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Die Welt · 1902-10-24 · 43 (24.10.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
43 (24.10.1902)
Article
Ein Gymnasium in Lodz
Date
1902-10-24
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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Seile 8 tM&^teW^ Nrv43 Ein Gymnasium in Lodz. Der Lodzer Grossindustrielle Herr Jakob Hertz hat zur Verewigung des Namens seines verstorbenen Sohnes Leon 150,000 Rubel für die Eß?ifthtung eines Gymnasiums, in Lodz ausschliesslich für Juden gewidmet. Das Gesuch wurde bereits bei den entsprechenden Behörden eingereicht. Ein Unentwegter. Im Gymnasium von Kolomea lehrt ein jüdischer Supplent die deutsche Sprache. J. Klin g er ist sein Name. Als ihm die Schüler seiner Klasse zum jüdischen Neuen Jahre beglückwünschten, war der Herr Supplent entrüstet über das taktlose Benehmen seiner Glaubensgenossen und erwiderte mit folgenden Worten: „Ich bin ein zivilisierter Europäer und feiere diesen Feiertag nicht. Wenn ich mit meinen Kindern und Enkeln in Palästina wohnen werde, so werde ich ihn feiern." Der Herr Klinger ist als* konsequenter Mensch auch am Neujahrstage in die Schule gekommen zur nicht geringen Verwunderung seiner „arischen" Schüler. Jüdisches Theater in Buenos Ayres. Eine jüdische Theatergesellschaft aus New-York gibt eine Reihe von Vorstellungen im wLibertad-Theaterö in Buenos Ayres und erfreut sich reichen Besuches, wie sie auch das lebhalte Interesse der Kicht-Juden und ihrer Presse erregen. Bildende Kunst in der Synagoge. Der Tempel „Keneseth Israel" in Philadelphia (Rabbiner Dr. Krauskopf) ist neuerlich renoviert woiden. Bei dieser Gelegenheit sind vier Wandgemälte angebracht worden, welche vier hauptsächliche Momente aus der Bibel und der Geschichte der Juden zur Darstellung bringen. Diese vier Momente sind die folgenden: Moses führt das Volk Israel durch das Rote Meer, Moses bringt die zehn Gebote vom Berge Sinai, der Fall von Jerusalem und Jeremias' Klage, und die Grundsteinlegung zum zweiten Tempel. Der gegenwärtig in Pittsburg in Ausführung begriffene Tempel des Rabbi J. Leonard Levy wird ebenfalls bildlichen Schmutk erhalten. Juden für eine christliche Kirche. Eine in grossen Geldnöten befindliche Kirchengerneinde in Brooklyn wendete sich in einem öffentlichen Aufrufe an die Juden, ihre Kirche vor Versteigerung zu bewahren. Rabbi B. Drachman stellte sich an die Spitze eines Komitees, welches unter den&Juden diesem Appell Folge leisten will. Nationalisierung einer jüdischen Arbeiter-Assoziation. Die Internationale Bäcker-Union in London beschloss, sich hinfort Jüdischnationale Bäcker-Union zu nennen. Der „Jewish Chronicle" ver- " spottet diesen Beschiuss und nagt, ob er den Arbeitern etwas nützen werde? Es ist der erste Schritt zu einer Gesundung, für die freilich dem „Jewish Chronicle* das Verständnis abgeht. Die Juden in Korea. Selbst die äusserste Spitze des fernsten Ostasien, eiskalte und von feuchten Nebeln eingehüllte Halbinsel kann bereits eine jüdische Bevölkerung aufweisen. Die Juden Koreas sind freilich nicht in Korea selbst, sondern in weit davon entfernten Ländern geboren. Ihre Wiege stand einst in den Ghetti von Russland, Galizien und Rumänien und nur durch die Judennot sind sie nach dem fernsten Osten verschlagen worden. Die meisten von ihnen kamen über London und Indien, andere über New-York, San Franzisko und Japan, einige auch über das weglose Sibirien nach Korea. Sehr interessant ist das Schicksal mancher Juden, welche über Shanghai nach Korea gelangt sind, da sie erst in China, Sumatra, Borneo und Java gewesen sind und erst nach manchem Misserfolg und zahlreichen Schicksalsschlägen in Korea eine Zuflucht gefunden haben. Gegenwärtig dürfte Korea gegen 300 jüdische Familien aufweisen, die unter den „gottlosen Heiden" weit ruhiger und wesentlich glücklicher leben als früher in den Ländern der Religion der Liebe". Die Koreaner erkannten nämlich sehr bald in den Juden ein wertvolles Element, das den Handel belebte und dem Verkehr in den Plätzen ihrer Niederlassung einen nie geahnten Aufschwung gegeben, in Korea den russischen Zucker, Spiritus und Petroleum eingeführt und die Koreaner mit den Erzeugnissen der Lodzer Industrie bekannt gemacht hat. Ausserdem haben die Juden eine grosse Anzahl von bis dahin in Korea gänzlich unbekannt gewesenen Handwerken eingeführt, so dass sie im edelsten Sinne des Wortes Kultur nach dem Osten getragen haben. Kein Wunder auch, dass Volk und Regierung von Korea die Juden mit Freuden begrüssen und. es sehr gern sehen, wenn die beiden Gemeinden in