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Die Welt · 1902-11-14 · 46 (14.11.1902) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
46 (14.11.1902)
Article
Jüdische Handelsangestellte!
Date
1902-11-14
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 46 Die & Welt" Seite 11 An gestellte den Verein durch, seinen Beitritt stärkt. Jeder Kollege, der die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich mit klarem Auge beobachtet, der sich sein Bewusstsein, seine Ehre erhalten möchte, der im schweren Kampfe als wirtschaftlich Seh wacherer und als Jude zugleich brüderliche Unterstützung und Kräftigung sucht, der sich noch etwas Liebe zu seinem jüdischen Volke bewahrt hat und dessen Not mitlindern will, wird und muss sich uns ansch Hessen. Anmeldungen (Zuschriften etc.) sind an Koll. Gust Kohn, Wien, IL, Gr. ßperlgassc 213 zu richten. lieber die Vornamen der Juden im Osten« Wie seine Sprache, so sind auch die Namen des ostländischen Juden ein buntes Mosaik von verschiedener Herkunft. Aber wie alle Fremdworte haben auch die fremdesten Namen im „Jüdischen* einen „jüdischen* Klang und „jüdische" Färbung bekommen. Welcher Laie würde in einem „Jur" den Georg herausfinden? Oder der weltberühmte „Veitel", vulgo „Vatel". Ist der nicht durch und durch jüdisch? Und doch ist er kein anderer als der deutsche Veit (Vitus). Nicht nur die deutschen, auch die slavischen, ja sogar die Namen hebräischen Ursprungs haben dieses „jüdische" Kleid angenommen. Wer würde ohne vorhergegangenes Nachdenken in „Chune" den Jochanan wieder erkenr.en? Dutch Verstümmelungen dieser Art entstehen oft Worte von äusserst unästhetischem Klange, wie zum Beispiel „Mohiliuke" (= Mordchai Eliukim) oder „Dwosemirke" (= Deborah Mirjam). Wenn solche Namen in der Familie gebraucht werden, geht's noch an; man denke sich aber einen Richter, Arzt oder Literaten, dessen Namen „Kiweoiwige" lautet! Es ist dann kein Wunder, wenu ein junger europäisch gebildeter Mensch, statt mit dem Namen „Froike" lieber mit einem Ferdinand, den er sich nur durch grosse Geldopfer um den ersteren „eingetauscht" hat, in die Oeffentlichkeit treten will. Und dieses «Eintauschen0 ist gar nicht dazu angetan, dem Froike- Ferdinand eine gute Meinung vom Judentum zu verschaffen. Was ist das für eine Nation, deren Namen „eingetauscht" werden müssen, wenn man nicht als Ungeheuer verlacht werden will? Der Zionismus, der ja doch die Judenheit regenerieren will, könnte in dieses Gebiet bessernd eingreifen. Es sollten Verzeichnisse aller Jargonnamen angelegt und denselben die richtige hebräische Form beigesetzt werden. Diese Verzeichnisse sollten im Volke verbreitet und jedenfalls allen Matrikenführern mit der Bitte zugesendet werden, in allen vorkommenden Fällen aufklärend dafür Propaganda zu machen, dass statt der Verstümmelungen die richtigen schönen hebräischen Namen gewählt und in das Matrikenbuch eingetragen werden. Dann wird es keinem Juden einfallen, sich seinen Namen „eintauschen" zu wollen, denn Efraim ist ebenso schön wie Ferdinand und Efraim hat keinen Grund, sich seines Judentums zu schämen. Schaja Schmu 1, Czernowitz. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Verein „Die Jugend Zions" in Brest-Litewsk 10 Pfund Sterling* Verein „Max Nord au" in Odessa K 271.80. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf. "JEp übtya — Ein literarischer Kalender für die Jugend für das Jahr 1902/3. Warschau, 1902. Verlag „Tuschijah". Preis 75 Kop. Ein sehr gutes und hübsch ausgestattetes Sammelwerk. Es finden sich darin Beiträge von Steinberg, Asch, sowie auch treffliche Uebersetzungen aus de Ami eis, Carmen S y 1 v a etc. Wir freuen uns, dass in der hebräischen Literatur solche Sammelwerke erscheinen. Es zeugt für den immer wachsenden Fortschritt, für die immer stärkere Hebung des Niveaus der hebräischen Literatur. Man muss dem Verlag „Tuschijah" für seine fruchtbare und unermüdliche Tätigkeit vollen Dank aussprechen. Gut ausgestattet ist auch das Russisch-jüdische Jahrbuch. (Ausgabe J. Lurj e, Petersburg, 1902. Preis 1 Rubel.) Es