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Die Welt · 1902-10-17 · 42 (17.10.1902) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
42 (17.10.1902)
Article
Das Organ des Fürsten Uchtomsky gegendie Gegner des Zionismus
Date
1902-10-17
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. M ,1016 # Welt" Seite? 3 kulturelle Bedeutung des Zionismus hervorhebt, jenen Behauptungen den Boden entzieht, welche dahin gehen, dass der Zionismus Fanatismus predige. Aber auch die Tatsache allein, dass ein von hochgestellten Russen geleitetes streng russisches Blatt die Bedeutung des Zionismus in kultureller und ökonomischer Hinsicht rückhaltlos würdigt, ist von symptomatischer Bedeutung für die Stellung, welche sich der Zionismus trotz vieler Anfeindungen und Gegnerschaften errungen hat. Gt. Einfuhr-Verbot der Shares der Jüdischen Kolonialbank in Russland. Das Amtsblatt der russischen Regierung vom 3. Oktober 1. J enthält eine im Einvernehmen mit dem Minister des Aeussern erlassene Verfügung des russischen Finanzministeriums, welche die Einfuhr der Aktien der Jüdischen Kolonialbank nach Russland verbietet. Wir wollten diese Nachricht, die uns schon früher von einzelnen unserer russischen Gesinnungsgenossen übermittelt wurde, nicht vor Erhalt, der offiziellen Verlautbarung publizieren, da wir angesichts des uns bisher bezeugten Wohlwollens der russischen offiziellen Kreise, das erst unlängst durch die Bewilligung des allrussischen Zionistentages in Minsk sich kundgab, die Richtigkeit des Sachverhaltes anzweifelten. Indessen sind wir der festen Hoffnung, dass unsere Bemühungen, die russische Regierung, die offenbar unrichtig informiert ist, über die Zwecke unserer Bank aufzuklären, den Erfolg haben werden, dass das Verbot in Bälde zurückgenommen werden wird. * Russische Pressstimmen über das Verbot der Einfuhr der Aktien der Jüdischen Kolonialbank nach Russland. Aus den Urteilen, welche die uns vorliegenden russischen Blätter über das gegen* die Einfuhr von Aktien der Jüdischen Kolonialbank gerichtete Verbot des Finanzministers Witte fällen, geht deutlich hervor, dass die Massnahme weder gegen den Zionismus* noch gegen die künftigen Ziele der zionistischen rupsipchen Juden gerichtet ist. So schreibt die uns vorliegende Petersburger Wochenschrift „Buduschznostju: „Die dieser Tage publizieite Verordnung des Finanzministeriums über das Verbot der Einfuhr der Aktien der Jüdischen Kolonialbank nach Russland hat verschiedene' Gerüchte wachgerufen, welche nur durch das ungenügend aufmerksame Lesen des Wortlautes der Verordnung erklärt werden. Aus dem Wortlaute ist ersichtlich, dass die Verordnung im Einvernehmen des Finanzministeriums mit dem Ministerium des Aeussern ohne Teilnahme des Ministeriums des Innern erflossen ist. Sie ist überdies vom 12. August datiert, d. h. vor der Eröffnung des Zionisten-Kongresses in Minsk, der mit gehöriger Erlaubnis stattgefunden hat. Auf dem Minsker Kongresse wurden unter anderem ziffermässige Belege und tatsächliche Daten über die Tätigkeit der Jüdischen Kolonialbank verlautbart, welche für die völlige Sicherheit der von der Bank eingesammelten Summen, die hauptsächlich in erstklassigen russischen Kreditinstituten erliegen, deutlich sprechen. Mit Eröffnung einer Abteilung dieserBank in Russland (unter entsprechender Kaution, welche ausländische, in Russland operierende Aktiengesellschaften erlegen müssen) wäre die Thätigkeit der Bank allen sichtbar, unbegründete Befürchtungen hätten keinen Platz." Auch die Petersburger „Nowosti" widmen dem Verbote längere Artikel, in welchen sie nachweisen, dass Russland das gr.