Söul und Masampo sich durch neue Einwanderungen immer mehr vergrössern. Eine grössere Propaganda für die Emigration der Juden nach Korea wird von dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Söul betrieben, einem österreichischen Juden, der vor kaum 12 Jahren über Hongkong nach Söul kam und durch rastlose Bemühungen es dahin gebracht hat, dass die Juden dieses Ortes sich zu einer regelrechten Gemeinde mit Synagoge, .Schoehet und Chasan organisiert haben. Eine gleiche Organisation dürfte bald auch in Masampo zustande, kommen, so dass .Korea demnächst wohlorganisierte jüdische Gemeinden wird aufweisen können. Namensänderungen in Ungarn. Der Bericht des ungarischen Ministeriums des Innern über die Magyarisierung der Namen im ersten Halbjahre 1902 ist jüngst ausgegeben worden. Am unzufriedensten scheinen darnach dieK o hn s mit ihrem Namen zu sein, da in der ersten Hälfte des Jahres 1902 nicht weniger als 95 Kohns neue, natürlich vollklingende magyarische Namen annahmen. Die Glücklichen! ^Fibän«. Jüdische Mädchen und Frauen! Die jüdischen Vereine nehmen ihre Tätigkeit mit neuer Schaffensfrei.de auf. Als einer der ersten wird der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen vMoria* Sonntag den 26. d. M. im Religionssaale der israelitischen Kullusgemeinde, I.,Seil enstettengasse 2, 2. Stock, seine literarischen Nachmittage wieder aufnehmen. Der Verein „Moria*4 erfreut sich wegen seiner langjährigen, erfolgreichen Tätigkeit der allgemeinen Beliebtheit in den weitesten Kreisen. War es doch die ,Moria", die als eine der ersten die jüdischen Mädchen und Frauen aus dem tiefen Schlafe des Vergessens an die Liebe zum eigenen Volke, an die Kenntnis der Vergangenheit und Literatur der eigenen Nation wachzurütteln versuchte. Es gelang ihr auch, durch ernstes Bestreben das Nationalgefühl ihrer Schwestern zu wecken, indem sie ihnen nicht nur Gelegenheit gab, durch Belehrung und Einblick in die kostbarsten Schätze der jüdischen Literatur diese würdigen zu lernen, sondern?ie hat ihnen den Beweis erbracht, dass wir nicht nötig haben, fremde Gesellschaft aufzusuchen, vielmehr uns im eigenen jüdischen Kreise dieselben geistigen Genüsse bieten können, ohne uns der Gefahr preiszugeben, als Eindringlinge insultiert und verachtet zu werden. Ein festes Band der Zusammengehörigkeit um&chliesst nicht nur die zahlreichen Mitglieder, auch unsere stets getreuen Gäste fühlen sich innig verknüpft mit unseren Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft unseres Volkes. Für deren Verwirklichung rastlos zu kämpfen und zu arbeiten haben wir uns zu unserer hehren, idealen Aufgabe gemacht Jüdische Mädchen und Frauen, die ihr bis jetzt den zionistischen Vereinen ferne gestanden habt, es ist eure heilige Pflicht, Euch an dem Wiederaufbau des Judentums zu betätigen. Suchet die jüdischen Mädchen- und Frauenvereine auf. Ihr werdet reichlich lohnende Arbeit finden und euch des nie gekannten, beseligenden Bewusstseins erfreuen, für die Befreiung des eigenen schwer bedrückten Volkes eine Lanze gebrochen zu haben. Der Verein „Moria" erlaubt sich anlässlich der Wiederaufnahme seiner literarischen Nachmittage alle jüdischen Mädchen und Frauen recht herzlich einzuladen, den Vorträgen beizuwohnen. Von unserer erhabenen Idee geleitet, wollen wir mit ganzem Herzen der Hoffnung Raum geben, dass auch unsere neueing«führten Gäste die in unserer Mitte verlebten Stunden nicht zu dtn verlorenen zählen werden. B. H. * Erklärung. Da die Angelegenheit, über die an dieser Stelle die Herren Lilien und Hi ekl ihre Meinungen austauschten, nunmehr von ersterem dem Kongressgerichte übergeben worden ist, beschränke ich mich heute darauf, gegen den Missbrauch meines Namens, den Herr Hickl durch die unkorrekte und unrichtige Wiedergabe einer Mitteilung begangen hat, entschieden Verwahrung einzulegen. Lemberg. Martin Buber. Anlässlich des Ablebens meiner innigstgeliebten Mutter erlaube ich mir, all den vielen, die durch Beteiligung am Begräbnisse ihre Teilnahme zeigten, auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank auszudrücken. Leopold Sitzmann. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Die in Nummer 40 ausgewiesene Spende des Vereines „ Bnei Zion" in Tulcea von 250 Lei soll richtig heissen: Sektion „B'neh Zion* J. H. Elim an in Tulcea. Dn & Goldflamm K 252.—. Synagoge „Tomchei Chesed" in Minsk K 252.—. Zionistenverein in Radom K 252. —. Zionistenverein in Kolo K 239.40« J a. J. L i a s c y n s k i K 252.—. Das Empfangskomitee der Damen am Kongress K 239.40. ....... j . .

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