Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 45 (7.11.1902)
- Article
- Das goldene Buch [Nachricht]
- Date
- 1902-11-07
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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MM5 •66 Seite 9 Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Verein „Cremieux* in Roman (Komitee: Dr. L. H e a i e, N. Bring, W. L. Schwarz, L. J. Spiwack, S. S. Cheiz, A. S. Rappaport, A. Sucher, H. Schmarack, H. Rivensohn, H. Schmilo witü, J. Kitz m an n) 260 Lei; „Lib an on' in Warschau 253 Kr. „Bnei Zion" in Rohatyn (Komitee: A. Weidmann, E. Sternhell, S. Melzer, S. M arg u lies, A. Damm, Dr. Schaff, Dr. Stein, N. Schumer, M. Damm/S. Reischer, S* Horowitz, S. FichmauE 240 Kr. Zionistische Ortsgruppe in Freiburg im Breisgau 234 Kr. „Achai Zion" in Nies wies 252 Kr. „Tipnereth Zion Society" in Pittsburg 100 Dollars. Herr und Frau Anschel Beruschewitz in Bilkes 240 Kr. Grün dungstag der Jüdischen Kolonialbank 546-85 Kr. Minsker Zionisten-Kongress 548 25 Kr. Das Organisations-Komitee des Kongresses 546 85 Kr. „Societatea Junimea Dorul Zioriulu i", SectiaDr. Th. Herzl in Dorohoi 10 Pfd. Sterl. Herr und Frau J. Welikowsky 10 Pfd. Sterl. Die erste zionistische Jahres-Konferenz behufs Eintragung des Referenten des Nationalfonds Herrn Johann Kremenezky in Wien ins Goldene Buch 401*20 Kr. Bucher- und Zeitschriften-Rundschau. Die September-Dezember-Nummer der „Interational Quarterly Review" enthält einen längeren Essay von Dr. Nordau über den Zionismus. Die „Jüdische Volkszeitung* bringt in der Nummer vom 8. Oktober einen beredten und durchdachten Artikel: „Kann man ein Land kaufen.?" „Ein Land*4, sagt der Verfasser, „kann man nicht durch Kauf allein eigen nennen, man muss es auch erwerben durch geistige Arbeit, durch geschichtliche Erlebnisse, durch Liebe. Geld allein genügt nicht. Und deshalb ist jede Furcht, dass andere Nationen Palästina aufkaufen werden, unbegründet. Das versteht die Türkei, das verstehen alle Völker, die unseren Wunsch, auf eigenen historischen Boden als lebendige Nation zu leben, achten lernen . . „Die westliche Post" von St. Louis am Mississippi, das grösste Organ der dortigen Deutschen,, brachte wiederholt sympathische und ausführliche Berichte über unsere Bewegung. Anlässlich des Besuches Dr. Herzls in Konstantinopel brachte das Blatt einen längeren Artikel, in dem es den zionistischen Bestrebungen vollinhaltlich zustimmt. In Anbetracht dessen, dass das Blatt fast durchwegs von Christen geschrieben wird, und an seiner Spitze ein bekannter deutscher Kämpfer von 1848 steht, können wir sagen, dass das eine neue Tatsache zu unserem alten Titel ist:,„Wie uns andere sehen.* Populär-wissenschaftliche Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von J. Gossel. Verlag von Kaufmann, Frankfurt a. M. 1902. J. Gossel, Prediger der israelitischen Gemeinde zu Camen, hat durch die Herausgabe der Vorträge hervorragender Rabbiner über jüdische Geschichte und Literatur eine zur Förderung der Kenntnisse des Wesens des Judentums nützliche Tat vollbracht. Denen, welchen Möglichkeit uud Gelegenheit mangeln, Vorträgen in Literaturvereinen beizuwohnen, dürfte das Buch, wie Gossel mit Recht erhofft, vollen Ersatz leisten und ihre Kenntnisse der jüdischen Geschichte und Literatur bereichern. Dafür bürgen schon die Namen Rülf, Frank u. a., deren Vorträge sich in der Ausgabe Gossels befinden, Gossel hat sich bei der Zusammenstellung der uns vorliegenden Sammlung als guter Sachverständiger und feinsinniger Kenner erwiesen. Er hat eine Auslese hervorragender jüdischer Geister vereinigt und so seinem literarischen Unternehmen im vorhinein Interesse gesichert. Gt. „Vom Heimweg."