Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-10-31 · 44 (31.10.1902) · p. 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
44 (31.10.1902)
Article
Ein Gesamtbild
Date
1902-10-31
Page
2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3316004-3325762--35411-3325886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 2 „Die & #elt" Nr 44 wird; deshalb bestimmte iiian die Einrichtung von Jahreskonferenzen oder, wie man sie populär nennt: kleinen Kongressen. jSPun haben die Erfahrungen der letzten Zeit die Richtigkeit dieser Ansicht vollständig bestätigt. Das schnelle Wachstum und das rasche Aufblühen des Zionismus, der Wettkampf nationalen Schaffens, die Versuche und Vorschläge, die Ziehung der Konsequenzen des Gegenwartsprogrammes, vor allem aber das Wesentliche, worin der Keim alles weiteren Fortschreitens liegt: die vom Zionismus geschaffenen Institutionen, förderten eine solche Masse von Problemen an den Tag, dass es undenkbar wäre, ihre Lösung bis zum nächsten Kongress aufzuschieben. Die Einberufung der Jahreskonferenz war also ein Gebot der Notwendigkeit und ein Merkmal der Entwicklung. Der Verlauf der Jahreskonferenz hat gezeigt, dass es Entstellung, Fälschung und völlige Umkehrung feststehender Tatsachen ist, wenn man von der Phantasterei des Zionismus noch jetzt hie und da spricht. Nur unter dem Druck der Zeitverhältnisse und der Notwendigkeit können Institutionen entstehen, nur wo ein realer, von Wirklielikeitssinn durchdrungener Boden vorhanden ist, kann man Arbeitskonferenzen, bar von jeder Schaustellung, Rednereffektcn und Massensuggestion, abhalten. Eine Bewegung, die nicht von sittlichem Ernst und edlem Eifer getragen ist, würde, ihrer Dekorationen beraubt, in erbärmlicher Nacktheit eines eigennützigen Treibens, oder höchstens als krauses Zeug einen abstossenden Eindruck machen. Nun hat aber der ernste, anregende Verlauf der Konferenz gezeigt, dass der Zionismus nicht nur idealistischer, moderner und fortschrittlicher ist, als die Quacksalberei des wirklieh don-quixotischen Assimilantentums, die an der Judenfrage herumpfuscht, sondern dass er, von einem gesunden und recht niodernen politischen Grundgedanken ausgehend, auch praktisch arbeiten kann. Während die Zustände anderswo in einer heillosen Weise zerfahren sind, besitzt der Zionismus eine geregelte, unternehmende und arbeitslustige Verwaltung. Ja, man erinnere sich, welch geschwollener Sturzbach von Hohn und Spott sich über die „Phantasten" ergossen hat und man stelle ihnen einen Geschäf tskongress entgegen, wie wir ihn jetzt abgehalten haben. Und noch eins muss hervorgehoben werden. Eine ganze Fabel wurde über die internationale, gegen die Interessen der Länder gerichtete Tätigkeit des Zionismus ausgesponnen, Die Mythenbildner, die augenscheinlich von dem bekannten Grundgesetze ausgehen: lügst du schon, so lüge dick, zitieren die Kongresse und Konferenzen der Delegierten verschiedener Länder als Bestätigung dieser Anklage. Nun beweist aber diese Argumentierung, wie sie die Dinge auf den Kopf stellen. Die Beteiligung der Delegierten verschiedener Länder beweist eben das Gegenteil von dem, was sie behaupten und namentlich, dass man die Tätigkeit an die Gesetze und Bedürfnisse der Länder anzupassen bemüht ist. Sämtliche Faktoren des Zionismus sind darin einig. Dieses war auch der vornehmste Grundzug der Beratungen der Jahreskonterenz. Die mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit geförderte Interessengemeinschaft des jüdischen Volkes soll nichts enthalten, was irgend einen Gegensatz nach aussen schaffen könnte. Eine bekannte