Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 45 (7.11.1902)
- Article
- Major Evans Gordon über die Juden
- Date
- 1902-11-07
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
- Pinsk 1× ep/1045440
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Seite 6 ,01e sjs Welt?» Nr. 45 Staatsmännern und ich. weiss, sie haben es nicht gerne, kritisiert zu werden. Sie sagen, dass sie die Folgen einer Kritik nicht fürchten, aber sie wissen es nicht, wann sie einen Freund brauchen werden. Was mich betrifft, so bin ich auf die Ansicht und Absicht unserer Regierung begierig. Darum habe ich jüngst die Vorlage der Korrespondenz über die amerikanische Note gefordert." Major Gordon erzählte seinem Besucher von einem Falle, der sich während seiner Anwesenheit in Rumänien zugetragen hat: Ein rumänischer Jude hatte mit grossem Mute im russischtürkischen Kriege mitgefochten und infolge dessen die Naturalisation in Rumänien erhalten. Das Gesuch seines Sohnes um die Bürgerrechte wurde abgewiesen. „Das war, wie die Deutschen sagen, gemeinfügte Major Gordon erregt hinzu. Und sein Gesamt-Urteil über die Juden fasste der Gentleman in die Worte zusammen: „Sie sind das ärmste Volk auf Gottes Erdboden!" * In einer ad hoc einberufenen zahlreich besuchten Versammlung der Fremden-Einwanderungs-Kommission gab Major Gordon eine Darstellung der auf seiner Studienreise gewonnenen Eindrücke. * Das Mitglied des Hauses der Gemeinen Evans-Gordon hat einen Antrag auf den Tisch des Hauses niedergelegt, dahingehend: „Es wolle das Haus seine Aufmerksamkeit auf die grausame Behandlung lenkert, welcher die Juden in Rumänien in direkter Zuwiderhandlung gegen die im Berliner Vertrag getroffenen Verfügungen ausgesetzt sind., und eine diesbezügliche Resolution fassen." .* Major Gordon gedenkt sobald als möglich zur Fortsetzung seiner Studien wieder nach Galizien zu reisen. Korrespondenzen und Telegramme. Die Juden in Russland. Aluschta in der Krim. Diese Oi tschaft am Südufer der Krim ist unlängst, wie wir bereits gemeldet haben, in den Rang einer Stadt erhoben und den Juden die Niederlassung in derselben gestattet worden. Graf Schuwalow, der Gouverneur von Taurien, hat sogar die christliche Bevölkerung von Aluschta um ihre Ansicht über die Zulassung der Juden zur unbeschränkten Ansiedlung in Aluschta befragt und die Antwort erhalten, dass sie mit dieser Zulassung höchst zufrieden sei. weil dadurch die Preise auf Grund und Boden in Aluschta eine Steigerung erfahren würden. Die Erwartungen der christlichen Bevölkerung von Aluschta sind tatsächlich in Erfüllung gegangen, nicht aber die der Juden. Wie der „Krimsskij Wjestnik" nämlich meldet, haben die nach Aluschta gezogenen Juden durch den Ankauf von Immobilien die Preise auf Grund und Boden wirklich in die Höhe getrieben, aber die zuständigen Behörden weigern sich bis jetzt, Juden als Besitzer von Immobilien zu legalisieren und die vom Gesetze vorgeschriebenen Formalitäten zu erfüllen. Es wurde eine Anfrage nach Petersburg gerichtet, ob Jaden der Erwerb von Grund und Boden in Aluschta gestattet sei, eine Antwort auf diese Anfrage ist jedoch noch nicht herabgelangt. * Pinsk. Der an Stelle des verstorbenen Fürsten Trubetzkoj zum Gouverneur von Minsk ernannte Graf A. Mussin-Puschkin hat auf seiner Inspektionsreise durch das Gouvernement Minsk das in der Nähe von Mozyr liegende Dorf Schitkowitschi besucht und eine jüdische Deputation empfangen, welche dem neuen Gouverneur nach altslavischer Sitte Brot und Salz überreichte. Der Wortführer der jüdischen Deputation hat, wie der „Minski j Listok" meldet, an den Grafen Mussin-Puschkin eine Ansprache gerichtet, welche die Lage unserer Brüder im Zarenreiche grell beleuchtet. Er sagte in seiner Ansprache : „Seien Sie uns ein barmherziger Vater. Geruhen Sie, Eure Durchlaucht, zu verordnen, dass man uns aus unserem neuen Ansiedlungsorte nicht ausweise. Das Gesetz verbietet uns die Ansiedlung in den Döfern, gestattet uns aber, uns in den Städtchen , niederlassen zu dürfen. Wir haben uns in Schitkowitschi niedergelassen, das demnächst in den Rang eines Städtchens erhoben werden wird.