*) Von Adolph Donath. Die Rasse, die sich aufrichten, sich durchringen, sich erhalten will und sich erhalten muss, erzeugt immer junge Talente, die mit ihr den Kampf geistig und moralisch mitkämpfen. So wächst jederzeit die Zahl der Dichter mit dem Vorwärtsschreiten der Volksbewegungen. Das scheint wie ein von den Naturgewalten verliehenes Gesetz . » . Auch wir Juden sind heute nicht mehr die Feigen, Unselbständigen, Kriecherischen, wie etwa vor einem halben Jahrzehnt noch. Die grosse Idee, die unsjbeseelt, schuf uns „Judenlie der.u Heute freuen wir uns eines neuen Produktes dieser Art. Das Werk,heisst „Vom Heimweg" und ist von Theodor Z 1 o c i s t i gedichtet. Es sind Verse der Sehnsucht nach dem „stillen, träumevollen, verwaisten armen Vaterland", Verse der Wünsche nach leuchtendem Morgenrot, nach jubelndem Sonnenglanz, nach knospendem Judenmai . . . Fast in jedem Gedichte Zlocistis kehren diese Motive wieder. Freilich mischt sich auch dumpfe Klage mit den frohlockenden Tönen und manchmal scheint es, als huschte ein grauer Schatten über all die inneren, nun zum Volke strebenden Empfindungen des Dichters, als hielte er sie fest, als wollte er es nicht dulden, dass sie kräftiger, lebendiger, wilder, ungestümer würden . .. Ich sagte nur: manchmal. Das ist ein Glück für den Dichter; denn die Jugendgluten, von denen er in einem seiner besten Gedichte „Die Bibel" singt, dürfen nicht verfliegen! Unser ist heute kein armer Rest mehr. Wir selbst sind „erwachende Lieder"! Es flattern die Fahnen im Windesflug, Es tanzen die Mägdlein und Knaben : Wir haben in jubelndem Frühlingszug — Die letzte Träne begraben . . . In diesen paar Versen legt Zlocisti sein menschliches Bekenntnis nieder. Er ist seines Volkstums voll und voll der Freuden des Siegenden. Solche Leute brauchen wir und nicht Memmen, die sich schämen, Juden zu sein. Ich muss immer daran denken, dass mir vor etwa fünf Jahren ein nicht unbekannter dichtender Kollege, welcher selbst Jude ist, den Vorwurf gemacht hat, dass ich „J u d e n 1 i e d e rft schreibe. Wenn man auch, meinte der Gestrenge, den Drang in sich fühlte, den Juden hervorzukehren, müsste man ihn „unbedingt" niederzwingen, weil sich „die Stimmung von aussen" damit nicht vertrüge. Der Mann ist auch heute noch nicht eines Besseren belehrt und viele andere Juden, welche gut schraiben, denken leider gerade so. „Die Stimmung von aussen" aber ist dieser Abart unserer Rasse gewiss nicht hold. Dafür sprechen Beweise! Ich bin überzeugt, dass man Theodor Zlocisti, den Dichter „vom Heimweg", in der Literatur überhaupt ernst nehmen wird — obgleich und weil er Rassenjude ist. $fas der JSe^egüi)j|. _ Gedenket des Schekels!____ Voranzeigen. Wochen-Programm der „Jüdischen Toynbee-Halle, XX., Karajangasse 20. Sonntag den 9. November: Dr. Heinz Cohn, „Ueber modernes Völkerrecht". Montag den 10. November: Heinrich D i a m a n t, „Selbstprüfung'1. Dienstag den 11. November: Diskussion über „Frauen beruf * IL Mittwoch den 12. November: Gustav Sicher, „Geschichte des jüdischen Volkes im Altertum". Donnerstag den 13. November: Prof. Dr. Leon Kellner, „Israel Zangwill". (3. Dichterabend.) Freitag den 14. November: „Bibel, Erklärung der Sidra". Samstag den 15. November: Konzert. Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Dr. J. Sadger, IX., Liechtensteinstrasse 15. *) Verlag der „Jüdischen Volksstimme% Brünn, Krautmarkt IL