Maxime lautet: der Erfolg ist der einzige Gott in der Politik, In Anbetracht der Portschritte, die der nationale Zionsgedanke gemacht, der Institutionen, die er geschaffen hat, hätte er das Eecht, sich auf diesen Gott zu berufen. Das könnte man aus den Berichten der Jahreskonferenz ersehen. Aber der Zionismus kann auf diese Berufung verzichten. Er beruft sich auf einen höheren Gott, auf den Gott der Väter, auf das Ideal der Gerechtigkeit, das ihm innewohnt. Mit diesem Bewusstsein sehreiten wir vorwärts* Kongresse und Konferenzen beantragen und Mschliessen „feejni grünen Tisch", im Leben zerstreut, unkenntlich ist die Arbeit! Dass sie gedeihe! Wien. TST. Sokolow. Bericht Uber die zionistische Jahre^KöWereliz. Die gemäss den Bestimmungen des § 28 des neuen Organisationsstatutes für den 29. Oktober nach .Wien einberufene Jahreskonferenz wurde an diesem Tage, Mittwoch 10 Uhr vonnittags, unter dem Vorsitz des. Präsidenten des A.-C. Dr. Theodor Herzl eröffnet. Anwesend sind: Die Mitglieder des Aktions-Komitees: Aus Wien: Dr. Th. Herzl, Dr. Kahn, Dr. Kokesch, Ing. Kremenezky und Arch. Marmörek. Aus Niederösterreich: Dr. S. Krenberger. Aus Böhmen: Rezek. Aus Galizien: Dr. Kornhäuser. Aus Ungarn: Dr. B. Oesterreicher. Aus Deutsehland: Dr. Klee. Aus Kussland: Prof. Belkowsky, Dr. Bernstein-Cohan, Dr. Bruck, Rechtsanwalt Jasinowsky, Dr. Jelski, Rechtsanwalt Rosenbaum, Ing. Ussischkin. Aus Rumänien: Dr. Lippe. Aus Bulgarien: Karl Herbst. Aus Serbien: Dr. Alkalay. Ferner die Bankdirektoren: Wolffsöhn (Köln), Bachrach (Warschau), Barbasch (Odessa), Dr. Katzenelsohn (Libau), Urysohn (Moskau). Die Bank-Governors: Feldstein (Warschau), Schalit (Riga), sowie der Manager D. Levontin und der Banksekretär James H. Loewe. Die Kassa-Revisoren Feldstein und Gewitsch, sowie der stellvertretende Revisor Podlischewski, dann die Obmänner der ständigen Kommissionen, und zwar von der Kultur-Kommission: für Russland: N. Sokolow (Warschau), für Oesterreich: M. Buber (Wien), für Deutschland: Dr. Th. Zlocisti (Berlin), für die Schweiz: Dr. Ch. Weizmann (Genf). Von der theoretischen Kolonisations-Kommission: Dr. E, Simonsöhn (Berlin), ferner der Obmann der Nätionalfonds-Kommission: Dr. D. Farbstein (Zürich), sowie mit beratender Stimme die Mitglieder der Nationalf onds-Kommission: Rechtsanwalt H. Bentwich (London) und Dr. J. W. Marmorek (Wien). An die Konferenz sind zahlreiche Begrüssungs-Telegramtne aus allen Teilen der Welt eingelaufen, und werden dankend zur Kenntnis genommen". Der Präsident des A.-C. hält die Eröffnungsrede, in der folgendes ausgeführt ist: Der Zionismus hat seinen Eroberungszug auch im letzten Jahre fortgesetzt und seine Anhängerzahl hat sich nicht nur allerorts vergrössert, sondern auch von vielen neuen Orten ein starkes Echo gefunden, sein Sitz sind heute alle von Juden bewohnten Gebiete. Mit der Stärke der Bewegung hält erfreulicherweise gleichen Schritt die Achtung und Würdigung, die der Zionismus sich in der öffentlichen Meinung zu erringen verstanden hat. Das Lächeln über unsere Idee ist längst verschwunden und in den ernstesten Kreisen wird diese ernste Bewegung nach Gebühr gewürdigt. Beweis dafür sind die Verhandlungen zur Realisierung unserer Idee, wenn sie auch bisher zu positiven Resultaten nicht geführt haben, was von unseren jüdischen Gegnern mit nicht einmal verhehltem Jubel verzeichnet und begrüsst worden ist, wobei die Gegner auch verschwiegen haben, dass auf türkischer Seite unseren Abgesandten und Vertrauensmännern das grösste Entgegenkommen bewiesen wurde. Aus den jetzi*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.