Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 46 (14.11.1902)
- Article
- In den Bergen Dagestans
- Date
- 1902-11-14
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 $>ie fr Welt" Nr. 46 Aber einigcmale im Jahre gab Machlass ihrem Bdiiitigam einen Aragtschin, eine goldgestickte Hauskappe, um dafür silberne Ohrgehänge oder Stoff auf ein Kleid zu erhalten. Darauf beschränkten sich alle ihre Beziehungen. Die Arussa (Braut), wenn sie dem Bräutigam oder dessen Verwandten begegnet, inuss sich sofort auf den Boden niederlassen und das Gesicht mit dem breiten Aermel oder mit dem Taschentuch bedecken. Auch der Arass (Bräutigam) muss diese Zeremonie beobachten. ..Kennst du deinen Bräutigam/*' fragte ich Machlass durch meinen Führer Mahomad-Ogla. „Wozu soll ich ihn kennen? Alle anderen Bräute kennen ihre Verlobten ebenfalls nicht. So ist es bei uns Sitte/1 ..WoFcr weisst du also, dass du mit ihm wirst glücklich leben könnenVe „Woher? Er hat dreihundert Bücke und Ziegen. An einem jeden Feiertag wird er die Surnatschi (Dudelsackbläser) herbeirufen und man wird sogar die ganze Xacht tanzen können. Und sogar an Wochentagen wird bei ihm Chinkal gespeist." „Was ist Chinkal?" „Ein sehr schmackhaftes Ding. Du kennst Chinkal nicht? 0 du Armer! Das ist ja die beste Speise! ..." Und mit aufrichtigem Bedauern schüttelte sie das Haupt und streichelte meine Wangen, als ob sie mich trösten wollte, dass ich das Unglück hatte, Chinkal nicht zu kennen. „Und Hobst du Kutum?" frug sie mich plötzlich mit reizender Naivetät. „Was ist das?" ,Eine reizende Speise! Was ist besser als Kutum?" Und sie verfiel in Gedanken. Dann rief sie plötzlich: „Nein, ein Seidenmantel mit Goldknöpfen ist besser als Jvutum!" Dieses unerwartete Geständnis legte das zwölfjährige Kind mit entzückender Grazie ab. Dass ich nicht malen konnte, erfüllte mich mit aufrichtigem Zorn. Das Mädchen wäre das dankbarste Objekt für ein Bild. Jede Bewegung war so schön und graziös, zumal sie ungekünstelt war. Das träge, rein katzenhafte Recken der Glieder im Vereine mit den sanften, sozusagen eehtwcihliehcn Manieren verliehen ihr besonderen Beiz, um jedoch alsbald durch unaufhörliches kindliches Lachen in Ausgelassenheiten zu verfallen, die jedem verzogenen Kinde so gut steht. (Fortsetzung folgt.) Anzahl von kleinen industriellen Anlagen nach sich zog. Aber diese allgemeine Hebung wird von der allmählichen Verdrängung der Juden aus der Grossindustrie begleitet. Während im Jahre 1887 die Juden 29% der Grossindustrieilen im Gouvernement bildeten, machten sie im Jahre 1897 nur 8.2°/0 aus, das heisst die jüdische Produktion ist mehr als dreimal kleiner geworden. Dasselbe finden wir auch in den übrigen Gouvernements und nur wenige bilden eine Ausnahme von der Regel, im Durchnitte aber wird das jüdische Element durch das Landvolk aus der Industrie verdrängt. Nach Berechnung des verstorbenen O rschanski vom Jahre 1862 verteilten sich die Fabriken in den Gouvernements des Ansiedlungsrayons folgendermassen : ^oll^s^ipfscbafHicbei3 ^eil. Lieber die Aufnahme der ökonomischen Tätigkeit in das zionistische Programm. Referat des Dr. Ch. D. Gurew*tsch auf der Minsker zionistischen Konferenz. III. Gouvernement Podolien. Jahr 1887. Gesamtzahl der Industrieanlagen: allgemeine 3773, jüdische 759, Perzent der jüdischen Industrieanlagen 20; Zahl der Arbeiter: in allen Fabriken 25.055, in jüdischen Fabriken 4656, Perzent der jüdischen Arbeiter 18,5; Zirkulationskapital in Tausenden Rubeln: in allen Fabriken 24.000, in den jüdischen Fabriken 7000, Perzent des jüdischen Zirkulationskapitals 29; Zahl der Arbeiter: in nichtjüdischen Fabriken 67, in jüdischen