enthält viele interessante Artikel, wie zum Beispiel einen von Kotik über die Jargonliteratur, einen über L eb enso hn etc. Auch die Illustrationen sind schön. Der erste Teil gibt uns eine beinahe erschöpfende Uebersicht der russischen Gesetzgebung über cüe Juden. *' < In der Nummer 230 der „Hazefirah" erschien ein interessanter Artikel über die Misswirtschaft in den Kultusgemeinden von Galizien. Am meisten greift der Verfasser des Artikels das bestehende Wahlsystem an. Warum sollen von der Wahlurne die ärmeren Juden, sie, die den Kern der Gemeinden bilden, ausgeschlossen sein, etwa nur aus dem Grunde, dass sie nicht soundsoviel Steuer zahlen? Warum sollen die Reichen nach ihrem Belieben in der Kultusgemeinde schalten und walten? Warum, fragt er, führt man kein allgemeines, direktes Wahlrecht ein? Warum? Diese Frage könnte man auch in anderen Städten und Ländern aufwerfen. Ueberall gilt es, die KultusgemeindeverwaltwEg in -die Hände des jüdischen Volkes zu überliefern. Ein ähnlicher Streit um die Kuitusgemeinde-Angelegenheiten spielt sich auch in einem der grössten jüdischen Zentren, in Warschau, ab. Während die Zionisten, dem Mahnrufe Nordaus „Erobert die Kultusstuben14 folgend, die Leitung der Gemeinde in ihre Hände nehmen wollen, wehren sich die Assimilanten, mit ihrem Organ, dem „Izraeliia", an der Spitze, mit aller Macht dagegen. Auf wessen Seite der Sieg bleiben wird, ist schwer vorauszusagen. Aber zwei erfreuliche Tatsachen können wir konstatieren : Erstens, dass der Zionismus in alle Sphären und Schichten durchzudringen beginnt, dass er, wie ein Redner auf einer Konferenz in Warschau sagte, immer vorwärts schreitet und alles erzwingt, und dass andererseits die Gegner die gleissnerische Maske abzulegen gezwungen sind und ins offene Feld treten müssen. Es ist immer besser, den Feind unmaskiert vor sich zu haben. * „In letzterer Zeit", schreibt die rJuriditscheskaja Gazeta" vom 10. Oktober a. c, „haben sich einige Kreditgesellschaften im Königreich Polen von neuem mit Petitionen ans Finanzministerium gewendet, ihrer» Statuten einen Paragraphen beizufügen, kraft dessen die Teilnahme an Gesellschaftsunternehmungen den Juden gänzlich untersagt oder wenigstens begrenzt werde. Die Antwort war wiederum eine abschlägige.* Sollte Herr St. A. K e m pn e r, der sonst so vernünftig urteilt, von derartigen Kundgebungen immer die richtige Lehre ziehen, er würde bei seiner völligen Unkenntnis des Judentums und seiner Angelegenheiten nicht so trotzig gegen den Zionismus in seiner „Gazeta Handiowa" mit Scheingründen auftreten. |fas dep J$e^egüt)j§. Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Wochen-Prgramm der Jüdischen Toynbee-Halle, XX., Karajangasse 20. S o n n t a g den 16. November: Adolf Gelber, „Emile Zola", Montag den 17. November: Max Annibert „Der Schlaf*, Dienstag den 18. November: Diskussion über „Frauenberufe" Iii., Mittwoch den 19. November: Gustav Sicher, „Geschichte des jüdischen Volkes im Altertum", Donnerstag den 20. November: Dr. Egon Zweig „Jehuda ben Halevy", IV« Dichterabend, Freitag den 21. November: G. M. Mehr er, «Bibel, Erklärung der Sidra", Sam s t a g den 22. November: Konzert. Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Dr. I. Sadger IX. Liechtensteinstrasse 15. Wien. (Der Turnverein „Zion" in Fünfhaus) veranstaltet Samstag den 22. November in den Sälen des Restaurants „Zur goldenen Kugel", VIL, Mariahilferstrasse Nr.30, einen zwanglosen Unterhaltungs-Abend. Das höchst gelungene Programm umfasst turnerische Uebungen und gediegene Vorträge mit Tanzkränzchen. — Strassen-Toilette. — Karten a 1 K sind in der „Welt" zu haben. Wien, Im Mädchen- und Frauen-Vereine „Bikur Chaulim", I, Seiten Stetten gasse Nr. 2, % Stock, findet Sonntag den 16. d. M. präzise 372 tühr, ein Vortrag des Herrn Dr. J. W. Fries er über „Prophylaxe der Infektionskrankheiten" statt. Gäste, Herren und Damen, willkommen. Kolin. Sonntag den 16. d. M. Volksversammlung des Vereines 3?Zion" im Wintergarten. Redner Gg. Upfimny.

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