Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 47 (21.11.1902)
- Article
- Zur Wiener Kultuswahl
- Date
- 1902-11-21
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 47 m$ & Weifc" Seite 9 Wieder zog ein hochzufriedener Redner auf und hierauf entwickelte der Führer der Jüdischen Volkspartei, Herr Rappap ö r tin längerei*, tiefbegründeter Rede das Programm einer umfassenden jüdischen Politik. 'Einige folgende Redner brachten gegen uns den fadenscheinigen Einwand vor, dass unsere Arbeiten und Forderungen zwar lobenswert seien, wir aber den Unfrieden in die Gemeinde gebrächt hätten. Schlecht gedreht! Wenn wir gut und erwünscht arbeiten, so hatte man unsere Kandidaturen selbst aufstellen müssen, nicht aber uüs von allen Seiten angreifen dürfen, bloss Weil wir;deni SVeisinnschwindel .zuleibe gehen. Uebrigens genügt es uns, dass sich endlich bei vielen eine Anerkennung unserer doch ganz selbstlosen Bestrebungen Bahn bricht. Es sprachen noch von der Opposition Herr Dr. Lifczis, Herr Dr. Schreiber und nochmals die Herren Aren. Marmorek und Dr. Kahn, von den „Stützen" u. a. Dr. M. Hoffniann in sattsam bekannter Weise, worauf die Versammlung geschlossen wurde. Wir können versichern, dass zwar einige Iustamentspolitiker noch immer uns absolut bekämpfen, das Gros der Wählerschaft zeigte während unserer Reden eine ruhige Haltung, das erste Zeichen unseres Fortschrittes. Denn wir brauchen nur angehört zu werden, um unseres Erfolges sicher zu sein^ * —y. Dörfern wütet gleichfalls die Cholera. In G a z a und L y d d a, wo ein grosser Teil der Bevölkerung durch die Krankheit hingerafft wurde, ist dieselbe erloschen. Es herrscht grosses Elend; überall ist Hilfe erforderlich. W*ttsiSbi,oi)ik. Ein hebräischer Brief des amerikarrschen Staatssekretärs Hay. Rev. Markus H. Dubow,. Rabbiner der Ingle-Street- Synagoge in Evansville, Indiana, sendete anlässlich der Note der amerikanischen an die rumänische Regierung an Staatssekretär Hay einen hebräischen Brief, worin er ihm im eigenen Namen und im Namen seiner Gemeinde den Dank und die Anerkennung aussprach* Darauf erhielt er folgendes Antwortschreiben, ebenfalls in hebräischer Sprache: f>ribut)e. An die jüdischen Wähler in die Wiener israelitische Kultusgemeinde! Wer für die Beseitigung des Klassensystems, wer für gleiches Recht aller Kultussteuerträger, wer gegen die Verelendung und den Untergang des jüdischen Mittelstandes, wer für eine moderne, durch freiwillige Armenpflege zu handhabende Armen Verwaltung, wer für die Errichtung würdiger Bethäuser für die hohen Feiertage, insbesondere wer für eine gute jüdische Erziehung unserer Jugend, wer für die Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins, wer für eine mannhafte, zielbewusste jüdische Volksvertretung ist, der gehe am 23. d. M. an die Urne und wähle die untenstehend verzeichneten Kandidaten in den Kultusvorstand. Für die 6jährige Jylandatsdauer: Max Flei scher (VII. Bezirk, Neustiftgasse64), Salomon Rosner (XVII, Veronikagasse 38), Salo Cohn (L, Schottenring 32), Oskar Marmorek (IX., Maximiii an platz 4—5), Richard Rappaport (I., Opernring 10), Dr. Leopold Kahn (VII, Lindengasse 11), Dr. Ernst Franz Weisl (VII., Mariahilferstrasse 48), Adolf Brecher (XVIII., Pötzleinsdorferstrasse 33). Für die 2jährige Mandatsdauer: Sigmund Kauders {XL, Hauptstrasse 80). Das Zentral-Wahlkomitee der vereinigten oppositionellen Tempelvereine, der Zionisten und der Jüdischen V o lkspartei. y^uufat6^^@d&& /g$y&n,t @<^4vUQ/S02% c22L/- ✓^^U-o«^ iß^^lL^dt-^ C/? c#U^..^A ^'»r^t^y^^Lr^^L^OiG 0:n^n fiu/i//) 7'/y^ /n ns?A» r> *7rt)j\s7! 