Fabriken 6.3; Durchschnittliches jährliches Einkommen: in nichtjüdischen Fabriken 56400. in jüdischen Fabriken 9223. Jahr 1897. Gesamtzahl der Industrieanlagen: allgemeine 738, jüdische 157, Perzent der jüdischen Industrieanlagen 21.3; Zahl der Arbeiter: in allen Fabriken 24019, in jüdischen Fabriken 1492, Perzent der jüdischen Arbeiter6.2; Zirkulationskapital in Tausenden Rubeln: in allen Fabriken 37.043, in jüdischen Fabriken 3055.5, Perzent des jüdischen Zirkulation skapitals 8.2; Zahl der Arbeiter: in nichtjüdischen Fabriken 39, in jüdischen Fabriken 9; Durchschnittliches jährliches Einkommen: in nichtjüdischen Fabriken 58.500, in jüdischen Fabriken 19.500. Auch' hier bemerken wir eine Konzentration und Hebung der Industrie, was die Zerstörung einer grossen Tuchf abriken: Jüd. Nichtjüd. Grodno 20 56 Mohilew 3 0 Wolhynien 12 34 Kiew 0 6 Podolien 5 55 Summe 40 151 d. ii. die jüdischen Fabriken bilden nur 27% der Gesamtzahl. Zuckerfabriken:' Jüd. Nichtjüd. Gouv. Kiew 4 59 Wolhynien 0 5 Podolien Mohilew 28 3 Summe 6 95 d. h. die jüdischen Zuckerfabriken bilden nur 6°/0 der Gesamtproduktion. Also schon im Jahre 1862 war der Anteil der Juden an der Grossindustrie sehr gering. Wenn uns diese Tatsachen nicht wundernehmen, da doch die Juden nie grossen Anteil an der Industrie hatten, sollte es doch mit dem Handel, diesem Erbgut der Juden, besser stehen. Betrachten wir uns aber die Tatsachen: Da wir nicht über statistisches Material für die letzten Jahre verfügen, nehmen wir jenes von den Jahren 1860 und 1886 : Gouv. Wilna. 1860 * 1886 ^Juden^Sum.e^ Wilna und Bezirk 267 35 302 88 286 83 369 77 Andere Ortschaften 177 182 359 48 215 35 250 86 Diese Tabelle beweist, dass der allgemeine Stand des Handels im Gouvernement Wilna gesunken ist, da dieses Gouvernement mit den benachbarten industriellen Zentren eine Konkurrenz zu führen hat. Demgemäss hat sich die Zahl der Kaufieute während der zwanzig Jahre um 6*3% verringert, wobei die Zahl der jüdischen Kaufleute sich um 13% vergrössert und die der Nichtjuden um 46% vermindert, hat. Wir können daraus den Schluss ziehen, dass der Handel sich im allgemeinen verschlimmert hat, wogegen die Zahl der jüdischen Kaufleute sich vergrössert hat. Im „Haschiloah" habe ich schon gezeigt, dass in manchen Gouvernements der jüdische Handel in Verfall geraten ist. Illustrieren wir es am Beispiel eines anderen Gouvernements, des Gouvernements Grodno, wo sich die Industriestadt Bialystok befindet. Anfangs des verflossenen Jahrhunderts, sagt der Professor Subbotin, war der ganze Handel daselbst in den Händen von Juden, welche ihre Waren auch mit gutem Gewinn verkauften, jetzt aber entfiel ein grosser Teil des Handels den Händen der Juden, wobei auch die Preise bis zum Minimum gesunken sind. Die Zahl der Kaufleute unter den Juden und Nichtjuden kann tabellai'isch folgendermassen dargestellt werden: Zirk.-Kapital v. 1000 R. Dchschn. Zirkulation zu 1000 R. Juden Nichtjuden Summe % d. Juden Juden Nichfjuden Gesamtsumme 9888 5107 14995 66 11.2 '30.2 14.2 Die Juden, die 84% aner Kaufleute ausmachen, haben nur 60°/0 oder zwei Drittel des zirkulierenden Kapitals, wobei das durchschnittliche Kapital eines Nichtjuden dreimal grösser ist, als das eines Juden. (S. 15—17. Lief. II.) Dasselbe sehen wir auch in einer der grössten Industriestädte des nordwestlichen Rayons, nämlich in fBialystok. Die Zahl der jüdischen Kaufleute in Bialystok ist 267, die der nichtjüdischen 74, die Perzentzahl der Juden ist also 78*5%- Das gesamte zirkulierende Kapital der Juden beträgt 4,548.000 Rubel, das der Nichtjuden 3,706.000 Bubel, d. h. das jüdische also 55°/OJ das nichtjüdische 45°/0; das durch-