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Die Welt · 1902-10-17 · 42 (17.10.1902) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
42 (17.10.1902)
Article
Bericht der jüdischen Delegierten, die an der Venediger Vorkonferenz der "Corda Fratres" teilnahmen
Date
1902-10-17
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 42 „Die & WefiflP Seite 7 Die anderen Sitzungen sind für uns nur von relativer Wichtigkeit, darum wollen wir sie auch nicht ausführlich behandeln;Wir mochten nur bemerken, dass wir auch später öfcers das Wort ergriffen haben und in allen Fragen im Sinne unserer Prinzipien gesprochen haben. Während der heftigsten Debatte ersuchte uns ein Franzose, in die französische Sektion einzutreten. Wir dankten und erklärten, wir seien ebenso eine Nation wie die Franzosen. Nachdem die meisten aus diesem Grunde von einer „Section juive" nichts wissen wollten, weil sie fürchteten, dass die Protestanten und Mohamedaner ebenfalls auf eine eigene Sektion Anspruch hätten, da mussten wir wieder erklären, dass wir uns als Nationalität und nicht als Religionsgenossensehaft gruppierten und um jedem Miss Verständnisse vorzubeugen, verlangten wir eine „Section nationale juive". Abgesehen von den Sitzungen der Konferenz, haben wir auch einen anderen Erfolg zu verzeichnen. Unser Protest, den italienischen Juden gegenüber, die die rumänische Trikolore trugen, hatte den gewünschten Effekt. Nur wenige von den italienischen Juden hatten früher von unseren nationalen Bestrebungen gewusstv nur wenige hatten von der Judenfrage in Rumänien gehört. Ein charakteristisches Beispiel für den Effekt unseres Auftretens ist, dass ein Italiener ingrösster Rührung uns erklärte, er sei von seinen Eltern getauft worden, verpflichte sich aber, von jetzt an Jude zu bleiben und seinen Kindern eine jüdische Erziehung zu geben. Während der Fest Vorstellung kamen jüdische Notabilitäten in unsere Loge, um uns mit „Schalom alejchema in Venedig zu begrüssen. Der Präsident der „Corda Fratres" entschuldigte sich bei uns wegen der Wahl des Stückes — es wurde der Kaufmann von Venedig gespielt — er beteuerte, dass man uns damit nicht verletzen wollte, man habe es deshalb gewählt, weil die ganze Begebenheit in Venedig spielt. Von individuellen Bekehrungen könnten wir noch viele Beispiele geben, unsere blau-Weisse Schärpe wirkte ansteckend. Viele Juden, welche vergessen hatten, dass sie Juden sind, erinnerten sich daran. Wir können nicht alle Details angeben, aber wir versichern, dass sie der Judenfrage nicht unnützlich waren. Die Vertreter der meisten italienischen Zeitungen verlangten von uns Aufklärungen und brachten auch tagsdarauf sehr ausführliche Artikel. Der nächste Kongress wird im Gegensatz zur Venediger Konferenz beschlussfähig sein. Sache der jüdischen Studentenschaft wird es sein, aus unserer Spktion einen grossen jüdischen Studentenbund zu bilden, der schon durch die Zahl seiner Mitglieder sich den Namen „Section nationale juife" erzwingen würde. Wir bitten deshalb die jüdischen Studentinnen und Studenten, welche sich als Juden fühlen, ohne Unterschied der politischen Meinungen, sich schon jetzt in unsere Sektion einschreiben zu lassen. "Die Delegierten. Pei*5oi)a1i)acbi*fcbfci)* Unser geschätzter Freund Dr. jur. Börries Freiherr von Münchhausen auf Windischleuba hat sich mit Frau Anna Crusius, geb. von Breitenbauch auf Sahlis verlobt. Weft^bFonik. Die Politik ais Pflicht. Fr. Naumann schreibt in „Die Hilfe- (Nr. 30, 1902): „Es ist merkwürdig, wie wenige Menschen sich ernstlich mit Politik beschäftigen. Man vergegenwärtige sich doeh einmal den Zustand im Lande! Wenn ein hervorragender Redner kommt, ist natürlich der Saal gedrängt voll, aber die gewöhnlichen laufenden Versammlungen aller Parteien sind gering besucht. Die politischen Vereine haben oft eine Mitgliederzahl, die mit den Wahlstmimen ihrer Partei in gar keinem Verhältnis steht und selbst die vorhandenen Mitglieder sind lau und interesselos. Das trifft selbst bei den Sozialdemokraten zu, wenn auch nicht ganz so sehr wie bei den bürgerlichen Parteien. Die Politik erscheint als Nebensache. Jedes Schützenfest ist wichtiger. Es fehlt das politische Pflichtgefühl. Dieses Pflichtgefühl ist aber an sich eine grosse Sache. Ein Volk, das seine Politik nicht ernst nimmt, verdient, dass ihm eine schlechte Politik gemacht wird. Glaubt man, dass ein Volk, dem die Politik zur Nebensache und zum Geschwätz geworden ist, grosse politische Köpfe aus sich erzeugen und unterstützen kann? Und wie viel verliert jeder, der politisch gedankenlos lebt! Er ist ein totes Glied seines Volkes!tf Eine Kritik der rumänischen