1 ö"D~ii)n yntt. vyr dh;t X*r?fin^ -irjypn noL/p3 / .fiu/p ffu* frn^H ri/fr!?mu/ v;n i»*»w»vä,Tid/M 7/r-7b 'tt/iH. na 7*o. o:ngvy 7m:r p jvyj/n iv/k in**7* otiwn ntJw jom nwyffz i\\ t-JzhiH %)H) ..O^J» Oppj Uebersetzun g: Mann Gottes! Ich erhielt deinen Brief und war erfreut, dass meine Tätigkeit für deine verfolgten Brüder im Königreich Rumänien bei dir Anerkennung gefunden hat. Friede sei mit dir und deiner Gemeinde B'näi Mosche. Ich bete zu Gott, dass er alle deine Brüder in Evansvile in allen ihren Bemühungen, den körperlichen wie den geistigen segne, und dass der Gott des Friedens mit dir sei in Ewigkeit. Ich bleibe dein Freund John Hay. Gorki und der Zionismus. Im „Hameliz". vom 13, November ist eine Unterredung mit dem gefeierten russischen Schriftsteller Maxim Gorki über Juden und Zionismus veröffentlicht. Er. ist von der zionistischen Idee ganz eingenommen und sucht sie näher und eingehender zu studieren. Er will den jüdischen Ansiedlungsrayon besuchen, um das wahre jüdische Leben kennen zu lernen, da er ein Werk zu schreiben beabsichtigt, wo er die „guten" Seiten des jüdischen Volkes zeigen will. Er hat in Nischni-Nowgorod der zionistischen Versammlung, die nach der Minsker Konferenz abgehalten wurde, beigewohnt; Cholera in Palästina. Reuters Office meldet aus Jerusalem, dass dort am 16. d. M. e i n C h o 1 e r af a 11 festgestellt worden sei. In Jaffa verbreitet sich die Cholera-Epidemie immer mehr; in den letzten drei Tagen sind fünfzehn Personen gestorben. In vielen Aufruf! Jüdische Kommiiitonen! Seit Jahrzehnten vertreten die wehrhaften jüdischen nationalen Studentenverbindungen den Nation algedanken auf akademischem Boden, seit Jahrzehnten kämpfen sie mit wechselndem Erfolge für die Anerkennung unserer1 Nationalität, für die Gleichheit aller akademischen Bürger, für die Freiheit, sich offen zum Judentum bekennen zu dürfen. Diesem Kampfe sahen bisher viele unserer Brüder und Stammesgenossen mit verschränkten Armen zu, ein Umstand, der nicht zum geringen Teile Schuld daran träfft, dass uns verweigert wird, was zu fordern wir ein gutes Eecht haben. Nun soll es anders werden! Die jüdisch-nationalen Studentenverbindungen veranstalten eine Massenversammlung mit der Tagesordnung: Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Wiener Hochschulen. Wer die Wichtigkeit und Berechtigung dieser Forderung ermisst und anerkennt, wer nicht will, dass unser gutes Recht noch fürderhin mit Füssen getreten wird, wessen Herz für die jüdische Sache höher schlägt, wer sich seiner Pflichten a1^ akademischer Bürger seinem Volkstum gegenüber bewusst ist, erscheine bei unserer Versammlung. Von euch, der geistigen Elite unseres Volkes, erwarten wir vollstes Bewusstsein eurer Verantwortlichkeit. Jüdische Kommiiitonen, ihr seid alle herzlichst willkommen! Für die wehrhaften jüdischen nationalen Verbindungen Die Präsidien: cand. jur. Israel Littmann (.Kadimah"); cand. jur. Moritz Kohn („Ivria"); cand. ing. Max G o ld m a n n (Unitas"); cand. ing. Alfred Buchbinder („Libanonia"); .cand. ing. Samuel Jungmann („Maccabaea"). Ort: .Festsaal des Hotel „Continental". IL, Taborr Strasse 4. Zeit: Diensiag den 2. Dezember 1902. Beginn: 7l/2 Uhr abends. * Das Komitee für jüdische Statistik, das sich demnächst als Verein für jüdische Statistik konstituieren wird, hat seine provisorische Leitung gewählt und Anfragen und Brichte sind an den Obmann des Komitees. Dr. Siegmund Werner, IV/1, Wiedener Hauptstrasse, zu richten. * Spenden für den Wahlfonds: Versammlung im Restaurant Kuhn . . . . . Kr 5.36 R. M., Wrietzen..............„ 3.48 L. M., Zlin................„ 1 — Sammlung M ar m o r s t ei n, Troppau . . . . . „ 7.30