össte Interesse habe, die Auswanderung der Juden nach Palästina zu fördern. Das assimilatorische russische Blatt, schreibt -■ darüber wörtlich: „Es ist begreiflich, dass die Massenauswanderung von Juden nach Palästina ohneu «Unterstützung der europäischen Regierungen unverwirklichbar ist, Russland hat mehr als alle anderen Staaten Grund und Anlass* diese Auswanderung zu fördern. Erstens lebt in Russland die Mehrheit des jüdischen Volkes, so dass jedwede Aufrollung der jüdischen Frage Russland mehr interessiert als alle andere Länder. Ferner befinden sich die Juden in Russland in einer ganz besonderen Lage: sie sind hinter einem besonderen territorialen Striche eingesperrt. Die Folge dieser Beschränkung ist,;dass. die jüdische Masse in Russland sich in äusserst ungünstigen ökonomischen Verhältnissen befindet. Endlich ist den Juden in Russland die Möglichkeit genommen, sich frei bilden oder einem Gewerbe und Erwerbe nachgehen zu können. Somit muss der Gerechtigkeit gemäss jener Staat, welcher 'die meisten Beschränkungen gegen die Juden aufweist, die Auswanderung der Juden nach solchen Ländern, wo sie als Juden ein befriedigendes Leben führen könnten, am meisten fördern." Am Schlüsse ihrer Ausführungen weisen auch die „Nowosti" auf die Tatsache hin, dass das Verbot vor dem Zusammentritt des Zionisten-Kongresses in Minsk erflossen ist, so dass es nicht als eine gegen den Zionismus gerichtete, sondern: nur als eine rein fiskalische Massnahme betrachtet werden muss. * Aus Anlass des Einfuhrverbotes der Kolonialbank- Shares nach Russland erzählt der „Jew. Chr." folgenden lustigen Vorfall, der sich bei einem englischen Zollamt zugetragen hat: Ein Paket mit unseren Nationalfonds-Marken wurden bei diesem Zollamt deshalb saisiert, weil das Wort ,,j-P2c" al,s — japanesisches Wort angesehen wurde und eine Verordnung existiert, welche Erzeugnisse der japanesischen Literatur nur unter Beischluss einer Erklärung einzuführen gestattet Jehuda Leib Gordon. Man kann die Behauptung aufstellen, dass eine Nation umso grösser und entwickelter ist, je mehr sie die Grossen zu würdigen wei$s, denn nur da, in den Erinnerungen an sie, die Kulturschaffer, die geistigen Leiter, erhobt sich die Menschheit von dem alltäglichen Lnbenstaumol, erschaut neue, höhere Ziele und schreitet auf sie zu. Das jüdische Volk feiert in diesen Tagen die Erinnerung eines seiner grössten Dichter der neuesten Zeit, Jehuda Leib G o r d o n's. Was war G o r d o n, welche Bedeutung hatte seine Tätigkeit für das jüdische Leben, für die jüdische Kultur? G o r d o n war ein Dichter, der grösste Dichter des jüdischen Volkes nach Jehuda Halevy. Es gibt Dichter, die nur für ihre Zeit schreiben, die nur den extremeren Stimmungen ihrer Umgebung lauschen und ihnen ihre Sänge, ihre Töne entlocken; solche Dichter sind Eintagsfliegen; sie reissen die Zeitgenossen hin, verschwinden aber mit ihrer Generation und nichts von ihnen überlebt sie, übergeht in das grosse Buch der Menschheit. Es gibt aber wieder andere, die heutzutage nur allzu selten sind, die mit ihrer Zeit in keiner Fühlung stehen; dies sind die Dichter der Zukunft, die erst nach dem Ableben zur Geltung gelangen, anerkannt und gewürdigt werden, dies sind die wahren Kulturschaffer. Und nur wenigen Dichtern ist es vorbehalten, diese beiden Extreme in sich zu verbinden, der Gegenwart und der Zukunft zugleich anzugehören, Sänger und Geber zu sein — wie ein antiker Vates. Ein solcher Dichter war in unserer hebräischen Literatur J. L. Gordon. Welche war die dichterische Physiognomie Gordons? War er Lyriker, Epiker, Plastiker? Goethe, sagt Carlyle, war der Redner, „Spokesman", seiner Zeit; er war das Echo der Freuden und Schmerzen, er war der geistige Führer der Wortführer. Eine solche Definition könnten wir auch von Gordon geben. J. L. Gordon war zwar kein Dichter wie Goethe, er besass weder dessen Formtalent, noch sein dichterisches Naturgefühl, er hatte nicht den genialen Adlerblick, der

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