Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-11-07 · 45 (7.11.1902) · p. 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
45 (7.11.1902)
Article
Bautätigkeit in Jerusalem [Nachricht]
Date
1902-11-07
Page
8 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3316005--35586-3326082
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 8 & kommnisse in Palästina während des verflossenen Jahres: In Jerasalem sind auf öffentliche Kosten im verflossenen Jahre 107 neue Häuser gebaut worden. Davon wurden 45 auf Kosten der Jca" für Handwerker und Lehrer der AUiance-Schule gebaut. 24 Häuser nebst Synagoge wurden unter den Namen „Ohle Jacob" auf Kosten des bekannten Warschauer Chowew-Zion Jacob Broido errichtet. Weitere 20 Häuser wurden zum Andenken an den in New-York verstorbenen Moses Alexander, dessen Erben zu diesem Zwecke 10.000 Dollars gespendet haben, aufgeführt. Die übrigen 18 Häuser wurden von 3 Kolelim errichtet, und zwar 9 von] ungarischen, 5 von Minsker und 4 vom Waad sämtlicher deutschen Kolelim. Die Juden in Egypten. In keinem der Länder des Morgen- und des Abendlandes ist die Lage der Juden so günstig wie im Lande der Pharaonen. Zu der arabischen Toleranz und der wahrhaft vornehmen Ruhe des Mohamedaners, der gerne lebt und leben lässt, tritt in Egypten noch die von den Engländern eingeführte geordnete Verwaltung und moderne Gesetzgebung hinzu, durch welche die Stellung der Juden in diesem Lande noch weit günstiger sich gestaltet hat als selbst in der Türkei mit ihrer geradezu musterhaften Toleranz. Von keinem bakschischlüsternen Beamten bedrückt und durch keine Ausnahmsgesetze oder Verwaltungsmassregeln in ihrer Bewegungsfreiheit gehemmt und künstlich zum Paria und Bettler herabgedrückt, konnte der Jude in Egypten seine natürliche Begabung ungehemmt entfalten und auf dem Gebiete der Industrie, der Arbeit, des Handels und der Wissenschaft Voitreffliches leisten. Die jüngere unter englischer Verwaltung entstandene Generation eignet sich die europäische Kultur an, ohne dabei ihrem Judentum und dessen Traditionen untreu zu werden. So haben in diesem Jahre 38 arabische Juden die Universität zu Kairo absolviert und werden demnächst im Fioanzministerium, im Justizdienst oder im Post- und Eisenbahnwesen, wo die Juden bereits zahlreiche Posten in verantwortlichen Stellungen bekleiden, Unterkunft finden. Selbst beim Militär und im Polizeidiehste stösst man auf Juden als Offiziere, obgleich der Koran allen Nichtmohamedanern das Waffentragen ausdrücklich verbietet. Die günstige materielle Lage der arabischen Juden in Egypten spiegelt sich in den glänzenden Finanzen der jüdischen Gemeinden wieder. So besitzt die jüdische Gemeinde in Kairo ein Bar vermögen von V/2 Millionen Francs nebst 20 grossen Häusern. Die Gemeinde unterhält nebst dem Rabbinat und 5 Synagogen, 2 Krankenhäuser, eine Augenklinik, 2 Blindenanstalten, mehr als 40 Talmud Thoras für Kinder blind gewordener Eltern und andere Wohifahrtsanstallen. Sehr viel wird in den egyptischen Gemeinden für die Blinden getan, deren Zahl infolge der im ganzen Orient weitverbreiteten egyptischen Augenkrankheit sehr gross ist. Lesser Ury in Wien. Um die Mitte der nächsten Woche, am 13. November, wird im Wiener Kunstsalon Pisko eine Ausstellung der Werke unseres berühmten Malers Lesser Ury, dem wir unter anderem das grandiose Gemälde „Jerusalem" verdanken, eröffnet werden. Wir sind schon heute in der Lage, mitteilen zu können, dass nicht weniger als 43 Werke des Künstlers zu sehen sein werden. Darunter wird sich auch LesserUrys grosses Gemälde „Jeremias* befinden, ein Meisterwerk allerersten Ranges. Ury wird auch durch seine Landschaftsbilder, die in ihrer einzig schönen Farbenpracht ihresgleichen suchen, sehr stark vertreten sein. Seine eigenartige Kunst wird bei dem grossen Wiener Publikum gewiss das regste Interesse wachrufen. Wie wir erfahren, kommt der Künstler, welcher bekanntlich in Berlin wohnt, zur Eröffnung seiner Ausstellung nach Wien. Charakteristik der jüdischen „Modernen". In einem geistreichen Feuilleton, betitelt „Die Juden und die neueste deutsche Literaturbewegung" von Robert Jaffe im Berliner „General-Anzeiger für die Ges.