Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 45 (7.11.1902)
- Article
- Bericht über die fünfte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust
- Date
- 1902-11-07
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 „Die # Welt" Nr. 45 Unsere Geschäftstätigkeit begann, wie bereits gesagt, erst mit diesem Jahre. Wir beschränkten uns bis jetzt hauptsächlich auf Wechseldiskont, Valuten-Geschäfte und Lombardvorschüsse gegen Staatspapiere. Ausserdem haben wir überall, wo es nur anging, jüdische Sparkassen vereine mit entsprechender Kreditgewährung unterstützt. Unser Umsatz war bis jetzt noch klein. Wir sind bei allen unseren Geschäften mit der grössten Vorsicht and Reserve Schritt um Schritt vorgegangen* Bis zum 30. September haben wir insgesamt rirea 240.000 Pfd. Steri, in Wechseldiskont umgesetzt, ausserdem haben wir circa 27.000 Pfd. Sterl auf Lombardvorsf-hüsse, circa 50.000 Pfd. Sterl. in Depots, sowie circa 25.000 Pfd. Sterl. in englischen Consols angelegt. Der Bruttogewinn bis Ende September beträgt circa 8200 Pfd. Sterl.. wovon die Gesamtkosten inklusive «ämtlicher Spesen mit circa 4700 Pfd. Sterl. abzuziehen sind, so dass uns ein Nettoüberschuss von 3500 Pfd. Sterl. für die 0 Monate dieses Jahres übrig bleiben. Verluste hatten wir keine. Die Haupteinnahmen stammen aus den letzten Monaten. In der ersten Zeit, bei Beginn unserer Tätigkeit war unser Umsatz und der damit verbundene Gewinn viel niedriger. In dieser Zeit herrschte auch auf dem ganzen europäischen Geldmärkte ein billiger Zinsfuss, der erst im Oktober einen erheblichen Aufschwung genommen hat. Unsere Kinnahmen steigen jetzt täglich und soweit wir jetzt schon übersehen können, dürfte unser diesjähriger Abschluss im? in den Stand setzen, die Verteilung einer Dividende von circa 3% der nächsten Generalversammlung vorschlagen zu können. Die vorjährige Generalversammlung hat beschlossen, in Palästina eine Filiale mit einem Maximalkapital von 400.000 Francs zu errichten. Nach langen eingehenden Verhandlungen haben wir die Anglo Palestine Company ins Leben gerufen und uns dabei vorläufig mit 4000 Pfd. Sterl. beteiligt. Diese Gesellschaft konnte bis jetzt aus technischen Gründen ihre Tätigkeit noch nicht aufnehmen. Wir hoffen aber, dass es bald geschehen wird. Auch mit den anderen Beschlüssen der Generalversammlung haben wir uns eingehend beschäftigt und soweit es nur möglich war, die Wünsche der Generalversammlung vollführt. Unsere ganze Aufmerksamkeit haben wir auf die Unkosten gerichtet und wo es nur anging, Ersparnisse eingeführt. Die Kosten in London haben wir bedeutend reduziert. Dieselben betragen für die neun Monate dieses Jahres circa 3800 Pfd. Sterl. gegen 7600 Pfd. Sterl. des vorigen ganzen Jahres. Die Kosten ausserhalb Londons inklusive ausserordentliche Ausgaben betragen für dieselbe Zeitdauer circa 800 Pfd. Sterl. gegen circa 1200 Pfd. Sterl. des vorigen ganzen Jahres. Nicht so günstig, wie wir erwarten durften, war der Shares-Verkaut. Es sind in diesem Jahre bis Ende September nur circa 10.000 Shares verkauft und verausgabt worden, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass viele Shares von dem im vorigen Jahre durch unsere Freunde zum Weiterverkauf erworbenen Shares-Stock direkt abgesetzt wurden. Geehrte Generalversammlung! Sie werden wohl zugeben müssen, dass wir volle Ursache haben, mit dem Anfang unserer Tätigkeit zufrieden zu sein und dass wir getrost in die Zukunft