* Graf M ussin-Puschkin entgegnete, dass er die Bitte der Juden auf Grund der bestehenden Gesetze erfüllen werde. Und die bestehenden Gesetze gestatten den Juden die Ansiedlung in den Dörfern nicht ... * Transbaikalien. Eine jüngst in den offiziellen „Sebaikalskija Oblasstnyja Wjedomosti" publizierte Verordnung des Militär-Gouverneurs des Transbaikalgebietes an sämtliche Polizeibehörden hat unter den Juden im Gebiete grosse Aufregung hervorgerufen. Den Juden ward nämlich der zeitweilige Aufenthalt in den Ortschaften, welche in einer Entfernung von 100 Werst von der chinesischen Grenze Hegen, bis jetzt unbeschränkt gestattet. Und den Juden gelang es auch, Handelsbeziehungen mit dem chinesischen Reiche anzuknüpfen und neue industrielle Unternehmungen ins Leben zu rufen, welche auch der christlichen Bevölkerung und den Burjäten im Gebiete neue Erwerbsquellen erschlossen. Nunmehr hat der Militär-Gouverneur von Transbaikalien in seiner Verordnung die Polizei-Verwaltungen angewiesen, den Juden auch den zeitweiligen Aufenthalt in den sogenannten Grenzortschaften strengstens zu verbieten. * Jekaterinoslaw. Unter dem Vorsitze des Gouverneurs ven Jekaterinoslaw fand unlängst die Jahresversammlung der örtlichen Gartenbau-Gesellschaft statt. In der Sitzung gelangte eine Zuschrift des Ackerbau-Ministeriums zur Verlesung, wonach die Bitte der jüdischen Gemeinde von Jekaterinoslaw uni Aufnahme von 15 jüdischen Zöglingen in die Gartenbauschule der Gesellschaft zurückgewiesen und den Juden der Rat erteilt wird, für die Juden eine eigene Gartenbauschule zu gründen. Die Juden in Palästina. Der Vorfall, den wir hier schildern und dessen Beteiligte jüdische Emigranten aus Russland sind, spiegelt das Sicherheitsgefühl unserer Brüder auf dem geheiligten Boden von Palästina mit besonderem Nachdrucke wieder. Der Vorfall liefert sogar in der Schilderung der judenfeindlichen „Moskowskija Wjedomosti" den untrüglichen Beweis dafür, dass die jüdischen Kolonien in Palästina einer grossen Zukunft entgegengehen. Derselbe hat sich in dem in der Nähe von Nazareth liegenden arabischen Dorfe Schoshara zugetragen. Die streng nationalrussischen und rechtgläubigen „Moskowskija Wjedomosti" berichten darüber folgendes: „Schon seit mehreren Jahren besteht hier eine von der Palästina-Gesellschaft gegründete Schule, um den Kindern der orthodoxen Einwohner des Dorfes Schulunterricht zu erteilen. Vor ungefähr vier Jahren hatten Juden aus Russland in der Nähe des Dorfes Schoshara Grund und Boden erworben und eine Kolonie gegründet. Die Kolonie gewann in letzter Zeit an Ausdehnung, ihre Bauten, landwirtschaftlichen Einrichtungen und alle anderen agronomischen Einfahrungen entsprechen den letzten Errungenschaften der Wissenschaft, kurz die Kolonie bildet ein nach dem wilden und wüsten Palästina verpflanztes Stück kulturellen Europas. Zugleich mit der äusseren Entwicklung wuchs auch die Entwicklung des Bewusstsems ihrer Machtkräftig heran." Das Bewusstsein ihrer Macht hatten die jüdischen Kolonisten in folgender Angelegenheit bekundet: Ein jüdischer Kutscher aus Beirut wurde von den zur russisch-orthodoxen Kirche bekehrten Arabern des Dorfes misshandelt. Der Jude begab sich in die jüdische Kolonie und rief die Hilfe seiner Brüder an. Und die jüdischen Kolonisten rückten nach dem Dorfe aus, um die Beleidiger ihrer nationalen Ehre zu züchtigen. Die orthodoxen Araber versteckten sich beim Anblicke der herannahenden Juden in ihren Wohnstätten und in der russischen Schule. Die Kolonisten fanden jedoch die Beleidiger des jüdischen Kutschers und prügelten sie weidlich durch, um nach vollendeter Arbeit ruhig nach der Kolonie zurückzukehren» Das russische Konsulat beeilte sich zwar, von den türkischen Behörden die Bestrafung der Juden wegen angeblicher Demolierung der russischen Schule zu fordern, aber die Behörden von Tiberiada stellten fest, dass von einem Ueberfalle auf die russische Schule keineRede sei, dass die Juden nur die Beleidigung ihrer nationalen Ehre strafen wollten. Wir wollen diesen Vorfall nicht kommentieren. Dell jüdischen Patrioten sagt aber dieser Vorfall vieles . . . Gt,