-Int. d. Jud.", findet sich folgende köstliche Charakteristik der jüdischen „Modernen", welche Paul Lindau zum Autor haben soll. Es treffen sich zwei Herren aus dem Berliner Westen: „Waren Sie diesen Sommer in Norwegen?" „Nein.41 „Sind Sie Mitglied der „Ethischen Kultur«?" „Nein." „Sind Sie Mitglied der „Freien Bühne"?" „Nein." „Was? Sie haben sich taufen lassen?" Welt44 Ite Nächste Woche.? finden folgende Wählerversammlungen statt: Samstag den 8. November, halb 9 Uhr abends, Kongressbureau : Vertrauensmänner-Versammlung des VIII. und IX. Bezirkes. Zutritt gegen Einladung. Sonntag den 9. November, 3 Uhr nachmittags, Kongressbureau : Wahlleiter-Konferenz. Montag den 10. November, halb 9 Uhr abends, „Caf£ Orient", IL, Praterstrasse: Vertrauensmänner-Versammlung des IL Bezirkes. Zutritt gegen Einladung. Dienstag den 11. November, halb 9 Unr abends: Vertrauensmänner-Versammlung des III. Bezirkes. Zutritt gegen Einladung. Mittwoch den 12. November, halb 9 Uhr abends: Oeffentliche Wählerversammlung des VI. und VII. Bezirkes. Restaurant L ö b 1, VI., Schmalzhofgasse 10. Mittwoch den 12. November, halb 9 Uhr abends: Oeffentliche Wählerversammlung des X. Bezirkes. Restaurant Oczereth, X., Keplerplatz. Donnerstag den 13. November, halb 9 Uhr abends: Oeffentliche Wählerversammlung im V. Bezirke. Restaurant Diamant, V. Margarethen platz. Donnerstag den 13. November, halb 9 Uhr abends: Vertrauensmänner - Versammlung im XVI. und XVII. Bezirke. Donnerstag den 13. November, halb 9 Uhr abends: Vertrauensmänner-Versammlung im XVIII. und X)X. Bezirke. Zutritt gegen Einladung. Aufruf. Am 20. Oktober wurde Rubin Braudes ins Grab gesenkt. Wie er lebte, so starb er. Sein Leben war eine Kette von Mühsalen und Entbehrungen. Nimmer verliessen ihn Elend und Not. Er war ein Kämpfer im edelsten Sinne des Wortes. Unverzagt hielt der Brave aus auf seinem Posten mitten im SchlachtgewimmeL Dieser starke, standhafte Charakter kannte nicht die Sorge für morgen. Was ihm der Tag brachte, war ihm genug. Und jeder Tag brachte ihm Anerkennung, Ehren und Ruhm. Aber nicht mehr! Wie wenige sahen den schweren Kampf, den dieser Mann kämpfte! Und so ist auch sein letzter Tag vorübergegangen. Freunde umstanden sein Grab und sie begruben einen Grossen in Israel. Ein Grosser, der nichts hinterlässt als die Erinnerung an ein treues, edles Herz —-und dazu ein hungerndes Weib und drei unversorgte Kinder im zartesten Alter. Drei unversorgte Kinder, hört Ihr! Drei Menschenblüten, die Erben des stolzen Namens Brau d es — und sie hungern! Was ist ob dieser Tatsache das Manneswort von Anerkennung, Freundschaft und Liebe wert, wenn es nur ein Wort bleibt. Auf, Ihr alle, denen Braudes im Leben ein Rufer im Streite, ein ehrlicher Genosse, ein treuer Bruder war. Helft mit, den Kindern eine ihres Vaters würdige Erziehung zu geben und die Zukunft zu sichern, auf dass das Wort von Freundschaft und Ehre nicht ein leerer Schall bleibe. Wir erfüllen unsere Pflicht, wenn wir Euch zur sofortigen Einleitung von Sammlungen auffordern. Dr. O. Kokesch, Arch. O. Marmor ek, N. Rapaport, D. Rothblum, Dr. I. Schalit, E. Torczyner. Die Administration der „Welt" übernimmt diese Spenden und wird sie wöchentlich ausweisen. Anregungen für den Nationalfonds. Geehrte Redaktion! Bringen Sie, bitte, als Anregung für den Nationalfonds, dass alle Studenten die Karten, mit denen sie bei Semesterbeginn ihre Plätze in den Hörsälen belegen, aus finanziellen und demonstrativen Gründen mit Marken des Nationalfond« versehen. Zionsgruss Berlin. cand. jur. Eugen Mayer,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.