Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 47 (21.11.1902)
- Article
- Das goldene Buch [Nachricht]
- Date
- 1902-11-21
- Page
- 10 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Die # Welt" Nr; m Jüdischer Nationaifonds. UiKs&- l^'^ciltlcne Bucfi. Vereinssektion ^Dr. Lippe" in Bukarest (das Komitee: L. Reiter, M. Esanu, J. Bernatzky, H. Eltmann, S. Marcus, A. Leibowici, M. Engel, S. Ascher, S. Kaiser, A. Goldenberg, M» Goldenberg, J. Gropper, H. Zeidner, J. Segal, D. Loebl, Segal) 250 Francs. Frau Dr. Sophie Katzen elsohn 240 Kronen. Verein „Chowewei Zion, Sektion Or H a tik w au in Dorohoi 241.25 Kronen. Verein „Schiwas Zion in London 240 Kronen. Rabb. Dr. I. Rülf, Bonn: Durch die Zionistische Vereinigung in Köln 250 Mark. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf. .vom nmb. onvan rvuiön dj? "rvn&D *|dx& tppm — „Achiasaf". Ein literarisches Jahrbuch für das Jahr 1902/08, redigiert von R. Brainin. Verlag „Achiasaf*'. Auch diesem Jahrgange haben wir auf Grund der mit den früheren Jahrgängen gemachten Bekanntschaft unsere Sympathie entgegengebracht. Unsere Erwartungen sind aber nicht vollständig erfüllt worden. Wir haben von einem so feinfühligen und geschmackvollen Redakteur, wie es Herr Br ain in ist, mehr Sinn für Ordnung, mehr Geschmack erwartet. Die Artikel im Jahrbuch machen den Eindruck, als ob sie alle zufällig zusammengekommen wären, als ob sie sich selbst über ihre Nachbarschaft wunderten. Wir können einem hebräischen Redakteur dies zwar nicht verargen, wenn wir die Schwierigkeiten, die er zu überwinden hat, berücksichtigen, auf den Leser aber macht es einen peinlichen Eindruck. Der Inhalt ist sehr reichhaltig. Den ersten Artikel liefert Herr Brainin selbst, und zwar handelt er über die Gründung einer jüdischen Akademie. Und es ist merkwürdig, dass derselbe Schriftsteller, der ein so feiner Essayist und so literarisch gebildeter Kritiker ist, ganz unbeholfen wird, sobald er auf einen ihm fremden Boden, den der Spekulation gelangt. Der Vorschlag und seine Beleuchtung sind sehr unbefriedigend. Es ist überhaupt ganz unzeitgemäss Akademien zu gründen, sie haben jetzt bei der gewaltigen Ausdehnung der Literatur ihre Bedeutung everloren. Es ist gar nicht erwünscht, eine „Acadömie Juive% j^twa ein Seitenstück zur „Academie FraDcaise", zu haben, .ieses autoritäre Prinzip widerspricht dem demokratischen Reiste. Nur ein Reaktionär, wie Arnold Matthe ws, konnte?lwas ähnliches für England verlangen. Desto eigentümlicher xst die Forderung, dass diese Akademie ein politisches, einigendes Band unter den Juden zur Bekämpfung des Antisemitismus, zur Verteidigung der Rechte der westeuropäischen Jur'en, wovon unser Heil abhänge (!!), bilde, also eine Art Freimaurerloge. Ebenso unbefriedigend ist der Artikel des Dr. Bernfeld, der die Periode zwischen der Zerstörung des zweiten Tempels und dem Aufstande Bar Kochbas schildern will. Dr. Bernfeld glaubt etwas Neues zu sagen, wenn er die bekanntesten Dinge der Welt mit anderen Worten wiedergibt, er beachtet gar nicht die moderne Methode der Geschichtsforschung, die auf der Oekonomie und dem Rechtsleben der Völker basiert. Einem Pessimismus, wie er ihm eigen ist, begegnen wir im Artikel des „Achad-Haam" „Nach zehn Jahren". Er spricht bitter und höhnisch über die moderne hebräische Literatur und vertritt die Ansicht, dass die jüdischen Verlage ihre ganze Tatkraft auf die Ausgabe einer jüdischen Enzyklopädie richten sollen. Dieser Standpunkt ist ganz verfehlt. Das jüdische Volk kann sich nicht mit den Resten der Vergangenheit abspeisen lassen, es verlangt nach Neuem, Lebendigem. Mag auch die neue Literatur nicht auf ihrer Höhe stehen, sie lebt und pulsiert und wird sich immer mehr entwickeln. — Noch sind hervorzuheben der Artikel des Dr. Nord au „Blutmärchen", in dem in seiner gewohnten meisterhaften Weise die Geschichte des Panamaprozesses, der den Antisemiten die meisten Stoffe zu Invektiven lieferte, erzählt und die Spitzbübereien der grossen Arier, darunter der Lesseps', darlegt. Interessant ist der Artikel des Dr. Gurewitsch: „Theorie und Praxis", der zu seinen im Minsker Referat