teilen Süd- und Norddeutschlands scheint Stillstand zu herrschen — hoffentlich wird auch das bald anders. Dr Zlocistis Reiee nach Oberschlesien und seine Vorträge in Gleiwitz, Beuthen und Breslau waren von schönem Erfolg begleitet, Dr. Gronem ann sprach in 'Berlin, Leipzig und Dresden und hat für die nächste Zeit Vorträge in Ost- und Westpreussen zugesagt, in Stettin und Prenzlau zeigen sich aussichtsreiche Ansätze, Dr. Klee sprach in Würzburg, wo auch Dr. F r i e d e man n gesprochen hat, weiter in Hamburg und Lübeck und hat Vorträge in Landsberg a. W. und Dresden übernommen. Anfang Dezember beginnt Dr. Kahn (München), der inzwischen in Regensburg gesprochen hat, eine Tournee, die ihn nach Leipzig, Berlin, Breslau und in einige oberschlesische Städte führen soll. In Köln sprach Gustav Wolf und in der Generalversammlung Direktor Levy, in Bonn Goldreich (Köln). In Berlin haben Dr. Zlozisti und Dr. Simonsohn Referate gehalten; in Breslau Zahnarzt Schachtel, in Mainz hat Dr. Bodenheimer, in Frankfurt a. M. Dr. Hanau gesprochen. Freiburg i. Br., Halberstadt und Königsberg i. Pr. hielten Gruppenversammlungen ab. Die „Berliner Akademiker- Vereinigung" und die neugegründete „Hasmonaea", deren Mitglied Auerbach in Frankfurt a. O. sprach, sind fleissig an der Arbeit. Beuel a. Rh. Zum Kapitel: Eroberung der Gemeindestuben. Unseren Gesinnungsgenossen ist es gelungen, durch geschickte Agitation zwei Zionisten in die Gemeinderepräsentanz hineinzubringen. Italien. Die HI. Konferenz der Delegierten der italienischen Zionisten vereine tritt am 7. Dezember d. J. in Ferrara zusammen. Nordamerika. Dem „Jewish Chroniele" wird aus Baltimore berichtet: Man spricht hier wieder viel davon, dass in Präsident Roosevelts demnächstiger jährlicher Botschaft an den Kongress von Einwanderungs-Beschränkungen die Rede sein wird. Es ist dies die übliche Lockspeise für das Votum der Arbeiter* Aber diesmal