sehen können. Unsere Hauptarbeit muss jetzt sein, immer weitere Kreise für unser zionistisches Finanzinstitut zu interessieren und die Zahl der Aktionäre und der verkauften Shares zu erhöben. Je grösser diese wird, desto sicherer und nutzbringender wird damit unsere Bank und desto sicherer und rascher werden wir zum Ziele gelangen. Das Direktorium kann nur das ihm zugeführte Kapital verwalten. Das Herbeischaffen des Kapitals aber können nur Sie besorgen, wie Sie es auch bis jetzt schon getan und wie ich hoffe, auch fernerhin mit demselben Eifer und mit derselben Begeisterung, die uns Zionisten eigen ist, es tun werden. Nunmehr bitte ich Sie, die Jahresbilanz per 1901 und meinen Bericht zu genehmigen". Nach kurzer Debatte wurden der Bericht des Präsidenten, die Bilanz per 31. Dezember 1901 und die Zeugnisse der vereidigten Rechnungsrevisoren, auf Antrag des Herrn Dr. D. F a r b s t e i n-Zürich, unterstützt von Herrn Doktor Isidor Marmore k-Wien, einstimmig angenommen. Alsdann teilte der Präsident mit, dass statutenge mäss ein Direktor zurückzutreten habe und dass das Los gestern auf Herrn Hugo Urysohn gefallen sei. Der Präsident empfahl der Versammlung seine Wiederwahl, welche, unterstützt von Herrn Dr. Kokesch, auch einstimmig erfolgte. Herr Urysohn nahm die Wahl mit Dank an. Ein Antrag, welcher statutengemäss aus dem Schosse der Generalversammlung hervorgehen muss, auf Neuwahl der englischen vereidigten Rechnungsrevisoren, der Herren Jackson, Pixley, Browning, Husey & Co. in London, unter den üblichen Bedingungen, mit einem Honorar von 63 Pfd. Sterl. für die Revision, wurde auf Vorschlag des Herrn Dr. Isidor Marmorek, unterstützt von Herrn Dr. Simonsohn, einstimmig angenommen. Es entspann sich eine längere Debatte über einen 'Antrag des Herrn Jaroczynski (Lodz) betreffs Ernennung eines Revisionscomites aus der Mitte der Aktionäre selbst, ausser den vorerwähnten vereidigten Revisoren. Der Antrag wurde von Herrn Architekten Oskar Marmorek unterstützt und nachdem sich das Direktorium mit Vergnügen bereit erklärt hatte, ein solches Comite zu begrüssen, wurde eine sofortige Wahl vorgenommen, welche als Resultat die Ernennung der Herren Dr. D. Färb st ein (Zürich) und Jakob Hertz (Lodz) ergab. Hierauf beantragten die Herren Dr. Kornhäuser und Dr. S i m o n s o n in längerer Rede ein Dankesvotum an den Vorsitzenden und die Mitglieder des Direktoriums, welches auch einstimmig angenommen wurde und nach einem ähnlichen Antrage seitens der Herren Dr. Klee und Dr. A1 k a 1 a i zugunsten des Managers, des Generalsekretärs und des Londoner Personales wurde die Versammlung geschlossen. Die Bilanz, welche in der Generalversammlung erörtert wurde, ist aus einer früheren Publikation der Rohbilanz per Ende Dezember 1901> erschienen in der „Welt" Nr. 3 vom 17. Jänner 1902, bekannt. Für das laufende Jahr sind schon spätere Bilanzen, die letzte im Monate Juli per 30. Juni 1902 in der „Welt" Nr. 29 vom 18. Juli 1902 veröffentlicht worden. Zur Geschichte der Kolonisation des heiligen Landes, Vergilbte Blätter sind es, welche von dem heiligen Lande in Worten begeisterter Liebe sprechen, welche, ob^ wohl aus dem Jahre 1777 stammend, dennoch noch jetzt ein gewisses aktuelles Interesse besitzen. Denn in diesen vor hundertundfünfundzwanzig Jahren geschriebenen Briefen lebt heute noch der glühende zionistische Geist, welcher die Verfasser der Briefe auf ihre.n,Wanderungen durch das heilige Land geleitet.