ausgeführten Ansichten eine Ergänzung bildet. Dr. S. Lewin will eine Theorie einer Aristokratie des Volkes, die das eigentliche Volk, das bewegende und schaffende ist, darlegen, beruft sich auf geschichtliche Tatsachen, die aber gar nichts beweisen. Die übrigen publizistischen Artikel sind nicht besonders bedeutend. Die belletristische und poetische Abteilung ist nicht besonders befriedigend. Nach einem fesselnden Essay von Georg Brandes über den jüdisch-dänischen Schriftsteller ' M. A. Goldschmidt folgen einige gelungene Essays J von Braininüberßr audes,An toko lski,Isr aelsetc. Von den Gedienten sind hervorzuheben das von Bialik, dem Meister der hebräischen Dichtung, und das von Boruchowitz, welches mehr durch seine Sprache, als durch den poetischen Wert anzieht. Von den Erzählungen und Novellen hat nur die posthume Erzählung des beweinten Schriftstellers Braudes „Schach dem König" einen Wert. Dekadent in ihrer Form, stark an Maeterlinck sich anlehnend, aber nichtsdestoweniger meisterhaft, sind die Dialoge J. L Perez', dieses wahren Dichters in der jüdischen Literatur. Die Illustrationen des Jahrbuches sind sehr gut ausgeführt, die äussere Form ist sehr einnehmend. A. C. * ♦DWJW rvfc ~ Luach Schaschuim. Ein literarischer Kalender für das Jahr 1902/03. Krakau, redigiert von Wiesen (Tarnow). Zionismus von M. Nordau, in bulgarischer Uebersetzung von AI. Rad bin in Sofia, 1902. * Wie der 0 Woskhod" berichtet, werden in Bälde in Russland zwei neue jüdische Tagesblätter erscheinen, und zwar ein hebräisches unter dem Namen „Hazofeh* (Der Zuschauer), redigiert von Friedmann in Warschau, das andere eine Jargonzeitung unter dem Namen „Der Freund*, redigiert von H. Günzburg und Rappaport in Petersburg. Es ist eine erfreuliche Tatsache, welche für die immer grösseren Fortschritte der national-jüdischen Literatur zeugt. ^tis der J|eifreg<ii)g. Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Wien. Der „Allgemeine jüdische Arbeiterverein" veranstaltet Samstag den 27. Dezember 1902 im Prachtsaale des Hotel Central eine grosse Makkabäer-Feier unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte mit anschliessendem Tanzkränzchen. Eintritt 1 Krone. — Karten sind zu haben: Redaktion der „Welt", IX., Türkenstrasse 9, Cate Herz, IL, Untere Augartenstrasse 19 und IL, Zirkusgasse Nr. 54, Cafe .Jägerhof", IX., Porzellangasse 22, E. B r o d, IX., Rothe Löwengasse 2, 2 St., Tür 10, Efraim Edelstein, IL, Herminengasse 13, 1. St., Tür 6 und bei sämtlichen Vereinsmitgliedern. Wien. (Der Turnverein „Zion" in Fünfhaus) hat beschlossen, in angemessenen Zeiträumen gemütliche Unterhaltungs-Abende zu veranstalten. Diese Abende sollen eine Zusammenkunft der intelligenten jüdischen Jugend sein, frei von jedem gespreizten Zeremoniell. Dagegen werden turnerische Produktionen, gediegene Vorträge und der Tanz die zwanglose Unterhaltung der Gesellschaft fördern. Man erwartet, dass jeder Zionist so oft als möglich den Abenden beiwohnen und Gäste aus seinem Bekanntenkreise zuführen wird. Der erste Abend findet Samstag den 22. November 1902 in den Sälen des Restaurants „Zur goldenen Birne", VII., Mariahilferstrasse Nr. 30, statt. Vorträge hervorragender Kunstkräfte, Turnübungen und nachfolgendes Tanzkränzchen. Strassentoilette. Regiebeitrag 1 Kr. Beginn 8 Uhr. Eintrittskarten ä 1 Kr. sind bei den Vereinsmitgliedern, im „Cafe" Westend", VII., Mariahilferstrasse Nr. 128, und in der Redaktion der «Welt*, IX., Türkenstrasse Nr. 9, erhältlich. Wien. (Erster Wiener jüdischer Turnverein.) Samstag den 22. November 1902 findet im „Hotel Central*, IL, Taborstrasse, die Eröffnungsfeier des IV. Vereinsjahres statt. (Vorträgeund Aufführungen.Tanzkränzchen.) Karten (Regiebeitrag K 1.—) bei den Vereinsmitgliedern und an der Abendkassa erhältlich. Beginn halb 9 Uhr abends. Der Turnbetrieb ist wieder in vollem Umfange aufgenommen. Herrenturnen Montag und Donnerstag von %l28—9 Uhr; Damenturnen Mittwoch und Samstag von y,8—9 Uhr; Kinderturnen findet ebenfalls statt, und zwar Dienstag und Freitag von Va6"-1/^ Uhr. Fechtsektion. Die Aufnahme neuer Mitglieder erfolgt auf dem Turnplatze während der Turnzeit