Finanzen. Das „Berl. Tageblatt" veröffentlicht ein sensationelles Interview mit einem hervorragenden rumänischen Finanzmann oppositioneller Richtung, der ein äusserst düsteres Bild von der Zukunft der rumänischen Finanzen entwirft. Neben wirren politischen Kombinationen findet sich eine treffende Charakteristik der Stellung der deutschen Bankwelt zu Rumänien. Bemerkenswert sind folgende Stellen des Interviews :■• Die anderthalb Milliarden rumänische Staatsschuld sind fast ausschliesslich in deutschen Händen. Wenn man nun das Geld für die fälligen Schatzbons nicht gibt, sind unsere Papiere Makulatur und nicht wir sind um anderthalb Milliarden ärmer, sondern das deutsche Kapitalistenpublikum, das keine Abnehmer für rumänische Papiere finden könnte. Ich glaube nicht, dass irgend jemand Sehnsucht nach unseren Papieren hat. Die Deutschen werden daher unsere Papiere schon behalten und weiterborgen müssen. Rumänien zahlt die Zinsen der Staatsschuld nur so lange, als das Ausland ihm Geld dazu gibt. Wir können selbst in guten Jahren das Defizit nicht verschwinden machen. Es wird jetzt gespart, damit halbwegs günstige Ausweise dem Ausland wieder Vertrauen einflössen. Unseren Eisenbahnen fehlt das Geld für die notwendigsten Investitionen. Ursere Soldaten gehen in Lumpen. Auch ein Kabinetswechsel kann hier nicht dauernd Aenderung schaffen. Rumänien ist ein passives Unternehmen, in das man so lange Geld hineinstecken muss, bis es vielleicht aktiv wird. An diesen Verhältnissen ist das Ausland schuld, das uns das Geld geradezu aufgedrängt hat. Bei Lebzeiten des Königs wird der Kupon allerdings unbedingt bezahlt werden, weil die Existenz der Dynastie auf dem Spiele steht. Wenn es nicht gelingt, eine Anleihe vor 1904 aufzutreiben, sind wir insolvent. Erdölvorkommnisse Mesopotamiens. Die Erdölvorkommnisse Mesopotamiens sollen nach uhaouriz im „Echo" sehr zahlreich, aber noch so gut wie nicht benützt sein. Auf eine Erstreckung von ungefähr 1500 Kilometer von Mossul bis an die Berge Arabistans sind verschiedene bedeutende Lager bekannt; im Norden, in der Gegend von Mossul und Kerkouk, existieren recht viele Oelquellen, die aber bisher noch keine befriedigenden Resultate geliefert haben sollen, auch nicht ernstlich bearbeitet wurden. Im Vilajet Bagdad liegen die zur Zeit te 'eutendsten Oelvorkommnisse zirka 120 Kilometer in Nordost von der Hauptstadt, ungefähr in der Mitte zwischen Mendoli und Schanokine; es sind dies ungefähr 30 Quellen oder Spalten, durch die das Oei zutage tritt. Vor einigen Jahren verpachtete die Regierung dieselben für die jährliche Summe von60.000 Piastern; der Pächter erhob von den Karawanen, die das Rohöl gewannen und in Schläuchen nach Mendoli und Bagdad schafften, eine Abgabe. Jetzt befasst sich die ottoraanisehe Zivilliste damit; im Sommer werden monatlich zirka 16.000 Kilogramm, im Winter 13.000 Kilogramm Oel gewonnen, was einer mittleren Tagesproduktion von 500 Kilogramm entspricht. Eine andere wirkliche Oelgewinnung findet gegenwärtig nicht statt. Die kleinen Schächte sind mit salzigem Wasser angefüllt, über dem sich das Oel nach und nach ansammelt, das also in geringer Tiefe unter der Oberfläche vorkommt und mit der Hand gewonnen werden kann. Irgend eine Ralfinerie besteht nicht; in Mendoli befindet sich nur ein kleiner, ganz einfacher Destillierapparat, der 130 Kilogramm aufnimmt; da hierbei aber jede chemische Reinigung wegfällt, behält das Oel seine braune Farbe und den schlechten Geruch bei, so dass jede Konkurrenz mit dem fremden Produkt "ausgeschlossen ist; es wird hauptsächlich bei Pferden und Kamelen zu Heilzwecken angewendet, und nur die Araber und die armen Städter benützen das Material auch zur Beleuchtung, Durch tiefere Schächte und eine ordentliche Raffinerie aber könnte hier leicht Aenderung geschaffen werden; auch müsste dieses Produkt billiger als das russische werden Anfangs 1895 kosteten 30 bis 32 Kilogramm Baku-Oel in Bagdad 25 bis 28 Piaster, einige Monate später das Doppelte und zu Anfang des letzten Winters das Vierfache, also in 5 Jahren eine Steigerung von zirka 200 Perzent. In Bagdad werden jährlich ungefähr 6000 Fass Petroleum von obiger Grösse eingeführt, die 4000 türkische Pfund kosten. —y. Die Eintragung Zolas ins goldene Buch des Nationalfonds wird schon seit längerem vom Pariser Verein „Mevasereth Ziontt bezweckt und es wird auch inA diesem Verein dafür gesammelt. Die Zionisten von Manicoas am Madeleinflusse (Nebenfluss des Amazonas) haben in diesem Jahre wieder 140 Frcs. als Schekelgelder und 10 Frcs. als Nationalfonds-Spende eingeschickt.

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